Das Mid-Autumn-Festival

 

 

 

Seit drei Jahrzehnten verfolge ich schon die Phasen des Mondes. Es ist unglaublich, wie stark er unser Leben beeinflusst. Und das ist keine Einbildung! Zu Beginn hatte ich auch manchmal den Kopf geschüttelt und vielleicht sogar leise ironisch gelächelt. Dennoch probierte ich einiges aus. Bald war ich nicht nur begeistert, sondern voll überzeugt.

 

Hier einige wirklich herausragende Beispiele:

 

Für die lästigen Härchen an Beinen und Achseln hatte ich nur wenige Jahre zum Waxing gehen müssen. Einfach den richtigen Zeitpunkt einhalten und sie wurden immer weniger bis der, vorher sehr starke, Haarwuchs schließlich eingesehen hatte, dass er definitiv unerwünscht war. Heute habe ich eine wunderschöne, glatte Haut und kenne kein Waxing mehr!

 

Meine Haare haben auch einiges mitgemacht. Im Nachhinein musste ich feststellen, was es bedeutet, eine Dauerwelle am falschen Tag durchführen zu wollen! Ich sah aus, als hätte ich den Finger in die berühmte Steckdose gesteckt! Das waren keine Haare mehr! Nach wenigen Wochen musste ich das „Gestrüpp“ damals sehr kurz abschneiden lassen! Doch seit ich die Tage für Waschen und Schneiden voll respektiere, habe ich starkes, volles Haar auch in den Wechseljahren. In manchen Perioden erlebe ich einen stärkeren Haarausfall. Doch den kann ich cool weglächeln. Ich habe immer noch sehr viele auf dem Kopf und sie wachsen ebenso schnell und stark nach.

 

Dasselbe gilt für Finger- und Fußnägel. Nicht nur von der Ernährung kommen brüchige Nägel, sondern auch vom falschen Zeitpunkt. Zur richtigen Zeit geschnitten gibt es auch noch einen angenehmen Nebeneffekt (bitte fragt mich nicht nach dem Hintergrund, den kenne ich nicht, es ist einfach so): die starke Verminderung meiner vielen Zahnarztbesuche.

 

Auch im Haushalt konnte ich mir das Leben leichter gestalten. Die Wäsche wurde sauberer, sodass sogar meine Mutter beinahe neidisch wurde, als sie mal meine weiße Wäsche sah. Flecken lassen sich besser behandeln. Ein wenig Geduld benötigt man schon. An den Tagen vor Vollmond kann sich bei mir der Wäschekorb schon mal überfüllen. Aber es lohnt sich!

 

Auch meine Zimmerpflanzen und die Gartenarbeit haben vom richtigen Zeitpunkt sehr profitiert. Genauso kann ich es beim Backen beobachten. Wenn ich zwischendurch mal etwas zu einem Zeitpunkt backen muss, der nicht so günstig ist. Deshalb backe ich lieber vor und gefriere gerne ein. Dann gibt es immer etwas Süßes im Haus.

 

Wie dem auch sei, ich folge gerne dem Mond und hole mir dazu jährlich den Mondkalender von denen, die zuerst ihr Wissen weitergegeben hatten: das Ehepaar Paungger und Poppe. Johanna brachte ihre überlieferten Kenntnisse mit, ihr Mann setzte sie verständlich um.

 

Somit wundert es mich nicht, dass die Chinesen den Mond geradezu verehren. Der Vollmond ist ein runder Kreis. Diese Perfektion ist in der chinesischen Kultur ein sehr positives Symbol. Es steht für Wohlstand und Reichtum. Aus demselben Grund lieben sie die Zahl Acht mit ihren zwei Kreisen. Somit ist es nur verständlich, dass der Vollmond im achten Monat des Jahres zum Feiertag in China ausgerufen wurde. Für uns fällt dieser Tag in den September. (In unserer Zeitrechnung beginnt das chinesische Jahr im Februar.) Wir könnten uns ja den Vollmond im August für ein Fest aussuchen. Oder doch mit den Chinesen feiern. Dann wäre der heutige Tag genau richtig! Und den westlichen Aberglauben auf „Freitag, den 13.“ vergessen wir auch gleich!

 

Übrigens: bei uns hier ist der Vollmond (nach meinem Mondkalender) erst morgen früh um 5.32 h!

 

 

 

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