Die Gefahren in den sozialen Netzwerken

Foto: MJ Todd
Foto: MJ Todd

 

 

 

 

Gestern war ich bei einem Vortrag über „Facebook, Twitter & Co.“ Der Referent war im richtigen Alter, hatte Informatik studiert und sein Berufsleben dem Computerzeitalter angepasst. Seine Aufzählung der Vorteile war nachvollziehbar. Die gegenüberstehende Liste der Nachteile etwas weniger. Ein Argument wird immer wieder in den Vordergrund gezogen, jedoch kann ich dem einfach nicht zustimmen.

 

Ich arbeite und beschäftige mich mit den sozialen Netzwerken seit mehr als zehn Jahren. Zuerst war es Neugierde, dann machte es Spaß, letztendlich fand ich aber auch die nützliche Seite sehr ansprechend. Nur eines kann ich einfach nicht verstehen: die Angst der Menschen, ihre Privacy könnte verletzt werden, der Datenschutz soll sicherer werden.

 

Erst einmal sollte man sich doch voll im Klaren sein, was man im Netz von sich preisgibt. Jeden Tag scrolle ich über sehr viel Unsinn. Viele nehmen die sozialen Netzwerke als Ventil für ihre Gefühle und ihre ganz persönlichen Meinungen.

 

Was esse, trinke, fühle, denke ich gerade. Was ist meine Meinung zu diesem Post.

 

Besonders in öffentlichen Profilen, die Nachrichten verbreiten, werden oft Kommentare gepostet, die mich an die Stammtische von früher erinnern. Da wurde doch auch alles Mögliche und Unmögliche gesagt. Da gab es doch auch gerne verbale Reibereien. Dafür ging man doch dorthin.

 

Dasselbe gilt für die oft nicht ganz jugend- und gewaltfreien Kommentare in Gruppen und Foren von Sportvereinen. Das hat ebenfalls nichts damit zu tun, dass man in den sozialen Netzwerken unter falschem Namen auftreten kann. Jedes Stadion und jeder Platz, wo Sport stattfindet, kennt dieselben Kommentare. Da hilft es nichts, wenn man etwas mehr Geld ausgibt und auf der Haupttribüne einen ruhigeren Platz sucht. Viele gehen in ein Stadion, nicht nur zum Anfeuern, sondern auch, um sich selbst abzureagieren. Dadurch werden die Bemerkungen schärfer und vor allem ungeschliffener. Keiner verlangt jedoch den Datenschutz seiner soeben verbreiteten Wörter, die er dem Schiedsrichter oder dem Spieler zugeschrien hat.

 

Darüber denken auch diejenigen nicht nach, wenn sie sich auf der Straße, im Café, auf einem öffentlichen Platz befinden und diskutieren. Das gehört zum „realen“ Leben. Die Umstehenden oder Passanten im Vorbeigehen sind Fremde, die doch eigentlich gar nicht zuhören. Wirklich? Wenn jemand lautstark, oder auch ganz normal, in der Öffentlichkeit telefoniert, dann bekommt seine Umgebung das Gespräch mit, ob sie das will oder nicht. Besonders in Bussen und Bahnen ist es unvermeidbar. Wie viele Gespräche habe ich mitanhören müssen, ohne daran im Geringsten interessiert zu sein. Da fragt derjenige nicht nach seiner Privacy.

 

Und denkt jetzt bitte nicht, das sind Ausnahmen. Im „realen“ Leben sind diese Menschen keineswegs mehr selten. Im Gegenteil. Die Menschen mutieren genauso schnell wie die Technologie. Zu Beginn der Handy-Ära - ja ich kenne die Welt auch noch ohne! -  war es doch offensichtlich, wie sehr die stolzen Besitzer dieser neuen mobilen Telefone damit angeben wollten. Kein öffentlicher Ort war vor ihnen sicher. Ist es auch heute nicht. Nur, dass die Smartphones jetzt das Internet mit einbeziehen und deshalb die linke Hand „stumm surfen“ kann, während die rechte Hand versucht, das Essen vom Teller zielgerecht in den Mund zu befördern.

