Die Metamorphosen von Ovid

Gestern habe ich die Metamorphosen von Ovid zu Ende gelesen. Etwas wehmütig nahm ich Abschied von der poetischen Melodie seiner Prosa. Vielleicht lag es auch an der ausgezeichneten Übersetzung. Piero Bernardini Marzolla hat Ovid aus dem von mir überhaupt nicht geliebten Latein in meine Lieblingssprache Italienisch übertragen. Selbstverständlich trägt der Übersetzer sehr viel dazu bei, den Inhalt zu formen und oft auch verständlicher in die moderne Sprache herüberzubringen. Jedenfalls habe ich diese Lektüre von der ersten bis zur letzten Seite genossen. Gegen meine Gewohnheiten las ich auch die Einführung. In dieser wunderschönen Ausgabe der Klassikerbuchreihe I Millenni aus dem Einaudi Verlag fand ich einen sehr interessanten Essay von keinem geringeren als Italo Calvino. Ein großer italienischer Schriftsteller des 20. Jh. Nur einige Passagen des Trojanischen Krieges, die nun doch etwas zu detailversessen den makabren Horror beschrieben hatten, wurden von mir elegant übersprungen.

 

Obwohl ich den Inhalt vieler Erzählungen schon aus der Griechischen Mythologie und aus den Werken Homers sehr gut kannte, war ich hin und wieder dennoch überrascht und hielt nachdenklich an. Besonders ein Monolog gegen Ende des Buches hat mich sehr berührt.

 

Pitagoras kannte ich vorwiegend aus dem Mathematikunterricht. Hier wurde ihm von Ovid ein leidenschaftlicher Appell in den Mund gelegt, aus welchen vielfältigen Gründen man doch bitteschön Abstand vom Verzehr des Fleisches halten sollte. Ich bewunderte zunächst die Zeitepoche. Dann aber brachte er mich schnell zum Nachdenken: Welche Tiere fressen rohes Fleisch? Das sind überwiegend wilde Artgenossen, aber nicht die intelligenten wie Pferde und Elefanten! Daraus könnte man nun wirklich eine interessante Diskussion gestalten, die dem Philosophen Pitagoras gebührt. Selbst unter den Tieren gibt es sehr viele Vegetarier. Beim genauen Hinsehen sind es zumeist die weniger gefährlichen Arten. Blutrünstig scheinen nur die wilden Kreaturen zu sein. Sollte auch der Homo sapiens demzufolge wilder sein als er sich geben möchte?

 

Pitagoras (oder Ovid) geht sogar so weit und warnt davor, die eigenen Hilfskräfte zu essen. Wenn man bedenkt wie sehr damals noch die Rinder und Ochsen auf dem Feld dem Bauern bei der Arbeit geholfen hatten. Oder wie großzügig doch die Schafe sind, indem sie uns großzügig mit ihrer Wolle wärmen und auch sonst viel Milch abgeben, aus der man auch vorzüglichen Käse zubereiten kann. Und überhaupt hätte die Mutter aller Mütter, unsere Erde, doch so viel anzubieten an Cerealien, Gemüse und Obst und Kräutern, sodass man es getrost unterlassen könnte, Fleisch von Tieren zu essen.

 

Ich war sehr beeindruckt von dieser langen Ausführung. In meinem Leben habe ich schon viel gekostet. Bin in einer deutschen Familie aufgewachsen, in der tagtäglich tierische Produkte auf den Tisch kamen. Erst, als ich in Italien lebte und meinen Mann kennenlernte, verringerte sich mein Fleischkonsum drastisch. Pasta und Gemüse und Kräuter und, ja mehr Fisch, waren angesagt. Natürlich gibt es auch in Italien vielfältige Fleisch- und Fischgerichte, jedoch ist es auch dort sehr individuell.

 

Mit dem Fortschreiten der Jahre nahm unser Fleisch- und Wurstkonsum immer mehr ab. Fisch wurde wichtiger, weil Omega-3 den Augen eine sehr wichtige Hilfe bietet. Doch unsere liebste Hauptmahlzeit ist schon immer die Pasta mit ihren unendlichen Variationen gewesen. Nur die „nördlichen“ Kohlgemüse entziehen sich ihrem Charisma. Von A wie Auberginen über M wie Mangold bis hin zu Z wie Zucchini kann man so gut wie alle Gemüsesorten mit Pasta anrichten.

 

Zugegeben, ein völlig eingefleischter Vegetarier bin ich trotzdem nicht.

 

 

 

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