Eine kleine, aber sehr feine Kunstausstellung

Dieses Wochenende bin ich auf eine viel zu kleine Notiz in einer lokalen Tageszeitung gestoßen.  Noch am gleichen Abend wurde die Ausstellung eines Kunstvereins eröffnet. Es handelte sich dabei um Hobbykünstler. Die Ansage war entschieden kurzfristig, dementsprechend forderte sie eine schnelle Entscheidung.

Die historische Rathaushalle aus dem 17. Jahrhundert freute sich über so viele Farben an den Wänden und auf den Tischen. Die strenge Architektur bildete einen kontrastierenden Rahmen für die angesagte Thematik: „Engel“.

Schon am Eingang bekam jeder Besucher von der Organisatorin die wunderschöne Schablone eines kleinen Barockengels geschenkt, mit dem aufmunternden Hinweis, dass jeder von uns einen „Schutzengel“ gebrauchen kann. Das stimmt. Oft beanspruchen wir ihn bis ins Unendliche. Viele „Engel“ lagen denn auch auf den Tischen in jeglicher Form. Abstrakt auf wunderschönen handgearbeiteten Karten. Kuschelig aus Wolle und weichen Stoffen. Keramik und Holz, Glas und Acryl hatten ebenfalls das Thema aufgegriffen.

Zwei Künstler haben mich besonders beeindruckt.

Ralf Prappacher überraschte mich mit ganz besonderen Holzarbeiten. Jede war sorgfältig geölt und konnte sehr gut als Deko, aber auch als Schale und Ablage benutzt werden. Unser Gespräch vertiefte sich sofort, als er mir erzählte, das nötige Holz in seinem eigenen Wald zu schlagen und dabei auch noch den Mondrhythmus zu respektieren. Ich habe selbst schon seit vielen Jahren die wertvolle Achtung des Mondverlaufes kennen und schätzen gelernt. Neben den ausgestellten Stücken durfte ich die mitgebrachten Fotos bewundern. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mit hauchdünnen Holzplatten stellte dieser beeindruckende Künstler sogar Hüte her, die man darüber hinaus auch noch tragen kann. Unglaublich, aber sehr verlockend!

Am nächsten Tisch wurde ein „Leben in Farbe“ präsentiert. So steht es auch auf der Visitenkarte von G.G. Senft. Kräftig bunte Glasplatten hatten nicht nur die angesagte Engelsform angenommen. Obststilleben und Wappen werden in jeglicher gewünschten Größe nachgebildet. Frauen- und Kinderfiguren, sowie Blumen und kleine Gegenstände entstanden aus der geduldigen Meisterhand dieses Künstlers. Selbst Uhrwerke setzt er an die Glasarbeiten und kreiert ausgefallene Wanduhren. Ein Meisterwerk entdeckte ich unter seinen Fotos: Dunkelgrüne Glasmosaike zogen sich vom Zifferblatt bis über den langen Pendel. Dem aber nicht genug. Er ist zugleich ein großartiger Maler, akribisch genau bildet er Schlösser und andere architektonische Gebäude sowie Landschaften ab. Vorzugsweise auf leere Bocksbeutel, die bauchigen Flaschen des Frankenweins.

Ich liebe diese versteckten Kleinode, abseits von den häufig zu kommerziellen Herbst- und Weihnachtsmärkten. Ihre Kreationen entstehen mit akribischem Herzblut und leidenschaftlicher Begeisterung. Etwas mehr Werbung würde ich diesen auserlesenen und viel zu oft noch unentdeckten Künstlern gerne wünschen.

 

 

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