Die etwas andere Buchvorstellung

Bei dieser Buchvorstellung geht es einmal nicht in erster Linie um den Autor. Unumstrittener Protagonist ist die Geschichte selbst. Industrie- und Handelskammern sind ein wichtiger Bestandteil unserer modernen Wirtschaft. In diesem Fall geht es um die IHK Würzburg-Schweinfurt. Dem promovierten Historiker Dieter Schäfer gebührt der Verdienst, bis dato unbekannte Quellen aus dem Dornröschenschlaf erweckt zu haben. Für die Ausführung dieses Vorhabens scheute der inzwischen 88jährige nicht, drei Jahre lang sein qualifiziertes Gedächtnis aufzufordern und in den Staatsarchiven von Berlin bis Wien zu recherchieren. Das hält geistig fit und lässt dem physischen Konsum kaum eine Chance!

Einige verschollene Aufzeichnungen und unbekannte Zeitzeugnisse wurden entdeckt. Dabei kam ein höchst interessantes Kleinod zum Vorschein. In der Universitäts-Bibliothek in Berlin fand Schäfer eine Urkunde aus dem Jahr 1669 mit dem Befehl des damaligen Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn „eine Anstalt zu machen“. Die zahlreichen und ebenso erfolgreichen Textilhändler zu Würzburg sollten sich mit klaren Regeln auf dem expandierenden Markt schützen und gegenseitig unterstützen. Doch erst 1699 kam eine entsprechende Organisation zustande. Die Mühlen der Bürokratie mahlten schon immer sehr langsam.

Dieter Schäfer erzählt unterhaltsam und eingehend die Weiterentwicklung der aufstrebenden „Handelskammer“. Er fügt kompetente Beiträge früherer Autoren ein, ebenso wie die Aufzeichnungen zeitgenössischer Mitwirkenden. Es fehlen keineswegs die historischen Persönlichkeiten, deren Leistungen nicht nur den Werdegang der IHK betreffen. Gottfried Zoepfl, mit Sicherheit der jüngste „Handelskammersekretär“, kam 1893 erst 21jährig nach Würzburg. Einige Jahre später schrieb er als Wegbereiter des Rhein-Main-Donau-Kanals deutsche Geschichte.

Der Grundstein der heutigen IHK wird König Ludwig I von Bayern zugeschrieben. Zwar hatte dieser ein gutes Jahrzehnt benötigt, sich von der Notwendigkeit einer solchen Organisation überzeugen zu lassen. Letztendlich wurde ihm jedoch klar, dass sein Jahrhundert Industrie und Handel kometenhaft weiterentwickeln ließen. Die Interessenlage bekam eine völlig neue Bedeutung und musste entsprechend organisiert werden.

Aus diesem Grunde wird auch nicht 2019 der 350. oder 320. Jahrestag zelebriert. Da die IHK Würzburg-Schweinfurt den Dokumenten und Aufzeichnungen zufolge die älteste in Bayern ist, wird es 2018 eine 175-Jahr-Feier geben. Die Vorbereitungen haben schon begonnen. Dazu gehört auch dieses „Arbeitsbuch“, wie es sehr treffend vom heutigen Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Ralf Jahn genannt wurde.

Es gab schon einige Festschriften zu den passenden Jahrestagen. Dieter Schäfer ist es gelungen, die bisherigen Lücken erfolgreich zu füllen und die äußert maßgebende und lehrreiche Vergangenheit der IHK Würzburg-Schweinfurt ins rechte Licht zu rücken. Es fehlt keine Persönlichkeit, die dazu beigetragen hat, dass die IHK den Zeitgeist stets im Auge behielt und oft einen Schritt voraus erkannt hat was getan oder verbessert werden muss. Wie z.B. Dieter Schäfer, unter dessen Ägide die Weiterbildungskurse eingerichtet wurden, „damit“, wie er selbst es so schön formuliert, "niemand wegzieht, weil er sich weiterentwickeln will.“

Weltkriege und Wirtschaftskrisen zwangen mutige und unermüdliche Unternehmer und Geschäftsleute, sich immer wieder neu zu organisieren, um  ihre Arbeit zu schützen und sich gegenseitig dabei zu helfen.

Ich halte dieses „Arbeitsheft“ für eine Pflichtlektüre für jeden Gewerbetreibenden. Industrielle, Mittelständler, Handwerker, jeder hat mitgewirkt, die IHK aufzubauen und weiter zu entwickeln. Die eigene Geschichte sollte man kennen, damit man stolz darauf sein kann, beigetragen zu haben, dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus zu sein.

Wie wir wurden, was wir sind ist ein selbstbewusster Titel, dessen Inhalt man sich ganz zeitgemäß als pdf unter www.wuerzburg.ihk.de/presse/publikationen/schriftenreihe.html herunterladen kann.

 

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