Einzelhandel vs. Onlineshop

Wem ist das noch nicht passiert? Man betritt einen Laden, eine Apotheke, eine Boutique oder gar einen Supermarkt und freut sich auf seinen Einkauf. Jedoch gibt es kein freundliches Willkommen, sondern eher misstrauische Blicke, die einen taxieren, abweisende Gesten, als würde ich die Herrschaften bei ihrer Langeweile stören, lange Gesichter, die mich am liebsten wieder gleich aus dem Laden lotsen sollen.

Mag es an der fehlenden Kompetenz liegen, die damit vertuscht werden soll? Jeder hat mal einen schlechten Tag. Doch kann man sich kontrollieren, besonders, wenn es der Beruf erfordert. Im Einzelhandel erfordert er es jeden Tag. Ich weiß, von was ich spreche. Ich habe lange Jahre mitten im kauflustigen Publikum gearbeitet. Davon die meiste Zeit in Auktionshäusern und Kunstgalerien. Ein Artikel, den keiner braucht, aber viele haben möchten. Deshalb ärgere ich mich auch im Supermarkt, wenn ich Lebensmittel einkaufen muss, aber alle Angestellten, von der Theke bis zur Kasse, mir nur missmutig entgegenkommen. Auch kann ich mich noch sehr gut an arrogante (heute heißen sie Verkaufsberaterinnen, früher waren es einfach) Verkäuferinnen erinnern. Sie konnten einem sehr schnell die Kauflust vertreiben. Das einladende Schaufenster wurde im Nu zur Illusion. Mein Glücksgefühl ist verschwunden, meine Kauflust auch. 

Im Onlineshop ist die Freundlichkeit beinahe zudringlich. Überall nette Texte, lächelnde Gesichter und gute, kompetente Produktbeschreibungen. Jedenfalls ist das so auf meinen Lieblingsseiten. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich auch die Apotheken nicht mehr betrete und selbst meine Rezepte mit dem Kurier kommen lasse. Der Vorteil: ich brauche nicht zweimal hin, weil mein Medikament nicht vorrätig ist. Eine weitere Abteilung sind die Parfümerien. Dort ärgerte ich mich schon seit einiger Zeit über die Knauserigkeit an der Kasse, wenn es darum geht, dem Kunden ein paar Pröbchen in die Einkaufstasche zu stecken. Testproben sind auch für den Laden gratis. Die bekommen sie von der Kosmetikfirma. Warum also immer nur eine Parfümprobe? Geht online und ihr bekommt mit oder ohne den passenden Code viel mehr zu eurem Kauf geschenkt und könnt euch auch noch aussuchen, was ihr bevorzugt.

Es gibt noch ein großes Argument: der Parkplatz! Schon mal ein knappes Stündchen Runden gefahren, weil in der Innenstadt partout kein Platz zu finden war? Das Benzin ist bestimmt nicht kostenlos. Aber der Versand online in den meisten Fällen schon.

Ich habe mich schon seit Jahren umgestellt. Die dumme Arroganz in den Boutiquen brachte mich schon zu Beginn des Jahrtausends ins Netz. Die Auswahl ist größer, übersichtlicher und … objektiver. Ich probiere in Ruhe zu Hause, ohne das Drängen einer Verkäuferin, weil sie die Kabine schon wieder für eine andere Kundin braucht oder das Kleidungsstück unbedingt verkaufen will, obwohl es mir überhaupt nicht passt. Ich begann mit Kleidung und Accessoires, dann kamen Bücher und CDs und Filme dazu, schließlich auch die Kosmetik und meine letzte tolle Erfahrung machte ich mit der Apotheke. Wann ich will, wo ich will, einfach und problemlos. Für mich könnten die Innenstädte mehr Cafés und Grünflächen bieten. Bei schönem Wetter raus auf die Wiese, mit einem guten Kaffee das Laptop öffnen und … shoppen ….

 

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