Wenn Kritik ins Gegenteil umschlägt

Ein älteres Ehepaar aus dem Saarland hatte Ende September in Würzburg übernachten wollen oder besser gesagt, eine Autopanne hat sie mehr oder weniger dazu gezwungen. Da sie gegen Mitternacht erst 60 km entfernt ein passendes Zimmer gefunden hatten, wollten sie deshalb die Stadt kritisieren und zukünftig einen Bogen um sie machen.

 

Nun, kein freies Zimmer in einem Hotel mit Nachtportier, denn darum ging es ja. Pensionen und Gaststätten kann man mitten in der Nacht nicht erreichen. Das ist aber doch ein sehr positiver Zustand für die Stadt Würzburg. Schließlich lebt sie nicht nur vom Tourismus, sondern beherbergt auch gerne Geschäftsleute, die zu Tagungen und Seminaren und Messen und aus sonstigen, beruflichen Gründen in diese Stadt kommen. Und die Universitäten mit ihren renommierten Forschungszentren sollten auch nicht unterschätzt werden. In einer „dynamischen, aktiven Stadt“, wie Würzburg kürzlich sogar eine Rangliste angeführt hatte, in einer späten Septembernacht kein Zimmer zu finden, das ist für mich sehr positiv zu beurteilen.

 

Ich habe auch ein ähnliches Abenteuer erlebt. Damals fuhr ich von Neapel nach Rom. Es war eine Geschäftsreise mit meinem Mann und einem unserer Partner. Jedoch hatten wir ignoriert, dass am nächsten Tag in der Hauptstadt die Beerdigung eines der beliebtesten Schauspieler der Nation, Alberto Sordi, stattfinden sollte. Unser Geschäftspartner hatte einen guten Freund bei der römischen Kriminalpolizei. Jedoch konnte selbst dieser uns nicht helfen. Rom ist sehr groß und hat entsprechend viele Hotels. Die dennoch dem Anlass zufolge alle belegt waren. So mussten wir weiterfahren.

 

Bald verließen wir die Autobahn und versuchten es auf den Staatsstraßen. Mitten in der Nacht klopften wir an einfachen Pensionen entlang der Straße an. Niemand öffnete. Kein Wunder. Schon weit nach Mitternacht fuhren wir wieder auf die Autobahn. Übernächtigt, müde, aber noch nicht resigniert. Erst in Perugia fanden wir ein Hotel. Nachts, um drei Uhr. Doch deshalb haben wir nicht im Geringsten daran gedacht, die Stadt Rom dafür verantwortlich zu machen oder gar eine zukünftige Antipathie zu hegen.

 

Das kann schon mal vorkommen. Das Ehepaar aus dem Saarland hatte eine Autopanne. Aber deshalb müssen in einer Stadt wie Würzburg nicht unbedingt die Zimmer frei sein. Der Artikel darüber war in der letzten Wochenendausgabe der Lokalzeitung mit einer netten Statistik verbunden worden. Die sechs größten Hotels der Stadt mit Zimmerangabe und Verfügbarkeit. Nun ja, 8. Oktober und beide Hotels mit über 200 Zimmern hatten gerade mal 4 bis 8 Zimmer zur Verfügung. Andere waren total belegt. Die Hotellerie der Stadt wird sich darüber ganz bestimmt freuen!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0