Der Vollmond ist wieder da

 

Ich stehe wieder unter einem Baum. Hinter mir erneut die Wüste der Vergangenheit. Vor mir weiterhin das hoffnungsreiche Meer der Zukunft. Darüber scheint der Mond. Nicht die Sonne. Der Mond herrscht immer noch und immerzu über unseren Geist. Er nimmt mir gerne einen Teil der Nacht.  Die Ruhe hält er irgendwo gefesselt. Sie will mir nicht helfen, sie kann es nicht. Der Körper fühlt sich unwohl und wälzt sich von einer Seite auf die andere, bleibt auf dem Rücken liegen. 

 

Die Gedanken quälen sich schleppend auf dem Memory Lane. Alles scheint in einem wütenden Chaos verworren zu sein. Keine Tür öffnet uns die Erinnerung. Stumm schreit mich die Verzweiflung an. Mein Kopf schmerzt. In meinem Gehirn hat sich ein Gewitter verirrt. Seine Blitze ziehen ihre Ströme mit sich. Sein unsichtbarer Hammer trifft immer neue Stellen. Mal ist es der Hinterkopf, mal wird die Stirn getroffen. Dann klopft es wieder auf dem Scheitel. Am Ende springt das dumpfe Werkzeug noch einmal wild um sich. Kein Gedanke wagt sich in die Vernunft. Es ist ihnen zu gefährlich. Scharfsinn und Klugheit haben sich Urlaub genommen. Der gesunde Menschenverstand wartet den panischen Sturm ab.

 

Der Mond lacht sich eins ins Fäustchen (obwohl er gar keines hat). Je mehr Unruhe er anstiftet, desto mehr bläst er sich auf. Dominierend frohlockt er aus seiner privilegierten Position. Er schüttelt sich vor Lachen und wird nicht einmal mehr rot dabei. Sein Umfang scheint langsam aus den Fugen zu geraten. Aufgedunsen nimmt er seinen Lauf. Die Unrast hat ihm seine Bahn geebnet. Der Himmel genügt ihm nicht mehr. Er nähert sich der Erde. Die Menschen drehen durch. Rastlosigkeit und Wahn treiben viele hilflos in unbegreifliche Unfälle, andere verbringen unerklärliche Missetaten. Keiner kann sich wehren.

 

Erst, wenn der Mond sich ausgetobt hat. Erst dann verlässt ihn seine ungesunde Energie. Sein Hof wird kleiner. Er verliert an Kraft. Sein Angesicht beginnt zu verblassen. Er zieht sich langsam wieder zurück. Die Menschen atmen auf. Die Vernunft kann wieder unsere Gedanken leiten.

 

Mit einem mutigen Sprung ins kühle Meer der Zukunft blüht die Hoffnung auf und bringt uns den Mut zurück.

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Karin Goller (Mittwoch, 02 März 2016 11:25)

    Hallo Marina, du hast genau beschrieben, wie ich mich bei Vollmond fühle: durcheinander, nichts geht mehr und der Schlaf..., der will auch nicht kommen.
    Es treten dann ein paar Tage der Ruhe auf, doch dann fängt leider der ganze Zirkus von vorne an.
    LG Karin Goller