Von Psychospielchen und Leseproben

Vor einiger Zeit bin ich der Einladung eines netten Leserspielchens auf Facebook gefolgt:

 

“Nehmt das Buch in die Hand, das am nächsten bei euch liegt. Schlagt es auf der Seite 33 auf und lest die ersten drei Sätze. Sie werden eurem Gemütszustand entsprechen.“

Da ich im Laptop war und mein E-Book „Die Edelsteinsammlung“ natürlich hier drin gespeichert ist, öffnete ich diese Datei und folgte den Anweisungen.

Auf Seite 33 las ich die ersten drei Sätze:

 

Annalisa hörte auf zu atmen. Sie fühlte sich den Bruchteil einer Sekunde lang scheu und verlegen. Ihr Gesicht verriet ihre innere Unruhe nicht.


Ich muss zugeben, die Überraschung war gelungen. Nie und nimmer hätte ich mir vorgestellt, gerade an dieser Stelle Sätze lesen zu können, die eine Emotion beschreiben. Zufall? Mag sein. Aber in jenem Moment war ich schon ein wenig sprachlos.

Mit diesen kurzen Sätzen hatte ich ein neues Kapitel begonnen. Ich schilderte die Autokontrolle meiner Hauptdarstellerin. Eine Situation, die auch im Leben oft nachvollzogen werden kann. Wie oft versucht man täglich, seine eigenen Emotionen zu schützen, zu verbergen. Dem Gegenüber will man häufig nicht eingestehen, was man wirklich empfindet.

Im Internet wimmelt es nur so von Psychospielchen. Dennoch bin ich der Aufforderung zu diesem, wohlgemerkt, literarisch basiertem Spaß-Spiel gerne nachgegangen.

Vor dieser interessanten Erfahrung hatte ich einmal die Seite 88 als Leseprobe für eine meiner Werbeseiten ausgesucht. Schließlich ist die 8 als Glückszahl bekannt.


»Dann fehlt ihrer Sammlung anscheinend viel weniger, als ich es angenommen hatte. Verzeihen Sie meine vorschnellen Deduktionen. Ich werde meine freien Tage für einen Kurzurlaub nutzen. Den habe ich dringend nötig!«

Schon bei den letzten Worten hatte sie den Stein wieder zu sich genommen und in sein Plexiglaskästchen verstaut. Sie vermied es dabei, Alexios anzusehen. Es war die gleiche Szene, als sie ihm die Spinelle gezeigt hatte.

Aber diesmal stand Alexios auf und verabschiedete sich. »Ich danke Ihnen vielmals für den ausgezeichneten Kaffee. Über die Verlängerung ihres Vertrages können wir zu einem späteren Zeitpunkt diskutieren.«

Annalisa blieb auch diesmal sprachlos zurück. Sie wollte ihren Vertrag nicht verlängern. Sie wollte aber herausfinden, warum er so sehr darauf bestand.


Neugierig geworden? Ich würde es mir wünschen und mich sehr darüber freuen ...

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0