Parken ohne Münzen

 

 

Eine gute halbe Stunde fahre ich beinahe im Schritttempo durch die Stadt. Auf der Suche nach einem Parkplatz. Endlich finde ich ihn. In einer Seitenstraße. Mit drei Manövern hin und zurück dränge ich mich in die enge Lücke. Zufrieden steige ich aus. Für die nächsten zwei Stunden stehe ich gut.

 

Denkste!

 

Für den Parkschein benötige ich gelbe und silberfarbene Münzen! Keine Scheine, keine Geldkarten! Klingende (oft horrend dreckige) Münzen, die ich nicht gerne sammle.

 

Aus meinem zuständigen Fach in der Geldbörse lugen nur ein paar verlegen rote verkupferte Cents. Verärgert ziehe ich den Reißverschluss. Der kleinste Schein ist blau und mit zwanzig Euro bewertet! Damit kann ich keinen Passanten ansprechen!

 

Ich laufe in die Geschäftsstraße hinein. An der Ecke vorne entdecke ich eine Bank. Zielstrebig laufe ich auf sie zu. Im Vorbeigehen mustere ich auch die Geschäfte. Entschlossen gehe ich in die Bank. Die beiden Kassenschalter sind geschlossen. An den Schreibtischen sitzen Kunden im leisen Gespräch mit den Angestellten. Niemand grüßt. Vielleicht beobachten mich die Mitarbeiter aus den Augenwinkeln. Anmerken lassen sie sich das nicht. Ich sehe die offenen Türen und gehe weiter ins Innere der Bank. Der hinterste Schreibtisch ist nur von einem Angestellten besetzt. Sein PC war auf Augenhöhe platziert. Ich hätte nicht gedacht, dass er mich bemerkt.

 

Doch plötzlich höre ich seine Stimme: „Kann ich Ihnen helfen?“ Grüßen ist wohl nicht mehr angesagt. Zeitverschwendung. Sofort das Problem in Angriff nehmen.

 

„Guten Morgen“, erwidere ich freundlich lächelnd. „Sind alle Kassenschalter hier geschlossen?“

 

„Nur momentan. Was brauchen Sie denn?“

 

„Ich müsste nur schnell einen Schein wechseln.“

 

„Sind Sie Kunde?“

 

Diese Frage hasse ich! Sie sagt mir schon im Voraus, dass alle weiteren Bemühungen umsonst sein werden. Die Freundlichkeit ist ausgestorben.

 

„Nein, ich bin kein Kunde. Ich wollte nur parken.“

 

„Wir haben nur noch Geldautomaten. Und die funktionieren nur mit unserer bankeigenen Karte. Tut mir leid.“

 

Seine Stimme wurde mit jedem Wort leiser und verlegener. Wenigstens hatte der junge Mann noch einen Anflug an Empathie.

 

Verärgert drehe ich mich um und verlasse diese überflüssig gewordenen Bankschalter. Hektisch sehe ich mir die Umgebung an. Ich will nichts Unnötiges kaufen. Eine Blitzsekunde lang denke ich an die Uhrzeit, es war gegen Mittag, und an die eventuelle Möglichkeit, dass Politessen oder ihre Kollegen unterwegs sein könnten. Ich denke an eine Zeitschrift, sogar ein Buch hätte ich noch gekauft. Aber es war kein Kiosk oder Buchladen in der Nähe.

 

Ich stehe gegenüber dem Rathaus der Stadt. Am liebsten wäre ich dort eingetreten und hätte meinem Ärger Luft gemacht. Jedoch fand ich es, in diesem Moment, Zeitverschwendung, da ich wohl zu viele Büros abklappern hätte müssen und ob sie mir am Ende den Schein gewechselt hätten, kam mir nun doch utopisch vor.

 

Mein Blick fällt auf eine kleine Bäckerei. Ein kleiner Snack zwischendurch konnte nicht schaden. Das Mittagessen war ohnehin erst nach ein Uhr geplant. Ich suche mir schnell ein Gebäckstück aus. Selbstbewusst lege ich meinen 20-Euro-Schein auf die Theke. Der Mann dahinter sieht mich kurz an, öffnet seinen Mund, schliesst ihn wieder und gibt mir das Restgeld. Seine Gedanken werde ich wohl nie erfahren. Es war augenscheinlich, dass er mich nach Kleingeld fragen hat wollen. Bei einem Preis von 1,30 Euro. Dann hatte er es sich aber wohlweislich überlegt. Meine Augen waren ihm zu selbstbewusst aufgetreten. Ich hätte gerne gelächelt, aber ich hatte keine Zeit. Ich musste eilends zu meinem Auto und den verfluchten Parkschein lösen.

 

Ich werfe alle erhaltenen Münzen ein und beobachte die dafür erworbene Parkzeit. Während der Schein gedruckt wird, überkommt mich wieder meine nicht zu unterbindende Angewohnheit. Ich lese alles, was mein Auge erreichen kann. Dabei erfahre ich von einer APP, die man sich aufladen kann, um bargeldlos parken zu können. Mein Blutdruck steigt noch einmal.

 

APP! Ich spreche dieses kleine Wörtchen wie einen widerlichen Terminus aus: ÄPPPPP! Ein affiges A mit einer höhnischen Betonung auf die Ps. Das ist meine Ablehnung gegenüber dieser überzogenen und überbewerteten Applikationen, die nicht nur Smartphones überfüllen. Für alles (Un)nützige und vieles (Un)nötige gibt es ÄPPPPPs! Schon sehr früh bekam ich eine ganz natürliche Abneigung gegenüber diesen angeblichen Hilfen. Nicht immer erfüllen sie das, was sie eigentlich versprechen.

 

Mit Genuss aß ich das süße Gebäckstück. Es brachte mich wieder in Balance. Mein Programm in der Innenstadt konnte nun endlich starten.

 

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