Ascherfreitag und Valentinssonntag

Der Aschermittwoch ist euch bestens bekannt. Er symbolisiert das Ende des Karnevals und den Beginn der christlichen Fastenzeit. Von den politischen Parteien in Bayern (deutschlandweit ist mir diese Veranstaltung nicht bekannt) wurde und wird er zu einem Versammlungsabend genutzt, bei dem ein eloquenter Referent die aktuellen Themen in möglichst unterhaltsamer Weise anspricht, kurz analysiert, vielleicht sogar seine eigene Meinung dazu sagt, damit anschließend die parteigesinnten Gäste darüber diskutieren können.

 

In einem kleinen fränkischen Landkreis gibt es seit einigen Jahren einen "Ascherfreitag". Zum Aschermittwoch fuhren die Parteigenossen gerne nach Passau oder Vilshofen oder wo auch immer die größeren Veranstaltungen mit den imposanteren Rednern stattfinden. Deshalb ist der Kreisverband der größten Partei dieser Region kurzerhand auf den Freitag übergegangen.

 

Vor drei Jahren war ich das erste Mal dabei. Ich berichtete über den Abend für eine lokale Tageszeitung. Circa 750 Zuhörer hatten sich damals in dem Saal eingefunden. Überrascht war ich von dem sehr gemischten Alter der Anwesenden. Die Jüngste ist 26 gewesen und den Ältesten, den ich kannte, war knapp 90 Jahre alt. Dieses Jahr habe ich meine Mutter dorthin begleitet, weil sie gerne die angekündigte Referentin hören wollte. Sehr erstaunt war ich über den, gerade mal zur Hälfte eingerichteten Saal. Trennwände verkleinerten geschickt die große Mehrzweckhalle. Ohne Probleme fand ich zwei schöne Plätze, die meiner Mutter eine perfekte Sicht zum Rednerpult und mir einen guten Blick über die anderen Tische erlaubten. Nachdem sich die vorbereiteten Stühle langsam füllten, bemerkte ich noch eine große Veränderung: es waren kaum Gäste unter vierzig Jahren anwesend. Sollte es an der Referentin gelegen haben, die gerade ihre Siebziger überschritten hatte? Viele gaben zu, nur wegen ihr gekommen zu sein. Die jungen Parteimitglieder und Sympathisanten sind jedoch dem Abend fern geblieben.

 

 

 

Eine ähnliche "Müdigkeit" fand ich am Sonntag in den sozialen Netzwerken. Während zu anderen Gelegenheit wild und eifrig Glückwünsche gepostet werden, gab es zum Valentinstag kaum ein Foto oder eine Zeile. Ist denn niemand mehr verliebt? Will niemand mehr sein Glück mit anderen teilen? Obwohl er sonst doch alles Mögliche und Unmögliche ins Netz setzt? Fehlt es an Selbstbewusstsein oder ist die Romantik total aus der Mode gekommen?

 

Ich gehöre zu den glücklichen Ehefrauen, die nicht einen Tag im Kalender markieren müssen, um ihren Mann an seine zu Liebe erinnern. Wir leben unsere Liebe jeden Tag. Je älter wir geworden sind, desto intensiver und intimer ist unsere Zuneigung geworden. Schließlich kennen wir uns seit 36 Jahren. Wir haben unsere Ehe gereift wie einen guten Whiskey. Je älter, desto besser. Es gibt keine Überraschungen mehr und keine Tabus. Wir streiten auch kaum noch miteinander. Fängt einer an, bringt der andere das Thema ins Lächerliche und schon ist der Ärger vorbei. Das geht natürlich nur mit viel Toleranz und Kompromissbereitschaft. Zwei Eigenschaften, die heute zum Aussterben verurteilt zu sein scheinen. Jedoch vergeht kein Tag, an dem wir uns nicht ein Kompliment machen (Essen, Kleidung, Aussehen, sportliche Leistung), irgendetwas Positives gibt es immer, wenn man aufmerksam ist. Genauso geht es uns mit den Streicheleinheiten. Ich weiche nur aus, wenn ich in der Küche oder im Bad stehe und gefährliche Utensilien benutze. Da fällt dann schon mal ein ironisches Wort. Das wird angenommen oder gar weiter verarbeitet bis die Harmonie wieder stimmt.

 

Diesen glücklichen Zustand kann man nicht in den ersten Jahren erwarten. Er kommt mit der Zeit, nachdem man sich ausgeschrien, ausgestritten, ausgetobt hat UND: zusammengeblieben ist, egal was auch kam! Mit dem Alter wurde es bei uns ruhiger und harmonischer, aber nie langweilig und apathisch. Keiner von uns beiden hat sich in irgendwelche Gewohnheiten geflüchtet. Wir haben nicht einmal regelmäßige Essenszeiten.

 

Ich verlange von meinem Mann kein explizites Geschenk für den Valentinstag oder sonst irgendeinen Jahrestag. Darüber waren wir uns schon zu Beginn unserer Beziehung einig. Jeder überreicht seine Geschenke, wenn er etwas entdeckt hat, egal welcher Tag gerade ist. Diese Überraschungen sind immer noch die schönsten. Sie haben nicht den doch etwas säuerlichen Beigeschmack einer Pflichterfüllung, sondern verbreiten das honigsüße Aroma der Liebe.

Ich habe an dich gedacht und deshalb schenke ich dir diesen Schmuck, diesen Gegenstand ... oder bringe dir diese Blumen mit!

Klingt doch viel besser, oder?

 

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