Bist du ein Reisender oder nur ein Tourist?

 

 

 

Touristen waren einst ein Segen für manche Regionen, in die sie Arbeit und Wohlstand brachten. Heute sind sie oft ein Fluch, da sie mit ihren fordernden Erwartungen und fehlendem Benehmen vielerorts mehr Schaden anrichten.

 

Es muss möglichst billig sein und vor allem „all inclusive“. Dann hetzen sie von einer Sehenswürdigkeit zur anderen. Lassen sich überall nieder, wo es ihnen und ihrer Selfiemanie gerade passt. Sie verzehren ihr mitgebrachtes Fast Food auf Straßen und Plätzen und Treppen, die dafür keineswegs geeignet sind und hinterlassen auch noch ihren Dreck, ohne sich weiter daran zu stören. Die Welt ist groß genug. Irgendein Verein von ehrenamtlichen Eltern und Kindern wird sich schon darum kümmern!

 

In manchen Ländern und Städten, deren Sehenswürdigkeiten den Massentourismus anziehen, gibt es mittlerweile schon drastische Strafen, wenn man sich auf den historischen Plätzen, Treppen und Gebäuden nicht benehmen kann.

 

In ihrer totalen Ignoranz hätten die Touristen beinahe die Akropolis abgetragen! Stein für Stein. Ist doch nur ein Souvenir, so ein kleines Steinchen hier! Wenn das aber jährlich ein paar Hunderttausend Leute meinen, dann würde bald nichts mehr übrig bleiben. Dieser dumme Diebstahl ist glücklicherweise noch rechtzeitig gestoppt worden!

 

Die Unverfrorenheit des Menschen, sich anzumaßen, die Welt anschauen zu wollen, ohne die einfachsten Regeln des Respekts und der Höflichkeit zu beachten, ist das ignoranteste Benehmen, das ich kenne!

 

Ich habe zwei Jahrzehnte lang an Urlaubsorten gearbeitet. Dort konnte ich sehr viele Touristen studieren, aber ich bin auch vielen Reisenden begegnet. Intelligente Menschen, die ihren Urlaub dazu nutzen, neue Länder kennenzulernen. Sie sind höflich, respektieren die Einheimischen und bemühen sich, eine gemeinsame Sprache zu finden. Sie probieren auch gerne die lokalen Speisen und Getränke. Sie genießen ihren Urlaub und atmen die Atmosphäre mit ein.

 

Dafür haben Touristen keinen Sinn. Die einen buchen den einfachen Strandurlaub: Hotel, Strand, Hotel, Strand, Hotel. Somit essen sie nie im fremden Land und von den Menschen dort bekommen sie auch kaum etwas mit! Die anderen lassen sich auf den riesengroßen Kreuzfahrtschiffen von einem Ort zum anderen schippern. All inklusiv wird mindestens fünfmal am Tag gegessen! Wenn es an Land geht muss natürlich das Lunchpaket mit (ist ja alles bezahlt!). Sie hetzen von einer „Sehenswürdigkeit“ zur nächsten und fotografieren viel mehr als noch die Asiaten es je getan haben.

 

Ich habe mir mit meinem Mann auch einmal eine Kreuzfahrt gegönnt. Es ist schon eine Weile her. Wir waren damals sehr bemüht, kein großes Schiff zu buchen. Und wir haben uns eine Suite gegönnt. Da kannte mein Mann keine Kompromisse! Jeden Landgang haben wir uns alleine zusammengestellt. Nur einmal, als wir erfuhren, dass unser Kellner in der Hafenstadt aufgewachsen war, die wir am nächsten Tag anlaufen würden, haben wir ihn nach einem Restaurant gefragt. In den anderen Häfen hatten wir es unserem Instinkt überlassen. Das mag man Abenteuerlust nennen. Es war auf jeden Fall emotionsreicher als sich der Schafherde anzuschließen. Und nie und nimmer hätten wir ein Schiff gebucht, das am Sankt-Markus-Platz in Venedig vorbeifährt. Dafür gibt es Fähren oder Taxis! Ich bin, privat oder geschäftlich, unzählige Male in Venedig gewesen. Auch dort konnte ich die Folgen eines unverfrorenen Massentourismus erleben.

 

Genau diese netten Touristen haben es letztendlich fertiggebracht, dass man heutzutage im Tower of London nur noch auf einem Laufband, wie man es aus Flughäfen kennt, stehen darf, das den Besucher langsam an den Kronjuwelen des britischen Königshauses vorbeigleiten lässt. Anhalten und genauer ansehen kann man sich die wunderschönen Edelsteine nicht mehr. Dank des unkultivierten Verhaltens der Anstürme der letzten Jahrzehnte!

 

Solche Maßnahmen wären nicht nötig, würden die Menschen das Wichtigste Reiseaccessoire mitnehmen, das man immer dabei haben sollte:

 

Respekt und Anstand für Land und Leute!

 

 

 

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