Wie besinnlich wird Weihnachten in Deutschland 2017?

 

Weihnachten

Das Fest der Liebe. Das Fest der Besinnung. Das Fest der Versöhnung. Das Fest der Hypokrisie.

 

 

Spendenaufrufe gibt es das ganze Jahr über. Jedoch niemals in einer solch widerlichen Anhäufung wie in der Adventszeit. Sie kommen per Post, damit sie den ganz persönlichen Nerv treffen sollen. Sie kommen im Fernsehen getarnt als „Galas der Musik“. Wer mitmacht hat ein gutes Herz, wer überhaupt nicht dazu schaltet hat einen gesunden Menschenverstand. Warum muss ich mir gerade zur Weihnachtszeit vorwerfen lassen, wie gut es mir (angeblich) geht und wie schlecht es anderen Menschen geht? Mit welcher Arroganz werden diese Shows abgezogen? Vielleicht gehöre ich auch zu den Bedürftigen? Wie viele Menschen sind krank und leiden für sich, weil sie keinen Freund oder Verwandten haben, der den richtigen Journalisten kennt und seine Tragödie ins Fernsehen bringt? Wie viele Menschen sind arm und schämen sich ihrer Situation? Ihnen bleibt nur noch ein Funke menschlicher Würde, mit der sie verzweifelt versuchen, die Achtung vor sich selbst nicht zu verlieren.

Damit sind wir bei der trostlosesten aller Weihnachtsgefühle – der Nächstenliebe!

 

Weihnachten soll man nicht alleine feiern. Ladet die Einsamen zu euch ein.

 

Gebt den Obdachlosen ein warmes Essen.

 

Wunderbar! Dann sind eure Gewissen wieder reingewaschen von allen Sünden, die sich im Laufe eines Jahres anhäufen! Wie peinlich das Ganze ist, wenn man zwei Tage später darüber nachdenkt. Der Einsame ist wieder allein. Der Obdachlose kehrte zurück an seinen Platz auf der Straße. Die Welt ist erneut in ihrer gewohnten Ordnung. Den Weihnachtstag haben sie nicht alleine verbringen müssen. Das schreit doch nach Hypokrisie! Entweder kümmere ich mich um den alleinlebenden Verwandten oder den depressiven Freund auch an anderen Tagen des Jahres, aber ich heuchle nicht irgendeine „christliche“ Nächstenliebe, die nach Egoismus nur so stinkt.

 

Mein Gewissen ist rein. Ich habe dich ja an Weihnachten nicht alleine gelassen. Morgen kannst du wieder deinen Depressionen Gesellschaft leisten. Ich habe meinen Zoll als Christ erfüllt.

 

Wie ekelhaft!

 

Dieses Jahr wird das Weihnachtsfest in Deutschland von einem furchtbaren Anschlag auf ahnungslose Menschen geprägt: Ein Lkw rast über einen Weihnachtsmarkt. Er will zerstören. Er will töten. Viele Menschen sind davon betroffen? Aber leider sind viele auch bereit gewesen, sich weder zu schockieren, noch in Panik zu geraten, sondern blitzschnell ihr Smartphone, das sowieso schon in ihren Händen war, bereitzustellen und sinnlos zu filmen und zu fotografieren. Diese Menschen verschwenden keinen Gedanken, um zu helfen. Sie befriedigen nur ihre eiskalte, gefühllose Sensationslust.

 

Das ist die Kehrseite unserer heutigen Gesellschaft! Aber diese unwürdigen Personen werden totgeschwiegen im Echo der Entrüstung und Kritik für banale und viel leichter angreifbare Personen und Institutionen. Ich will nicht auf die unendlichen, spekulativen Berichterstattungen eingehen, die uns einen Terroranschlag beinahe live miterleben lassen wollen. Das ist sinnlos und ignorant. Kein intelligenter Mensch spricht über etwas, das er (noch) nicht kennt, von dem er (noch) keine Fakten hat.

 

Ich war nur angewidert von der „Erschütterung“ so mancher offizieller Sprecher. In dieser kurzlebigen Zeit ist der Verstand wohl schon total überfüllt von News und Infos und Google und was weiß ich! Dabei wurde doch gerade kurz vor den Weihnachtsmärkten gewarnt, sie könnten Angriffsziele für Terroristen werden. Die Sicherheit sollte auch im kleinsten Dorf verstärkt werden. Hat sich jemand daran erinnert? Ist Berlin als Hauptstadt nicht ein perfektes Ziel gewesen? Wo waren die verstärkten Sicherheitsbestimmungen? Jetzt aufzumarschieren ist mehr als geschmacklos und ein Affront gegenüber den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer!

 

Jedoch, so wie ich diese Welt beobachte, bin ich sicher, dass sich die meisten der Menschen bis zum Wochenende wieder erholt haben. Ihr Weihnachtsfest wird sich nicht ändern. Schließlich sind die Geschenke schon gekauft. Der Weihnachtsbaum ist schon geschmückt. Das Essen mag auch schon weitgehend bestellt oder die Zutaten vorbereitet sein. Kaum jemand wird in diesen „schönen und friedlichen“ Stunden noch eine Sekunde an den Anschlag in Berlin denken oder an die Millionen von Menschen, die, Tag für Tag, und auf die verschiedensten Weisen, ihr Leben riskieren.

 

 

 

Weihnachten - ein magisches Wort

 

 

Es sollte für Frieden stehen. Es sollte für Hoffnung stehen.

 

Ein kleiner Junge ward geboren.

 

 

 

Und wie bei jedem neugeborenen Erdenbürger hofft man, dass er besser und intelligenter sein würde. Dass er Frieden und Liebe in sein neues Leben einbringe und diese ehrbar und mit großem Eifer und Ausdauer unter den Menschen austeile...

 

 

Mein berufliches Leben hat mich stets auch an Weihnachten arbeiten lassen. Da fiel es mir nicht schwer, ein „Frohe Weihnachten“ als freundlichen Gruß zu verwenden. Er lockerte die Stimmung und holte ein überzeugendes Lächeln auf die Lippen. Die Kerzen leuchteten bis ins Herz und die Atmosphäre hüllte sich in ein festliches Vergnügen. Deshalb fehlt mir meine frühere, berufliche Tätigkeit in diesen Feiertagen sehr...

 

 

 

 

 

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