Gedanken beim Spazierengehen

 

Ich verlasse den separaten Gehweg und mache es mir auf der linken Seite der engen Straße bequem. Das hat mir schon meine Großmutter im jüngsten Kindesalter beigebracht. Immer gegen die Fahrtrichtung laufen, damit die ankommenden Autofahrer mich sehen können.

 

In diesen engen norwegischen Straßen wird mit sehr großem Respekt gefahren. Hin und wieder gibt es in der Nähe einer kleinen Ansiedlung ein Schild, das auf Kinder und Hunde hinweist.

 

Die Stille der Natur lässt jedes Auto schon von weitem ankündigen. Die Fahrzeuge kommen einzeln. Bisher sind mir noch keine zwei Autos hintereinander begegnet. Der Verkehr entspricht den weitläufigen Ansiedelungen. Mal ein Bauernhaus hier, dann wieder einfachere Wohnhäuser bis hin zu supermodernen Ferienbungalows. Zwischendurch ein paar sehr alte Häuser, teils unbewohnt, wenigstens lässt sich das auf die vom dichten Gras überwachsene Anfahrt hindeuten.

 

Im Wald plätschert das Wasser des Baches, der den See mit dem Fjord verbindet. Aber sehen lässt er sich nicht. Das wilde Gebüsch bietet ihm einen natürlichen Tunnel. Irgendwo da unten hatte jemand eine breite Holzbrücke gebaut. Der Weg zu ihr wurde in den Jahren von dichtem Gehölz und eifrigen Waldpflanzen überwachsen.

 

Neugierig laufe ich auf die dunkle Kurve zu. Sie scheint in einen dunklen Wald zu führen. Unerschrocken laufe ich hinein in das finstere Gehölz. Sobald ich jedoch die Kurve erreiche und ihre Richtung beibehalte wird es sofort hell und freundlich. Wieder tauchen Häuser aus dem Nichts auf. Die Straße führt zwischen ihnen hindurch bis hinunter zum Fjord.

 

Es ist still, unglaublich still. Kein Vogelgezwitscher, kein Grillengezirpe, nur hin und wieder der ferne Motor eines Autos. Die Landstraße hatte ich schon seit ein paar Minuten verlassen. Dieser enge Weg wurde im Grunde nur von den Anliegern benutzt. Oder von neugierigen Spaziergängern wie mich. Begegnet bin ich niemandem. Nur ein intelligenter kleiner Hund kommt hinter einem Haus hervor, bleibt jedoch auf seinem Rasen stehen, bellt nicht, wedelt nur mit dem Schwanz. Ich grüße ihn freundlich und gehe weiter.

 

Die Häuser zeigen mir den Baustil verschiedener Generationen. Dennoch werde ich überraschend daran erinnert, dass ich mich, trotz der ungewohnten Wildnis, im 21. Jahrhundert befinde. Plötzlich kommt mir am ansteigenden Wegrand etwas Dunkles entgegen. Ich musste schmunzeln, als ich den Roboter erkannte. In vielen Gärten ist er hier tätig. Ein paar Augenblicke sehe ich ihm bei seiner Arbeit zu. Es ist wirklich bewundernswert, wie toll er den Rand seines Gebietes erkennt und ebenso intelligent in die einzig freie Richtung weiterfährt.

 

 

 

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