Meine Rezension für Rolf Vollmann "Die wunderbaren Falschmünzer"

Auf Seite 1081 hatte selbst der Verleger genug und zählte nicht weiter. Die aufwendigen vier Register waren fast beendet. Es gab noch ein paar Seiten hübsche Werbung für weitere Bücher aus diesem Verlag.

 

Ich hatte schon viel früher aufgehört, ordentlich zu lesen. Normalerweise gönne ich jedem Buch, das ich ernsthaft und interessiert lese, Wort für Wort. Nur, wenn es mich total nervt, ich es trotzdem zu Ende bringen möchte, beginne ich quer zu lesen.

 

Allein der Schreibstil von Rolf Vollmann ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Er schreibt seine Gedanken nieder, wie sie ihm einfallen, ohne zu beachten, welchen Satz er gerade begonnen hat. Sein Lektor wird wohl genauso überfordert gewesen sein. Jedenfalls gibt es immer wieder Sätze, die man unendlich wiederholen kann, ohne sie besser oder überhaupt zu verstehen! Falls man sich, auf der Suche nach einem Punkt, nicht im Labyrinth seiner zahllosen Satzzeichen schon frühzeitig verliert.

 

Oft kam ich an einem Punkt an und wusste wirklich nicht mehr, welcher Sinn seit wann in diesem endlosen Satz verfolgt werden sollte. Immerhin war der Anfang irgendwo auf der letzten Seite. Ganz schlimm waren die krassen Gegensätze: Telegraphisch kurze Beschreibungen (Vollmann würde nun eine Fußnote einfügen und den Leser fragen, ob er den Begriff „telegraphisch“ überhaupt noch kennt), also extrem wortkarge Exposés, jedoch mit Kommas aneinandergereiht, oft bis zum Ende der Zusammenfassung!

 

Da ich gerade seine Fußnoten angesprochen habe. Es war das erste Mal, dass ich mich durch das Meer, an mehr oder weniger interessanten und oft überhaupt nicht themenverbundenen, Bemerkungen hindurch gearbeitet habe. Auch diese konnte man, wie ich es normalerweise pflege, gerne und unbesorgt ignorieren. Diese verschachtelten Sätze wollten viel zu oft mehrmals gelesen werden und dann verstand ich sie immer noch nicht!

 

Der Inhalt dieses Buches, das immerhin die Romane von 1800 bis 1930 vorstellen wollte, ist für mich ungemein interessant gewesen, da ich die klassische Literatur und natürlich auch Romane sehr gerne lese. Aber Vollmanns chaotischer Stil verminderte sehr das Lesevergnügen. Ich blieb dabei, weil ich auf die sehr vielen Informationen über die angebotene literarische Epoche neugierig war. Mehrere Schriftsteller waren mir bekannt, jedoch gab es auch sehr viele, die im Meer des Gewöhnlichen untergegangen sein mögen. Erschreckend fand ich oft die Zitate und Auszüge aus Büchern, die keineswegs lesenswert waren.

 

So manche Neue konnte ich annehmen, bei einigen Schriftstellern waren wir hin und wieder der gleichen Meinung. Aber seine Aversion gegen Hermann Hesse war mir doch unverständlich. Vollmann hatte auch nicht alle Romane der von ihm gewählten Zeit besprochen. Nicht einmal die wichtigsten oder größten Werke. Ich definiere gerne „groß“ ohne Fußnote: ein großes Werk wird von mehreren Generationen gelesen und bestimmt nicht nur seine Epoche, sondern fügt sich in die klassische Literatur ein. Zwei Drittel der von Vollmann besprochenen Werke gehören wohl nicht dazu.

 

Jedoch fand ich auch in dieser schwierigen Lektüre etwas ungemein Positives. Nachdem ich mich durch das Buch von Rolf Vollmann bis zur letzten Seite gequält habe, wird es mir nicht mehr schwer fallen, je wieder ein Exposé zu schreiben. Ich habe so viele Zusammenfassungen, mit und ohne Auszüge gelesen, dass ich gerne zugebe, alleine diese Übung hat es gelohnt, sich durch das ganze Buch zu kämpfen.

 

Hin und wieder überraschte mich Vollmann mit sehr guten Sätzen. Sie sind leider die Ausnahme gewesen in einem Meer der überflüssigen Wörter über längst vergessene Bücher, die schon lange nicht mehr gedruckt werden...

 

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