Das Pubertier kommt zurück!

 

 

 

 

Wann es so richtig los geht mit Zickigkeit und Rebellion bestimmen die Hormone. Bei den Mädchen manifestieren sie sich mit der Mens. Die ersten Monate können sich noch etwas ausbremsen. Diese, im Grunde ziemlich unangenehme, Neuheit muss erst noch ein wenig verdaut und angenommen werden. Doch sobald sich die Hormone im weiblichen Körper gemütlich eingenistet haben, treten auch schon die ersten Reaktionen auf. Abgesehen von unangenehmen Schmerzen im Kopf und im Lendenbereich geht es bald voll auf das Gemüt.

 

Heute euphorisch, morgen tiefste Depression, dazwischen immer wieder miese Stimmung, die sich keiner so ganz erklären mag. Der Blick in den Spiegel wird zum Horrorfilm! Nichts passt mehr in die eigenen Vorstellungen. Alles stört und irritiert. Da helfen keine Komplimente! Sie werden als schleimende Heuchelei verschrien. Ja, auch die Stimme hebt sich gerne und ganz von alleine. Antworten werden zu giftigen Ausbrüchen oder verstummen in verbockter Sturheit.

 

Das sind harte Jahre für die Eltern und das nächste Umfeld. Die Betroffenen selbst bemerken es in dieser Zeit so gut wie nicht. Sie bleiben in ihrer Hormonblase gefangen. Erst viel später, nach Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, lächeln sie (möglicherweise) darüber. Gerade in Situationen, wenn sie selbst Kinder im Teenageralter haben, erinnern sie sich vielleicht an die eigene Sturm-und-Drang-Zeit.

 

Doch der Zyklus der Hormone kreist unerbittlich weiter. Das Leben bringt seine Erlebnisse mit, sammelt seine Erfahrungen. Frau beobachtet intensiver ihren Körper. Manche hören gar die biologische Uhr ganz laut ticken. Bis der nächste Wecker schrillt. Die Mens setzt aus, die sogenannten Wechseljahre kommen auf frau zu.

 

Einige lässt diese neue Umstellung völlig kalt. Andere achten wieder oder noch intensiver auf ihr Gewicht. Der Körper benötigt jetzt weniger Kalorien, verarbeitet nicht mehr so schnell wie früher. Aber es schmeckt noch genauso gut und die Bewegung bleibt in der (angeblichen) Müdigkeit stecken. Doch es lauert noch ein weiterer, viel gefährlicherer Schweinehund. Der nistet sich erneut in die Hormone und löst Reaktionen aus, die so manchen pubertierenden Teenager erblassen lassen! Jetzt nennt frau es elegant Stimmungsschwankungen.

 

Von Himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt wird die gesamte Palette noch einmal kräftig durchlebt. Frau hat kaum eine Chance, diesem, der Natur entsprungenen, Schicksal zu entfliehen. Unzufriedenheit und Unentschlossenheit marschieren im Gleichschritt an. Mit Überzeugung durchgeführte Projekte werden im nächsten Augenblick tieftraurig bereut. Nichts ist mehr wie es sein soll. Alles und jeder irritiert und frau geht sich selbst gerne auf die Nerven.

 

Die Erinnerungen an die eigene Pubertät sehen aus der Ferne wie überstandene Bagatellen aus. JETZT ist es grausam! Der Zeitgeist lacht sich dabei ins Fäustchen. Aber das war doch alles schon dagewesen! Zickigkeit und Rebellion verwurzeln sich auf dem Memory Lane wie Unkraut auf dem gepflegten Rasen.

 

Sollte das fortgeschrittene Alter nicht die Weisheit bringen? Sagt man! Vielleicht heißt diese irritierende Periode des Lebens gerade deshalb Wechseljahre. Es ist ein Wandel im Gange. Der Körper ändert noch einmal seine Bedürfnisse. Nur, dass wir jetzt die reife Lebenserfahrung mitbringen, die uns hilft, die Menopause etwas vernünftiger anzugehen.

 

Mein Geist lacht mich aus! Vernunft? Die macht wohl auch eine Pause oder nimmt sich eine längere Auszeit. Gerade jetzt wollen wir es doch noch einmal wissen. Nichts passt uns! Kaum jemand hält uns aus! (Mein Mann ist bewundernswert!) Wenn die unschönen Tage kommen, dann schwelgen wir nur so in der eigenen Nörgelei oder gar im unnötigsten Selbstmitleid.

 

Aber wir Frauen sind doch eigentlich als Kämpfernaturen geboren. Sonst hätten wir auch die Mens mit ihren, mitunter unerträglichen, Schmerzen nicht überlebt. Von den Geburtswehen ganz zu schweigen.

 

Deshalb greife ich zu allen, möglichst natürlichen, Hilfsmitteln. Johanniskraut, Schafgarbe, Rotklee, hochdosierte B-Vitaminen und was es noch so alles gibt. Doch ich muss gestehen, das Johanniskraut war bisher das beste Kraut, das mir geholfen hat, mich einigermaßen in Balance zu halten...

 

... damit das Gemüt sich erneut in ruhigere Bahnen einlenkt...

 

... damit die Traurigkeit nicht zur Depression wird...

 

... damit das Lächeln auf den Lippen aus dem Herzen kommt...

 

... damit die Weisheit endlich ankommen darf...

 

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