Meine Emotionen bei der "Traviata" in Rom

 

 

Für die Inszenierung der Verdi-Oper „La Traviata“ in Rom wurde kräftig die Werbetrommel gerührt. Kein Wunder. Für die Regie war eine Oscar-prämierte Hollywood-Regisseurin gerufen worden. Sofia Coppola stand vor ihrem Operndebüt. Valentino Garavani hat sich noch einmal seinem Publikum gestellt und bei den Kostümen mitgearbeitet. Auch wenn es „nur“ die Bühnenroben für Violetta gewesen sind. Alle anderen Kostüme wurden von seinem kollaudierten Designer-Paar entworfen, die jetzt in der Chef-Etage sind, wohl aber schon seit über zwanzig Jahren für und mit Valentino gearbeitet haben. Der weltberühmte Designer hat auch Jahre nach seinem Rücktritt noch sehr viele Fans weltweit. (Für ihn schreibe ich einen Extra-Blog. Er ist es mir wert. Den Grund dafür könnt ihr morgen lesen.)

 

„La Traviata“ ist eine der berühmtesten Opern von Giuseppe Verdi. Mein Mann kennt jede Arie auswendig. Leider singt er sie auch gerne mit, vor allem, wenn wir sie zu Hause anhören. Letzten Samstag hatten wir dieses außergewöhnliche Vergnügen auf Arte. Die viel dokumentierte und ausgiebig besprochene „Traviata“ in Rom wurde gesendet. Natürlich handelte es sich um die Premieren-Vorstellung mit seinem ganz besonderen Publikum. Wie so oft, fehlt es dem größten Teil der Zuschauer an jeglichem Musikverständnis. Wen stört das schon? Hauptsache man kommt mit einem Kleid von Valentino auf den Roten Teppich. Am besten noch vom Maestro selbst, also Original-Vintage. Denn, seine weltweit verstreuten Kundinnen wissen sehr genau, dass er seine Maison schon vor einigen Jahren verkauft hatte.

 

Aber niemand hat mir Federica Dotto präsentiert! Geschweige denn Antonio Poli oder gar Roberto Frontali. Diese Oper dreht sich um drei Hauptfiguren, die ihre künstlerischen Grenzen überschreiten müssen. „La Traviata“ ist zwar eine sehr populäre Oper, mit viel Belcanto, dessen Arien gerne zu Ohrwürmern werden können. Dazu trägt auch der von Verdi sehr beliebte ¾-Takt bei. Aber, damit dieser Gesang wirklich so schön und gefühlvoll werden kann, benötigen die Sänger ihre absolute Stimmgewalt und noch einen Tick mehr.

 

Wie gesagt, mein Mann, singt die Arien gerne mit. Aber dieses Mal hat er sehr bald damit aufgehört. Ohne Werbung, ohne Pausen haben wir die Oper in einem Atemzug durchgezogen. Die drei Hauptstimmen waren brillant, aber das schauspielerische Talent von Violetta vereint mit ihrer wunderschönen Sopranstimme hat uns bis hin zu ihrem letzten Atemzug (natürlich nur auf der Bühne!) in ihrem Bann gehalten. Nie zuvor (und ich habe schon einige Aufführungen von der „Traviata“ in meinem Leben gesehen), jedoch nie zuvor habe ich mich so involvieren lassen. Francesca Dotto hat mich mitgerissen und mir alle Leiden von Violetta herzzerreißend mitfühlen lassen. Ich war gerührt von ihrer Bravour als Schauspielerin und noch mehr von der überwältigenden Kontrolle ihrer Stimme. Schließlich muss sie sehr viel Schmerz mit leisen Klangfarben herüberbringen. Das gelang ihr ausgezeichnet. Und sie ist noch nicht einmal dreißig Jahre alt!

 

 

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