Aschermittwoch

 

Aschermittwoch. Auch so ein Scheideweg im Kalender. Die Narren haben sich (hoffentlich) ausgetobt. Das Wetter hatte ihnen dieses Jahr ziemlich zugesetzt. Aber davon lässt sich ein überzeugter Karnevalsfanatiker nicht abhalten. So mancher Rausch steckt noch in ihren Gliedern. Auch etwas, das ich nicht verstehen kann. Warum immer dieser überzogene Alkoholkonsum? Wer sich gerade in diesem langgezogenen, närrischen Wochenende total gehen lässt, gehört bestimmt nicht zu denen, die ab heute auf Alkohol verzichten.

 

Aschermittwoch ist der traditionelle Beginn der Fastenzeit.

 

Und doch wird dieser Tag in dem tiefkatholischen Italien kaum beachtet. Vor einigen Jahren, als ich noch in Italien lebte und voll im Berufsleben stand, nutzte ich diese sieben, endlos langen, Wochen, um keine Süßigkeiten mehr zu essen und den Zucker radikal zu reduzieren. Diese Selbstkasteiung hat im Italienischen den netten Namen fioretto.

 

Ich tat es nicht aus religiösen Gründen, sondern nahm diese Fastenzeit eher als Alibi, wieder einmal etwas gesünder zu leben. Nach ein, zwei Wochen begann das Obst und Gemüse und alles, was ich sonst (noch) aß, einen neuen, intensiveren Geschmack zu bekommen. Natürlich gab es zunächst auch kurze Entzugserscheinungen. Der Körper reagiert ja sofort mit Kopfschmerzen, wenn ihm etwas von jetzt auf gleich, entzogen wird. Doch ein fester Wille, der Zwillingsbruder der Disziplin, kann sehr gut dabei helfen, diese physischen Schmerzen durchzustehen.

 

In der Karwoche hatte mein Mund oft einen bitteren Geschmack. Mein Gehirn lechzte nach einem Stück Schokolade. Ich freute mich auf den Ostersonntag. Da buk ich gerne den leckeren Schokoladenkuchen Vivianne aus dem Film Chocolat! Ein toller Film mit Juliette Binoche und Johnny Depp! Muss man gesehen haben! Doch nicht immer mundete er mir. Manchmal war ich so vom Zucker entwöhnt, dass ich überhaupt keinen Appetit mehr dazu hatte. Das war damals. Heute habe ich mich ohnehin umgestellt.

 

Weniger Zucker ist seit einiger Zeit voll im Trend.

 

Sportler erzählen stolz, seit wie vielen Jahren sie keinen Zucker mehr zu sich nehmen. Moderatorinnen schreiben Bücher über das Leben ohne Zucker. Ich habe mich etwas softer mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe erst einmal den „raffinierten“ Zucker mit Rohrohrzucker ersetzt. Jedoch stimmt es schon. Mit weniger Zucker fühlt man sich fitter.

 

Demnach bleibt mir nicht mehr viel übrig: Alkohol trinke ich nur hin und wieder, Fleisch esse ich so gut wie selten, Süßigkeiten habe ich umgepolt und schon sehr von den unguten Zutaten „entschärft“.

 

Was bleibt, das wurde einmal Papst Benedikt vorgeschlagen, der die Italiener sehr gut kannte und wusste, dass sie kaum dazu bereit wären, sieben lange Wochen auf ihre ausgezeichnete Küche zu verzichten. Er riet damals, während der Fastenzeit seine Gedanken zu schonen, seine Sprache bewusster zu nutzen. Also: keine Schimpfwörter, nichts Negatives sagen oder denken. Ich fand es spannend, einmal sieben Wochen lang nur positiv Denken, niemanden (bei mir besonders im Straßenverkehr) zu beschimpfen oder gar beleidigen (wie geht das beim Fußball?).

 

Es ist eine Herausforderung, die man aber durchaus einmal überlegen könnte.