In einem Wartezimmer bei einem Arzt

 

 

 

Irgendwo. Irgendwann. Die Stille ist hörbar. Keiner spricht. Jeder behält seine Krankheit, seine Probleme für sich. Eine Frau sitzt in einer Ecke und blättert unbekümmert in einer Zeitschrift. Sie begleitet eine Patientin. Ihre Sorglosigkeit ist beinahe störend. Alle anderen beobachten sie mit leidenden Gesichtern. Wie sie schnell und geräuschvoll die Seiten umblättert. Wie sie neugierig und augenscheinlich interessiert einen Artikel liest. Ihre Entspanntheit kann tatsächlich irritieren. Die anderen haben alle ein Problem, vorwiegend in ihrem Körper. Sie haben mit einer Unstimmigkeit zu kämpfen, die ihnen Schmerzen bereitet, die ihre Anspannung verursacht.

 

Plötzlich summt ein Handy im wohl bekannten „Vibrier-Ton“. Man stellt es stumm, aber es bleibt nicht stumm. Ein kurzes Umblicken im Wartezimmer. Die gleichgültigen oder suchenden Gesichter verrieten sofort, wer ein Handy bei sich trug. Das brummende Geräusch wollte nicht aufhören. Endlich griff die „Begleiterin“ in ihre Handtasche. Und antwortete in die Stille hinein. Kurz und knapp, aber laut und deutlich. Jeder konnte sich den Dialog zusammenreimen. Die Fragen aus den Antworten erkennen. Treffpunkt und Zeit wurden bestätigt.

 

Ein weiteres Handy erklang im Normalton. Es wurde sofort still gedrückt. Die Besitzerin wartete geduldig bis der Signalton sie informierte, dass der Anrufer auf die Mailbox gesprochen hatte. Zufrieden schloss sie ihre Handtasche. Später kann sie die Nachricht abhören. Irgendwann. Nach dem Besuch beim Arzt. Irgendwo. Draußen.