Die Tage zwischen den Jahren

Jetzt kommt die Zeit zwischen den Jahren. Eine Art Niemandsland. Der Alltag ist aus dem Rhythmus gekommen. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr laden zur Besinnlichkeit ein. Gerne holt man sich noch einmal die Erinnerungen an das ablaufende Jahr hervor. Erfolge werden mit den weniger schönen Erfahrungen aufgewogen. Leistungen sollen sich mit den Niederlagen die Waage halten. Was kann ich besser machen? Wo kann ich ansetzen? Kaum jemand kann der Versuchung entkommen, mit einem neuen Jahr neue Hoffnungen zu hegen, neuen Projekten eine reelle Chance zu geben. Oder gar alte Zöpfe abschneiden, Unnützes hinter sich lassen. Endlich Entscheidungen treffen, die schon längst überfällig gewesen sind. Den Mut zu neuen Schritten wagen. Man braucht dazu keine „Reset-Taste“. Es genügt schon, alte, weise Regeln zu beachten und wahrzunehmen oder sie wieder aufzufrischen.

Denn, genau in dieser Periode des Jahres liegen die Raunächte. Zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar setzen sich ungewöhnliche Kräfte frei. Die Luft schwingt energiereich. Besonders in der Stunde vor Mitternacht. Ungewohnte nächtliche Spaziergänge in der Dunkelheit belohnen die Mutigen nicht nur mit einer magischen Energie, die noch lange ins neue Jahr hinein anhält. Sie lernen auch Naturphänomene kennen, die ihnen bis dahin vielleicht unbekannt waren. So konnte ich im letzten Jahr drei Nächte lang wunderschöne Polarlichter strahlen sehen. Dieses beinahe naturwidrige klare Licht am dunklen Nachthimmel vertrieb mir sofort alle negativen Gedanken. Ich war fasziniert von diesem hellen Fenster im schwarzen Himmel. Trotz aller Vernunft drang mein Blick in dieses gleißende Licht, als wenn ich etwas oder jemanden erkennen könnte.

Überhaupt sollte man in dieser Periode der Raunächte vorwiegend positiv denken, positiv handeln und weitgehend versuchen, auch nur positive Sätze zu formulieren. Demnach soll Streit und Diskussion vermieden werden. Ärger und Unruhe kann sich eine Auszeit nehmen. Die bösen Geister sollten bewusst weggeschoben werden. Besser noch, man ignoriert sie total.

Die Alten erzählten von toten Seelen, die sich in diesen Nächten noch einmal auf die Erde trauten, weil sie in der Unterwelt keine Ruhe fanden. Ob das am eisigen Wind der frostigen Winter gelegen sein mag?

Wie dem auch sei. Wir stärken uns mit dieser freigesetzten Power und profitieren von der Großzügigkeit der Urwelten.

 

 

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