Eine etwas andere Lyriksammlung

 

Vor einigen Tagen hatte ich eine sehr nette Begegnung in meiner virtuellen Welt. Xenia Hügel besuchte meine Webseite. Nicht jeder stellt sich vor, wenn er sich dort ein wenig umsieht. Manche hinterlassen nette Worte im Gästebuch. Andere schreiben ihre Kommentare direkt unter den Blog, über den sie gerne sprechen möchten.

 

Xenia Hügel hat mir ein überraschendes Geschenk zukommen lassen: ihre kleine Lyriksammlung „Bruchstücke des Glücks“.

 

Schon allein der Titel machte mich neugierig. Sind es „abgebrochene“ Gedanken? Ich liebe es, mit Worten zu spielen, den Sinn zu abstrahieren, das Kopfkino anzuregen.  Deshalb überwand ich gerne die anfänglichen Schwierigkeiten beim Lesen dieser, oft nur wenige Zeilen in Anspruch nehmenden, Poesien. Der fehlende Rhythmus lässt den Leser nur stockend vorwärts kommen. Doch dann sah ich diese Gedankenspiele als Fragmente an, die von der Autorin, ohne erkennbaren Zusammenhang, auf die knapp 32 Seiten ihres Büchleins geworfen worden waren. Hin und wieder stolperte ich sogar über diesen eigenwilligen Stil, der die grammatikalischen Regeln der deutschen Sprache zu sprengen versucht. Gerade dieser Aspekt hatte mich anfangs etwas gestört, jedoch habe ich zu verschiedenen Zeiten, wechselnde Stimmungen, die meine Empfindungen sehr stark beeinflussen.

 

Vielleicht geht das auch anderen Lesern so: Manchmal muss man sich selbst von etwas überzeugen. Gelernt habe ich diesen „Lesestil“ bei dem Meisterstück von Gabriel Garcia Marquez und seinem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“. Zunächst wollte ich das Buch ablehnen. Es blieb einige Jahre in meinem Bücherschrank. Hartnäckig oder geduldig, wartete es auf den richtigen Moment. Als ich es wieder aufgeschlagen hatte, war ich aufnahmebereit für die wunderbare Poesie, die sich in diesen Seiten verbirgt.

 

In der Lyrik suche ich nach Tiefe, die mich zum Nachdenken animiert. Hier bei Xenia Hügel fand ich dazu diesen einzigartigen Satz: Ein Land das viele Füße betritt. Wie bitte? Ist es nicht das Gegenteil? Kann ein Land meine Füße betreten, wenn es doch eigentlich gerade diese sind, die mich in ein Land bringen sollen? Wie geht das? Will ein Land mich also so sehr faszinieren, dass es in meine Füße eindringt und sie dazu bringt, mich dorthin zu führen? Ich ließ diese Zeile wie eine süße Delikatesse auf meiner Zunge zergehen bis ihre Wirkung meinen Kopf erreicht hatte.

 

Ich liebe diese bisweilen skurril klingenden Wortspielereien. Sie lassen meine Seele atmen. Mit ihnen kann ich die Welt um mich vergessen, als wenn mein Kopfkino sich in einem spannenden Roman befinden würde. Dann lass ich mich mitreißen und genieße diese Momentaufnahmen. Es sind nicht mehr als Zeugen eines kurzen Augenblicks und doch stecken tiefe Gefühle in ihnen.

 

Man sollte dieses Büchlein nicht einfach durchlesen. Man sollte diese „Bruchstücke“ einfach genießen, wie süße Bonmots und in ihnen schwelgen. Die Wirkung wird nicht auf sich warten lassen.

 

Nachdem man hier gerade noch wunderlich gestaunt hat, spürt man dort eine prickelnde Erregung und wird anderswo schon wieder vor den Kopf gestoßen und zum Nachdenken angeregt.

 

Mein großer Favorit könnte Die Zauberformel sein. Wäre da nicht Die Reise, Mein Wasser, Samt, Selbstliebe...