Warum unser Lieblingsgetränk mehr Respekt verdient

 

Wie oft bin ich in der Würzburger Spiegelstraße an der Kaffeemanufaktur vorbeigegangen und hatte mir vorgenommen, das nächste Mal einzutreten, um hier einen frisch gerösteten Kaffee zu genießen. Aber die Zeit bleibt nicht stehen, und was man sich einst vorgenommen geht häufig im Strudel der Hektik unter. Umso begeisterter nahm ich die Einladung zu einem „Lady Treffen“ in der Kaffeerösterei im Rahmen der Business Class-Events der IHK an.

 

Der Kaffee war ausgezeichnet. Daran hatte ich auch nicht gezweifelt. Was mich sofort begeistert aufhorchen ließ, war die Geschichte, die dahinter steckte. Mein neugieriges Wesen erfuhr bedeutende Details, die ich nicht mehr für möglich gehalten hätte.

 

So wie die mühsame Handarbeit beim Pflücken der Kaffeekirschen. Ja, die Frucht der Kaffeepflanze nennt sich „Kaffeekirsche“. Ein sehr schönes Wort, das ich auch erst dazu gelernt habe! Sehr ansprechend, weil die Beeren in ihrer vollen Reife sich in ein tiefes Rot eintauchen, eben wie die Kirsche.

 

Die zumeist sehr steilen Berghänge der Anbauflächen erlauben keinen maschinellen Einsatz. Auch nicht im 21. Jahrhundert. Und zudem reifen nicht alle Kaffeekirschen zur gleichen Zeit. Sie müssen also ausgewählt abgepflückt werden. Jede einzeln. Mit der Hand. Es folgt eine ebenfalls manuelle Vorbereitung der Früchte bis sie endlich in Säcken auf Schiffe verladen und in die großen Häfen verfrachtet werden. Der Kaffee ist seit Jahrhunderten weltweit sehr beliebt und kaum jemand kann sich heutzutage seinen Tagesablauf ohne das aromastarke Energiegetränk vorstellen.

 

Seine schwindelerregenden Zahlen, ließen mich zu einem weiteren Gedanken kommen. Wenn ein Pflücker eine Woche benötigt, um einen Sack voll zu bekommen, wie viele Menschen haben hier einen festen Arbeitsplatz? Oder haben auch die Kaffeebauer schon Schwierigkeiten, gute „Fachkräfte“ zu bekommen?

 

 Jedoch blitzte diese Überlegung nur sekundenkurz durch meinen Kopf. Die Geschichte des Kaffees war einfach viel zu interessant, als dass ich mich weiter ablenken konnte. Ein flüchtiger Blick in die Runde bestätigte mir, dass ich mit meiner Begeisterung nicht alleine hier saß.  

 

Wenig später gruppierten wir uns vor eine traditionelle Röstmaschine und lauschten dem nächsten interessanten Vortrag, während die Rohkaffeebohnen sich gerade in dieser Trommel zu den besser bekannten braunen Kaffeebohnen verwandelten. Dabei entsprang diesem Gerät ein Aroma, das allein schon alle meine Gehirnzellen aufmunterte. Nachdem ich gelernt hatte, dass der beste Kaffee vorzugsweise schwarz zu trinken sei, gingen wir auch schon auf die nächste Überraschung zu.

 

In der Zwischenzeit hatten einige Mitarbeiter des Ladens in einem anderen Raum ein „Cupping“ vorbereitet. So nennt sich eine professionelle Kaffeeprobe. Dabei wird aus einem breiten Glas der vorbereitete Kaffee mit einem Löffel regelrecht auf die Zunge geschlürft. Anschließend muss man einen Schluck Wasser trinken, damit Zunge und Gaumen sich neutralisieren und den Eigengeschmack der nächsten Kaffeeprobe wieder erkennen können. Fünf verschiedene Kaffees aus fünf verschiedenen Anbaugebieten von Äthiopien über Indien bis über die Karibik nach Mittelamerika standen bereit.

 

Damit nicht genug.

 

Ich liebe Kaffee, trinke fast ausschließlich Espresso, aber zu gewissen Zeiten und an gewissen Orten schätze ich auch eine gute Tasse Tee. Das habe ich in England gelernt. Und im Sommer gibt es nichts Besseres für heiße Tage als marokkanische Minze. Heiß getrunken wirkt sie sofort gegen Hitze und balanciert die Körpertemperatur perfekt aus. Deshalb wunderte ich mich nicht, als wir vor gut 70 verschiedenen Teesorten standen.

 

Und wer sich in der kalten Jahreszeit gerne eine heiße Schokolade zubereitet, kann hier ebenfalls ausgesuchte Qualitäten dafür finden.

 

Es war ein ganz besonderes Erlebnis, mit allen Sinnen zu erfahren, wie viel Herzblut hinter unserem Lieblingsgetränk steckt. Wir sollten nicht immer alles für selbstverständlich halten.

 

Seit einiger Zeit bereite ich meinen Espresso mit einer aromatischen Fair-Trade-Mischung zu. Warum sie so magenfreundlich ist, das erfährt man am besten bei einem Kaffee-Seminar ... in der Kaffee Manufaktur von Andrea Werner. Man spürt ihre Begeisterung bei jedem Wort. Sie liebt ihre Arbeit und ist sich voll der Nische bewusst, die sie im großen Meer der industriellen Kaffees seit 15 Jahren erfolgreich aufgebaut hat.

 

Ab heute trinke ich meinen Espresso mit noch mehr Respekt für alle involvierten und engagierten Kaffeebauern rund um den Äquator. 

 

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