Eindrücke aus Norwegen

Man muss nicht hoch bis Bergen fahren, um den Geist von Peer Gynt zu spüren. Ich bin die Südküste Norwegens lang gefahren. Von Stavanger bis Kristiansand mit einem Ausflug bis hoch nach Landeskogen.

 

Gelebt habe ich in den letzten Wochen zwischen Farsund und Vanse. Das sind beliebte Orte für die Sommerferien der Norweger. Hier erinnern die verzweigten Fjorde weitläufig an die Lagunen in Venedig. Das Wasser ist sauberer. Die Schiffe sind kleiner. Ozeanriesen bleiben in den großen Häfen. Hier begegnet man gemütlichen Fischerbooten der Einheimischen oder sportlichen Motorjachten der Touristen und Küstenbewohner.

 

Das unglaublich klare Salzwasser ist umringt von bewaldeten Bergen. Hier und da ragen abgerundete Felsen aus dem Meer. Dabei handelt es sich um Jahrtausende alte Gletscher, die tief unten am Meeresboden verankert sind. Die Schifffahrt wird von ihnen geführt. Besonders die kleineren Steine haben gefährliche Ausläufer.

 

Hin und wieder wird der Skipper gezwungen, kleine Inselchen zu umfahren. So unglaublich wie es aussehen mag, diese Eilande sind oft sogar mit einem oder zwei Ferienhäusern bebaut. Natürlich stellt sich sofort die Frage, welches Naturleben man dort antrifft. Jedoch ist es nicht so unbequem wie es aussieht. Die Elektrizität kommt von Solarzellen. Damit wird auch die Heizung betrieben. Selbst mitten im Sommer kann es manchmal unangenehm kalt werden. Die Kanalisation, hingegen, wird mit einem Biofilter versehen.

 

An der Küste gibt es eine einzige große Straße, die E43. Wenn ich auf ihr entlang fuhr, fragte ich häufig meinen norwegischen Gastgeber: „Süßwasser oder Salzwasser?“ Links und rechts begleiteten uns Seen und Fjorde. Auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Als wir hoch nach Eiken und schließlich weiter hinein bis Landeskogen fuhren begleiteten uns, auch auf der ansteigenden Bergstraße, immer wieder größere Seen.

 

In Landeskogen wurde ein ehemaliges Sanatorium für Tuberkulosekranke zu einem Friedenszentrum umgebaut. Ich muss zugeben, dass ich leichte Gänsehaut spürte, als ich das erste Zimmer des Museums betrat. Rechts ein Trabi, in der Mitte Soldaten in Uniform, darüber die Schrift Checkpoint Charlie. Links stand auch noch ein kleines Auto aus der DDR, aber ich konnte nicht erkennen, um welches Modell es sich gehandelt hatte. Schnell ging ich weiter und durchforstete die anderen Räume. Jeder kleine oder große Saal war mit Friedenssymbolen ausgestattet.

 

Draußen im Wald warteten Elche, die man füttern und streicheln durfte. Ihr rundes Geweih ist schon märchenhaft. Die Erinnerung an den Weihnachtsmann lässt nicht lange auf sich warten.

 

Am letzten Tag hatte ich die Fähre nach Dänemark schon um acht Uhr morgens gebucht. Das bedeutete: Abfahrt gegen fünf Uhr. Die Sonne gähnte über dem Meer. Sie war gerade dabei, wach zu werden. Mit ihren ersten Strahlen färbte sie den Himmel in ein unglaublich schönes Rosarot.

 

Auf der Innenseite des Landes, dampften die Seen in bezaubernden Nebelschleiern. Manchmal kam es mir vor, als ob kleine Perlenketten aus dem Wasser ragten und nach oben strebten. Wohin sie ihre kleinen Kunstobjekte bringen wollten, war mir schleierhaft. Irgendwann verschwanden sie in den Baumkronen der dichten Wälder, auf denen sich noch tiefliegende Wolken ausruhten.

 

Hinter der nächsten Kurve geisterte mir wieder ein See entgegen. Beinahe wäre ich zu stark auf die Bremse getreten. Zu meinem Glück waren die Straßen in dieser frühen Morgenstunde so gut wie leer. Dennoch wollte ich dieses gruselig schöne Schauspiel genießen. Zwischen dem Schilf, einige Meter vom Ufer entfernt, waren ein paar kleine Boote verankert. Einen Steg konnte ich nicht entdecken. Ebenso sah ich kein Wasser, nur den Dunst der Niemandszeit. Die Boote schienen irgendwo im Nichts zu schweben. Das war wohl mein beklemmend schönstes Bild, dem ich begegnet bin. Leider konnte ich nicht anhalten und fotografieren. Aber ich habe es in meiner Seele fest verankert.

 

Es fehlte nur noch, dass Elfen und Gnome mich zum Abschied grüßten...

 

 

 

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