Die Ignoranz und meine Auslegungen

 

Manchmal wünscht man sich

ein wenig Zustimmung, ein positives Erlebnis, eine kleine Bestätigung, ein freundliches Lächeln.

 

 

Man hofft, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Man ersehnt ein paar Worte, einen kleinen Satz, die bekräftigten, wie gut man gearbeitet hat. Man freut sich über jedes fremde, aber besonders über die bekannten Gesichter, wenn sie uns mit einem Lächeln begegnen.

 

Anerkennung, Lob und Freundlichkeit

kann man nicht kaufen.

 

Leider kann man sie sich auch oft nicht verdienen.

 

Das verhindert der Neid, die Einfältigkeit, die Eifersucht.

 

 

Ein gefährliches Trio, das überall lauert und unseren Enthusiasmus vertreibt. Es ist nicht leicht, diese Drei einfach abblitzen zu lassen. Nicht jeden Tag hat man die Kraft dazu.

 

 

Am Ende unserer Zeit muss jedoch die Balance stimmen.

 

 

Ideal wäre ein klitzekleiner Vorsprung für die schönen Momente. In denen das glückliche Lachen den Dämonen keine Chance gelassen hatte. In denen die Bewunderer zahlreicher gewesen sind als die Neider. In denen die Freundlichkeit über den Argwohn siegen konnte.

 

Genau deshalb müssen wir uns zeitig wappnen. Mit Geduld und einer robusten Ausdauer und mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft. Wir dürfen uns nicht immer wieder herunterziehen lassen von Menschen, die nur Negatives sehen, in allem und jedem, der ihnen begegnet.

 

Diese Menschen sind Gift für die Seele, sie haben selbst kaum noch Gefühle im Herzen. Bitterkeit und Gram fressen ihren Verstand. Da sie mit sich selbst im Unreinen sind, keine Erfolge aufweisen können, nie das bekommen haben, was sie sich gewünscht hatten, toben sie sich gerne bei anderen aus. Sie finden in jeder guten Tat das berühmte „Haar in der Suppe“. Sie verwerfen unsere Wörter und Sätze, geben den harmonischen Zwischentönen eine abstoßende Interpretation.

 

Sie schleichen sich gerne mit doppelzüngigen Aussagen heran. Jedoch beabsichtigen sie nur, uns weh zu tun.

 

Manchmal scheint es mir, dass sie ihre bösartige Provokation nicht einmal wahrnehmen. Auf jeden Fall leugnen sie gerne, wenn man sie direkt darauf anspricht.

 

Ihre Unsicherheit, ihre Minderwertigkeitskomplexe, ihre eigene Sucht nach Anerkennung treiben sie in den charakterlosen Neid, lassen sie in der grundlosen Eifersucht irren.

 

 

Bleibt auf der Hut vor diesen arglistigen Menschen.

Zeigt ihnen die kalte Schulter.

Klickt sie aus, im Internet wie auch im realen Wesen.

 

 

Ich versuche, jeden mit Ignoranz zu strafen, der mich verletzen will. Denn, gerade diese Menschen vertragen es überhaupt nicht, ignoriert zu werden.

 

Ja, so interpretiere ich dieses gefährliche Wort

Ignoranz.

 

 

Viele empfinden sofort eine Beleidigung, noch bevor diese Buchstaben alle ausgesprochen sind. Sie hören nicht auf die jeweilige Interpretation. Sie schmeißen sich nur auf die eine, weit verbreitete Auslegung. In diesem gewaltigen Begriff steckt jedoch noch viel mehr. Zum besseren Verständnis will ich eine kleine Begebenheit erzählen, die vor vielen Jahren in meinem Leben stattgefunden hat. Ihr wunderbarer Kern hat sich auf meinem Memory Lane tief verwurzelt. Jedes Mal, wenn ich daran denke, schwebt ein zufriedenes Lächeln um meine Seele.

 

 

 

In den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts lebte ich in Italien. Dort gab es schon unzählige Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern. Sehr viele hatten eine gute Arbeit gefunden, lebten absichtlich in spartanischen Verhältnissen und sendeten den größten Teil ihres Einkommens ihrer Familie nach Afrika.

 

Jedoch gab es immer wieder ein paar Clevere, die sich bei den entsprechenden Großhändlern Billigware aus den asiatischen Ländern besorgten und versuchten, diese auf der Straße zu verkaufen. Das waren keine Almosen, aber nur wenige wussten das.

 

Ich war gerade dabei, den Inhalt eines Einkaufswagens in den Kofferraum meines Autos zu verstauen. Da kam ein sehr groß gewachsener, schwarzer Mann auf mich zu. Um den Hals hing sein Holzkasten, bestückt mit dem verschiedensten Billig-Kram, den ich bereits gut kannte. Einer meiner Großhändler hatte einen Nebenraum, in dem ich auf Ware und „Händler“ einmal, zufällig und ungewollt, einen Blick werfen konnte.

 

Ich streifte den Typen mit meinem Blick, gerade so weit, dass ich einschätzen konnte, wie nahe er mir kam und welche Absichten er hatte. Es waren sehr clevere Männer, zwar blieben sie auf meist auf höflichem Abstand, aber sie waren hartnäckig und unangenehm.

 

In seinem hart gebrochenen Italienisch bot er mir zuerst seine Ware freundlich feil. Ich ging nicht darauf ein, d. h. ich ignorierte ihn. Dann fragte er mich, ob er den Einkaufswagen zurückbringen dürfte. Darin steckte damals noch ein Geldstück. Ich antwortete mit einem knappen Nein. Also, versuchte er es mit der Mitleids-Tour. Leider war die schon voll in den Achtziger Jahren aus- und abgenutzt. Zudem kannte ich ja den „Händler-Typ“. Folglich ignorierte ich ihn weiter.

 

Endlich hatte ich meinen Einkaufswagen völlig geleert. Leicht genervt schloss ich den Kofferraum und auch das Auto. Als ich den Wagen zurück an seinen Platz bringen wollte, zischte der Typ: Du bist IGNORANT! Der Ton war gefährlich leise. Die Worte sollten jedoch extrem beleidigend rüberkommen.

 

 Ich hielt kurz an, sah in seine dunklen Augen, die nicht einmal von dem strahlend weißen Augapfel erhellt wurden, und lächelte ihn triumphierend an. „Bravo! Endlich hast du kapiert, dass ich dich IGNORIERE!“

 

Vielleicht steht dieser Typ heute noch auf dem Parkplatz des Supermarktes und kann seinen erstaunten Mund noch nicht schließen! 

 

 

 

 

 

 

 

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Herbstanfang

 

Es geht los! Schon seit einer Weile laden die verschiedensten Magazine, Zeitschriften und die Feuilletons der Zeitungen ein, es sich drinnen kuschelig schön zu machen. Da werden Wellnessprogramme für das Bad angeboten. Es gibt seitenweise praktische Ratschläge wie man mit wenig und günstigem Material die Innendekoration farblich aufpeppen kann. Draußen wird es grau und dunkel. (Wer sagt das denn?) Folglich brauchen wir drinnen heimelige Kerzen, warme Farben und entspannende Düfte.

 

Der Traumsommer ist vorbei. Das Leben soll drinnen weitergehen. Nun, darüber kann ich persönlich nur lächeln. Ich habe den Sommer in Norwegen verbracht. Dort war es überwiegend kalt, die Sonne versteckte sich hinter einer dichten Wolkendecke und die Landschaft bleibt ohnehin etwas farblos. Wenn der Himmel sich zu einem einzigen Grau entschließt wird auch das Grün der Wälder noch dunkler und die Farbe des Wassers ist ohnehin nur so intensiv, wie die Welt, die sich in ihm spiegelt. Ein eisiger Wind tobte oft über das Land und brachte starken Regen mit sich. Kein Wetter für einen Bootsausflug auf den, ach so romantischen und von den vorbeiziehenden Touristen so geliebten, Fjorden. Ein Spaziergang wurde zur Herausforderung des eigenen Gleichgewichts. Ich habe öfters die Heizung eingeschaltet, als dass wir draußen auf der Terrasse essen konnten.

 

Aber ich muss gestehen: für mich war es das beste Wetter zum Schreiben. Auch wenn ich am Nachmittag gerne gelaufen wäre. So habe ich die seltenen Tage ohne Regen und Wind dazu genutzt. Wobei es am Strand immer windig gewesen ist. Mal stärker, mal schwächer, aber immer ungemütlich kalt.

 

Ich habe es trotzdem knapp drei Monate dort oben ausgehalten. Mein Plan ist wunderbar aufgegangen. Deshalb freute ich mich auf die letzten schönen Sommertage in Deutschland. Zwar hat es hier auch geregnet und die Tage werden auch langsam dunkler. Aber es ist definitiv wärmer. Und es soll noch einmal schon warm werden. Altweibersommer nennt man das hier.

 

Nach dem gefühlten Herbstanfang am 1. September beginnt heute der offizielle. Auch wenn sich das Klima schon lange nicht mehr daran hält. Schon gestern war es wunderbar warm und wir konnten noch sehr schöne Spaziergänge unternehmen.

 

Wir freuen uns auf die interessanten Herbstmärkte in den Dörfern der Region mit ihren fantasiereichen, handwerklichen Kreationen. Wir freuen uns auf die Farbenpracht der Wälder, die sich langsam darauf vorbereiten und uns die schönsten Paletten der Gelb- und Braun- und Rottöne zeigen.

 

Und, besonders mein Mann, freut sich auf meine Begeisterung, mit der ich den Wohnraum mit einem verführerischen Backduft ganz langsam auf die kältere Jahreszeiten einstimme und genießt das leckere Gebäck und die herbstlichen Kuchen mit den saisonalen Früchten. Dieses Jahr werde ich fleißig mitschreiben. Und natürlich fotografieren.

 

Dann könnte ich euch im nächsten Sommer schon mit meinen „kuscheligen“ Rezepten auf den nächsten Herbst einstimmen...

 

 

 

 

 

 

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Meine Rezension für Rolf Vollmann "Die wunderbaren Falschmünzer"

Auf Seite 1081 hatte selbst der Verleger genug und zählte nicht weiter. Die aufwendigen vier Register waren fast beendet. Es gab noch ein paar Seiten hübsche Werbung für weitere Bücher aus diesem Verlag.

 

Ich hatte schon viel früher aufgehört, ordentlich zu lesen. Normalerweise gönne ich jedem Buch, das ich ernsthaft und interessiert lese, Wort für Wort. Nur, wenn es mich total nervt, ich es trotzdem zu Ende bringen möchte, beginne ich quer zu lesen.

 

Allein der Schreibstil von Rolf Vollmann ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Er schreibt seine Gedanken nieder, wie sie ihm einfallen, ohne zu beachten, welchen Satz er gerade begonnen hat. Sein Lektor wird wohl genauso überfordert gewesen sein. Jedenfalls gibt es immer wieder Sätze, die man unendlich wiederholen kann, ohne sie besser oder überhaupt zu verstehen! Falls man sich, auf der Suche nach einem Punkt, nicht im Labyrinth seiner zahllosen Satzzeichen schon frühzeitig verliert.

 

Oft kam ich an einem Punkt an und wusste wirklich nicht mehr, welcher Sinn seit wann in diesem endlosen Satz verfolgt werden sollte. Immerhin war der Anfang irgendwo auf der letzten Seite. Ganz schlimm waren die krassen Gegensätze: Telegraphisch kurze Beschreibungen (Vollmann würde nun eine Fußnote einfügen und den Leser fragen, ob er den Begriff „telegraphisch“ überhaupt noch kennt), also extrem wortkarge Exposés, jedoch mit Kommas aneinandergereiht, oft bis zum Ende der Zusammenfassung!

 

Da ich gerade seine Fußnoten angesprochen habe. Es war das erste Mal, dass ich mich durch das Meer, an mehr oder weniger interessanten und oft überhaupt nicht themenverbundenen, Bemerkungen hindurch gearbeitet habe. Auch diese konnte man, wie ich es normalerweise pflege, gerne und unbesorgt ignorieren. Diese verschachtelten Sätze wollten viel zu oft mehrmals gelesen werden und dann verstand ich sie immer noch nicht!

 

Der Inhalt dieses Buches, das immerhin die Romane von 1800 bis 1930 vorstellen wollte, ist für mich ungemein interessant gewesen, da ich die klassische Literatur und natürlich auch Romane sehr gerne lese. Aber Vollmanns chaotischer Stil verminderte sehr das Lesevergnügen. Ich blieb dabei, weil ich auf die sehr vielen Informationen über die angebotene literarische Epoche neugierig war. Mehrere Schriftsteller waren mir bekannt, jedoch gab es auch sehr viele, die im Meer des Gewöhnlichen untergegangen sein mögen. Erschreckend fand ich oft die Zitate und Auszüge aus Büchern, die keineswegs lesenswert waren.

 

So manche Neue konnte ich annehmen, bei einigen Schriftstellern waren wir hin und wieder der gleichen Meinung. Aber seine Aversion gegen Hermann Hesse war mir doch unverständlich. Vollmann hatte auch nicht alle Romane der von ihm gewählten Zeit besprochen. Nicht einmal die wichtigsten oder größten Werke. Ich definiere gerne „groß“ ohne Fußnote: ein großes Werk wird von mehreren Generationen gelesen und bestimmt nicht nur seine Epoche, sondern fügt sich in die klassische Literatur ein. Zwei Drittel der von Vollmann besprochenen Werke gehören wohl nicht dazu.

