Wird uns die Nachhaltigkeit retten?

 

 

Nachhaltigkeit im Unternehmen. Für eine bessere Zukunft. Bevor es zu spät sein könnte. Mehr zweckorientiert neue Wege einschlagen, anstatt einfach nur borniert nach Umsatz und Gewinn lechzen.

 

Das war das große Thema bei dem diesjährigen Mittelstandstag der IHK Würzburg-Schweinfurt. Eine umfangreiche Aufgabe. Zwei entsprechend kompetente Referenten bemühten ihre Rhetorikkunst, die vielseitigen Argumente aufzuarbeiten. Prof. Minx begeisterte das zahlreiche Publikum mit auflockernden Zitaten und Anekdoten, damit die vielen Fakten und Daten besser aufgenommen werden konnten. Dabei kamen so einige epochale Themen zu Tage. Viele Dinge nehmen wir viel zu schnell für selbstverständlich, ohne uns darüber im Klaren zu sein, wie sehr sie unser Denken und Handeln verändern.

 

Prof. Schmidpeter konfrontierte die interessierten Zuhörer mit seiner spannenden These vom zeitgemäßen Paradigmenwechsel im zukünftigen BWL-Studium.

 

Nachhaltigkeit ist das große Trendthema seit einigen Jahren. Sie stellt eine auf längere Zeit anhaltende Wirkung dar. Dieser Wunschgedanke ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon seit jeher bemühten sich die Menschen, jedes Mal, wenn sie wieder einmal einen Krieg überlebt hatten, ihre Welt neu aufzubauen. Und zwar so stabil und nachhaltig, dass sie sehr lange bestehen könnte. Die Suche und der ausgeprägte Wunsch nach Beständigkeit hatte Erfinder und Forscher in allen Jahrhunderten, aber besonders ab dem 19., zu ihren zukunftsweisenden Ideen gebracht. Diese Erkenntnis bekam ich während meiner Sommerlektüre, der dreibändigen „Geschichte Europas“ von Giuseppe Galasso.

 

Im Laufe der Historie kann man sehr gut beobachten, wie schnell und immer schneller die Beschleunigung des Fortschrittes wurde. Den Turbo hatte, ohne Zweifel, die Digitalisierung eingeschaltet.

 

Zweifel sind ja im Grunde die große Bremse des menschlichen Geistes. Ich kenne niemanden, der nicht irgendwann in seinem Leben Zweifel gehabt hatte. Diese zu überwinden, wollen wir nun der Künstlichen Intelligenz (kurz: KI) überlassen. Dennoch müssen wir uns eingestehen, dass auch die KI von Menschen erzeugt wird und der Input von Menschen eingegeben wird. Welche Logik ist daher gefordert, Emotionen und Vorurteile ausschalten zu können, damit die KI in der Lage sein wird, neutral und sachgerecht handeln zu können? Die Künstliche Intelligenz kennt keine Zweifel und auch kein Zögern. Aber ihre Algorithmen müssen stimmen. Das ist die wohl schwerste Aufgabe ihrer „geistigen Väter“.

 

Vieles ist heutzutage einfacher und schneller zugänglich geworden, als es je zuvor gewesen ist. Zwar wird immer noch in dicken Büchern gelesen und gewälzt, aber Google & Co. sind wohl das Gedächtnis der Zukunft. Somit wird es immer weniger Menschen geben, die einsehen, dass sie weniger wissen, als sie sich selbst zugestehen. Armer Sokrates! Er hatte es doch gut gemeint.

 

Unser Wissen ist durch die Globalisierung viel breiter geworden. Auch wenn ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, als in den 1980er Jahren gegen die Globalisierung demonstriert wurde. Das war damals wohl die Angst vor der Zukunft. Nun leben wir sie und aalen uns richtig in ihr. Kaum jemand, der es benutzt, kann sich seine Welt mehr ohne Smartphone vorstellen. Ohne dieses allumfassende Gerät, mit dem man sich ständig und überall beschäftigen kann. Jedoch ist es alles andere als nachhaltig! Jedes Jahr kommen neue Modelle heraus. Dabei sollten selbst Computer langlebiger werden. Denn,

 

Langlebigkeit ist ein schönes Synonym für Nachhaltigkeit.

 

Es gibt aber noch ein größeres Problem, dass in der Nachhaltigkeit steckt, jedoch gerne ignoriert wird: Der demografische Hintergrund. Die Menschen auf diesem Planeten vermehren sich exponentiell. Ihre Lebenserwartung steigt ebenfalls, auch in bisher unerwarteten Ländern. Das bedeutet nicht nur, dass immer mehr Nahrung benötigt wird. Es geht vor allem um die Arbeitsplätze. Und darin steckt ein gefährliches Hamsterrad. Die Menschen benötigen Arbeit, damit sie Geld verdienen und sich ernähren können. Damit diese Vorgabe erfüllt wird, dürfen die Produkte nicht mehr sehr langlebig bleiben, sondern den Konsum anregen. Ein teuflischer Kreis. Vielleicht ist gerade dieser, eigentlich viel zu einfache Gedanke, die größte Problematik der Nachhaltigkeit.

 

Auf der einen Seite soll verfrühter Verschleiß die Produktion ankurbeln. Auf der anderen Seite werden wir dazu angehalten, mit den eigenen Taschen und Flaschen und Dosen einkaufen zu gehen. Autos werden wohl immer weniger benötigt, da nicht jeder eines besitzen will, sondern es sich einfach nur ausleiht, wenn er gerademal von A nach B fährt.

 

Auch Plastik war nachhaltig, als dieser Stoff entworfen wurde. Hygienisch, praktisch, unglaublich vielseitig einsetzbar. Heute gehört es zu den Tabuthemen. Auch nur, weil viele von uns die einfachsten Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens ignorieren. Dazu gehört eine intelligente Müllentsorgung. Nicht einfach auf die Straße schmeißen oder dort liegen lassen, wo man es gerade benutzt hat. Plastik ist keineswegs schädlich, wenn man intelligent mit ihm umgeht.

 

Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Künstliche Intelligenz den gleichen Weg gehen wird. Von der zukunftsträchtigen Erfindung können „dark minds“ so viel Negatives herausholen, dass wir sie bald bereuen werden.

 

Wenn eine zunächst sehr gute Erfindung aus den Fugen gerät, sind wir oft nicht mehr in der Lage, uns vor dem zu schützen, was wir zuvor für gut befunden hatten. So ging es mit dem Auto, so wird es mit manchem gehen, dass vielleicht erst noch erfunden werden wird. Deshalb sollten wir uns, so bald wie es uns möglich ist, ernsthaft damit beschäftigen, welche Ziele wir verfolgen wollen: nachhaltiges, gesellschaftliches Engagement oder bornierte, egoistische Geldgier.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0