Vanillekipferl-Impressionen

 

Mit Vanillekipferl ist es so wie mit perfekten Diamanten. Man benötigt die ideale Temperatur und die richtigen Druckverhältnisse, damit sie entstehen können. Die Edelsteine müssen darauf lange und tief im Erdinneren warten. Bei uns Hobbybäckerinnen sind die Hände ausschlaggebend. Sie dürfen nicht zu kalt sein und sollen auch nicht zittern. Der Teig darf zwischen den Fingern nicht zerdrückt, sondern muss, eben mit den perfekten Druckverhältnissen, gerollt werden. Nicht zu schwach und nicht zu stark, immer gleichmäßig, sonst kommt das Teigbällchen nicht in die gewünschte Form.

Adventszeit ist Backzeit. Intensiver als an irgendwelchen anderen Tagen des Jahres werden normale Küchen zu Backzentralen. Altbewährte Rezepte werden hervorgeholt, neue kommen hinzu. Doch ein Plätzchen bleibt jedes Jahr der Favorit: das Vanillekipferl. Es darf auf keinem Teller fehlen.

Man kennt das Rezept, man kennt die Form. Dennoch sind die ersten Vanillekipferl immer wieder die schwierigsten. Es fehlt einfach die Übung. Die Proportionen lassen noch zu Wünschen übrig. Geduld ist gefragt. Man muss sich erst wieder einstimmen. Also werden sie auf dem Backpapier noch einmal liebevoll gestreichelt, um dabei, natürlich ganz unbewusst, noch einmal die Form zu korrigieren. Schließlich sollen es kleine Kipferl werden, wie der Name es vorgibt, und keine missratenen Hufeisen. Manche bevorzugen die Bleche mit den eingelegten Vorlagen, habe ich noch nicht ausprobiert. Bei Plätzchen und insbesondere bei Weihnachtsplätzchen soll es gemütlich zugehen und kreativ. Geduld und Zeit dürfen nicht gemessen werden.

Auf dem zweiten Blech wird es schon besser. Die Hände kommen in den nötigen Rhythmus, das Druckverhältnis stimmt mittlerweile. Die kleinen süßen Hörnchen werden schlanker, ihr Bauch ist nicht mehr zu aufdringlich. Beim dritten Blech ist man traurig, weil der Spaß gleich vorbei ist. Das erste Quantum ist aufgebraucht. Gerade jetzt, wo man sich wieder damit vertraut hatte.

Vanillekipferl sind ein Klassiker. In kaum einer Frauenzeitschrift findet man noch das Rezept dazu. Nur ein „Sternekoch“ hat gemeint, es wäre an der Zeit, uns, den alljährlich geprüften, traditionellen Adventsbäckerinnen, mal beizubringen, wie Vanillekipferl gebacken werden. Leider hat er dabei den Puderzucker mit Kakaopulver verwechselt. Das hat doch gar nichts mit Vanillekipferl zu tun! Da gehört eine ordentliche Portion Puderzucker drauf und dann kann man sie eintunken, wo man will: in heiße Schokolade, in einen würzigen Wintertee oder einfach in den Mund...

 

 

 

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