Vorurteile müssen in Toleranz mutieren

Piet Douma
Piet Douma

Auf Facebook habe ich einige nette Jungs aus Hamburg unter meinen Kontakten. ("Freunde" ist etwas übertrieben. Dieses Wort wird in den Netzwerken zu oberflächlich benutzt.) Die jungen Männer (soll sich geehrt fühlen, wer sich als älter empfindet) sind sehr sympathisch und in ihren Beiträgen, Kommentaren und "Likes" keineswegs hochnäsig. So, wie ich es mit einigen Leuten aus Hamburger Firmen erleben musste. Vielleicht sind sie im Berufsleben anders. Mag sein. In diesem Fall stellen sie für mich das beste Beispiel dar, mit dem ich anschaulich meine These vertreten kann.

 

Sie sind die wohltuende Ausnahme, mit der man sich vor der gefährlichen Verallgemeinerung schützen kann!

 

Ich habe in meinem Leben viel zu oft schlechte Erfahrungen mit Firmen aus Hamburg machen müssen - wobei es hingestellt sein mag, aus welcher Ecke die betreffenden Angestellten und Geschäftsführer kamen - , sodass ich meine zur Vorsicht mahnenden Antennen herausziehe, wenn ich wieder einmal mit Menschen aus dieser Stadt zu tun habe.

 

So könnte es angehen, würde ich aus einem Grashalm gleich auf einen Rasen schließen. Solche Vorurteile könnten fatale Auswirkungen mit sich bringen. Die Geschichte lehrt es uns doch. Warum lernen wir nichts daraus?

 

Gerade in dieser heutigen Multikulti-Gesellschaft, wo jeder, so fern er dazu fähig ist, sich sein Lieblingsland zum Arbeiten und Wohnen und Leben aussucht. Dann entstehen solche Familien, wie ich sie hautnah miterlebe:

 

Mutter ist Serbin, Vater ist Italiener, ihre Tochter ist Italienerin, hat einen Norweger geheiratet, dessen Vater (selbstverständlich?) Norweger ist, aber seine Mutter ist Holländerin. Nicht schlecht, nicht wahr? Nun haben die serbische Italienerin und ihr holländischer Norweger eine Tochter bekommen. Bleibt sie Norwegerin? Mit wie vielen Sprachen wird sie aufwachsen?

 

Dieses Beispiel ist nicht erfunden! Alle Beteiligten sind Personen aus dem wahren Leben und haben Namen und Daten! So unglaublich das klingen mag. Es wird immer häufiger der Fall sein.

 

Persönlich habe ich sehr viele negative Erfahrungen im Ausland gemacht.

Die Deutsche!

Und jedes Mal spürte ich die gesamte deutsche Geschichte auf meinen Schultern. Wie habe ich mich gewehrt! In den jungen Jahren, stets vehement und gereizt. Schließlich bin ich erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden. Aber das interessiert ja niemanden.

 

Heute kann ich souveräner damit umgehen. Aber ich kann ebenso gut verstehen, wie sich die Menschen fühlen, wenn sie mit dem Abschaum ihrer Nation gleichgestellt werden.

 

Böse Menschen gibt es überall. Da brauche ich nicht lange zu suchen. Die kann man in der nächsten Nachbarschaft finden. Jedoch kann ich nicht meinem neuen Nachbarn mit Misstrauen entgegenkommen, nur weil er aus einem Land oder einer Stadt kommt, mit dessen Bürger ich schlechte Erfahrungen gemacht habe.

 

Peter Maffay ist Rumäne. In den Achtzigern und Neunzigern bin ich durch halb Europa gereist, um seine Konzerte zu besuchen. Ich höre heute noch gerne seine Stimme. Vor ein paar Jahren hat mir ein rumänischer Junge auf dem Parkplatz eines Supermarktes meine Handtasche geklaut. Beide kommen aus demselben Land. Deshalb haben sie aber nicht dieselbe Lebensart!

 

Die Welt wird immer kleiner. Wir werden uns unumgänglich weiterhin vermischen. Dann gibt es nicht nur die Vereinigten Staaten von Amerika (wobei das Wort "Vereinigt" auch dort kaum Sinn hat) oder ein Auswandererland par excellence wie Australien. Auch in Europa werden die Menschen alle Herkunftsmerkmale durcheinanderbringen. In manchen Regionen wird noch viel für Tradition und Brauchtum getan. Aber die physischen Merkmale haben sich schon lange geändert. Das nennt man hier Integration.

 

Ich nehme noch einmal die USA als Beispiel. Ein echter Amerikaner ist immer noch der eingeborene Indianer! Alle anderen sind Einwanderer! (Da hilft auch das amerikanische Grundgesetz nicht, wer auf amerikanischem Boden zur Welt kommt erhält automatisch die Staatsbürgerschaft.) Darunter sind viele Deutsche! Noch mehr Briten, Iren, Italiener, Franzosen, Holländer und was das westliche Europa alles hergab! Sie hatten nur eines gemeinsam. Den dort geborenen Menschen ihr Land wegzunehmen und ihre eigenen Wurzeln schlagen. Warum sind sie denn nicht in ihren europäischen Ländern geblieben, in denen sie geboren waren?

 

Die Geschichte lehrt uns, dass die Vorurteile von heute schon die Ausreden von gestern gewesen sind.

 

Deshalb wird es sehr wichtig, eine gesunde, essentielle Toleranz aufzubauen. Dazu gehört, vor allen Dingen(!),

den Menschen als Individuum, als einzelne Person anzusehen und NIE als der Angehörige einer Nation, einer Rasse!

 

 

 

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