Novembergedanken zu Allerheiligen

Im November befinden sich die kontemplativsten Feiertage im Kalender. Alle haben mit dem Tod zu tun. Alle wollen den Respekt und die Erinnerung an Menschen, die von uns gegangen sind, die für uns gestorben sind.

 

Luther wird nicht umsonst seinen Reformationstag so nahe an diese „Gedenktage“ gestellt haben. Einst gab es, neben Allerheiligen, auch noch Allerseelen. Irgendwann wurde dies dann doch etwas zu viel des Guten. Gleich zwei, drei Tage zum Besinnen? Das grenzte schon beinahe an eine klösterliche Klausur. Wobei die meisten Menschen diese Tage ohnehin nicht (mehr) sehr religiös nehmen, sondern eher pragmatisch. Es sind arbeitsfreie Tage, gerne mitten in der Woche, da kann man doch einen kleinen Urlaub herausholen.

 

Eigentlich hätte man Allerheiligen ausfallen lassen und Allerseelen beibehalten können. Der erste ist ein überaus katholischer Feiertag. Heilige zu würdigen, das ist nicht jedermanns Sache. Gerade in der heutigen Zeit, sehe ich ihn auch nicht mehr als bundesweiten Feiertag. Der zweite würde da schon eher passen. Schließlich sollte er Alle Seelen würdigen, denen unser Erinnerungsvermögen mächtig ist.

 

Also, nicht nur Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte. Es gibt bestimmt auch Menschen, die wir nicht persönlich kennengelernt, die jedoch für unsere Bildung, unsere Sicherheit, unseren Fortschritt sehr viel getan haben. Auf ihre Gräber legen wir keine Blumen, zünden wir keine Kerzen an, weil es ihre “letzten Ruhestätten“ vielleicht gar nicht mehr gibt. Dennoch sollten wir uns an diese Menschen erinnern, auch wenn wir nicht einmal ihren Namen kennen.

 

 

 

Viele Seelen der Vergangenheit gehörten genau den Pionieren,

 

ohne deren Entdeckungen und Erfindungen

 

wir heute nicht mehr leben möchten!

 

 

 

Eine kurze Besinnung in diese Richtung, ein kleiner Anflug der Dankbarkeit für jene oftmals Unbekannten, würde diesem Tag einen neuen, einzigartigen Aspekt erteilen.

 

 Selbstverständlich respektiere ich nur die “Guten“. Es ist mir völlig bewusst, dass es auch “Böse“ gegeben hat, die ich gerne ignoriere, auch wenn die Ergebnisse ihrer teuflischen Errungenschaften nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken sind.

 

Der November ist, wenigstens in diesen Breitengraden, der klassische Monat (gewesen?), der uns endgültig das warme Wetter mit Nebel und Sturm wegbläst und den kalten Winter einläutet. Vielleicht auch daher ein passender Besinnungsmonat. Damit wir langsam eingehen auf die festliche Weihnachtsstimmung. Damit wir in Spenden- und Schenken-Laune kommen. Damit es uns wärmer ums Herz wird ... werden soll.

 

Als ob die heutige Menschheit sich nicht selbst sehr gut “einstimmen“ lässt. Viele sind schon dem Kaufwahn(sinn) verfallen. Der Konsumteufel beginnt ja bereits im September, die Menschen darauf einzustimmen.

 

Und doch würde es unserer Seele sehr gut tun, in diesem kalten, garstigen Novembermonat mal kurz anzuhalten, sich vielleicht mit einem Heißgetränk auf das Sofa kuscheln, und:

 

 

über sich selbst nachdenken!

 

 

 

Bei dieser intensiven Bemühung, sich selbst näher zu kommen, werdet ihr überrascht sein, wie vielen Menschen ihr auf diesem Gedankenspaziergang begegnen werdet. Das wird äußerst spannend und sehr interessant! Vielleicht kommt euch dann zugleich in den Sinn, an wen ihr euch erinnern solltet, solange er oder sie noch leben.

 

 

 

Es ist leichter als ihr denkt, einfach  zu sagen:

 

Ich habe dich nicht vergessen!

 

Ich will mich bei dir bedanken!

 

Ich will mich bei dir entschuldigen!

 

Oder,

 

aus irgendeinem ganz persönlichen Grund:

 

Ich will dich wiedersehen, wieder hören...

 

wieder lesen...

 

 

 

 

 

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