Der volle Mond und seine Dämonen

Der graue Himmel wurde immer düsterer. Eine absolute Stille weitete sich in der gesamten Umgebung aus. Und doch war es noch helllichter Tag!

Die idealen Bedingungen für den Dämon Arg, sein Unwesen zu treiben. Lechzend sieht er sich um. Die Straßen sind leergefegt vom eisigen Wind. Die Menschen bleiben in ihren Häusern. Lodernde Kamine verbreiten Wärme. Kuschelige Geborgenheit strahlt aus allen Ecken. Dämon Arg findet kein Opfer für seinen Gaumen.

Verärgert huscht er in ein kleines Häuschen mit zwei niedrigen Zimmern. Die beiden Hausbewohner sind gerade beim Essen. Für einen Teller Suppe hatte es gerade noch gereicht. Grinsend umschwärmt der Dämon Arg die beiden alten Leute. Ihre Tage sind gezählt. Er wird es hinbringen, dass dies ihre letzte Suppe gewesen sein soll.

Der guten Frau tut schon der Magen weh. Dabei hatte sie doch die gleichen Zutaten verwendet wie immer. Ihre Zunge verbreitet einen metallenen Nachgeschmack. Plötzlich spürt sie einen drückenden Schmerz in der Nähe ihres Herzens.

Dämon Arg grinst.

Die alte Frau bekam Angst. Noch wollte sie ihrem Mann keine unnötigen Sorgen machen. Der Schmerz begann an ihrem Herzen zu nagen. Sie wusste nicht, dass es die boshafte Hand von Dämon Arg war, die den Muskel zusammendrückte. Langsam bekam sie keine Luft mehr. Jetzt schien es ihr zu spät, um Hilfe zu bitten.

Ihr Mann war noch mit seiner Suppe beschäftigt. Nichts schien ihn davon ablenken zu können. Plötzlich fiel ihm etwas ein. Er hob die Augen und sah seine Frau an. Dämon Arg fühlte sich gestört und lockerte den Griff seiner Hand. Die Frau bekam wieder Luft und so schnell wie er kam, war der Schmerz auch wieder verschwunden. Erleichtert lächelte sie ihren Mann an. Er hatte nichts mitbekommen und das war auch gut so.

„Heute ist Vollmond“, sagte der Mann.

„Ja“, erwiderte seine Frau, wie aus einer Erleuchtung heraus.

Das ist die böse Seite des Mondes. Der bringt immer Unheil mit sich.

Der Dämon Arg hinter ihr grunzte. Er wusste, hier gab es keine Chance mehr für ihn. Man hatte ihn erkannt. Also musste er weiterziehen. Ein neues Opfer suchen. Der Wind wollte ihn nicht tragen. Gereizt flog er gegen einen ... Autsch! Das ist doch ein Engel!

„Hey! Was soll das?“, schrie Dämon Arg.

„Mach, dass du weiterkommst, und lass’ die Leute in Frieden“, mahnte der Engel.

Dämon Arg verzog sein Gesicht zu einer hämischen Grimasse.

„Seit wann lass’ ich mir von dir vorschreiben, was ich tun soll?“

Da segelte der rechte Flügel des Engels so stark auf ihn ein, dass sein knorpeliger, dünner Körper so hoch flog bis er sich in einem Satelliten verwickelte und so starke Verbrennungen bekam, dass seine abartige Seele aufschrie. In der Hölle konnte man ihn aber aus dieser Entfernung nicht hören. Das Weltall war mächtig genug, seinen durchaus winderprobten, Geisterkörper in Stücke zu reißen und weltallweit zu zerstreuen.

Der daraus entstandene Effekt ließ auf der Erde nicht lange auf sich warten. Die bösen Triebe suchten Schutz vor den neuen Gefühlen. Keiner wollte den anderen mehr verletzen. Streicheleinheiten ersetzten Hiebe. Küsse liebkosten die Fäuste. Worte wurden nur noch verwendet, wenn sie helfen konnten. Jeder fühlte sich auf einmal so richtig wohl in seiner Haut. Jung und Alt lachten zusammen, respektierten sich gegenseitig und lebten in fröhlicher Gemeinsamkeit. Die Arbeit wurde leichter. Der graue Alltag verlor seine Beschwerlichkeit. Ein allgemeines Wohlbefinden herrschte über der Erde ...

 

 

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