Ich liebe die frühe Morgenstunde

Benjamin Edelstein
Benjamin Edelstein

Ich liebe die frühe Morgenstunde. Sie bringt mir einen neuen Tag, gefüllt mit neuen Hoffnungen. Das gibt mir die Möglichkeit, Fehler von gestern zu korrigieren. Ich bekomme die erwartungsvollen Aussichten, mich zu verbessern.

 

Meine Selbstkritik ermüdet nie. Die seltenen Augenblicke, in denen sie mir kurzen Beifall spendet, dämmen sofort ein, sobald sie mir zeigt, wo ich mich noch steigern könnte. Und mag es sich nur um ein klitzekleines Detail handeln, mit dem ich das Ganze noch etwas ausfeilen und verfeinern kann.

 

Für manch andere mögen es unbemerkbare Winzigkeiten sein. Ich kann mich daran ernsthaft stören. Mit der Zeit habe ich gelernt, damit ruhiger umzugehen. Oft schlafe ich erst einmal eine Nacht darüber.

 

NIE WIEDER INSTINKTIV REAGIEREN!

 

Das habe ich mir schon seit langem vorgenommen. Vor allem bei wichtigen Entscheidungen. Damit kann man viel besser agieren, als mit vorschnellen Schlussfolgerungen. Dasselbe gilt auch für voreilige Worte. Sind sie erst einmal ausgesprochen, wird es oft sehr mühsam, das nachkommende Dementi erklären zu müssen.

 

In unserer schnelllebigen Gesellschaft fordern viele eine Antwort, noch bevor sie die Frage gestellt haben. Wobei es intelligenter wäre, den Kern der Angelegenheit erst einmal zu überdenken, damit man eine sinnvolle Aussage von sich geben kann. Ich habe schon immer Menschen bewundert, die sich Zeit lassen beim Sprechen, beim Antworten, beim Formulieren. Sie werden gelobt, weil sie so gut wie „druckreif“ sprechen können. Nun, das geht nur, wenn man sich auch die nötige Zeit dazu gibt. Und, wenn man seine Wörter langsam ausspricht.

 

Diese überschnelle Aussprache ist erst in den letzten Jahren in Umlauf gekommen. Mag es auch an den Synchronsprechern liegen, die in den europäischen Sprachen wenig Zeit haben, den kurzen englischen Text zu interpretieren. Mag es an der unvernünftigen Weise liegen, mit der wir die modernen Kommunikationstechniken angenommen haben. Ich denke da nur an die unmögliche Vergewaltigung jeglicher Sprache in der ersten SMS-Zeit! Das war grauenhaft!

 

Deshalb wäre es doch sehr gesund und vernünftig, manchmal einfach anzuhalten, sich irgendwo still hinzusetzen oder einen kleinen Spaziergang zu machen. Nachdenken, analysieren, den Gedanken die Gelegenheit geben, eine gewisse Ordnung reinzubringen. Dann werden die Sätze wieder klarer und verständlicher. Die Wörter finden erneut ihren Weg. Eines der wichtigsten Komponenten in unserem schnellen Leben ist doch immer mehr eine ausdrucksstarke Kommunikation. Und die will gut vorbereitet sein.

 

Und das jeden Morgen...

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Karin Goller (Samstag, 23 Juli 2016 17:06)

    Ja, es ist richtig, man sollte sich Zeit nehmen, alles noch einmal überdenken und dann handeln. Doch vielfach ist das leider nicht mehr möglich. Die Medien, die Handys, die immer öfter benutzen Tablets und und und
    Ich jedoch überdenke alles erst einmal, schon damit ich niemanden verletze durch mein übereiltes Urteil.
    Ich schlafe erst einmal, wenn ich etwas entscheiden muss, denn ich bin leider sehr ungeduldig.
    Aber da sollte niemand drunter leiden müssen.
    LG Karin Goller