 

Jedoch fand ich auch in dieser schwierigen Lektüre etwas ungemein Positives. Nachdem ich mich durch das Buch von Rolf Vollmann bis zur letzten Seite gequält habe, wird es mir nicht mehr schwer fallen, je wieder ein Exposé zu schreiben. Ich habe so viele Zusammenfassungen, mit und ohne Auszüge gelesen, dass ich gerne zugebe, alleine diese Übung hat es gelohnt, sich durch das ganze Buch zu kämpfen.

 

Hin und wieder überraschte mich Vollmann mit sehr guten Sätzen. Sie sind leider die Ausnahme gewesen in einem Meer der überflüssigen Wörter über längst vergessene Bücher, die schon lange nicht mehr gedruckt werden...

 

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Meine Eindrücke aus Norwegen

Ich liebe es, hin und wieder anzuhalten. Ich liebe die einsamen Stunden, in denen ich mich sammeln kann. Diese kostbaren Augenblicke, die dazu beitragen, meinen Kopf wieder frei zu bekommen. Das fühlt sich oft an wie eine Reset-Taste.

 

Wenn ich, ganz früh am Morgen, die Stille draußen spüre, die menschenleere Straße betrachte und auf mich wirken lasse, dann habe ich dabei gerne das Gefühl, als ob die Welt gerade eine Pause macht. Die Zeit läuft irgendwo, aber nicht in mir. Ich halte an.

 

In dieser beinahe geisterhaft fantastischen Lautlosigkeit kann ich Vergangenes wunderbar analysieren. Ohne störende Einflüsse von außen, im Einklang mit meiner inneren Ruhe finde ich Lösungen für aufgeschobene Probleme. Die Wörter kommen passender herüber. Deshalb schreibe ich auch bevorzugt in dieser nahezu übersinnlichen Stille. Weitab vom Lärm des Alltags.

 

Seit zwei Monaten lebe ich mit meinem Mann in Norwegen. Wir hatten uns vorgenommen, den Sommer in diesem Land zu verbringen. Dafür haben wir drei gute Gründe: Zum einen lebt hier unsere jüngste Enkelin im schönsten Kindesalter. Sie ist gerade mal zwei Jahre und drei Monate alt. Der zweite Grund ist auch nicht zu unterschätzen: hier im Norden ist es zumeist zehn Grad kühler als auf dem mittlerweile viel zu heißen Kontinent. Dass es dieses Jahr hier extrem kühl sein würde, verwundert selbst die Norweger. Aber Wind und Wetter und viel Regen hilft mir nur bei meinem dritten Motiv: ich möchte meinen neuen Roman fertigschreiben. Hier habe ich die nötige Ruhe dazu.

 

In diesem Land sind die Ansiedlungen ziemlich verstreut. Wir leben in einem kleinen Haus an einem, für norwegische Verhältnisse, relativ kleinen See. (Immerhin ist er gute zwei Kilometer lang.) Die Landstraße ist nur gegen Abend etwas stärker befahren. Das Grundstück ist ziemlich weiträumig und hält die Straße, sowie die nächsten Häuser auf angenehme Distanz. Vor uns liegt der See, auf dem nur gerudert wird, wenn nicht gerade ein Biber vorbeischwimmt. Hinter uns dämmt ein schmales Waldstück auf einer sanften Anhöhe die vom Meer kommenden Winde.

 

Ganz früh am Morgen, so gegen vier bis fünf Uhr, danach wird es zu hell, kommen zuweilen Rehe und junge Elche vom Wald herüber. Entweder durchqueren sie die große Wiese und gehen geradewegs hinunter zum See, oder sie machen einen Zwischenstopp auf unserer kleineren Wiese und fressen ein paar junge zarte Zweige von den kleinen Bäumchen, die eigentlich wachsen sollten und somit die Lust daran verlieren und schnell eingehen.

 

Einmal habe ich einem Reh in die Augen gesehen. Es ist keineswegs scheu. Der Blick war eine einzige Herausforderung: Ich weiß, dass ich über dein Grundstück laufe, aber das stört mich nicht.

 

So habe ich ihn lächelnd interpretiert. Ich blieb zunächst ruhig am Eingang stehen. Auch das Reh rührte sich nicht. Es starrte mich nur neugierig an. Schließlich ging ich doch auf mein Auto zu. Ohne das Reh auf der dichten großen Wiese aus den Augen zu lassen. Mittlerweile beobachtete es mich ganz ruhig. Kein sprunghaftes Weglaufen, nur ein neugieriger, beinahe trotziger Blick. Schließlich hatte es mich genug betrachtet und erkannt, dass ich keine Gefahr darstellen würde. Gemächlich zog es Richtung Wasser, ohne sich weiter um mich zu kümmern. Das Tier mag wohl gespürt haben, dass ich es respektiere. Ja, ich freute mich sogar über unsere „Begegnung“.

 

Neben der Landstraße gibt es eine kurze, aber bequeme, weil asphaltierte, Strecke zum Gehen und Radfahren. Dort gehe ich gerne spazieren. Gen Westen steigt der Gehweg sanft hinauf zu einem kleinen Ort. Die Autostraßen werden immer enger bis sie schließlich auch auf Asphalt verzichten und nur noch Schrotterkies als Belag genügen muss. Meinem Auto hatte diese Straße nicht gefallen, als wir sie einmal fahren wollten. Ich umkreiste zwar den großen Fjord, aber mein rechter Vorderreifen hatte sich „geschnitten“ und musste repariert werden. Gen Osten führt der Gehweg am Wald entlang bis hinunter zum Fjord. Diese Spaziergänge weite ich gerne aus. Sie sind für mich die angenehme Balance, wenn ich ein paar Stunden geschrieben habe.

 

Draußen bleibt es grau in grau und entsprechend kühl. Auch heute wird es wohl wieder regnen. Nur die angenehme Stille füllt mein Herz mit heiterer Zufriedenheit.

 

 

 

 

 

 

 

Die Gefahren in den sozialen Netzwerken

Foto: MJ Todd
Foto: MJ Todd

 

 

 

 

Gestern war ich bei einem Vortrag über „Facebook, Twitter & Co.“ Der Referent war im richtigen Alter, hatte Informatik studiert und sein Berufsleben dem Computerzeitalter angepasst. Seine Aufzählung der Vorteile war nachvollziehbar. Die gegenüberstehende Liste der Nachteile etwas weniger. Ein Argument wird immer wieder in den Vordergrund gezogen, jedoch kann ich dem einfach nicht zustimmen.

 

Ich arbeite und beschäftige mich mit den sozialen Netzwerken seit mehr als zehn Jahren. Zuerst war es Neugierde, dann machte es Spaß, letztendlich fand ich aber auch die nützliche Seite sehr ansprechend. Nur eines kann ich einfach nicht verstehen: die Angst der Menschen, ihre Privacy könnte verletzt werden, der Datenschutz soll sicherer werden.

 

Erst einmal sollte man sich doch voll im Klaren sein, was man im Netz von sich preisgibt. Jeden Tag scrolle ich über sehr viel Unsinn. Viele nehmen die sozialen Netzwerke als Ventil für ihre Gefühle und ihre ganz persönlichen Meinungen.

 

Was esse, trinke, fühle, denke ich gerade. Was ist meine Meinung zu diesem Post.

 

Besonders in öffentlichen Profilen, die Nachrichten verbreiten, werden oft Kommentare gepostet, die mich an die Stammtische von früher erinnern. Da wurde doch auch alles Mögliche und Unmögliche gesagt. Da gab es doch auch gerne verbale Reibereien. Dafür ging man doch dorthin.

 

Dasselbe gilt für die oft nicht ganz jugend- und gewaltfreien Kommentare in Gruppen und Foren von Sportvereinen. Das hat ebenfalls nichts damit zu tun, dass man in den sozialen Netzwerken unter falschem Namen auftreten kann. Jedes Stadion und jeder Platz, wo Sport stattfindet, kennt dieselben Kommentare. Da hilft es nichts, wenn man etwas mehr Geld ausgibt und auf der Haupttribüne einen ruhigeren Platz sucht. Viele gehen in ein Stadion, nicht nur zum Anfeuern, sondern auch, um sich selbst abzureagieren. Dadurch werden die Bemerkungen schärfer und vor allem ungeschliffener. Keiner verlangt jedoch den Datenschutz seiner soeben verbreiteten Wörter, die er dem Schiedsrichter oder dem Spieler zugeschrien hat.

 

Darüber denken auch diejenigen nicht nach, wenn sie sich auf der Straße, im Café, auf einem öffentlichen Platz befinden und diskutieren. Das gehört zum „realen“ Leben. Die Umstehenden oder Passanten im Vorbeigehen sind Fremde, die doch eigentlich gar nicht zuhören. Wirklich? Wenn jemand lautstark, oder auch ganz normal, in der Öffentlichkeit telefoniert, dann bekommt seine Umgebung das Gespräch mit, ob sie das will oder nicht. Besonders in Bussen und Bahnen ist es unvermeidbar. Wie viele Gespräche habe ich mitanhören müssen, ohne daran im Geringsten interessiert zu sein. Da fragt derjenige nicht nach seiner Privacy.

 

Und denkt jetzt bitte nicht, das sind Ausnahmen. Im „realen“ Leben sind diese Menschen keineswegs mehr selten. Im Gegenteil. Die Menschen mutieren genauso schnell wie die Technologie. Zu Beginn der Handy-Ära - ja ich kenne die Welt auch noch ohne! -  war es doch offensichtlich, wie sehr die stolzen Besitzer dieser neuen mobilen Telefone damit angeben wollten. Kein öffentlicher Ort war vor ihnen sicher. Ist es auch heute nicht. Nur, dass die Smartphones jetzt das Internet mit einbeziehen und deshalb die linke Hand „stumm surfen“ kann, während die rechte Hand versucht, das Essen vom Teller zielgerecht in den Mund zu befördern.

 

Aber zurück zum Internet und seinen unbegrenzten Möglichkeiten. Ich kann dort sehr viel finden, wenn ich etwas recherchiere. Und dabei habe ich die Gelegenheit, sehr nette Leute kennenzulernen. Das Netz gibt mir die Möglichkeit, Menschen zu kontaktieren, die ich im „realen“ Leben kaum so schnell und gut erreichen könnte. Das ging mir so, als ich einen Zeitungsartikel über Nanoplaneten, die sich in gigantische Diamanten verwandeln, gelesen habe. Sofort fand ich über Google den im Artikel zitierten amerikanischen Professor. Ich kontaktierte ihn mühelos und wir hatten einen sehr interessanten Austausch. So etwas wäre im „realen“ Leben überaus komplizierter bis unmöglich gewesen.

 

Und noch ein großer Vorteil, der mir persönlich sehr gelegen kommt: In den sozialen Netzen kann ich mich viel besser verteidigen. In dieser Hinsicht sollte man sich doch bei Facebook einmal bedanken. Ungebetene Kontakte können sehr effektiv eliminiert werden.

 

Folglich sollte sich jeder bewusst sein, was er von sich preis gibt und wie er das Internet benutzt. Es ist ein wunderbares Instrument, unsere Welt ein wenig kleiner zu gestalten, unseren Horizont etwas weiter zu öffnen. Wir haben unzählige Möglichkeiten. Wir sollten sie nutzen und nicht immer nur kritisieren. Das liegt auch viel an der Natur der Einzelnen. Datenschutz und Privacy gibt es auch im Großraumbüro nicht. Jeder ist für seine Taten und seine Worte selbst verantwortlich. Also gebt nicht Facebook und Twitter die Schuld, sondern euch allein.

 

Das solltet ihr berücksichtigen, wenn ihr wieder einmal Bilder ins Netz stellt. Das funktioniert genau so, als ob ihr das Foto auf irgendeinen öffentlichen Platz legt, wo es jeder sehen und auflesen und mitnehmen kann.

 

Noch ein Wort zum Datenverkehr im Internet. Wenn ihr in Online-Shops irgendwo ein Produkt sucht und anschließend findet ihr die entsprechende, zielgenaue Werbung neben euren Mails oder auf euren sozialen Netzwerken und sie nervt euch. Nun, in den ersten Zeiten hat es mich auch genervt, laufend die kurz mal angeklickten Produkte zu sehen. Bald fand ich aber heraus, dass ich, besonders auf Facebook, diese Werbung kostenlos für meine eigene nutzen kann.

 

Bitte beschwert euch auch nicht über die lieben „Cookies“, die dazu verhelfen, diese Daten über eure Vorlieben zu sammeln und auszuwerten. Schon vor zwanzig Jahren gab es die Treuekarten der großen Einkaufsketten. Damit wurden eure Kassenbons gesammelt und ausgewertet. Aber das schien euch damals nicht zu stören. Oder habt ihr es nur nicht gewusst?

 

Ebenso geht es mit den Adressen. Die beliebten Gewinnspiele verlangen alle eine Adresse, wenn nicht sogar eine Telefonnummer. Da macht ihr doch gerne mit. Im Telefonbuch wollt ihr doch auch noch stehen. Das ist öffentlich und sagt viel über euch aus. Über Namen kann man sogar das Alter schätzen. Dort ist eure Adresse jedem erhältlich. Und was den Verkauf von Adressen angeht, den gab es auch vor dem Internet. Durch das Internet sind die Gefahren nicht größer geworden, sie kommen nur von einer anderen Seite. Aber geändert hat sich nur unser Benehmen, keineswegs die Gefährlichkeit an sich.

