Ein Einblick in mein virtuelles Büro

 

Mein Büro ist im Internet. Mein Schreibtisch ist der Laptop. Die Stille ist meine beste Mitarbeiterin. Ich kann fast überall arbeiten. Wichtig ist die Internetverbindung. Sonst bleibt mir "nur" das reine Schreiben. Oder das Aufräumen. Auch auf einem virtuellen Schreibtisch gibt es ... Liegengebliebenes, Ordner, die mal durchforstet werden sollten, Bilder, die eine engere Auswahl benötigen.

 

Im Internet erledige ich meine Korrespondenz. Verfolge meine Recherchen. Lese Nachrichten. Pflege meine Homepage.

 

Auf Facebook kann ich entspannen, scrollen, lesen, kommentieren, chatten, posten, neue Leute kennenlernen. Bei meiner beinahe grenzenlosen Toleranz und Neugierde bin ich natürlich auch schon ein "gebranntes Kind" und etwas vorsichtiger geworden. Es kommt nur noch selten vor, dass sich ein Kontakt als unerwünscht erweist. Dann habe ich aber die schützende Freiheit, ihn für immer aus meinem "Kreis" zu verbannen. Zu meinem Glück ist das nicht oft der Fall. Das Gros meiner Facebook-Freunde hat sich sehr positiv entwickelt. Ohne Grenzen konnte ich Menschen kennenlernen, denen ich im realen Leben niemals begegnet wäre. Sei es wegen der großen Entfernung, sei es wegen dem äußerlichen ersten Blickkontakt. Nicht immer stellt dieser eine Einladung dar. Im Gegenteil. Manchen "Kontakten" bin ich erst nach Wochen oder Monaten näher gekommen. Mit überraschend vielen ist es zu einer echten (jedoch strikt virtuellen!) Beziehung geworden.

 

Ähnliches kann ich über Twitter schreiben. Auch hier habe ich einige gute Leute kennengelernt, oder besser: kontaktiert, mit denen ich in keiner anderen Art und Weise je dazu gekommen wäre.

 

Auch das Alter spielt im Netz kaum noch eine Rolle. Viele verstecken es. Für mich ist es kein Problem. Vielleicht kommt das noch. Die sozialen Barrieren werden oft mit charmanten Schwindeleien umgangen.

 

Nicht jeder Mensch hat eine Universität besucht. Jedoch bringt ihn das nicht davon ab, ebenso intelligent und gebildet zu sein. Besonders auf Facebook sind viele in die "Universität des Lebens" gegangen. Das wird scherzhaft aufgenommen. Es sollte jedoch viel respektabler anzusehen sein. Ich bin überzeugt, dass dies das strengste und steinernste Lerninstitut ist, das es gibt. Man kann ihm nicht mehr entkommen. Nur mit apathischer Abstumpfung, eventuell. Für alle Lernbegierigen, die sich ein Leben lang mit interessierter Neugierde vielseitig umsehen und umhören und heutzutage aus dem gleichen Grund im Internet surfen. Für diese aufgeweckten Menschen muss nicht unbedingt eine reale Universität die Basis gewesen sein.

 

Bei anderen lernen und für sich selbst umsetzen.

 

Das ist ein Leitmotiv, dessen Inhalt schon Seneca vor knapp zweitausend Jahren lehrte. Einfach nicht stehen bleiben, sich aber auch nicht von einer Herde mitziehen lassen. Wir sollten unseren eigenen Charakter, unsere angeborene Natur begreifen und pflegen. Das bedeutet auch, wenn nötig: korrigieren. Da sind wir bei der echten Intelligenz. Den Fehler erkennen, auch bei uns, in uns! Jeder kann an sich arbeiten, wenn er nur will. Er kann sich weiterbringen.

 

Es gibt einen klassischen Feind, der gerne "innerer Schweinehund" genannt wird. Den zu überwinden ist nicht leicht. Das weiß ich selbst aus bester Erfahrung. Ich habe keine Disziplin. Ich kann mich in eine Sache hineinsteigern und bis zum Umfallen arbeiten, wenn mich die Begeisterung angesteckt hat. Gleichzeitig kann ich mich aber gegen jeden Zwang und vor allem den Zeitdrang wehren. Führt diese Abwehr jedoch in einen apathischen Tunnel, dann klickt es (mittlerweile!) bei mir im Kopf und ich betrete die "Galerie der Faulheit" nicht. Das musste ich in mühsamen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, erst einmal lernen. Es war nicht leicht. Es hat auch oft keinen Spaß gemacht. Aber die dadurch erreichten Erfolge haben mich überzeugt. Ob es sich um regelmäßige Gymnastik handelt oder ungeliebte Termine auf der Agenda, schlimmer sind nur noch die von mir gerne aufgestellten, dennoch aus tiefstem Herzen gehassten "TO-DO-Listen". Zwar ordnen sie meinen Kopf und meine Handelsweise, sie abzuarbeiten, dazu gehört schon eine nötige Portion Disziplin.

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Karin Goller (Mittwoch, 02 März 2016 11:35)

    Hallo Marina, ja die To do Listen, wenn man sie nicht des öfteren abhakt, wird man in ein Chaos versinken. Aber auch ich muss gestehen, dass ich mich doch sehr oft davor drücke. Doch dann kommt mein Bookworm (innere Schweinehund) und mahnt und läst keine Ruhe.
    Ich bin froh, dass ich ihn habe. (lächelt)
    LG Karin Goller