Das winzige Detail für den täglichen Ärger

 

 

 

Bin ich wirklich in einer anderen Welt? Ich will mich nicht auf meine grauen Haare beziehen, und schon gar nicht auf mein Alter. Diese Bemerkung habe ich früher bei älteren Menschen auch nicht ausstehen können. Aber ich komme mir langsam vor wie auf dem falschen Planeten. Ist es möglich, dass die Höflichkeit in Vergessenheit geraten ist? Kann es sein, dass die Respektlosigkeit keine Ausnahme mehr darstellt?

 

Freundlichkeit und Dienstleistungen paaren sich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Was mich dabei so sehr ärgert: ich fühle mich steinalt, weil ich noch andere Zeiten erleben durfte.

 

Dazu ein kleines Erlebnis vom heutigen Einkauf in einem Supermarkt: ich hatte nur drei Päckchen Nudeln gekauft. Unsere Lieblingsmarke war gerade in diesem Supermarkt im Angebot gewesen. Ich stehe also an der Kasse, hole meine Münzen heraus und bezahle den kleinen Betrag. Anschließend bin ich dabei, meine restlichen Münzen und den Kassenbeleg in meine Geldbörse zu verstauen und diese zu schließen. In der Zwischenzeit öffnet mein Mann eine mitgebrachte Einkaufstasche, um die drei Päckchen dort zu verstauen. Das alles sind eigentlich ganz normale Vorgänge. Wäre da nicht die hastige Kassiererin gewesen. Sie hätte sich keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie meinem Mann die drei Päckchen über den schmalen Tisch gereicht hätte. Aber was tat sie? Sie stand ruckartig von ihrem Stuhl auf und schob ihre niedrige Eingangstür gegen meinen Mann mit den warnenden Worten: „Vorsicht!“ Schlüpfte durch die enge Öffnung, die gleichzeitig für die Waren diente und verschwand grußlos. Wir beide sahen uns an und schüttelten nur den Kopf.

 

Es mag für einige Haarspalterei bedeuten. Für mich ist es ein kleines Detail, das mir ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hätte, wenn sie meinem Mann behilflich gewesen wäre, oder, wie in diesem Fall, ein Ärgernis auslöste, das mich bis zum Auto begleitet hatte.

 

Leider füllt sich unser Leben tagtäglich mit solchen winzigen Details. Manchmal registrieren wir sie kaum noch. An anderen Tagen beschäftigten sie uns viel zu lange.

 

Es wäre schön, wenn wir uns wieder etwas besinnen würden und ein wenig empathischer miteinander umgehen könnten. Ein nettes Wort, eine höfliche Geste, ein freundliches Lächeln kostet nichts. Dafür ernten wir dankbare Blicke, wenn nicht gar staunende Gesichter. Sofort wird die Welt ein klein wenig lebenswerter, harmonischer...

 

 

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