Dieser Herbst ist ganz anders

Einsamkeit – ich suche dich! Wo ist nur die Stille, eine meiner besten Freundinnen! Laufend spricht mich jemand an. Das Handy klingelt. Ich mache die Tür zu. Ein anderer öffnet sie wieder und stellt eine Frage. Ich schließe das Fenster. Der Fernseher spricht alleine. Keiner sitzt davor. Die Stimmen schweigen nicht.

Es wird Zeit, etwas zu kochen. Plötzlich steht jemand hinter mir. Nichts ist recht. Ein anderer geht vorbei, zwängt sich durch die enge Küche. Wie kann ich mich in dieser Situation auf das Kochen konzentrieren?

Meine Gedanken schweifen ab. Suchen den Ausgang. Sehen ein Licht. Draußen. Es ist nicht kalt, aber es ist auch nicht mehr warm. Der Wind weiß auch nicht, welche Temperatur ihm lieber ist. Die Blätter fallen trotzdem. All ihre Anstrengung, sich mit unzähligen Farben zu tarnen, hilft ihnen nicht. Ihre Zeit ist gekommen. Sie verlassen die Bäume und Sträucher.

Die Wolken füllen sich mit Feuchtigkeit. Der Nebel hält sich noch in Grenzen. Der Morgen bringt viel Tau. Oder ist es doch schon Regen? Die Tropfen sind kaum spürbar, und doch ist es überall feucht und nass und nässer.

Ich laufe am Fluss entlang. Das Wasser fließt still dahin. So still, dass man fast seine Richtung nicht erkennt. Die Luft ist schwül. Sie bringt einen intensiven Duft mit sich. Er kommt aus der Erde, aus den Bäumen, von den heruntergefallenen Blättern. Überall duftet es nach Erde, nach Rinde, nach faulenden Blättern, nach letzten Blüten, die es noch einmal wissen wollen.

Dieser Herbst ist anders. Er ist wärmer. Niemand versteckt sich drinnen. Keiner fragt nach Ruhe. Bewegung ist angesagt. Der Rhythmus muss stimmen. Das Leben ist viel zu kurz, um es zu versäumen.

Ich will doch nur schweigen, für kurze Zeit, für eine Weile. Ich will doch nur nachdenken, über meine Zukunft, über meine Gegenwart. Ich will doch nur einmal mit mir selbst zusammen sein. Nur meine Gedanken und ich. Dieses unglaublich entspannende Gefühl spüren.

 

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