Verregnete Erinnerungen

Warum regnet es in Deutschland so viel?

Dachte ich damals, als ich noch in Italien lebte und nur tageweise hierher fuhr. Natürlich war es warm und sonnig, als ich aus Mailand abgefahren bin. Aber auch in München war der Himmel weiß-blau und die Sonne versuchte, ihr Bestes zu geben.

Das war gestern. Heute stehe ich in der Brienner Straße. Mein Auto parkt in der Residenzgarage und der Himmel meint, er muss sich sintflutartig ergeben. Entsetzt stehe ich unter dem schmalen Dachrand einer Luxusboutique. Viel Schutz bietet di schmale Leiste am oberen Ende des Gebäudes nicht. Langsam wird es feuchter und kühler. Die Luft füllt sich mit dem herunterprasselnden Wasser. Es wird zunehmend ungemütlich. Mein Blick beginnt zu schweifen. Antiquitäten, feines Porzellan, ausgesuchte Gemälde, Designermode – aber weit und breit kein Regenschirm. Solch ein wichtiges Accessoire sollte man einfach nicht unterschätzen. Mein Kopf beginnt zu arbeiten. Wo bekomme ich hier einen Regenschirm, ohne dass ich noch nässer werde? Links von mir ging es in den Palmengarten (heute bekannt als Luitpoldblock). Dort könnte es wenigstens wärmer sein. Ich ziehe den Kopf tief in die Schultern und renne auf die Eingangstür zu, damit dieser ungnädige Wolkenbruch nicht noch mehr von meinen hübschen Schuhen kaputt macht.

Schon im Eingangsbereich ist die Luft um gefühlte zehn Grad wärmer. Langsam bringe ich meinen Körper wieder in eine elegante vertikale Haltung. Ich konzentriere mich auf jedes Schaufenster. Kosmetik, Schmuck, Platin. Am Ende des Durchgangs sehe ich schon wieder die herunterstürzenden Wassermassen. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Wie komme ich zu meinem Auto? Letzter Laden vor der Ausgangstür. Es gibt Trachten und Landhausstil. Da muss es auch Regenschirme geben. Natürlich! Stilsicher suche ich ein klassisches Modell aus, das auch später zu meiner Garderobe passt. An der Kasse schlucke ich meine Überraschung hinunter, zücke eine Kreditkarte und lasse sie an meiner Stelle glühen. Der hohe Preis ist zerknirschend, aber es ist mir voll bewusst, wo ich mich befinde.

Also beschwere dich nicht, sondern lass dich das nächste Mal in der Kaufingerstraße von einem überraschenden Wolkenbruch heimsuchen.

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