Vollmond und NIkolaus ... gruselig ...

6°C Außentemperatur. 66% Luftfeuchtigkeit. Grauer Himmel, der immer düsterer wird. Absolute Stille im ganzen Umkreis. Und doch helllichter Tag! Die idealen Bedingungen für Geist Böse, sein Unwesen zu treiben. Lechzend sieht er sich um. Die Straßen sind leergefegt vom eisigen Wind. In den Häusern schimmern die Weihnachtsbeleuchtungen. Wärme und Geborgenheit strahlt aus allen Ecken. Geist Böse findet kein Opfer für seinen Geschmack.

Verärgert huscht er in ein kleines Häuschen mit zwei niedrigen Zimmern. Die beiden Hausbewohner sind gerade beim Essen. Für einen Teller Grießbrei hatte es gerade noch gereicht. Grinsend umschwärmt Geist Böse die beiden alten Leute. Ihre Tage sind gezählt. Er wird es hinbringen, dass dies ihr letzter Brei gewesen sein soll. Der guten Frau tut schon der Magen weh. Dabei hatte sie doch die gleichen Zutaten verwendet wie immer. Ihr Geschmack im Mund wurde silbern. Plötzlich spürte sie einen drückenden Schmerz in der Nähe ihres Herzens. Geist Böse grinste. Die alte Frau bekam Angst. Noch wollte sie ihrem Mann keine unnötigen Sorgen machen. Der Schmerz schien ihr Herz anbeißen zu wollen. Sie wusste nicht, dass es die garstige Hand von Geist Böse war, die den Muskel zusammendrückte. Langsam bekam sie keine Luft mehr. Jetzt schien es ihr zu spät, um Hilfe zu bitten. Ihr Mann war noch mit seinem Grießbrei beschäftigt. Nichts schien ihn davon ablenken zu können. Plötzlich fiel ihm etwas ein. Er hob die Augen und sah seine Frau an. Geist Böse fühlte sich gestört und lockerte den Griff seiner Hand. Die Frau bekam wieder Luft und so schnell wie er kam, war der Schmerz auch wieder verschwunden. Erleichtert lächelte sie ihren Mann an. Er hatte nichts mitbekommen und das war auch gut so.

„Heute ist Vollmond“, sagte der Mann.

„Ja“, erwiderte seine Frau, wie aus einer Erleuchtung heraus.

Das ist die böse Seite des Mondes. Der bringt immer Unheil mit sich. Der Geist Böse hinter ihr grunzte. Er wusste, hier gab es keine Chance mehr für ihn. Man hatte ihn erkannt. Also musste er weiterziehen. Ein neues Opfer suchen. Der Wind wollte ihn nicht tragen. Gereizt flog er gegen einen ... Autsch! Das ist doch der Nikolaus. Und das war doch gerade die Spitze der Rute seines Knechtes Ruprecht.

„Hey Leute! Was soll das?“, schrie Geist Böse.

„Geh’ uns aus dem Weg!“, raunte der Nikolaus. „Wir haben uns vorgenommen, dieses Jahr nur Geschenke auszuteilen und keine Schelte. Also, hau’ ab und lass’ die Leute in Frieden.“

Geist Böse verzog sein Gesicht zu einer hämischen Grimasse.

„Seit wann lass’ ich mir von dir vorschreiben, was ich tun soll?“

Da segelte die Rute von Knecht Ruprecht so stark auf ihn ein, dass sein knorpeliger, dünner Körper so hoch flog bis er sich in einem Satelliten verwickelte und so starke Verbrennungen bekam, dass seine abartige Seele aufschrie. In der Hölle konnte man ihn aber aus dieser Entfernung nicht hören. Das Weltall war mächtig genug, seinen durchaus winderprobten, Geisterkörper in Stücke zu reißen und weltallweit zu zerstreuen.

Der daraus entstandene Effekt ließ auf der Erde nicht lange auf sich warten. Die bisher terrorisierenden Soldaten erkannten nicht mehr denn Sinn ihrer Waffen. Die Folterer ekelten sich auf einmal vor dem Blut. Wilderer streichelten die Tiere und suchten ihnen Nahrung. Die Streithähne hatten keine Argumente mehr. Die bösen Triebe suchten Schutz vor den neuen Gefühlen. Keiner wollte den anderen mehr verletzen. Streicheleinheiten ersetzten Hiebe. Küsse streichelten die Fäuste. Worte wurden nur noch verwendet, wenn sie helfen konnten. Jeder fühlte sich auf einmal so richtig wohl in seiner Haut. Jung und Alt lachten zusammen, respektierten sich gegenseitig und lebten in fröhlicher Gemeinsamkeit ihre Feste und ihren Alltag.

Das Paradies lässt grüßen...

 

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