Die Ignoranz und meine Auslegungen

 

Manchmal wünscht man sich

ein wenig Zustimmung, ein positives Erlebnis, eine kleine Bestätigung, ein freundliches Lächeln.

 

 

Man hofft, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Man ersehnt ein paar Worte, einen kleinen Satz, die bekräftigten, wie gut man gearbeitet hat. Man freut sich über jedes fremde, aber besonders über die bekannten Gesichter, wenn sie uns mit einem Lächeln begegnen.

 

Anerkennung, Lob und Freundlichkeit

kann man nicht kaufen.

 

Leider kann man sie sich auch oft nicht verdienen.

 

Das verhindert der Neid, die Einfältigkeit, die Eifersucht.

 

 

Ein gefährliches Trio, das überall lauert und unseren Enthusiasmus vertreibt. Es ist nicht leicht, diese Drei einfach abblitzen zu lassen. Nicht jeden Tag hat man die Kraft dazu.

 

 

Am Ende unserer Zeit muss jedoch die Balance stimmen.

 

 

Ideal wäre ein klitzekleiner Vorsprung für die schönen Momente. In denen das glückliche Lachen den Dämonen keine Chance gelassen hatte. In denen die Bewunderer zahlreicher gewesen sind als die Neider. In denen die Freundlichkeit über den Argwohn siegen konnte.

 

Genau deshalb müssen wir uns zeitig wappnen. Mit Geduld und einer robusten Ausdauer und mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft. Wir dürfen uns nicht immer wieder herunterziehen lassen von Menschen, die nur Negatives sehen, in allem und jedem, der ihnen begegnet.

 

Diese Menschen sind Gift für die Seele, sie haben selbst kaum noch Gefühle im Herzen. Bitterkeit und Gram fressen ihren Verstand. Da sie mit sich selbst im Unreinen sind, keine Erfolge aufweisen können, nie das bekommen haben, was sie sich gewünscht hatten, toben sie sich gerne bei anderen aus. Sie finden in jeder guten Tat das berühmte „Haar in der Suppe“. Sie verwerfen unsere Wörter und Sätze, geben den harmonischen Zwischentönen eine abstoßende Interpretation.

 

Sie schleichen sich gerne mit doppelzüngigen Aussagen heran. Jedoch beabsichtigen sie nur, uns weh zu tun.

 

Manchmal scheint es mir, dass sie ihre bösartige Provokation nicht einmal wahrnehmen. Auf jeden Fall leugnen sie gerne, wenn man sie direkt darauf anspricht.

 

Ihre Unsicherheit, ihre Minderwertigkeitskomplexe, ihre eigene Sucht nach Anerkennung treiben sie in den charakterlosen Neid, lassen sie in der grundlosen Eifersucht irren.

 

 

Bleibt auf der Hut vor diesen arglistigen Menschen.

Zeigt ihnen die kalte Schulter.

Klickt sie aus, im Internet wie auch im realen Wesen.

 

 

Ich versuche, jeden mit Ignoranz zu strafen, der mich verletzen will. Denn, gerade diese Menschen vertragen es überhaupt nicht, ignoriert zu werden.

 

Ja, so interpretiere ich dieses gefährliche Wort

Ignoranz.

 

 

Viele empfinden sofort eine Beleidigung, noch bevor diese Buchstaben alle ausgesprochen sind. Sie hören nicht auf die jeweilige Interpretation. Sie schmeißen sich nur auf die eine, weit verbreitete Auslegung. In diesem gewaltigen Begriff steckt jedoch noch viel mehr. Zum besseren Verständnis will ich eine kleine Begebenheit erzählen, die vor vielen Jahren in meinem Leben stattgefunden hat. Ihr wunderbarer Kern hat sich auf meinem Memory Lane tief verwurzelt. Jedes Mal, wenn ich daran denke, schwebt ein zufriedenes Lächeln um meine Seele.

 

 

 

In den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts lebte ich in Italien. Dort gab es schon unzählige Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern. Sehr viele hatten eine gute Arbeit gefunden, lebten absichtlich in spartanischen Verhältnissen und sendeten den größten Teil ihres Einkommens ihrer Familie nach Afrika.

 

Jedoch gab es immer wieder ein paar Clevere, die sich bei den entsprechenden Großhändlern Billigware aus den asiatischen Ländern besorgten und versuchten, diese auf der Straße zu verkaufen. Das waren keine Almosen, aber nur wenige wussten das.

 

Ich war gerade dabei, den Inhalt eines Einkaufswagens in den Kofferraum meines Autos zu verstauen. Da kam ein sehr groß gewachsener, schwarzer Mann auf mich zu. Um den Hals hing sein Holzkasten, bestückt mit dem verschiedensten Billig-Kram, den ich bereits gut kannte. Einer meiner Großhändler hatte einen Nebenraum, in dem ich auf Ware und „Händler“ einmal, zufällig und ungewollt, einen Blick werfen konnte.

 

Ich streifte den Typen mit meinem Blick, gerade so weit, dass ich einschätzen konnte, wie nahe er mir kam und welche Absichten er hatte. Es waren sehr clevere Männer, zwar blieben sie auf meist auf höflichem Abstand, aber sie waren hartnäckig und unangenehm.

 

In seinem hart gebrochenen Italienisch bot er mir zuerst seine Ware freundlich feil. Ich ging nicht darauf ein, d. h. ich ignorierte ihn. Dann fragte er mich, ob er den Einkaufswagen zurückbringen dürfte. Darin steckte damals noch ein Geldstück. Ich antwortete mit einem knappen Nein. Also, versuchte er es mit der Mitleids-Tour. Leider war die schon voll in den Achtziger Jahren aus- und abgenutzt. Zudem kannte ich ja den „Händler-Typ“. Folglich ignorierte ich ihn weiter.

 

Endlich hatte ich meinen Einkaufswagen völlig geleert. Leicht genervt schloss ich den Kofferraum und auch das Auto. Als ich den Wagen zurück an seinen Platz bringen wollte, zischte der Typ: Du bist IGNORANT! Der Ton war gefährlich leise. Die Worte sollten jedoch extrem beleidigend rüberkommen.

 

 Ich hielt kurz an, sah in seine dunklen Augen, die nicht einmal von dem strahlend weißen Augapfel erhellt wurden, und lächelte ihn triumphierend an. „Bravo! Endlich hast du kapiert, dass ich dich IGNORIERE!“

 

Vielleicht steht dieser Typ heute noch auf dem Parkplatz des Supermarktes und kann seinen erstaunten Mund noch nicht schließen! 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Jeannette Lüders (Sonntag, 08 Oktober 2017 12:25)

    Das hast du sehr schön in Worte gefasst, was eigentlich schwer zu erklären ist...