Ein Spaziergang in Mailand ... Teil 3

Es geht kreuz und quer weiter durch die Gässchen von Brera. So heißt dieses ehemalige Künstlerviertel. Die Künstler sind ausgezogen, aber die Kunstgalerien sind geblieben. Sie sind genauso interessant wie die kleinen Läden, die wirklich alles Mögliche und Unmögliche in ihrem Sortiment haben.

 

Man kann aber auch gleich die innere Umgehungsstraße, Foro Bonaparte, überqueren und steht vor der mittelalterlichen Stadtburg. Am geeignetsten für den WOW-Effekt ist der Haupteingang. Er ist nicht zu übersehen. Eine riesige Fontäne mit einem erfrischenden Wasserspiel bildet stets einen kühlenden Blickfang inmitten des schwülheißen Mailänder Sommers.

 

Durch das Haupttor geht es in den Innenhof. Er ist umringt von zahlreichen Museen, in denen es nicht nur um die Historie der Stadt geht. Bleibt man auf dem breit angelegten mittleren Weg gelangt man in einen großen Park. Der Blick fällt zwingendermaßen auf das Siegestor am anderen Ende. Verfolgt man die einladenden Spazierwege auf der rechten Seite kommt man schließlich in einem spektakulären Aquarium an.

 

Auf der linken Seite des Parks befindet sich aber ein Turm. Keine anziehende Schönheit. Dafür wird der Besucher bei schönem Wetter mit einer einmaligen Aussicht belohnt: wenn der Himmel gütig ist, kann der Blick bis auf die Schweizer Berge im Norden, den Piemont im Westen, die Reisfelder im Süden und die Poebene im Osten schweifen!

 

Ganz links, zwischen Turm und Burg steht ein weiteres Beispiel der Jugendstilarchitektur, die viele Gebäude in Mailand kennzeichnet. Die „Triennale“ ist das Museum der Moderne mit denkmalgeschützter Jugendstilfassade. Dort ist allein schon das Cafè einen Besuch wert.

 

Wer lieber bei der Historie bleiben möchte (und noch ein wenig Energie hat) kann, gegenüber der Triennale, den Hügel erklimmen, die Eisenbahnbrücke überqueren und in die via XX Settembre mit ihren wunderschönen alten Stadtvillen einbiegen. Hält man sich links kommt man in die via Bocaccio. Dort kommt man nicht an „Chocolat“ vorbei!  Hier wird nur (!) Schokolade verarbeitet. Im Sommer wie im Winter sammelt sich dort oft eine Menschentraube. Dutzende von Kuchen- und Eisvarianten sind die einzukalkulierenden Wartezeiten wert.

 

Wir befinden uns hier in einem der vornehmsten Wohnviertel. Weiter vorne ist der Piazza Cadorna, der Platz vor dem Nordbahnhof, mit seinem umstrittenen Monument der Architektin Gae Aulenti. Eine immense Nadel mit einem verschlungenen Faden soll die Welt ... verbinden...

 

Sehenswerter wäre der Hauptbahnhof. Ein Meisterwerk des Jugendstils. (Aber bitte nur von außen. Und mit größter Vorsicht auf Taschen und Wertsachen. Besonders der Platz davor ist voller Zigeunerkinder, die ganz frech klauen, trotz Videoüberwachung.)

 

Viele Reiseführer halten das „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci neben der Kirche „Santa Maria delle Grazie“ in Corso Magenta immer noch für eine Sehenswürdigkeit. Hat man seine Eintrittskarte nicht schon Wochen vorher bestellt, kommt man kaum hinein. Der asiatische Tourismus boomt auch hier. Aber: nicht nur einer der größten italienischen Kunstexperten, auch viele Mailänder sind sich bewusst, dass von dem Fresko kaum etwas übrig geblieben ist. Leonardo malte mit Temperafarben, also mit Wasserfarben. Die überstehen keine Jahrhunderte. Deshalb wird es heute scherzhaft „das Abendmahl“ der Frau Dr. Brambilla genannt. Sie restaurierte das Fresko und trug sehr üppige Farben auf. Man sieht es wieder, aber ist es noch das Original?

 

Von Leonardo da Vinci ist auch ein gigantisches Pferd ausgestellt. Das erstaunliche an seiner Größe ist der einzige Bronzeguss aus dem es gegossen wurde. Es steht draußen, neben dem San-Siro-Stadion, (bitte fragt Niemanden nach dem Meazza-Stadion. Dieser Name ist völlig unüblich), unübersehbar im Eingang der Galopprennbahn. Die steht auch unter Denkmalschutz, weil ihre Gebäude, wie kann es anders sein, im puren Jugendstil erbaut sind.

 

Und bald wird die Stadt ihren Bogen ins dritte Jahrtausend gespannt haben. Der Isozaki-Turm ist bald fertig. Zwei weitere sollen folgen. Sie werden die Stadt genauso prägen wie ihre antiken Gebäude.

 

Vielleicht ist es dem einen oder anderen aufgefallen, wie sehr ich diese Stadt liebe ...

 

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