 

Ich versuche, im Internet genauso vorsichtig zu sein wie im realen Leben. Ein gesundes Misstrauen hilft mir dabei. Wobei ich die Betonung auf das Wort „gesund“ legen möchte. Denn, ich bleibe ebenso offen für alle mir nützlichen Informationen und positiven Gelegenheiten und schönen Begegnungen, die mir das „Welt Weite Netz“ bietet.

 

 

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Lotte R. Wöss, eine Buchvorstellung

 

 

Per Handschlag für immer von Lotte R. Wöss ist alles andere als ein romantischer Liebesroman. Die Autorin lädt den Leser zu einer rasanten Fahrt auf der Achterbahn der Gefühle ein. Man muss aber einiges aushalten können. Der Schreibstil entspricht den Knalleffekten. Ich habe dieses tolle Buch in zwei Abenden verschlungen. Die letzten vier Stunden waren grausam ... gut.

 

Eine taffe Unternehmerin, die in dritter Generation außergewöhnliche Pralinen herstellt und ein adliger Keksfabrikant sollen einen Joint Venture eingehen. Beide leiden unter stark ausgeprägten Minderwertigkeitskomplexen, wenn es um ihre physischen Mängel geht. Der Graf kann nicht die Narben eines Wolfrachens in seinem Gesicht sehen. Die Unternehmerin fühlt sich in ihrem molligen Körper nicht wohl. Noch dazu werden sie von ihrem Umfeld ständig darauf hingewiesen. Falls jemand glaubt, dies wäre nicht nachvollziehbar, dann muss ich ihn enttäuschen. Es ist nerv tötend, aber es gibt solche Menschen. Jedoch, denkt bitte nicht, dass diese stressigen, immer wiederkehrenden, Anspielungen der einzige Grund für meine Magenkrämpfe waren. Oh nein!

 

Ich las das E-Book. Auf der Kindle-Software sehe ich nicht die Seitenzahl, sondern eine, für mich (noch) gewöhnungsbedürftige, vierstellige Prozentzahl. Bei jedem Knalleffekt der Geschichte sah ich ängstlich auf die Zahlen unterhalb der Seite. Wann wird es wohl zu enden gehen? Was müssen die beiden noch alles durchmachen? Reicht es nicht langsam?

 

Ich will keineswegs alles vorwegnehmen. Die letzte Seite musste ich trotz allem zweimal lesen. Vielleicht wollte ich nicht ganz verstehen, dass die Geschichte doch ihr Ende gefunden hatte. Auf jeden Fall könnt ihr euch mit diesem Buch nicht entspannt zurücklehnen, ohne hin und wieder aufzuschrecken. Die Autorin hat ein Feuerwerk entworfen, das lange nach dem letzten Satz noch in euch klingen wird. Jedenfalls ging es mir so.

 

 

 

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Die Trägheit des Winters wird vom Frühling vertrieben

Augen auf und ran an den Frühjahrsputz! Was hat sich da alles in den Ecken und versteckten Winkeln angesammelt! Verstaubte Bequemlichkeit lebloser Tage!

 

Heute ist Frühlingsanfang! Er ist offiziell im Kalender angekommen! In den Gärten sprießen seit Tagen Krokusse und Schneeglöckchen um die Wette. Vögel zwitschern überall. Die Welt will wieder bunter werden. Der graue Winter ist vorüber.

 

Jetzt kommt die Zeit, in der wir gerne Haus und Garten oder Wohnung und Balkon neu entdecken. Jeder Winkel wird von der neugierigen Sonne beleuchtet. Sie zeigt uns, wo Hand angelegt werden muss. Ausräumen, reinigen, entrümpeln. So etwas Ähnliches hatten wir uns doch schon zu Beginn des Jahres vorgenommen. Der eigene Körper sollte gleich nach den üppigen Festtagen wieder straffer werden. Dann kam Fasching, Karneval oder Fastnacht dazwischen. Aber jetzt gibt es keine Ausreden mehr! Raus in die Natur! Das Gehirn mit frischem Sauerstoff versorgen. Den Körper entschlacken und entgiften. Den Geist wieder aufnahmefähig machen.

 

Ich hatte Aschermittwoch mit einer Detox-Kur begonnen. Sie sollte gerade mal zehn Tage dauern und wurde von mir auch von einer sehr einladenden Retox-Gymnastik begleitet. Schon nach drei Tagen fühlte ich mich wohler. Ich beobachtete meinen Körper. Der Bauch wurde flacher, Blähungen verschwanden und kamen nicht wieder. Das gab mir zu bedenken. Ohne große Einschränkungen mache ich weiter und erfreue mich der abnehmenden Nebenwirkungen. Dabei lasse ich nur die Butter zum Frühstück weg und esse kein Joghurt und keinen Quark mehr. Beim Kochen vermeide ich Crème fraîche und nehme Olivenöl anstatt Butter wo immer es geht. Ich bin so weit, dass mein hin und wieder auftretender Appetit nach Schokolade schon nach einem Rippchen gestillt ist und es nicht mehr, wie vorher, die ganze Tafel sein muss. Weizenmehl wird zur Ausnahme. Im Kaffee habe ich meinen Löffel Zucker zu einem Drittel reduziert.

 

Aber der effizienteste Trick an dieser Umstellung ist der Verzehr von Zitrusfrüchten zu jeder Mahlzeit: Morgens trinke ich einen Grapefruit- oder Orangensaft. Mittags und abends gibt es als Dessert gerne Obst. Mal begleitet ein Kiwi irgendeine passende Frucht (wobei die grüne Zitrusfrucht sich beinahe  allen anderen Obstsorten kombinieren lässt) mal gibt es eine Orange. Dadurch wird der Stoffwechsel angeregt!

 

Mit dieser wunderbaren Leichtigkeit freue ich mich über den Frühling und seine „aufregenden“ Gefühle. Er lockt nicht nur die bunte Vielfalt von Blumen und Pflanzen, Sträuchern und Bäumen heraus. Alle recken sich nach dem Licht. Überall sprießen die Triebe. Bald duftet es allerorts nach den süßen Blüten. Frische Schnittblumen bereichern jeden noch so kleinen Tisch. Und im Bauch beginnen die Schmetterlinge zu kribbeln.

 

Die Welt wird unter einem ganz neuen Aspekt wahrgenommen. Der Geist setzt eine unschlagbare, unglaublich starke Energie frei. Damit ist der träge Winterschlaf endgültig  beendet. Nach dem Frühjahrsputz in den eigenen Räumen wird die Garderobe durchgecheckt. Was passt wieder oder noch? Der Enthusiasmus schickt uns hinaus in die frische Luft. Die wiederentdeckte bewusste Bewegung strafft unsere Haut und befreit unzählige Glückshormone. Unsere Lebensfreude wird angekurbelt und das Glas ist  schneller halb voll.

 

Projekte werden konkreter betrachtet. Pläne werden gezielter durchgesetzt. Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen triumphieren über den inneren Schweinehund. Den wollen wir erst einmal den stürmischen Winden übergeben, damit sie mitnehmen und im Nirgendwo absetzen...

 

Die Natur erneuert sich und wir wollen dabei sein und mithalten!  

 

 

 

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Die Seelenmuse von Heike Hoffmann

Die Seelenmuse – ein wunderschöner Titel für einen Gedichtband. Seit der Antike ist die Muse verantwortlich für die Inspiration, gehört zur Kreativität. In diesem Fall sollen die Gedichte unsere Seele erleuchten, unsere Gedanken streicheln.

 

Ich lese Bücher stets von der ersten bis zur letzten Seite. Zumindest das erste Mal. Danach schlage ich schon mal gerne bestimmte Seiten auf, suche mir gezielte Passagen oder, wie im Falle von Heike Hoffmann, schlage Gedichte nach, die mich auf ganz besondere Weise angesprochen oder berührt haben. Deshalb bin ich der Autorin sehr dankbar für ihr sinnvolles Inhaltsverzeichnis. Ebenso habe ich die große Schrift genossen. Dadurch wurde die Lektüre angenehmer und fließender.

 

Diese Selenmuse lässt uns lachend beginnen. Versucht sogleich eine leise Verführung. Allerdings wartet sie schon im dritten Kapitel mit Tränen und den mannigfaltigen Gefühlen auf, die von ihnen ausgelöst werden. Nach solch rauschenden Emotionen geht es erst richtig stürmisch los. Die Gedichte reizen und erregen wie ein Orkan im offenen Ozean. Erst, wenn sich die Muse wieder etwas beruhigt hat, entschließt sie sich, ihre Sinne und Empfindungen tanzen zu lassen. Leicht und beschwingt, sinnlich und fühlbar. Sie zieht uns mit sich bis tief hinein in ihre Seele, in unsere Seele. Und endet mit einer zärtlichen Umarmung, deren Worte sehr magisch klingen, auch wenn ihnen der von mir so sehr geliebte Rhythmus fehlt. Wohl bemerkt, bedeutet das keineswegs ein Reim in jedem Vers. Es ist die einzigartige Betonung der Wörter, deren Schwingungen beim Lesen durchdringen und außergewöhnliche Takte bilden. Es ist die Melodie der Poesie, mit der die lyrischen Inhalte unsere Seele erreichen und sich in unserem Geist verwurzeln.

 

Meine Favoriten aus Heike Hoffmanns Gedichtband Die Seelenmuse sind das heitere Phil und Sophie sowie die unterhaltsame Augenblicksbeschreibung Der Pianist. Bei über 80 Gedichten ist die Themenvielfalt bemerkenswert. Deshalb ist man gut beraten, das Buch nicht ins Regal zu stellen, sondern sichtbar auf einem Tischchen liegen zu lassen. Denn, hin und wieder will man sich an den einen oder anderen Vers erinnern. Oder sich gerne ein wenig entspannen und bei einem zufälligen Aufschlagen des immerhin 200 Seiten starken Buches die Seele baumeln lassen, den Geist regenerieren, den Alltag vergessen.

 

 

 

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Lesen ist ein Lebenselixier

 

 

Für mich war das schon immer so. Lesen hat mein Leben erfüllt, seit ich die Magie der Buchstaben kennenlernen durfte. Zuvor war es mein Großvater, der mir mit Engelsgeduld immer wieder meine Lieblingsbücher vorgelesen hatte.

 

Die großen Klassiker haben uns gewiss gesunde Ratschläge mitgegeben, von denen wir in jeder Zeitepoche noch etwas lernen können. Von Seneca bis heute findet man immer wieder einen Absatz, ein Zitat, einen Ratschlag, der auch in unsere Gegenwart hineinpasst.

 

Begeistert verschlingen wir einen unterhaltsamen Roman, erregen unsere Gefühle mit einer Liebesgeschichte, zittern bei einem spannenden Krimi oder Thriller, reizen unsere Angst in horrenden Fantasy-Geschichten aus. Hauptsache, wir sind für ein paar lange Minuten oder gerne auch Stunden, abgeschirmt von der Umwelt, eingetaucht in unser Kopfkino. Wir wollen mit den Protagonisten fühlen, uns identifizieren, am Ende (be)urteilen.

 

Wir lesen aus Leidenschaft, aus Langeweile, aus Neugierde. Nun haben wir aber auch die Bestätigung, dass diese doch so unauffällige Nebenbeschäftigung unserer Gesundheit äußerst gut tut, auch wenn wir uns dabei kaum bewegen. Dafür tun es unsere Gehirnzellen!

 

Die renommierte Elite-Universität in Yale hat eine Studie herausgebracht, die unser Hobby zu einem effizienten Lebenselixier nobilitiert: Wer mehr als eine halbe Stunde am Tag liest verlängert sein Leben um mindestens zwei Jahre! Denn, so ergab die langjährige Untersuchung, beim Lesen bewegen wir unser Gehirn. Durch das Kopfkino kommen alle unsere grauen Zellen in Bewegung, Die Gefühle können ruhig mal auf der Achterbahn fahren, das ist wie eine Kneippkur für das Gehirn. Es wird aufgefrischt, bleibt fit und entwickelt einen ausgeprägten Anti-Stress-Effekt. Kennt ihr das Glücksgefühl nach einem phantastischen Buch?

 

Die Studie bringt jedoch noch mehr Fakten hervor: Schon bei Kleinkindern soll sich alleine vom Vorlesen der Geschichten ein sozialeres Verhalten entwickeln. Toleranz und Mitgefühl prägen die Kids, deren Erziehung die Schönheit der Bücher und die daraus entstehende Lektüre schon von Anfang an miteinbezieht.

 

Also kann man nicht früh genug damit beginnen! Deshalb holt euch doch gleich diese wohltuende, wissenschaftlich bewiesene Medizin in eurer Bibliothek oder bei eurem Lieblings-Buchhändler. Ach ja, es geht um Bücher, nicht um Zeitschriften oder Zeitungen. Letztere sind voller Infos und aktivieren nicht so sehr das Kopfkino, sondern zerren eher an den Nerven.

 

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Der Unterschied zwischen Mann und Frau

 

Ich wünsche allen Frauen,

 

dass sie sich in ihrer Weiblichkeit identifizieren können!