 

Aber zurück zum Internet und seinen unbegrenzten Möglichkeiten. Ich kann dort sehr viel finden, wenn ich etwas recherchiere. Und dabei habe ich die Gelegenheit, sehr nette Leute kennenzulernen. Das Netz gibt mir die Möglichkeit, Menschen zu kontaktieren, die ich im „realen“ Leben kaum so schnell und gut erreichen könnte. Das ging mir so, als ich einen Zeitungsartikel über Nanoplaneten, die sich in gigantische Diamanten verwandeln, gelesen habe. Sofort fand ich über Google den im Artikel zitierten amerikanischen Professor. Ich kontaktierte ihn mühelos und wir hatten einen sehr interessanten Austausch. So etwas wäre im „realen“ Leben überaus komplizierter bis unmöglich gewesen.

 

Und noch ein großer Vorteil, der mir persönlich sehr gelegen kommt: In den sozialen Netzen kann ich mich viel besser verteidigen. In dieser Hinsicht sollte man sich doch bei Facebook einmal bedanken. Ungebetene Kontakte können sehr effektiv eliminiert werden.

 

Folglich sollte sich jeder bewusst sein, was er von sich preis gibt und wie er das Internet benutzt. Es ist ein wunderbares Instrument, unsere Welt ein wenig kleiner zu gestalten, unseren Horizont etwas weiter zu öffnen. Wir haben unzählige Möglichkeiten. Wir sollten sie nutzen und nicht immer nur kritisieren. Das liegt auch viel an der Natur der Einzelnen. Datenschutz und Privacy gibt es auch im Großraumbüro nicht. Jeder ist für seine Taten und seine Worte selbst verantwortlich. Also gebt nicht Facebook und Twitter die Schuld, sondern euch allein.

 

Das solltet ihr berücksichtigen, wenn ihr wieder einmal Bilder ins Netz stellt. Das funktioniert genau so, als ob ihr das Foto auf irgendeinen öffentlichen Platz legt, wo es jeder sehen und auflesen und mitnehmen kann.

 

Noch ein Wort zum Datenverkehr im Internet. Wenn ihr in Online-Shops irgendwo ein Produkt sucht und anschließend findet ihr die entsprechende, zielgenaue Werbung neben euren Mails oder auf euren sozialen Netzwerken und sie nervt euch. Nun, in den ersten Zeiten hat es mich auch genervt, laufend die kurz mal angeklickten Produkte zu sehen. Bald fand ich aber heraus, dass ich, besonders auf Facebook, diese Werbung kostenlos für meine eigene nutzen kann.

 

Bitte beschwert euch auch nicht über die lieben „Cookies“, die dazu verhelfen, diese Daten über eure Vorlieben zu sammeln und auszuwerten. Schon vor zwanzig Jahren gab es die Treuekarten der großen Einkaufsketten. Damit wurden eure Kassenbons gesammelt und ausgewertet. Aber das schien euch damals nicht zu stören. Oder habt ihr es nur nicht gewusst?

 

Ebenso geht es mit den Adressen. Die beliebten Gewinnspiele verlangen alle eine Adresse, wenn nicht sogar eine Telefonnummer. Da macht ihr doch gerne mit. Im Telefonbuch wollt ihr doch auch noch stehen. Das ist öffentlich und sagt viel über euch aus. Über Namen kann man sogar das Alter schätzen. Dort ist eure Adresse jedem erhältlich. Und was den Verkauf von Adressen angeht, den gab es auch vor dem Internet. Durch das Internet sind die Gefahren nicht größer geworden, sie kommen nur von einer anderen Seite. Aber geändert hat sich nur unser Benehmen, keineswegs die Gefährlichkeit an sich.

 

Ich versuche, im Internet genauso vorsichtig zu sein wie im realen Leben. Ein gesundes Misstrauen hilft mir dabei. Wobei ich die Betonung auf das Wort „gesund“ legen möchte. Denn, ich bleibe ebenso offen für alle mir nützlichen Informationen und positiven Gelegenheiten und schönen Begegnungen, die mir das „Welt Weite Netz“ bietet.

 

 

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