Eine Welt ohne Bargeld?

 

 

 

 

Eigentlich unvorstellbar. Zukunftsträchtig? Utopisch? Ein Wirtschaftsdialog in der IHK Würzburg-Schweinfurt sollte das klären. Der kompetente Referent von der Deutschen Bundesbank in München und der charismatische Dozent von der Technischen Hochschule in Weiden hatten keine Mühe, das zahlreiche Publikum mit diesem spannenden Thema in ihren Bann zu ziehen.

 

Nicht nur die beiden Referenten jonglierten mit imponierenden Zahlen, auch die Begrüßungsrede des IHK-Präsidenten ließ mich schon ein wenig erstaunen.

 

Bargeld ist für uns alle selbstverständlich. Doch wann hat es damit begonnen? Nun, eigentlich könnte man es sich denken: Giro-Konto, Saldo, Agio, Debit-Karten. Das kommt einem doch schon ein wenig Italienisch vor. Ich musste sofort an die „uralte“ Bank Monte dei Paschi di Siena denken. Ihr Gründungsjahr liegt im Anno domini 1472. Da wunderte es mich nicht, dass es die Italiener gewesen sind, die das Bargeld eingeführt haben.

 

Nun soll das Bargeld in der nächsten oder übernächsten Zukunft abgeschafft werden? Dagegen werden sich wohl nicht nur die Italiener wehren. Nach den Angaben der Deutschen Bundesbank ist die Hälfte des gesamten Bargeldes der Eurozone in Deutschland im Umlauf! Das wären so an die 600 Milliarden Euro!

 

Weitere Statistiken und Umfragen erwiesen, wie sehr die Menschen doch das Bargeld lieben und horten. Das mag auch sehr vernünftig klingen. Ist es doch das sicherste Zahlungsmittel (über Falschgeld reden wir demnächst erst) und das anonymste! Und das verhandlungsfähigste!

 

Ich hatte einen Kunden, der kam gerne mit kleineren Banknoten (heute würde ich sagen 50-Euro-Scheinen), selbst wenn er einen fünfstelligen Betrag zahlen musste. Denn, er ging davon aus, dass die vielen Scheine, dicht gebündelt, den Händler noch zu einem größeren Rabatt verleiten würden. Jedoch hatte er nicht so oft damit Erfolg! Damals arbeitete ich noch auf dem Kunstmarkt zwischen Italien, Südfrankreich und England. Ein anderer Kunde hatte sich, mit einem mittleren, sechsstelligen Betrag, sein Haus neu eingerichtet. Ich musste zwei Einkaufstüten (!) voll wirklich kleiner Geldscheine zählen. Fünfer, Zehner und Zwanziger! Er hatte sie monatelang für sein Vorhaben zurückgelegt. Und arbeitete auf dem Gemüsemarkt!

 

Heute wäre das nicht mehr nachvollziehbar. Kreditkarten und Geldkarten in den verschiedensten Variationen gehören zum Alltag im Handel. Mittlerweile gibt es auch schon Apps, mit denen man auf dem Smartphone bezahlen kann. Das mag in vielen Branchen gut ankommen. Aber im täglichen Schnelleinkauf, hier ein Brötchen, dort ein Getränk, werden Karten nicht gerne gesehen. Vor allem Automaten und Bäcker, um haben sich noch überhaupt nicht mit Kartenzahlung befasst.

 

Zuerst waren es die Regierungen mit ihren Bemühungen, den Bargeldverkehr zu kontrollieren, damit sich davon nicht zu viel am Finanzamt vorbeiwirtschaftet. Doch, besonders der Vortrag des Dozenten vermittelte mir, zwischen den Zeilen, die Überlegung, dass sich nun auch die weltweiten Giganten wie Apple, Amazon, Google & Co. am unbaren Zahlungsverkehr beteiligen möchten.

 

Schließlich ist es doch zu bequem und daher äußerst verlockend, auch Kleinstbeträge mit Debitkarten zu begleichen. Dass dadurch gleich eine ganze Kette an Einnahmemöglichkeiten entsteht, daran denkt der Konsument wohl kaum. Jede Transaktion mit Geld- oder Kreditkarten ist nachweisbar. Erfahrungsgemäß benötigt man ja ein Girokonto dazu. Daraus ergeben sich unglaublich interessante Daten für die Mega-Multi-Konzerne. Wenn jeder von ihnen eine eigene Karte oder App anbieten würde, hätten sie bald ein sehr lukratives Nebengeschäft... mit den entsprechenden Daten. Was wurde gekauft? Wie wurde bezahlt? Welche Bank wurde benutzt? Und auch einige persönliche Angaben bekommen sie als erwünschten Nebeneffekt hinzu. Namen, Mailadressen, Geburtstage. Woraus man weiter ersehen kann, wie hoch der Konsument eingeschätzt werden könnte. Es entsteht ein unglaublich gläsernes Profil!

 

Doch selbst Amazon musste einen Rückschritt vollziehen. Der Traum vom völlig bargeldlosen Laden wurde kürzlich vom Staat New Jersey und von der Stadt Philadelphia abrupt gestoppt und Amazon sah sich gezwungen, bargeldfreundliche Kassen zu eröffnen! Denn, nicht jeder Bürger in den USA ist in der Lage, ein Bankkonto zu führen.

 

Bargeld ist und bleibt wichtig!

 

Ich denke dabei auch an die Tausenden von Migranten in Europa, die jede Woche oder jeden Monat Bargeld an ihre Familien transferieren. Alleine in Italien waren es Anfang des Jahrtausends über vier Milliarden Euro im Jahr!

 

Wer möchte schon seinen Kindern nur noch Prepaid-Karten als Taschengeld geben? Dadurch bekommen die Kids ein völlig verzerrtes Verhalten zu Geld und seinem Wert. Für ihre Erziehung ist das Fühlen einer Banknote oder gar von Münzen äußerst wichtig. Geld sollte sich nicht in Zahlen auf dem Display auflösen. Wir sollten weiterhin die Möglichkeit der Wahl haben. Darüber hatten auch die beiden Referenten eine wohltuende Übereinstimmung.

 

Bargeld gibt uns immer noch dieses unglaublich wohltuende Freiheitsgefühl, das wir uns auf keinen Fall so schnell nehmen lassen sollten. In einer demokratischen Volkswirtschaft, und darauf sollten wir bei jeder Wahl achten (!), dass dieser Status auch weiterhin bestehen bleibt, wird das wohl noch nicht so schnell durchzuführen sein.

 

 

 

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