 

 

 

Denn viele von ihnen wollen ihr Leben lang sich selbst beweisen. Hosen tragen. Nicht unbedingt, weil sie krumme Beine haben. Einfach, um ihre feminine Seite zu verstecken. Die unterdrücken sie dann gerne mit einem sehr unweiblichen Auftritt. Sie wollen die Männer mit der Brechstange beherrschen. Das muss doch nicht sein. Es ist so angenehm, mit einem freundlichen Lächeln viel mehr erreichen zu können als mit unangenehmen, nicht enden wollenden Diskussionen und Rechthaberein.

 

 

 

Ich will nicht gleichberechtigt sein!

 

 

 

Ich kann nicht das tun, was Männer können. Ich will es auch nicht. Es ist doch viel angenehmer, wenn ein Mann mir die Tür öffnet, anstatt sie mir vor der Nase zuzuknallen.

 

Ich streite nicht ab, dass es schwache Frauen gibt, so wie man auch schwachen Männern begegnen kann. Jedoch ist es mir unmöglich, die Rolle als „Frau = Opfer“ grundsätzlich akzeptieren zu sollen. Ich habe viele Frauen aus der orientalischen und arabischen Welt kennengelernt. Sie sind keineswegs untergeordnet! Sie führen ihre Familien mit der gleichen selbstbewussten Stärke wie wir hier im Okzident.

 

 

 

Ungerechtigkeiten und Misshandlungen

 

gibt es überall

 

und wird von beiden Geschlechtern ausgeführt.

 

 

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Wetter oder Detox-Kur? Wem gebe ich die Schuld?

 

Also sind wir doch alle dem Wetter ausgeliefert? Das frage ich mich nach den Gefühlen, die mich in der vergangenen Woche so gebeutelt haben.

 

Selten war ich so war gereizt und dünnhäutig gewesen wie in den letzten Tagen. Draußen stürmte der Wind durch die Straßen. Meine Selbstkontrolle funktionierte nur noch zäh. Die Bäume senkten sich den peitschenden Lüften. Schließlich eskalierte sogar eine Diskussion und wurde mit Weinkrämpfen beendet. Natürlich wollte ich nicht zugeben, dass mich meine „wunderbare innere Ruhe“ verlassen hatte. Die unruhige Luft verkürzte nur meine Spaziergänge.

 

Da ich am Aschermittwoch eine Detox-Kur angefangen hatte, gab ich zunächst einmal ihr die Schuld. Doch die funktioniert wunderbar. Ich fühle mich viel leichter, esse sogar mehr als vorher und nehme trotzdem ein wenig ab, obwohl es bei dieser Kur eigentlich „nur“ ums Entsäuern gehen soll. Daher keine Butter und Milchprodukte (nur fermentierter Käse ist angesagt und der ist einer meiner Lieblingslebensmittel.), kein Weißmehl, kein Alkohol, keine Wurst und kein Zucker. Zugegeben, letzteren brauche ich im Kaffee, habe ihn aber sehr reduziert. Ich tauche die Spitze des Kaffeelöffels gerade mal in die Zuckerdose ein. Das wird kaum ein Gramm auf die Waage bringen. Ach ja, es sind auch nur drei Tassen Kaffee am Tag erlaubt!

 

Dafür halte ich regelmäßigere Ess-Zeiten ein, esse mehr Fisch und mageres Fleisch, mehr Gemüse und noch mehr Obst, besonders Zitrusfrüchte sollten immer dabei sein. Der nette Kiwi ist ja die Petersilie der Früchte: so wie das Kräutlein überall den Geschmack erweitern kann, so passt auch dieses frische grüne Fruchtfleisch zu jeder anderen Obstsorte.

 

Also, wie gesagt, die Detox-Kur ist einfach toll und schmackhaft und kommt bei mir sehr gut an. Da ich gestern bemerkte, dass meine „wunderbare innere Ruhe“ wieder zurückgekommen war, begann ich zu recherchieren. Und siehe da: auf dem kleinen Spaziergang (nach dem Mittagessen 30 Minuten lang, gehört auch zur Kur) spürte ich keine lästigen kalten Luftzüge mehr um meine Ohren. Es war völlig windstill. Die schüchterne Frühjahrssonne konnte sogar schon ein wenig Wärme verbreiten.

 

Die Welt schien wieder in Ordnung. Bis zum nächsten Angriff...

 

 

 

 

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Der erste Abend in der Elbphilharmonie

 

Eigentlich mag ich Thomas Hengelbrock nur, wenn er nicht gerade Beethoven dirigiert, das ist für mich weiterhin sehr gewöhnungsbedürftig. Aber was er sich bei dem Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie gedacht hat, kann ich nicht nachvollziehen.

 

So weit es ging habe ich die Konzertsäle stets vermieden, wenn diese sogenannten zeitgenössischen Klänge - es fällt mir schwer sie Musik zu nennen -  auf dem Programm standen. Wenn Töne aneinandergereiht werden bis die Instrumente nicht mehr erkennbar sind. Wenn der Rhythmus aus dem Saal gemobbt wird und die Harmonie Urlaub bekommt. Dann ist es kein Ohrenschmaus mehr, sondern eher psychische Folter. Genau, wie das Eröffnungskonzert in Hamburg.

 

Ein Konzertsaal der Superlative wurde eingeweiht mit Tönen und Ausführungen, die jede Akustik beleidigen. Vielleicht hat sie sich deshalb bemüht, die kleinen, großen Mängel einiger Stücke besonders hervorzuheben. Leider kann ich mir den zauberhaften Klang nur von den Erzählungen der illustren Gäste vorstellen. Kein medialer Empfang überträgt die Magie, die man spürt, wenn man selbst im Konzertsaal sitzt. Diese Emotion kenne ich nur zu gut.

 

Zwar verflucht man still und innerlich den Nachbarn, der schon wieder vergebens versucht, die papierne Hülle eines Bonbons geräuschlos zu öffnen. Irgendwo räuspert sich jemand gefährlich, sodass man beim nächsten Pianissimo auf einen Anfall aus der Nase oder dem Mund gefasst sein muss. Am schlimmsten sind immer der Sprung zwischen den Sätzen der Sinfonien oder die wirklich kurzen Pausen innerhalb einer Opernaufführung. Da geht oft ein richtiger Sturm an Husten und Niesen und Schnaufen durch den Saal. Noch störender als das Bonbon oder gar so mancher unangepasste Flüsterton.

 

Alle diese kleinen Unannehmlichkeiten können sich, aneinandergereiht, sehr negativ auf einen Abend auswirken. In der Elbphilharmonie sollte man sogar das Atmen einstellen. Die Akustik des Saales wäre so ausgesprochen delikat, dass man die Gedanken hören könnte, würde man sich nur ein wenig konzentrieren. Ich hoffe, es wird sich mit der Zeit etwas legen. Denn, jede Bewegung, jeder tiefe Atemzug würde den Noten missfallen, die sich hier wahrlich in ihrer ganzen Schönheit ausbreiten können. Falls sie harmonisch und meisterhaft aneinander komponiert worden sind. Und nicht diese ungereimten Töne von sich geben müssen, die das Publikum bei dem ausgesprochen unangebrachten Eröffnungskonzert anhören mussten.

 

Die Musik ist eine der schönsten und ältesten Künste überhaupt. Aber auch hier gilt: wer die Antike liebt kann sich kaum mit der Moderne anfreunden. So ist es auch mit den Melodien. Wer Mozart, Beethoven & Co. liebt, der kann sich nicht mit Stockhausen, Berio oder gar noch lebenden Komponisten befassen.

Vielleicht wollte Hengelbrock dem Eröffnungskonzert eine ausgesprochen kühle, ungemein avantgardistische, beinahe surreale Atmosphäre verleihen, und damit den Saal gebührend prägen. Jedoch wäre dies nicht nötig gewesen. Das moderne Design und die Ausstrahlung dieses, immerhin wie ein antikes Amphitheater angelegten, Saales trugen allein schon zur Verzauberung derjenigen bei, die dort präsent sein durften.

Ich finde es sehr angenehm, im selben Gebäude ein schönes Hotel vorzufinden. Sobald ich die Gelegenheit haben werde, beide Vorzüge auszukosten, werde ich mich wieder dazu äußern...

 

 

 

 

 

 

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Wie besinnlich wird Weihnachten in Deutschland 2017?

 

Weihnachten

Das Fest der Liebe. Das Fest der Besinnung. Das Fest der Versöhnung. Das Fest der Hypokrisie.

 

 

Spendenaufrufe gibt es das ganze Jahr über. Jedoch niemals in einer solch widerlichen Anhäufung wie in der Adventszeit. Sie kommen per Post, damit sie den ganz persönlichen Nerv treffen sollen. Sie kommen im Fernsehen getarnt als „Galas der Musik“. Wer mitmacht hat ein gutes Herz, wer überhaupt nicht dazu schaltet hat einen gesunden Menschenverstand. Warum muss ich mir gerade zur Weihnachtszeit vorwerfen lassen, wie gut es mir (angeblich) geht und wie schlecht es anderen Menschen geht? Mit welcher Arroganz werden diese Shows abgezogen? Vielleicht gehöre ich auch zu den Bedürftigen? Wie viele Menschen sind krank und leiden für sich, weil sie keinen Freund oder Verwandten haben, der den richtigen Journalisten kennt und seine Tragödie ins Fernsehen bringt? Wie viele Menschen sind arm und schämen sich ihrer Situation? Ihnen bleibt nur noch ein Funke menschlicher Würde, mit der sie verzweifelt versuchen, die Achtung vor sich selbst nicht zu verlieren.

Damit sind wir bei der trostlosesten aller Weihnachtsgefühle – der Nächstenliebe!

 

Weihnachten soll man nicht alleine feiern. Ladet die Einsamen zu euch ein.

 

Gebt den Obdachlosen ein warmes Essen.

 

Wunderbar! Dann sind eure Gewissen wieder reingewaschen von allen Sünden, die sich im Laufe eines Jahres anhäufen! Wie peinlich das Ganze ist, wenn man zwei Tage später darüber nachdenkt. Der Einsame ist wieder allein. Der Obdachlose kehrte zurück an seinen Platz auf der Straße. Die Welt ist erneut in ihrer gewohnten Ordnung. Den Weihnachtstag haben sie nicht alleine verbringen müssen. Das schreit doch nach Hypokrisie! Entweder kümmere ich mich um den alleinlebenden Verwandten oder den depressiven Freund auch an anderen Tagen des Jahres, aber ich heuchle nicht irgendeine „christliche“ Nächstenliebe, die nach Egoismus nur so stinkt.

 

Mein Gewissen ist rein. Ich habe dich ja an Weihnachten nicht alleine gelassen. Morgen kannst du wieder deinen Depressionen Gesellschaft leisten. Ich habe meinen Zoll als Christ erfüllt.

 

Wie ekelhaft!

 

Dieses Jahr wird das Weihnachtsfest in Deutschland von einem furchtbaren Anschlag auf ahnungslose Menschen geprägt: Ein Lkw rast über einen Weihnachtsmarkt. Er will zerstören. Er will töten. Viele Menschen sind davon betroffen? Aber leider sind viele auch bereit gewesen, sich weder zu schockieren, noch in Panik zu geraten, sondern blitzschnell ihr Smartphone, das sowieso schon in ihren Händen war, bereitzustellen und sinnlos zu filmen und zu fotografieren. Diese Menschen verschwenden keinen Gedanken, um zu helfen. Sie befriedigen nur ihre eiskalte, gefühllose Sensationslust.

 

Das ist die Kehrseite unserer heutigen Gesellschaft! Aber diese unwürdigen Personen werden totgeschwiegen im Echo der Entrüstung und Kritik für banale und viel leichter angreifbare Personen und Institutionen. Ich will nicht auf die unendlichen, spekulativen Berichterstattungen eingehen, die uns einen Terroranschlag beinahe live miterleben lassen wollen. Das ist sinnlos und ignorant. Kein intelligenter Mensch spricht über etwas, das er (noch) nicht kennt, von dem er (noch) keine Fakten hat.

 

Ich war nur angewidert von der „Erschütterung“ so mancher offizieller Sprecher. In dieser kurzlebigen Zeit ist der Verstand wohl schon total überfüllt von News und Infos und Google und was weiß ich! Dabei wurde doch gerade kurz vor den Weihnachtsmärkten gewarnt, sie könnten Angriffsziele für Terroristen werden. Die Sicherheit sollte auch im kleinsten Dorf verstärkt werden. Hat sich jemand daran erinnert? Ist Berlin als Hauptstadt nicht ein perfektes Ziel gewesen? Wo waren die verstärkten Sicherheitsbestimmungen? Jetzt aufzumarschieren ist mehr als geschmacklos und ein Affront gegenüber den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer!

 

Jedoch, so wie ich diese Welt beobachte, bin ich sicher, dass sich die meisten der Menschen bis zum Wochenende wieder erholt haben. Ihr Weihnachtsfest wird sich nicht ändern. Schließlich sind die Geschenke schon gekauft. Der Weihnachtsbaum ist schon geschmückt. Das Essen mag auch schon weitgehend bestellt oder die Zutaten vorbereitet sein. Kaum jemand wird in diesen „schönen und friedlichen“ Stunden noch eine Sekunde an den Anschlag in Berlin denken oder an die Millionen von Menschen, die, Tag für Tag, und auf die verschiedensten Weisen, ihr Leben riskieren.

 

 

 

Weihnachten - ein magisches Wort

 

 

Es sollte für Frieden stehen. Es sollte für Hoffnung stehen.

 

Ein kleiner Junge ward geboren.

