Die erste Zeile auf dem weißen Blatt ...

Die erste Zeile ist die wichtigste. Sie allein entscheidet darüber, ob ein Leser das Buch kaufen möchte. Es ist der Anfang eines Buches, eines Textes, eines Artikels. Sie wird immer mit schärfstem Urteilsvermögen gelesen. Sie wird nie überflogen! Im Gegenteil: es sind diese ersten Wörter, die dich packen oder abschrecken, neugierig machen oder langweilen. Kaum jemand blättert noch in einem Buch. Die Leseproben der modernen E-Books beginnen sowieso mit dieser ersten verfluchten Zeile.

Und doch sind es die Albträume vieler Autoren. Sie starren verzweifelt das weiße Blatt an. Früher in der Schreibmaschine, heute im Computer. Jedenfalls ist es ein grundloses, endloses Weiß. Oft blendet es so sehr, dass sich die guten Gedanken verstecken und die schlechten nur ihren höhnischen Spott loslassen. Bis die Vernunft, oder noch besser: die Inspiration, dazwischen schreitet und dem unsinnigen Zweifeln ein Ende bereitet.

Manchmal sind die einzelnen Kapitel schon völlig abgeschlossen. Es fehlt nur noch der Anfang. Klingt komisch? Ist es aber nicht. Das kommt vor. Einige bevorzugen, zu Beginn das Ende herbeiahnen zu lassen. Wie bei einer Oper. In der Ouvertüre befinden sich schon alle Themen der einzelnen Musikstücke, die folgen werden.

Ein Buch, egal ob Roman oder Sachbuch, beginnt hin und wieder gerne mit einem kurzen Resümee. Vielleicht ein Fazit, eine Gegenwartsbeschreibung, bevor die eigentliche Geschichte erzählt, bevor der tatsächliche Sachverhalt erläutert wird.

Jedoch beginnt die Begeisterung der meisten Leser oft und gerne mit dieser ersten Zeile, die sie hoffnungsvoll eintauchen lässt in das Meer der Wörter, von dem sie erwarten, dass es ihre Langeweile vertreibt, ihre eigenen Problemen verdrängt und sie in eine Welt der Fantasie führt, in die sie sich hingebungsvoll hineinkuscheln können.

 

 

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