Ein Rückblick auf den Februar

 

 

 

 

Der Februar hat von allen Monaten die wenigsten Tage. Daher versucht er eifrig, jeden Tag so intensiv zu gestalten, damit wir die zwei, drei „fehlenden“ Tage überhaupt nicht bemerken.

 

Dieses Jahr begann er noch sehr winterlich mit eisigen Temperaturen, die sich im Laufe der Wochen in die Nächte zurückzogen. Tagsüber brachte er uns in den letzten Tagen überaus angenehme Frühlingsgefühle.

 

Ich erinnerte mich an meine Zeit in Mailand. Dort konnte man sich beinahe darauf verlassen. Der Winter zog mit Nebel und Regen und Kälte daher. Aber während der Modewoche stieg das Thermometer gerne und fast regelmäßig bis auf verlockende 20°C. Ich hatte noch nie ein Model mit Strümpfen auf der Straße erlebt.

 

Die Modewelt, und nicht nur sie, erlebten in den Modewochen ein trauriges Ambiente. Die Modeschauen wurden zu einer Hommage für den Designer, der sich nicht in den Ruhestand zurückziehen wollte. Wobei „Designer“ viel zu limitiert klingt, wenn man von Karl Lagerfeld spricht. Er war zeitlebens ein ... ja, eigentlich war er der Vorläufer der heutigen „Influencer“!

 

Sein geniales Stilvermögen hatte die Maison Chanel aus dem Dornröschenschlaf gerissen und wieder zu einer Weltmarke gebracht. Die Fendi-Schwestern haben ihm ebenfalls sehr viel zu verdanken. Aber damit nicht genug. Karl Lagerfeld fotografierte seine Models gerne selbst. Dabei zitierte er oft den Faust von Goethe. Den kannte er auswendig! Er besaß noch eine originale Gesamtausgabe der Werke dieses großen Dichters. Belesen war er auch. Seine immense Bibliothek konnte er selbst nicht mehr überschauen. Und in Bezug auf den „Influencer“ kann ich mich sehr gut an die Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern. Als seine Eltern starben, ließ er seine Wohnung in Paris mit ihren authentischen Biedermeiermöbeln einrichten. „Tout Paris“ wollte Biedermeier! Weit über die Stadtgrenzen hinaus löste sich eine hysterische Biedermeierwelle aus. Ich arbeitete damals schon auf dem internationalen Kunst- und Antiquitätenmarkt. Es waren überwältigende Jahre. Doch Lagerfeld lebte nur ein knappes Jahrzehnt in diesem Stil. Als sich viele mit dem biederen, deutsch-österreichischen Stil angefreundet hatten, wurden sie von ihrem „Influencer“ vor den Kopf gestoßen. Er gab sein gesamtes Mobiliar zur Auktion frei und richtete sich im kühlsten und klarsten Hightech-Design der Moderne ein.

 

Das war Karl Lagerfeld. Ich liebte ihn trotzdem. Sein hohes Alter rechtfertigt ein friedliches Ableben. Und Virginie Viard wird Chanel weiterleben lassen. Jedoch habe ich eine große Leere verspürt. Diese starken Persönlichkeiten gibt es nicht in jedem Jahrzehnt.

 

Der Februar hat sich somit wieder bestätigt. Er gibt vielen kranken Menschen den Gnadenstoß. Das musste ich auch in meiner eigenen Familie erfahren.

 

Dieses Jahr brachte er am 19.02.2019 auch noch den stärksten Vollmond mit, der sich gefährlich nahe an die Erde heranwagte. Das gilt jedoch nur für die wissenden und fühlenden Menschen, die die äußerst wirksame Kraft dieses Planeten kennen, schätzen, aber auch fürchten. Erst in sieben Jahren wird der Mond wieder so nahe an die Erde herankommen. Ist für mich trotzdem keine Beruhigung.

 

Bei allen diesen Aufregungen ging der „Tag der Muttersprache“ am 22.2. im allgemeinen Gefühlschaos unter. Hat es heutzutage überhaupt noch Sinn, von einer „Muttersprache“ zu sprechen? Innerhalb meiner eigenen und angeheirateten Verwandtschaft habe ich genügend Beispiele, die das neudeutsche Wort „Native Speaker“ (ja klar, kommt wieder einmal aus dem Englischen!?!) rechtfertigen. Nur ein Beispiel: Mutter ist Italienerin, Vater ist Norweger, doch die Tochter lernt zuerst Englisch, weil die Eltern sich in dieser Sprache verständigen, seit sie sich kennen. Hierzulande werden Kinder von ausländischen Eltern geboren, wachsen aber mit der Landessprache auf. Somit wird es wohl auch bei diesem Begriff „Muttersprache“ eine einschneidende Veränderung geben ... müssen. Irgendwann. Oder doch schon bald.

 

Was sich in Deutschland unerschütterlich aufrechterhält ist der Karneval, je nach Region auch Fastnacht oder Fasching genannt. Dieses Jahr fällt er mal wieder nicht in den Februar, sondern tobt sich im ersten Wochenende des nächsten Monats aus.  

 

Persönlich konnte ich mit diesen Maskeraden noch nie etwas anfangen. Mich für einen bestimmten Anlass zu kleiden und zu schminken ist meine ganz private Maskerade, die sich tagtäglich wiederholt. Natürlich fehlt dabei die närrische Ausgelassenheit, die viele in den kommenden Tagen nutzen, um einmal aus sich herauszukommen. Das kann ich wiederum sehr gut, wenn ich mir ein Fußballspiel anschaue! Für Satire und Kabarett gibt es das ganze Jahr über nette Menschen, die uns als professionelle „Narren“ den Spiegel der Zeit vorhalten.

 

Das ist natürlich meine ganz persönliche Meinung zu diesen Themen und die möchte sich keiner Verallgemeinerung unterziehen!