 

 

 

Und wie bei jedem neugeborenen Erdenbürger hofft man, dass er besser und intelligenter sein würde. Dass er Frieden und Liebe in sein neues Leben einbringe und diese ehrbar und mit großem Eifer und Ausdauer unter den Menschen austeile...

 

 

Mein berufliches Leben hat mich stets auch an Weihnachten arbeiten lassen. Da fiel es mir nicht schwer, ein „Frohe Weihnachten“ als freundlichen Gruß zu verwenden. Er lockerte die Stimmung und holte ein überzeugendes Lächeln auf die Lippen. Die Kerzen leuchteten bis ins Herz und die Atmosphäre hüllte sich in ein festliches Vergnügen. Deshalb fehlt mir meine frühere, berufliche Tätigkeit in diesen Feiertagen sehr...

 

 

 

 

 

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Der Bücherbaum

 

 

Nein, keine Sorge! Die Bücher wachsen noch nicht auf den Bäumen. Sie sind immer noch die Frucht der harten Arbeit ihrer Autoren. Sie nähern sich ihrem Urheber mit einem kleinen Samen, das ist die Idee, aus der sich eine Geschichte ergeben kann. Durch fruchtbare Inspiration bekommt sie ihre erste Form. Das kann sehr schnell gehen. Manchmal können kleine Verzögerungen eintreten. Blockaden stoppen das Wachstum. Der Autor muss sehr viel Energie und liebevolle Kreativität einsetzen, damit seine Geschichte weiter wachsen kann. Wenn er bis zum Ende durchgekommen ist, dann erst beginnt die undankbarste Arbeit: das Korrigieren. Zuerst versucht er es selbst. Dann wird ein Lektor hinzugezogen. Dieser wiederum will noch einmal die letzten Reserven des Autors ausschöpfen und verlangt von ihm oft und gerne Bearbeitungen, wenn er nicht gerade mit seinem streichenden Rotstift Wörter und Sätze, ja ganze Passagen einfach so verabschiedet. Jeder Buchstabe schmerzt. Der Autor wendet sich und bittet, aber er wird selten erhört. Die Geschichte muss fließen, muss stimmen, muss ankommen.

 

Endlich ist sie druckreif. Der Autor atmet auf. Die Leser warten schon. In den glücklichsten Fällen. Sie verschlingen das Buch oder sie scrollen das E-Book. Bald haken sie die Geschichte ab und wenden sich der nächsten zu. In der heutigen Zeit wird ein Buch kaum noch einmal gelesen. Es wandert weiter. Sein Leser bringt ihn zu anderen Lesern. In der Kleinstadt, in der ich gerade wohne, gibt es dafür einen Bücherbaum. Dort kann man sich Bücher holen und natürlich Bücher bringen.

 

Das Konzept ist mittlerweile weit verbreitet. Vor vielen Jahren beteiligte ich mich am Bookcrossing. Das war noch interessanter, auch wenn das Grundprinzip nicht funktioniert hat. Wenigstens nicht lange. Es war schon etwas ungewöhnlich, ein Buch auf irgendeiner Bank, in einem Park, oder in einem Zug, oder am Flughafen einfach liegenzulassen. Damit es der Nächste zu sich nimmt und liest. Man sollte damals noch eine Email-Adresse eingeben, damit man über eine Homepage die Reise des Buches verfolgen konnte. Leider beteiligten sich nicht alle Leser daran.

 

Etwas lokaler sind die öffentlichen Bücherregale. Es gibt sie fast überall in den verschiedensten Lokalitäten. In einem Dorf der Umgebung habe ich Regale in einer Bushaltestelle gesehen, die demselben Zweck dienen. Bücher bringen, Bücher nehmen.

 

Mir gefällt die rotlackierte Vitrine am Baumstamm. Letzte Woche habe ich dort ein paar Klassiker aus dem 19. Jahrhundert hingebracht. Bücher, die ich gelesen hatte und von denen ich genau wusste, dass ich sie nie mehr öffnen würde. Und Bücher, die ich irgendwann einmal gekauft hatte, deren Zeit jedoch nie kommen wird. Wenigstens nicht bei mir. Da ich nichts davon halte, sie für wenige Cents bei rebuy zu verscherbeln oder sie dem Schnäppchen-Wahn auf dem Ebay-Altar zu opfern, finde ich es viel charmanter, sie zu verschenken.

 

Ich habe dort schon öfters Bücher hingebracht. Letzte Woche waren es Autoren wie Dostojewskij, Gogol, Hölderlin, Verlaine. Als ich gestern noch eine Tasche hinbrachte, staunte ich nicht schlecht. Alle meine schönen, gebundenen Klassiker waren schon weg. In den zwei kleinen Regalen standen nur noch die schmuddeligen Taschenbücher, die keinesfalls mehr einladend aussahen, von ihrem Inhalt einmal abgesehen, und einige Ratgeber, denen wohl auch niemand mehr folgen möchte.

 

Dieses Mal habe ich eine italienische Ausgabe von Paolo Coelho und einen englischen Klassiker dazugestellt, neben Stendhals „Rot und Schwarz“ und einige mehr. In den nächsten Tagen will ich wieder vorbeischauen und sehen, ob sich hier auch jemand findet, der gerne andere Sprachen liest und versteht.

 

 

 

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Es hat mich wieder erwischt

 

Habe keine Stimme mehr! Die Erkältung legt sich gerne auf meine Stimmbänder nieder. Dort macht sie es sich richtig gemütlich. Vielleicht fühlt sie sich auf diesen Organen besonders wohl. Vielleicht ist es ein Zeichen, wieder einmal schweigend die Welt zu beobachten. Spannend ist es auf jeden Fall. Irritieren tut es auch, wenn man eingreifen, spontan einen Kommentar loswerden oder nur mal schnell eine Frage stellen möchte. Dann forciert man die Stimme unbewusst, wird jedoch nach wenigen Worten schon gestraft. Mit beißendem Schmerz. Mit pochendem Husten.

 

Meine Stimme hat sich eine, wie ich hoffe kurze, Auszeit genommen. Kein Telefon, kein Gespräch. Vor allem die männlichen Leser werden jetzt grinsen und sich nicht verkneifen können, frohlockend einen sehr globalen, trotzdem nicht unbedingt nachvollziehbar Gedanken zu genießen. Ja, ich gehöre auch zu den Frauen, die gerne ihre eigene Stimme hören, auch wenn sie keinen besonderen Timbre besitzt.

 

Aber nun heißt es für mich: viel zuhören, lesen und natürlich schreiben. Da kann auch einiges zusammenkommen!

 

Erholsam ist es schon, wenn man sich klar wird, wie viele unnötige Wörter doch tagtäglich ausgesprochen werden. Da ich mich nur auf das Allerallernötigste limitiere, lächle ich oft in mir, wenn ich etwas sagen möchte und es doch nicht tue, und anschließend mir selbst zugebe, dass es eigentlich gar nicht so wichtig gewesen ist.

 

Zugegeben, mittlerweile werden auch viele unnötige Wörter geschrieben, als Kommentare auf Facebook, als kurze Mitteilungen, oft kaum verständlich, auf Twitter. Früher waren es einmal die SMS, aus denen  beinahe eine neue Sprache aufgekommen wäre. Mit all den Abkürzungen! Doch die gehören auch schon der Vergangenheit an. Dann kam der Chat. Was man dort nicht alles ... erraten musste!

 

Ich liebe meine Freunde in der weiten Welt, die sich noch die Zeit nehmen, vollständige Wörter zu schreiben! Egal, in welcher Sprache. Und ich liebe euch, die ihr euch die Zeit nehmt, meine Wörter zu lesen...

 

 

 

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Wenn Kritik ins Gegenteil umschlägt

Ein älteres Ehepaar aus dem Saarland hatte Ende September in Würzburg übernachten wollen oder besser gesagt, eine Autopanne hat sie mehr oder weniger dazu gezwungen. Da sie gegen Mitternacht erst 60 km entfernt ein passendes Zimmer gefunden hatten, wollten sie deshalb die Stadt kritisieren und zukünftig einen Bogen um sie machen.

 

Nun, kein freies Zimmer in einem Hotel mit Nachtportier, denn darum ging es ja. Pensionen und Gaststätten kann man mitten in der Nacht nicht erreichen. Das ist aber doch ein sehr positiver Zustand für die Stadt Würzburg. Schließlich lebt sie nicht nur vom Tourismus, sondern beherbergt auch gerne Geschäftsleute, die zu Tagungen und Seminaren und Messen und aus sonstigen, beruflichen Gründen in diese Stadt kommen. Und die Universitäten mit ihren renommierten Forschungszentren sollten auch nicht unterschätzt werden. In einer „dynamischen, aktiven Stadt“, wie Würzburg kürzlich sogar eine Rangliste angeführt hatte, in einer späten Septembernacht kein Zimmer zu finden, das ist für mich sehr positiv zu beurteilen.

 

Ich habe auch ein ähnliches Abenteuer erlebt. Damals fuhr ich von Neapel nach Rom. Es war eine Geschäftsreise mit meinem Mann und einem unserer Partner. Jedoch hatten wir ignoriert, dass am nächsten Tag in der Hauptstadt die Beerdigung eines der beliebtesten Schauspieler der Nation, Alberto Sordi, stattfinden sollte. Unser Geschäftspartner hatte einen guten Freund bei der römischen Kriminalpolizei. Jedoch konnte selbst dieser uns nicht helfen. Rom ist sehr groß und hat entsprechend viele Hotels. Die dennoch dem Anlass zufolge alle belegt waren. So mussten wir weiterfahren.

 

Bald verließen wir die Autobahn und versuchten es auf den Staatsstraßen. Mitten in der Nacht klopften wir an einfachen Pensionen entlang der Straße an. Niemand öffnete. Kein Wunder. Schon weit nach Mitternacht fuhren wir wieder auf die Autobahn. Übernächtigt, müde, aber noch nicht resigniert. Erst in Perugia fanden wir ein Hotel. Nachts, um drei Uhr. Doch deshalb haben wir nicht im Geringsten daran gedacht, die Stadt Rom dafür verantwortlich zu machen oder gar eine zukünftige Antipathie zu hegen.

 

Das kann schon mal vorkommen. Das Ehepaar aus dem Saarland hatte eine Autopanne. Aber deshalb müssen in einer Stadt wie Würzburg nicht unbedingt die Zimmer frei sein. Der Artikel darüber war in der letzten Wochenendausgabe der Lokalzeitung mit einer netten Statistik verbunden worden. Die sechs größten Hotels der Stadt mit Zimmerangabe und Verfügbarkeit. Nun ja, 8. Oktober und beide Hotels mit über 200 Zimmern hatten gerade mal 4 bis 8 Zimmer zur Verfügung. Andere waren total belegt. Die Hotellerie der Stadt wird sich darüber ganz bestimmt freuen!

 

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Mein Leben mit Valentino

 

 

Ich habe mein Leben in seinen Kleidern verbracht. 1981 habe ich meinen ersten Mantel gekauft. Weiß! Weich! Umschmeichelnd! Die clevere Verkäuferin sah sofort das Leuchten in meinen Augen. Ohne große Mühe verkaufte sie mir auch noch eine Abendbluse aus schwarzer Seidenspitze. Ein Traum! Ich ziehe sie heute noch an, wenn sich die Gelegenheit bietet, oder sie es erfordert. Du fühlst dich sofort unwiderstehlich feminin. Deshalb wollte ich sie auf dem Cover meines neuen Buches „Dein Spiel“ verewigen.

 

Nach diesem ersten Kauf folgten unzählige weitere. In den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts (wie schrecklich weit weg das sich anhört!) war es sehr leicht, Designerkleider wieder zu verkaufen, vor allem in einer Stadt wie Mailand. Mein Beruf forderte einen kontinuierlichen Wechsel in der Kleidung, wenigstens jährlich. Auch wenn ich schon immer eine klassisch-elegante Linie vorgezogen habe, konnte ich meine Kostüme und Kleider nicht bis zu ihrem Ende abtragen. Die Qualität von Valentino kannte sowieso kein Ende.

 

In diesen Jahren wurde noch mit hochwertigeren Stoffen gearbeitet. Die Schnitte schmeichelten fast jeder Figur. Ein eleganter Stil, der sich stets auf die Weiblichkeit seiner Trägerin konzentrierte und sie hervorhob. Mit einem Kleidungsstück von Valentino fühlte ich mich sicher, von morgens bis hin zum frühen Abend. Nur für die Oper oder besondere Anlässe zog ich mich noch um.

 

Leider macht die Unabdingbarkeit des Alterns vor Niemandem Halt. Früher oder später, werden auch die letzten Über-Achtzigjährigen, wie Giorgio Armani und Karl Lagerfeld, eine Lösung finden müssen. Valentino besaß eine natürliche Klasse. Sein ausgeprägter Sinn für Eleganz und Ästhetik verbaten es ihm, eine gewisse Linie zu überschreiten. Vor allem in der schnelllebigen Welt der Mode. Er wollte noch sein 40jähriges Firmenjubiläum feiern, bevor er die Maison an andere weitergab. Heute gehört sie einer reichen, arabischen Familie.

