Der erste Abend in der Elbphilharmonie

 

Eigentlich mag ich Thomas Hengelbrock nur, wenn er nicht gerade Beethoven dirigiert, das ist für mich weiterhin sehr gewöhnungsbedürftig. Aber was er sich bei dem Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie gedacht hat, kann ich nicht nachvollziehen.

 

So weit es ging habe ich die Konzertsäle stets vermieden, wenn diese sogenannten zeitgenössischen Klänge - es fällt mir schwer sie Musik zu nennen -  auf dem Programm standen. Wenn Töne aneinandergereiht werden bis die Instrumente nicht mehr erkennbar sind. Wenn der Rhythmus aus dem Saal gemobbt wird und die Harmonie Urlaub bekommt. Dann ist es kein Ohrenschmaus mehr, sondern eher psychische Folter. Genau, wie das Eröffnungskonzert in Hamburg.

 

Ein Konzertsaal der Superlative wurde eingeweiht mit Tönen und Ausführungen, die jede Akustik beleidigen. Vielleicht hat sie sich deshalb bemüht, die kleinen, großen Mängel einiger Stücke besonders hervorzuheben. Leider kann ich mir den zauberhaften Klang nur von den Erzählungen der illustren Gäste vorstellen. Kein medialer Empfang überträgt die Magie, die man spürt, wenn man selbst im Konzertsaal sitzt. Diese Emotion kenne ich nur zu gut.

 

Zwar verflucht man still und innerlich den Nachbarn, der schon wieder vergebens versucht, die papierne Hülle eines Bonbons geräuschlos zu öffnen. Irgendwo räuspert sich jemand gefährlich, sodass man beim nächsten Pianissimo auf einen Anfall aus der Nase oder dem Mund gefasst sein muss. Am schlimmsten sind immer der Sprung zwischen den Sätzen der Sinfonien oder die wirklich kurzen Pausen innerhalb einer Opernaufführung. Da geht oft ein richtiger Sturm an Husten und Niesen und Schnaufen durch den Saal. Noch störender als das Bonbon oder gar so mancher unangepasste Flüsterton.

 

Alle diese kleinen Unannehmlichkeiten können sich, aneinandergereiht, sehr negativ auf einen Abend auswirken. In der Elbphilharmonie sollte man sogar das Atmen einstellen. Die Akustik des Saales wäre so ausgesprochen delikat, dass man die Gedanken hören könnte, würde man sich nur ein wenig konzentrieren. Ich hoffe, es wird sich mit der Zeit etwas legen. Denn, jede Bewegung, jeder tiefe Atemzug würde den Noten missfallen, die sich hier wahrlich in ihrer ganzen Schönheit ausbreiten können. Falls sie harmonisch und meisterhaft aneinander komponiert worden sind. Und nicht diese ungereimten Töne von sich geben müssen, die das Publikum bei dem ausgesprochen unangebrachten Eröffnungskonzert anhören mussten.

 

Die Musik ist eine der schönsten und ältesten Künste überhaupt. Aber auch hier gilt: wer die Antike liebt kann sich kaum mit der Moderne anfreunden. So ist es auch mit den Melodien. Wer Mozart, Beethoven & Co. liebt, der kann sich nicht mit Stockhausen, Berio oder gar noch lebenden Komponisten befassen.

Vielleicht wollte Hengelbrock dem Eröffnungskonzert eine ausgesprochen kühle, ungemein avantgardistische, beinahe surreale Atmosphäre verleihen, und damit den Saal gebührend prägen. Jedoch wäre dies nicht nötig gewesen. Das moderne Design und die Ausstrahlung dieses, immerhin wie ein antikes Amphitheater angelegten, Saales trugen allein schon zur Verzauberung derjenigen bei, die dort präsent sein durften.

Ich finde es sehr angenehm, im selben Gebäude ein schönes Hotel vorzufinden. Sobald ich die Gelegenheit haben werde, beide Vorzüge auszukosten, werde ich mich wieder dazu äußern...

 

 

 

 

 

 

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