Alles Knoblauch oder was? 

Ende der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts, oder Jahrtausends, wie es euch besser gefällt, verließ ich Deutschland. Aus ganz persönlichen Gründen. Ich kann mich gut daran erinnern, dass damals Knoblauch noch sehr verpönt war. Die Türken wurden als Knoblauchfresser abgetan, wie die Italiener als Spaghettifresser. Klang sehr rüde, war es auch. Gastarbeiter waren immer noch nicht soooo willkommen, wie man es inzwischen gerne hinstellt.

Aber darum geht es mir nicht. Mein Thema heute ist der Knoblauch. In der deutschen Küche war bisher kein Platz für ihn. Seine eventuellen Qualitäten wurden von ganz wenigen nicht direkt aus der Wurzel, sondern lieber über sterile Dragees eingenommen. Der daraus folgende Mundgeruch war jedoch derselbe. Das kenne ich aus eigener Erfahrung mit meiner Deutschlehrerin. Ich saß damals in der ersten Reihe...

Drei Jahrzehnte später finde ich mich in dieser Multi-Kulti-Population kaum noch zurecht. Die Türken sitzen mittlerweile in der Regierung und spielen in der Nationalmannschaft Fußball. Spaghetti gehören in jeden deutschen Haushalt, in dem kein Milchkaffee mehr getrunken wird, nein: Latte Macchiato muss es sein. Die sogenannte deutsche Küche wurde zu einem internationalen „Mischi-Maschi“. Zwar gibt es noch Currywurst und Butterbrezeln. In den unzähligen Rezepten, denen man unmöglich entkommen kann,  weil sie von jedem noch so unscheinbaren Blättchen angeboten werden, finde ich jedoch Zusammenstellungen, die selbst meinem welterprobten Magen zuwider sind. Mittlerweile gibt es kaum eine Soße, eine Beilage, ein Hauptgericht, in das nicht in irgendeiner Weise auch Knoblauch verarbeitet wird. Nicht einmal vor den Suppen wird Einhalt geboten.

Den ersten Preis für das „ausgeflippteste“ Rezept hat für mich ein „weihnachtliches Kartoffelpüree“ gewonnen. Was zum Teufel hat der Knoblauch im Kartoffelpüree zu suchen?

Ich verwende Knoblauch gerne, aber nur in Zusammenhang mit Olivenöl, niemals mit Butter! Und immer in einer Form, die keinem meiner Gäste den Atem vermiesen. Für mich ist es „nur“ ein sublimer Geschmacksverstärker, Blutdruckausgleicher und Immunsystemverstärker. Aber er darf das Gericht nicht dominieren. Man darf ihn nicht herausschmecken! Und vor allem: er passt nicht überall dazu!

Es reicht doch schon, wenn ein famoser „Sternekoch“ seinen Ingwer auch noch ins Dessert mit einbaut...

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