 

Eine gute Freundin von mir hatte ihre Karriere sehr früh bei den Schwestern Fontana in Rom begonnen. Damals war dies eines der berühmtesten Ateliers für Maßarbeit in Italien. Etwas später heiratete sie einen Antiquitätenhändler und pflegte ihr Talent nur noch für private Zwecke. Oft erzählte sie mir, ohne ihren berechtigten Stolz zu verstecken, ein kleines, aber umso netteres Erlebnis, das sehr typisch für die Persönlichkeit von Valentino ist:

 

Eines Tages wurde sie von ihrer Enkelin gebeten, ihr eine Jacke mit Pailletten zu besticken, wie sie eine bei Valentino gesehen hatte. Die geduldige und immer noch geschickte Großmutter erfüllte ihr gerne diesen Wunsch. Das Mädchen trug die Jacke zu einer Theaterpremiere in Rom. Der Zufall wollte, dass sich auch Valentino Garavani unter dem Publikum befand. Der große Designer (wobei man im Italienischen immer noch respektvoll von dem großen Schneider spricht, da er dieses Handwerk meisterhaft beherrscht, im Gegensatz zu den Designern von heute!), ja es war Valentino Garavani, der das junge Mädchen ansprach. Mit sehr leiser Stimme sagte er zu ihr: „Wer auch immer diese Jacke kopiert hat, die eigentlich von mir kreiert worden ist, besitzt eine außergewöhnliche Geschicklichkeit.“ Natürlich verriet die stolze Enkelin den Namen ihrer Großmutter. Valentino sendete ihr seine aufrichtigen Komplimente.

 

Genau dieser Lebensstil, immer elegant und zeitlos, hätte ihn dazu veranlassen sollen, in seinem wunderschönen Schloss in der Nähe von Paris zu bleiben und seine Stiftungen und seine Modeschule zu pflegen. Aber leider provoziert uns die Eitelkeit des Lebens, sie beharrt so lange bis wir uns im Netz der Pathetik verschlingen.

 

Ich bevorzuge, Valentino Garavani so in Erinnerung zu behalten, wie ich ihn kennengelernt habe und mit seinen wenigen Kleidungsstücken, die mir noch aus seiner Zeit erhalten sind und die immer ewig aktuell bleiben!

 

 

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Meine Emotionen bei der "Traviata" in Rom

 

 

Für die Inszenierung der Verdi-Oper „La Traviata“ in Rom wurde kräftig die Werbetrommel gerührt. Kein Wunder. Für die Regie war eine Oscar-prämierte Hollywood-Regisseurin gerufen worden. Sofia Coppola stand vor ihrem Operndebüt. Valentino Garavani hat sich noch einmal seinem Publikum gestellt und bei den Kostümen mitgearbeitet. Auch wenn es „nur“ die Bühnenroben für Violetta gewesen sind. Alle anderen Kostüme wurden von seinem kollaudierten Designer-Paar entworfen, die jetzt in der Chef-Etage sind, wohl aber schon seit über zwanzig Jahren für und mit Valentino gearbeitet haben. Der weltberühmte Designer hat auch Jahre nach seinem Rücktritt noch sehr viele Fans weltweit. (Für ihn schreibe ich einen Extra-Blog. Er ist es mir wert. Den Grund dafür könnt ihr morgen lesen.)

 

„La Traviata“ ist eine der berühmtesten Opern von Giuseppe Verdi. Mein Mann kennt jede Arie auswendig. Leider singt er sie auch gerne mit, vor allem, wenn wir sie zu Hause anhören. Letzten Samstag hatten wir dieses außergewöhnliche Vergnügen auf Arte. Die viel dokumentierte und ausgiebig besprochene „Traviata“ in Rom wurde gesendet. Natürlich handelte es sich um die Premieren-Vorstellung mit seinem ganz besonderen Publikum. Wie so oft, fehlt es dem größten Teil der Zuschauer an jeglichem Musikverständnis. Wen stört das schon? Hauptsache man kommt mit einem Kleid von Valentino auf den Roten Teppich. Am besten noch vom Maestro selbst, also Original-Vintage. Denn, seine weltweit verstreuten Kundinnen wissen sehr genau, dass er seine Maison schon vor einigen Jahren verkauft hatte.

 

Aber niemand hat mir Federica Dotto präsentiert! Geschweige denn Antonio Poli oder gar Roberto Frontali. Diese Oper dreht sich um drei Hauptfiguren, die ihre künstlerischen Grenzen überschreiten müssen. „La Traviata“ ist zwar eine sehr populäre Oper, mit viel Belcanto, dessen Arien gerne zu Ohrwürmern werden können. Dazu trägt auch der von Verdi sehr beliebte ¾-Takt bei. Aber, damit dieser Gesang wirklich so schön und gefühlvoll werden kann, benötigen die Sänger ihre absolute Stimmgewalt und noch einen Tick mehr.

 

Wie gesagt, mein Mann, singt die Arien gerne mit. Aber dieses Mal hat er sehr bald damit aufgehört. Ohne Werbung, ohne Pausen haben wir die Oper in einem Atemzug durchgezogen. Die drei Hauptstimmen waren brillant, aber das schauspielerische Talent von Violetta vereint mit ihrer wunderschönen Sopranstimme hat uns bis hin zu ihrem letzten Atemzug (natürlich nur auf der Bühne!) in ihrem Bann gehalten. Nie zuvor (und ich habe schon einige Aufführungen von der „Traviata“ in meinem Leben gesehen), jedoch nie zuvor habe ich mich so involvieren lassen. Francesca Dotto hat mich mitgerissen und mir alle Leiden von Violetta herzzerreißend mitfühlen lassen. Ich war gerührt von ihrer Bravour als Schauspielerin und noch mehr von der überwältigenden Kontrolle ihrer Stimme. Schließlich muss sie sehr viel Schmerz mit leisen Klangfarben herüberbringen. Das gelang ihr ausgezeichnet. Und sie ist noch nicht einmal dreißig Jahre alt!

 

 

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Der Klimawandel bringt auch Gutes mit sich

 

Durch den Klimawandel wird es im Herbst immer wärmer und bunter. Die Farben explodieren auf den Blättern wie die Blumen im Frühling. Ihre Palette ist jedoch eine viel wärmere. Es geht fast nur um sonnige Nuancen. Ja, man sollte die Farben in der Natur jetzt nicht als verfault und tot ansehen, sondern in ihnen noch die letzten Sonnenstrahlen erblicken. Schließlich sind es warme, herzliche Tonabstufungen von hellem Gelb bis hin zu dunklem Braun, von knalligem Rot bis tief ins satte Violett. Aufgefrischt von hellem Immergrün. Die Wälder entlang unseren Straßen, die Bäume und Sträucher in jedem Park und den vielen Gärten kleiden sich mit warmen Tönen, die es uns leicht machen, in die kuschelige Saison einzutauchen. Die Düfte draußen haben eine erdige Note. Sie bringen uns auf den Geschmack von Pilzen und Trauben und Birnen und Zwetschgen und bald auch auf heiße Getränke und ausgereifte Rotweine.

 

Weiterhin ist auch die Sonne wohlwollend warm. Ihre Strahlen begeistern uns und lassen bestimmt keinen Herbstblues aufkommen. Unsere Begeisterung wird angeheizt von den milden Temperaturen, die es uns ermöglichen, weiterhin im Freien zu chillen, weiterhin bei Kerzenlicht draußen mit Freunden gute Gespräche zu führen, ein Glas Wein zu genießen, die sommerlichen Urlaubsgefühle noch einmal aufkommen zu lassen.

 

Der Regen wird uns früh genug in die Häuser vertreiben. Die Nebel werden uns weidlich bald die Sicht auf den Straßen nehmen. Daher freue ich mich auf die letzten schönen Tage, nennt sie wie ihr wollt. Spätsommer? Oder lieber Goldener Herbst? Darin ist schon das Zauberwort enthalten, für das unser Gemüt Purzelbäume schlägt: GOLDEN. Damit verbinden wir Glanz, Reichtum, Schönheit und Wohlbefinden. Das wünsche ich euch alles für die kommenden Wochen und die nahende Zukunft.

 

Ein überaus netter und ebenso bekannter Professor hat vor kurzem bei einer seiner sehr unterhaltsamen Vorlesungen gesagt:

 

Die Zukunft ist nur eine Reflexion der Vergangenheit.

 

Dieses beflügelte Wort möchte ich gerne ein wenig ausbauen. Holt euch die schönen Erinnerungen und wertvollen Erfahrungen aus eurer Vergangenheit und nehmt sie mit in die Zukunft. Das führt euch zu einer wunderbaren, energiereichen Tatkraft und stärkt euer Selbstbewusstsein.

 

Der Klimawandel sollte auch in unseren Köpfen ein wenig mitnehmen und sich von den Depressionen der kalten, feuchten Monate verabschieden. Mit einem goldenen Wellness-Depot in eurer Seele wird es auch gelingen!

 

 

 

 

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Eine Mann-Frau-Freundschaft

 

Eine verfehlte Liebe, vielleicht unterbrochen, vielleicht unmöglich.

 

Die Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau,

 

wenn sie sich mit der Zeit tief und unerschütterlich hervorhebt,

 

stellt sie eine der intensivsten und erfüllendsten Erfahrungen des Lebens dar.

 

Es steht nirgendwo, dass ich und du

 

unzertrennliche Freunde sein können,

 

auch für das ganze Leben und,

 

dass wir keine Emotionen, Zuneigung und

 

intime Vertrautheit fühlen können,

 

nur weil wir keine Geliebten sind.

 

Das ist eine andere Form von Liebe...

 

Du bist ständig in meinem Leben,

 

du begleitest mich in jedem Augenblick,

 

auch wenn du weit entfernt bist.

 

All das ist ein Wunder der Gefühle.

 

Sehr starke Empfindungen,

 

nicht wiederholbare prickelnde Vergnügen,

 

aber es ist alles in perfektem Einklang.

 

Du bist eine der wenigen Frauen,

 

die es wirklich verdienen

 

so genannt zu werden.

 

Wir kümmern uns um uns beide,

 

wir bürden uns gegenseitig unsere Last auf.

 

Das ist die wichtigste Zutat der Freundschaft.

 

Wir setzen keine Grenzen,

 

wir machen keine Bindungen,

 

alles funktioniert.

 

Wir sind nicht zusammen, wir sehen uns nicht,

 

wir sprechen uns nicht, aber wir denken immer an uns.

 

Und wenn wir uns wieder treffen

 

ist die Wärme unserer Umarmung immer dieselbe.

 

Die Freundschaft verstärkt sich

 

wenn wir uns aus den Augen verlieren oder

 

wenn einer den anderen vermisst und letztendlich,

 

im Herzen näher zu sein ist wichtiger als es körperlich zu sein.

 

Ciao, meine liebe Freundin!

 

 

 

© MAZ – Originaltext: Gianni Gualmini, Italien

 

 

 

 

 

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Das Kind in der Frau

 

 

Wenn ich mit meiner jüngsten Enkelin endlose Spielchen wiederhole, dann bewege ich so gut wie jeden Muskel meines Körpers. Vor einiger Zeit hat sie meine Füße entdeckt. Sie legt mir gerne einen Ball, eines ihrer Plüschtiere oder irgendetwas, zwischen die Füße und ich soll es hochheben und mit einem mehr oder weniger kräftigen Stoß ihr entgegenwerfen. Meistens vollbringe ich diese kleinen Übungen im Sitzen.

 

Oder wir laufen zusammen. Da wird sie auch kaum müde. Ob Sand oder Asphalt oder Gras (das darf sogar noch taufeucht sein, stört sie überhaupt nicht!), nichts ist ihr unangenehm. Entschlossen und stolz steuert sie auf ihre Ziele zu. Nur gut, dass sie inzwischen nur noch eine meiner Hände dazu benötigt.

 

Wir unternehmen viel miteinander. Selbstverständlich stelle ich mich auf ihre einsilbige Sprache ein und beantworte auch gerne ihre aussagekräftigen Gesten. Es ist unglaublich, wie man sich auch ohne Grammatik und Vokabeln verständigen kann.

 

Da kommt bei mir das „Kind in der Frau“ zum Vorschein.

 

Überhaupt, warum kennen wir nur das „Kind im Mann“? Assoziiert ihr vielleicht nur ein Baby, das noch geboren werden soll mit dem „Kind in der Frau“? Ich habe auch ab und zu freie Gedanken, die gerne einmal davonfliegen wollen. Oder simple Spiele, die man keinem Erwachsenen mehr zumuten will. Dann besuche ich unsere 15 Monate alte Enkelin. Mit ihr kann man so herrlich herumtoben und unglaublich viel lernen. Oh ja, es geht auch anders herum. Sie kopiert mich gerne, aber sie bringt mir auch so manches bei!

 

Vor einiger Zeit hat sie das Laufen entdeckt. Sie möchte alles erkundigen. Ihre Neugierde lässt sie vor nichts zurückschrecken. Und Fragen kann ich sie auch stellen. Mit den Augen, mit ihren „Ohs“ und „Uhis“.  Damit wir uns gut verstehen verwende ich eine ausgesucht einfache Wortwahl, von der ich hoffe, dass sie bei dem kleinen Mädchen irgendwann hängen bleibt.

 

Das Eintauchen in diese Welt ist für uns ebenso aufregend und spannend wie für die Kleinen. Später, wenn wir mal wieder auf unserem Memory Lane spazieren gehen, leuchtet in unseren Augen ein wehmütiges Lächeln auf. Wir können die Zeit nicht mehr zurückdrehen, aber wir können uns noch einmal mit ihr beschäftigen.

