Es hat mich wieder erwischt

 

Habe keine Stimme mehr! Die Erkältung legt sich gerne auf meine Stimmbänder nieder. Dort macht sie es sich richtig gemütlich. Vielleicht fühlt sie sich auf diesen Organen besonders wohl. Vielleicht ist es ein Zeichen, wieder einmal schweigend die Welt zu beobachten. Spannend ist es auf jeden Fall. Irritieren tut es auch, wenn man eingreifen, spontan einen Kommentar loswerden oder nur mal schnell eine Frage stellen möchte. Dann forciert man die Stimme unbewusst, wird jedoch nach wenigen Worten schon gestraft. Mit beißendem Schmerz. Mit pochendem Husten.

 

Meine Stimme hat sich eine, wie ich hoffe kurze, Auszeit genommen. Kein Telefon, kein Gespräch. Vor allem die männlichen Leser werden jetzt grinsen und sich nicht verkneifen können, frohlockend einen sehr globalen, trotzdem nicht unbedingt nachvollziehbar Gedanken zu genießen. Ja, ich gehöre auch zu den Frauen, die gerne ihre eigene Stimme hören, auch wenn sie keinen besonderen Timbre besitzt.

 

Aber nun heißt es für mich: viel zuhören, lesen und natürlich schreiben. Da kann auch einiges zusammenkommen!

 

Erholsam ist es schon, wenn man sich klar wird, wie viele unnötige Wörter doch tagtäglich ausgesprochen werden. Da ich mich nur auf das Allerallernötigste limitiere, lächle ich oft in mir, wenn ich etwas sagen möchte und es doch nicht tue, und anschließend mir selbst zugebe, dass es eigentlich gar nicht so wichtig gewesen ist.

 

Zugegeben, mittlerweile werden auch viele unnötige Wörter geschrieben, als Kommentare auf Facebook, als kurze Mitteilungen, oft kaum verständlich, auf Twitter. Früher waren es einmal die SMS, aus denen  beinahe eine neue Sprache aufgekommen wäre. Mit all den Abkürzungen! Doch die gehören auch schon der Vergangenheit an. Dann kam der Chat. Was man dort nicht alles ... erraten musste!

 

Ich liebe meine Freunde in der weiten Welt, die sich noch die Zeit nehmen, vollständige Wörter zu schreiben! Egal, in welcher Sprache. Und ich liebe euch, die ihr euch die Zeit nehmt, meine Wörter zu lesen...

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Bernd Paruschke (Freitag, 16 Dezember 2016 22:38)

    Liebe Marina,

    es ist immer schön Ihre Zeilen zu lesen, in den sprachästhetischen Genuss Ihrer feinsinnig geschriebenen Beiträge zu kommen.

    Ich hoffe, dass Ihre beinahe Stimmlosigkeit, zu der Sie erkältungsbedingt gezwungen wurden, sich zusammen mit dem pochenden Husten bald wieder gelegt hatte und sie sich so kurz vor dem Weihnachtsfest wieder bester Gesundheit erfreuen können(?)!

    Es ist seltsam, doch ich verbinde manchmal beim Lesen die Wörter mit einer auf eine bestimmte Weise mir vorgestellten Stimme.

    So hat ein Bild des Autors oder der Autorin bereits Einfluss auf diese innere Vorstellung.

    Ihre Stimme stelle ich mir auch ohne besonderes Timbre wohlklingend vor!

    Mehrere Monate war ich krankheitsbedingt fast schon verschollen, verbrachte davon fünf Wochen in einer Klinik 300 km entfernt von Zuhause.

    Ihr Buch "Das Spiel", was ich mir doch mit Spannung sofort nach seinem Erscheinen für mein Tablet zugelegt hatte, wartet nun darauf, alsbald gelesen zu werden.

    Ich wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr 2017.

    Mit vielen lieben Grüßen aus Hannover

    Bernd