Griechenland - die Wiege der Demokratie

Demokratie! Ohne diese „gerechte Volksherrschaft“ möchten wir nicht leben. Wir identifizieren uns gerne mit ihr, jedoch sollten wir berechtigte Zweifel aufstellen. Leben wir noch in einer Demokratie? Herrscht das Volk wirklich?

Wir benötigen keine Charity-Shows zur Weihnachtszeit, die uns exotische arme Leute zeigen. Es genügt schon ein realistischer Blick ins eigene Land. Im Frühjahr 2015 wurde uns statistisch erwiesen, dass 15,5 % der deutschen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt. Das sind traurige 12,5 Millionen Menschen! Und schreit jetzt nicht nach den Ausländern! Darunter sind viele, viele Deutsche mit deutschem Hintergrund!

Überall wird immer noch der berüchtigte Minijob auf 450-Euro-Basis angeboten. Aber wie viele Stunden soll man für diesen Betrag effektiv arbeiten? Da hilft auch kein Mindestlohn. Diese Maßnahme galt vor knapp zwei Jahrzehnten als ein Geschenk für die damals schwächelnde Wirtschaft. Heute führt sie nur an die Grenze der Ausbeutung.

Ähnlich geht es dem Thema Steuerhinterziehung. Das ist auch in Deutschland ein weit verbreiteter „Nationalsport“. Unnötig, so etwas unter den Teppich zu kehren. Oder mit Express-Prozessen von Prominenten im Fernsehen zu servieren. Das sind keineswegs Einzelfälle. Tagtäglich wird man auf jedem Niveau damit konfrontiert.

Deshalb ist es nur eine arrogante Anmaßung, wenn die Vertreter der deutschen Regierung ihren Nachbarn gegenüber eine Stellung einnehmen möchten, als wären sie die Besten der Klasse. Warum gibt es dann, nach 25 Jahren (!), immer noch den „Solidaritätszuschlag“ für die Steuerzahler? Diese Einnahmequelle hat ihren Soll längst erfüllt. Der Osten steht besser da, als er es zugeben möchte. Es gibt immer Einiges zu tun, aber das liegt oft auch an der Mentalität der Menschen. Vorhandene Ressourcen auszubauen und weiter zu erschließen, das würde viel mehr bringen, als immer nur weinen und kritisieren und verlangen.

Mit Steuererhöhungen kommt man nicht weiter, im Gegenteil. Man schürt nur den Willen und Mut auch des bis dahin ehrlichen Steuerzahlers, endlich mal einen Ausweg zu finden, ein Hintertürchen zu öffnen, eben Steuern zu „sparen“, damit man sich selbst wieder überzeugen kann, doch nicht ganz umsonst zu arbeiten.

Alexis Tsipras tut gut daran, seine Wirtschaft anzukurbeln, indem er Steuern senkt und Einkommen erhöht. Nur so kommt wieder frisches Geld in Umlauf. Die Konjunktur kann langsam durchstarten. Die Unternehmen bekommen mehr Geld für Investitionen. Der Bürger hat mehr Geld für den Konsum. Konsum bedeutet Arbeitsplätze. Mit Sparmaßnahmen hat sich noch keiner gerettet. Stehen jedoch Kredite bereit, die sinnvoll genützt werden können, dann kann man sich wieder regenerieren und Neues aufbauen. Dazu gehört auch die Aussetzung der Zinsen für die Altschulden!

Niemand kann von Alexis Tsipras verlangen, dass er in fünf Monaten alles ändert, was seine Vorgänger in fünf Jahren nicht erreicht haben. Er braucht Zeit. Wenn er diese nicht bekommt, kann er sich auch nicht an einen Verhandlungstisch setzen und auf Augenhöhe diskutieren. Andere wären an seiner Verzweiflung schon längst zerbrochen. Er kämpft. Mutig und Clever. Ich drücke ihm beide Daumen! Er muss uns Griechenland erhalten, jedoch nicht um jeden Preis. Was einige in Deutschland und Brüssel als Kompromiss hinstellen wollen grenzt an Erpressung!

Die „Vereinigten Staaten von Europa“ sind eine Utopie, deren Realisierung nie stattfinden wird. Zu viele Sprachen und noch mehr Kulturen trennen uns von einer schon längst zerredeten Gemeinsamkeit. Zu viele gravierende Differenzen und Mentalitäten blockieren eine vernünftige Übereinstimmung. Zu viele von diesen Ländern erwirtschaften gerade mal das Notwendige zum Überleben. Den wenigen europäischen Staaten, denen es wirklich gut geht, die machen ihr eigenes Ding, ohne Rücksicht auf die anderen. Solidarität ist ein unübersetzbares Fremdwort. Das darf kein Politiker in Brüssel aussprechen. (Siehe nur die miserable Behandlung der Flüchtlinge!)

Der gesunde Menschenverstand hat sich schon lange rar gemacht. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass er eines Tages doch noch wieder auftauchen könnte. Ohne Griechenland gäbe es keine Demokratie, keine Philosophie, keine Poesie und keine Bildung. Wir haben diesem Land viel mehr zu verdanken als wir heute zugeben möchten.

 

 

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