 

Peter Pan, es sagt schon der Name, ist ein Mann, und dieses männliche Wesen will ein Junge bleiben. Einer, der immer zu Späßen aufgelegt ist, kaum etwas für ernst nimmt, die Leichtigkeit der Jugend in sich trägt. Warum dürfen wir Frauen das nicht auch?

 

Müssen wir unbedingt immer als Spaßverderber auftreten? Ich bin selbstverständlich auch mit dem Wort „Nein“ ausgerüstet. Das kennt unsere Enkelin auch schon sehr gut. Aber sie darf auch mal ihre Grenzen überschreiten. Damit sie selbst mitbekommt, wie weit es geht. Ich lasse ihr viel Freiheit. Besonders bei ihren Spielchen bleibe ich auch nach dem zehnten Mal noch dabei. Es ist unglaublich wie viel Elan diese kleinen Wesen mit sich bringen. Deshalb nutze ich ihre Zeit und lasse mich von ihr führen. So bekomme ich einen Einblick in höchst interessante Welten. Jeden Tag staune ich erneut, wie intelligent sie vieles aufnimmt und annimmt.

 

Denn, wenn sie an ihrem Limit angekommen ist, dann wendet sie sich an mich:

 

In ihren Augen leuchtet das Wort „Hilfe“.

 

Ihr Lächeln umschreibt das Wort „Danke“. 

 

In meiner Seele versiegeln die Glückshormone diese schönen Momente für die kargen Tage, wenn man sich solche herzzerreißenden Erinnerungen wieder ins Gedächtnis rufen kann.

 

Dann freue mich über „das Kind in mir“...

 

 

 

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Eindrücke aus Norwegen

Man muss nicht hoch bis Bergen fahren, um den Geist von Peer Gynt zu spüren. Ich bin die Südküste Norwegens lang gefahren. Von Stavanger bis Kristiansand mit einem Ausflug bis hoch nach Landeskogen.

 

Gelebt habe ich in den letzten Wochen zwischen Farsund und Vanse. Das sind beliebte Orte für die Sommerferien der Norweger. Hier erinnern die verzweigten Fjorde weitläufig an die Lagunen in Venedig. Das Wasser ist sauberer. Die Schiffe sind kleiner. Ozeanriesen bleiben in den großen Häfen. Hier begegnet man gemütlichen Fischerbooten der Einheimischen oder sportlichen Motorjachten der Touristen und Küstenbewohner.

 

Das unglaublich klare Salzwasser ist umringt von bewaldeten Bergen. Hier und da ragen abgerundete Felsen aus dem Meer. Dabei handelt es sich um Jahrtausende alte Gletscher, die tief unten am Meeresboden verankert sind. Die Schifffahrt wird von ihnen geführt. Besonders die kleineren Steine haben gefährliche Ausläufer.

 

Hin und wieder wird der Skipper gezwungen, kleine Inselchen zu umfahren. So unglaublich wie es aussehen mag, diese Eilande sind oft sogar mit einem oder zwei Ferienhäusern bebaut. Natürlich stellt sich sofort die Frage, welches Naturleben man dort antrifft. Jedoch ist es nicht so unbequem wie es aussieht. Die Elektrizität kommt von Solarzellen. Damit wird auch die Heizung betrieben. Selbst mitten im Sommer kann es manchmal unangenehm kalt werden. Die Kanalisation, hingegen, wird mit einem Biofilter versehen.

 

An der Küste gibt es eine einzige große Straße, die E43. Wenn ich auf ihr entlang fuhr, fragte ich häufig meinen norwegischen Gastgeber: „Süßwasser oder Salzwasser?“ Links und rechts begleiteten uns Seen und Fjorde. Auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Als wir hoch nach Eiken und schließlich weiter hinein bis Landeskogen fuhren begleiteten uns, auch auf der ansteigenden Bergstraße, immer wieder größere Seen.

 

In Landeskogen wurde ein ehemaliges Sanatorium für Tuberkulosekranke zu einem Friedenszentrum umgebaut. Ich muss zugeben, dass ich leichte Gänsehaut spürte, als ich das erste Zimmer des Museums betrat. Rechts ein Trabi, in der Mitte Soldaten in Uniform, darüber die Schrift Checkpoint Charlie. Links stand auch noch ein kleines Auto aus der DDR, aber ich konnte nicht erkennen, um welches Modell es sich gehandelt hatte. Schnell ging ich weiter und durchforstete die anderen Räume. Jeder kleine oder große Saal war mit Friedenssymbolen ausgestattet.

 

Draußen im Wald warteten Elche, die man füttern und streicheln durfte. Ihr rundes Geweih ist schon märchenhaft. Die Erinnerung an den Weihnachtsmann lässt nicht lange auf sich warten.

 

Am letzten Tag hatte ich die Fähre nach Dänemark schon um acht Uhr morgens gebucht. Das bedeutete: Abfahrt gegen fünf Uhr. Die Sonne gähnte über dem Meer. Sie war gerade dabei, wach zu werden. Mit ihren ersten Strahlen färbte sie den Himmel in ein unglaublich schönes Rosarot.

 

Auf der Innenseite des Landes, dampften die Seen in bezaubernden Nebelschleiern. Manchmal kam es mir vor, als ob kleine Perlenketten aus dem Wasser ragten und nach oben strebten. Wohin sie ihre kleinen Kunstobjekte bringen wollten, war mir schleierhaft. Irgendwann verschwanden sie in den Baumkronen der dichten Wälder, auf denen sich noch tiefliegende Wolken ausruhten.

 

Hinter der nächsten Kurve geisterte mir wieder ein See entgegen. Beinahe wäre ich zu stark auf die Bremse getreten. Zu meinem Glück waren die Straßen in dieser frühen Morgenstunde so gut wie leer. Dennoch wollte ich dieses gruselig schöne Schauspiel genießen. Zwischen dem Schilf, einige Meter vom Ufer entfernt, waren ein paar kleine Boote verankert. Einen Steg konnte ich nicht entdecken. Ebenso sah ich kein Wasser, nur den Dunst der Niemandszeit. Die Boote schienen irgendwo im Nichts zu schweben. Das war wohl mein beklemmend schönstes Bild, dem ich begegnet bin. Leider konnte ich nicht anhalten und fotografieren. Aber ich habe es in meiner Seele fest verankert.

 

Es fehlte nur noch, dass Elfen und Gnome mich zum Abschied grüßten...

 

 

 

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Eine ganz persönliche Buchvorstellung

Dein Spiel – so betitelt sich mein neues Buch. Es geht um Spiele, ja, es kann auch „dein Spiel“ sein. Der Leser darf sich ruhig identifizieren. Vielleicht als Hasardspieler am Roulettetisch. Dort kann er den beiden Protagonisten zusehen oder sich mit ihnen anfreunden. Je nachdem, mit Ben oder mit Miriam.

 

Ben ist ein vielgereister Edelsteinhändler. Er kennt die Welt. Und dennoch bleibt er mysteriös. Er wird nur seine sexuellen Vorlieben preisgeben. Und einen Einblick in sein Berufsleben. Seinen größten Auftritt hat er bei einem äußerst makabren Spiel. Er täuscht seinen Tod vor. Was ihn dazu treibt und wie er mit den Konsequenzen dastehen wird, das steigert die Spannung in diesem kurzen Thriller.

 

Miriam ist da schon viel zugänglicher. Sie lässt sich mit ihrer „ewig besten“ Freundin beobachten. Sie gibt tiefe Rückblicke in ihre Vergangenheit. Und sie ist diejenige, deren Gefühle der Leser am tiefsten mitempfinden kann. Er liebt mit ihr, er trauert mit ihr. Am Ende wird er über ihre Reaktion dennoch überrascht sein.

 

Die Themenbehandlung ist vielfältig. Erotisch angehaucht durch nachvollziehbare Empfindungen, ohne auf ausschweifende Details einzugehen. Nur das Kopfkino zählt bei diesen Szenen. Sie stehen im Gegensatz zu den Überlegungen, die von der Protagonistin erörtert werden. Sie beschäftigen sich sehr mit der Trauer von Menschen, die man sehr geliebt und geachtet hat. Sie behandeln den Respekt und Umgang mit echter Freundschaft.

 

Am Ende wird Miriam eine Entscheidung treffen. Sie ist eine risikofreudige Hasardspielerin und tolerante Geliebte, aber dennoch auf der Suche nach ... Respekt ... Liebe ... Sicherheit? Wird sie weiter spielen oder findet sie den Menschen, mit dem sie ihr Leben teilen will? Die Spannung bleibt bis zur letzten Zeile.

 

Es ist mir völlig bewusst, dass man mit diesen Themen noch ein paar hundert Seiten hätte anhängen können. Jedoch finde ich es unterhaltsamer, dem Leser Anstöße zu geben und ihm die Möglichkeit zu überlassen, nach einer aufregenden Lektüre selbst darüber nachzudenken. Mit dieser Geschichte kann man wunderbar in eine andere Welt abtauchen und sich selbst hinein versetzen. Es mag für viele ein zu kurzes Vergnügen sein, dafür ist es zweifellos intensiver. Der Leser wird mitgerissen und kann sich weder der Erregung noch der Anspannung entziehen.

 

Die technischen Aufgaben konnte ich dieses Mal glücklicherweise einem Verlag überlassen. Ich fand die Zusammenarbeit mit Heinz Rochholl vom Telegonos Publishing Verlag sehr konstruktiv.

 

Das Cover habe ich selbst fotografiert. Meine schwarze Bluse aus seidener Spitze ist ein Vintage-Exemplar von Valentino Garavani aus den Achtziger Jahren. Ein Stück von mir, das mich nie im Stich gelassen hat, wenn ich ein Abendoutfit elegant stylen wollte. Darauf habe ich meine Perlenkette gelegt. Sie kommt nicht aus der Südsee, jedoch sind es noch echte, große japanische Perlen aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Bluse und Perlen liegen auf einer wunderschönen Tagesdecke aus handgearbeiteter Baumwolle, deren Design durch eine aufwendige Reliefarbeit hervorgehoben wird.

 

Ich freue mich auf eure Kommentare, Beiträge, Fragen ...

 

 

 

 

 

 

 

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Die Natur verteidigt sich

Draußen ist endlich mal wieder der Sommer zu Besuch. Wie lange, will ich gar nicht wissen. Einfach die angenehme, trockene Wärme genießen. Und die Sonne respektieren! Sonst gibt es Ärger - auf der Haut und im Kopf.

 

Viele sprechen vom Respekt für die Berge, für das Meer, für Tiere (den Menschen schließe ich hier absichtlich aus!). Aber die Sonne, die Naturgewalten, sie sind einfach da und sollen ausgenutzt werden. Dabei wollen sie es überhaupt nicht. Und sie wehren sich mit einer Vehemenz, die der Mensch in dieser Generation nur annähernd zu spüren bekommt.

 

Allein die vielen „Ereignisse“ in den Tagen vor Vollmond sollten einmal näher berücksichtigt werden. Wenn die Menschen durchdrehen und sie Taten begehen, vor denen sie selbst Angst hätten, würden sie nur eine halbe Minute lang darüber nachdenken. Der zunehmende Mond gibt ihnen aber den nötigen Adrenalinschub und nimmt ihnen die eigentlich zwingende Konzentration.

 

In ihrem Eifer bemerken sie selbst nicht, wie sehr sie doch von etwas abhängen, von etwas ermutigt werden, das ihre Intelligenz völlig überfordert. Für diese Menschen kommt es aus dem eigenen Kopf. Sie wehren sich gegen Ungerechtigkeit, sie fanatisieren ihre Probleme, sie versuchen den Kampf gegen das Unmögliche. Sie suchen die Bestätigung dazu in ihrem Unterbewusstsein, ohne zu verstehen, dass sie gerade auf diesen Abgrund unserer Seele keinen Einfluss haben.

 

In die Zeitungen kommen letztendlich nur die „gewaltigen“ Untaten. Im alltäglichen Leben bleiben die „kleineren“ Frevel eher anonym, obwohl diese ebenso abscheulich sind. Ich sehe keine Differenz zwischen einem ignoranten Sadisten, der seinen Hund oder sein Kind bei hohen Sommertemperaturen im stickigen Auto auf irgendeinem Parkplatz zurücklässt und dem durchgeknallten Killer, der gezielt auf Menschen schießt oder mit dem Lkw auf sie losfährt. Beides ist gleichfalls gravierend und ich akzeptiere keine Begründung, deren Inhalt sich nur mit oberflächlicher Ignoranz zu gestalten versucht.

 

Der Sommer ist angeblich die schönste Jahreszeit. Spätestens seit dem intensiven Klimawandel der letzten Jahrzehnte sind diese Monate jedoch immer gefährlicher geworden. Besonders der Kosmos scheint sich zu wehren. Er sendet weiterhin seine Einflüsse auf die Erdbewohner. Manchmal sind sie jedoch so rabiat, dass man sich fürchten sollte. Oder sind es vielleicht doch die unzähligen Satelliten, mit denen wir unser gehetztes Leben noch mehr beschleunigen wollen, deren Strahlen vielmehr die kosmischen Einflüsse .... vergiften ... ?

 

 

 

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Ich liebe die frühe Morgenstunde

Benjamin Edelstein
Benjamin Edelstein

Ich liebe die frühe Morgenstunde. Sie bringt mir einen neuen Tag, gefüllt mit neuen Hoffnungen. Das gibt mir die Möglichkeit, Fehler von gestern zu korrigieren. Ich bekomme die erwartungsvollen Aussichten, mich zu verbessern.

 

Meine Selbstkritik ermüdet nie. Die seltenen Augenblicke, in denen sie mir kurzen Beifall spendet, dämmen sofort ein, sobald sie mir zeigt, wo ich mich noch steigern könnte. Und mag es sich nur um ein klitzekleines Detail handeln, mit dem ich das Ganze noch etwas ausfeilen und verfeinern kann.

 

Für manch andere mögen es unbemerkbare Winzigkeiten sein. Ich kann mich daran ernsthaft stören. Mit der Zeit habe ich gelernt, damit ruhiger umzugehen. Oft schlafe ich erst einmal eine Nacht darüber.

 

NIE WIEDER INSTINKTIV REAGIEREN!

 

Das habe ich mir schon seit langem vorgenommen. Vor allem bei wichtigen Entscheidungen. Damit kann man viel besser agieren, als mit vorschnellen Schlussfolgerungen. Dasselbe gilt auch für voreilige Worte. Sind sie erst einmal ausgesprochen, wird es oft sehr mühsam, das nachkommende Dementi erklären zu müssen.

 

In unserer schnelllebigen Gesellschaft fordern viele eine Antwort, noch bevor sie die Frage gestellt haben. Wobei es intelligenter wäre, den Kern der Angelegenheit erst einmal zu überdenken, damit man eine sinnvolle Aussage von sich geben kann. Ich habe schon immer Menschen bewundert, die sich Zeit lassen beim Sprechen, beim Antworten, beim Formulieren. Sie werden gelobt, weil sie so gut wie „druckreif“ sprechen können. Nun, das geht nur, wenn man sich auch die nötige Zeit dazu gibt. Und, wenn man seine Wörter langsam ausspricht.

 

Diese überschnelle Aussprache ist erst in den letzten Jahren in Umlauf gekommen. Mag es auch an den Synchronsprechern liegen, die in den europäischen Sprachen wenig Zeit haben, den kurzen englischen Text zu interpretieren. Mag es an der unvernünftigen Weise liegen, mit der wir die modernen Kommunikationstechniken angenommen haben. Ich denke da nur an die unmögliche Vergewaltigung jeglicher Sprache in der ersten SMS-Zeit! Das war grauenhaft!

 

Deshalb wäre es doch sehr gesund und vernünftig, manchmal einfach anzuhalten, sich irgendwo still hinzusetzen oder einen kleinen Spaziergang zu machen. Nachdenken, analysieren, den Gedanken die Gelegenheit geben, eine gewisse Ordnung reinzubringen. Dann werden die Sätze wieder klarer und verständlicher. Die Wörter finden erneut ihren Weg. Eines der wichtigsten Komponenten in unserem schnellen Leben ist doch immer mehr eine ausdrucksstarke Kommunikation. Und die will gut vorbereitet sein.

 

Und das jeden Morgen...

 

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Details sind die Atome unseres Lebens

John Salminen
John Salminen

Unser Leben besteht aus unzähligen kleinen Details. Sie sind wie Atome. Ohne sie gibt es kein Ganzes. Vielleicht kann ich mich deshalb über diese, oft belanglos erscheinenden, weil meist sehr kleinen Gesten viel mehr aufregen als über ein großes Thema oder Problem, das man mit Verstand und Logik aus mehreren Perspektiven betrachtet und analysiert. Die kleinen Momente aber, in denen so mancher sein eigentliches, wahres Unterbewusstsein preisgibt, die sind viel aufregender. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Nur ein Beispiel: wenn jemand immer nett und höflich zu dir ist, aber im Grunde peinlichst aufpasst, dir ja keinen Gefallen zu erweisen oder dir sonst irgendwie behilflich zu sein, dir immer mit Gegenbeispielen und -argumenten kommt, egal, was du anbringst.

 

Dessen Freundlichkeit ist nur eine Zuckerglasur, die seine eigentliche Natur bedecken soll. Letztere aber stößt immer wieder durch. Falls ich ihn oder sie mal darauf aufmerksam mache, zieht er oder sie sich schweigend zurück. Zum Nachdenken? Autsch, ich bin ertappt worden? Wahrscheinlich, denn kurze Zeit später wird diese Person noch freundlicher. Wobei sie nicht bemerkt, dass dieses wohlwollende Entgegenkommen zu stark aufgetragen wird und daher einen unangenehm durchtriebenen Gegeneffekt bekommt.

 

Ich versuche, jeden Augenblick meines Lebens mit unzähligen kleinen Details auszubauen, die gute Laune verbreiten, die aufkommende Selbstzweifel klären, die mich erneut hochziehen, wenn ich wieder einmal hingefallen bin. Dazu verstreue ich Komplimente, die nicht nur ankommen, sondern oft und gerne zum Boomerang werden. Auf der Straße unterstreiche ich jeden Gruß mit einem aufrichtigen Lächeln. Das ruft manchmal überraschende Reaktionen hervor. Die sind vor allem positiven Ursprungs. Und wenn ich nur ein ebenso strahlendes Lächeln zurückbekomme, obwohl der Rest des Gesichtes seine ganze Perplexität zeigt. In manchen Situationen, in denen Panik lauert und eine destruktive Unruhe mich befallen will, rufe ich mir Erfolgserlebnisse ins Gedächtnis. Das können kurze Unterredungen in fremden Sprachen sein, oder besondere Anerkennungen für eine gute Arbeit. Solche Erfahrungen wirken aufbauend und unterbinden meine traurigen Momente und helfen mir, weiter positiv zu denken.

 

Eine Gabe, die mir mein Mann in den langen Jahren beigebracht hat, in denen wir schon zusammen sind. Es ist unglaublich, aber auch in der negativsten Situation finde ich noch ein Tüpfelchen Gutes, aus dem ich lernen kann, das ich mitnehmen kann.

 

Es ist nicht leicht, aber ich gehöre nun mal zu den Menschen, die nur mit harter Arbeit ein wenig Lohn und Anerkennung erreichen können. Mir passiert es nicht, dass ich rausgehe und genau die Person treffe, die mich weiterbringt. Ich muss kämpfen. Einsam und unerbittlich. Irgendwann wird es sich bis zur Ausdauer herumsprechen. Dann hat die Geduld ihren Teil dazu beigetragen und dem Erfolg steht nichts mehr im Wege.

 

 

 

 

 

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Mit der Pastorale auf der Suche nach dem Sommer

Wenn die flötenden Blasinstrumente mit ihren hohen Tönen die Vogelstimmen erklingen lassen, scheint der Frühling zu erwachen. Bald geben die Hörner mit ihren sonoren Klängen einen verträumten Blick in den Wald. Sie erinnern an Feste und Jagden aus anderen Zeiten. Und die Streicher lassen die Blätter der Bäume und der Sträucher im Wind rauschen. Die Melodien werden immer intensiver und abgerundeter. Der Sommer scheint durchgekommen zu sein.

 

Jedenfalls hört es sich in meinen Ohren so an, wenn ich eine meiner Lieblingssinfonien gegen das schlechte Wetter auflege. Ludwig van Beethoven hat sie komponiert und sehr treffend „Pastorale“ genannt. Es ist die sechste in seiner glorreichen Reihenfolge gewesen.

 

Pastorale steht in der italienischen Kunstsprache auch für ein Genre der Malerei. Auf diesen Bildern sieht man meist Schäfer (ital. pastore) mit seiner Herde auf einer meist sommerlich bunten Wiese.

 

Aber auch Beethoven kannte die Tücken dieser Jahreszeit. Seine Paukenschläge im Finale künden das typische Sommergewitter an. Kurz und heftig.

 

 So sind im Moment auch die Regengüsse hier. Aber sie lassen der Sonne weiterhin keine Chance. Sie bibbert noch hinter den Wolken. Selten gelingt ihr, das feuchtnasse, ungemütliche Grau zu durchbrechen. Dann ist sie aber so wütend, dass sie uns fast erstickt und ersticht mit ihren heißen Strahlen. Die Temperaturen scheinen sich auf einer Achterbahn verirrt zu haben.

 

 

 

Der Sommer kann so schön sein! Das sollte sich auch hier herumsprechen. Meine Erinnerungen sind gar nicht so weit entfernt. Und dennoch scheint dieses Land von der Sonne vergessen worden zu sein. Jemand ganz weit über ihr sollte sie mal daran erinnern, dass heute der Sommeranfang auf dem Kalender steht. Also, bitteschön: Der Vollmond ist durch. Der Wind kann den Himmel frei machen. Die Sonne könnte die Tränen der Erde wieder trocknen und unser Gemüt erhellen. Unter der grauen Wolkendecke fällt es uns einfach schwer, bei guter Laune zu bleiben und eifrig unserer Arbeit nachzukommen.

 

Liebe Sonne, wir brauchen dich! Lass uns nicht im Stich!

 

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Norwegen - Eindrücke und Vorurteile

Rechts und links von der engen und kurvigen Straße begleiteten uns Seen und Fjorde. Selten konnten wir einen Blick auf das offene Meer werfen. Ich wusste, dass wir von Westen nach Osten fuhren und demzufolge das Meer auf meiner rechten Seite liegen musste. Dennoch hatte ich bald das Gefühl, die Orientierung zu verlieren. Immer wieder wunderte ich mich über die vielen Steine in den Wiesen und manchmal ragten sie sogar aus dem Wasser. Mit der Erklärung, dass es sich dabei um Jahrtausende alte Gletscher handelte, begannen meine Überraschungen in Norwegen. Es war meine erste Reise in dieses Land.

 

Ende April präsentierten sich die Landstriche noch sehr kahl. Kein Grün, keine Blumen, keine Blätter auf den Bäumen und ein eisiger Wind, der dem Frühling keine Chance gab. An einem Abend hat es sogar einmal heftig geschneit. Zwar blieb der Schnee nicht liegen, aber selbst unsere norwegischen Gastgeber sind überrascht gewesen.

 

Die Fahrt vom Flughafen in Stavanger bis nach Farsund an der norwegischen Riviera wollte nicht enden. Wenn man bedenkt, dass die Höchstgeschwindigkeit auf den Straßen 80 km/h beträgt und es zwischendurch immer wieder Strecken mit Begrenzungen von 40 bis 60 km/h gibt, dann können 150 km ganz schön lange werden.

 

Hinter den hohen Dünen, die mich sehr an Sylt erinnerten, versteckte sich ein überraschend feiner Sandstrand. Er erstreckt sich über 30 km lang. Ist aber leider nur für acht bis zehn Wochen im Jahr zu nutzen. Von Ende Juni bis Mitte August kann es auch hier mal richtig warm werden. Ich glaube unserem norwegischen Schwiegersohn aufs Wort. Und versuche weiterhin, dem kalten Wind standzuhalten, und den verregneten Nachmittag trotzdem zu einer Autofahrt in die nächste Umgebung zu nutzen.

 

Hier unten an der Küste sind die Häuser nicht so bunt wie ich es immer auf den touristischen Hochglanzbildern aus Bergen gesehen hatte. Ich traf überwiegend weiße oder hellblaue Häuser und Gebäude an. Die Naturliebe der Norweger führt so weit, dass sie unbekümmert ihr Ferienhaus auf die hochragenden Felsen setzen, die als kleine Inseln in den versteckten Buchten aus dem Wasser ragen. Aber, Heizung, Strom und ..., ja, wie wird das wohl mit der Kanalisation geregelt sein?

 

Ich hatte zwei große Ängste zu besiegen: die Sprache und das Essen. Nun, ich lernte sehr bald, dass die norwegische Sprache dieselben linguistischen Wurzeln hat wie die deutsche. Viele Wörter sind nicht nur im Klang sehr verwandt. Sie haben oft denselben Stamm. Ich bin überrascht gewesen, wie viel ich verstehen konnte. Das erste meiner Vorurteile war schnell aufgehoben.

 

Zweimal sind wir in Restaurants essen gewesen. Einmal unten am Hafen, das andere Mal hoch oben in einem Golf-Ressort. Jedes Mal sind wir die einzigen Gäste des Abends gewesen. Das hatte nichts mit der Saison zu tun. Die Norweger laden lieber zu sich nach Hause ein. Dort wird sogar das Brot noch gerne im eigenen Ofen gebacken. In allen privaten Häusern, die wir frequentieren konnten, gab es großzügige Esszimmer mit Tischen, die bequem bis zu zwölf Personen aufnehmen konnten. Keine Chance für Restaurants. Die Norweger schauen mit ihrer ruhigen, bedachtsamen Art zu, wie, insbesondere mutige Ausländer, neue Lokale eröffnen und spätestens innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder schließen. In einem privaten Haus ist es gemütlicher und man verbringt den Abend mit Menschen, die man gerne um sich hat. Man weiß, was man isst und trinkt und mit wem. Kein Gastgeber scheut die Mühe der damit verbundenen Arbeit. Sie gehört dazu und macht Spaß. Das konnte ich auch im europäischen Süden kennen und schätzen lernen.

 

Und das Essen selbst ist auch eine sehr angenehme Überraschung gewesen. Herrliches Rindfleisch. Vorzüglichen Fisch. Nur das Obst kam mir etwas weniger süß vor. Doch, das mag daran liegen, dass die Südländer ihre besten Früchte gerne im eigenen Land essen. Eines  Abends erwarteten uns Berge von frischen Krabben auf dem Tisch. Am Abend gefangen und noch auf dem Fischerboot im salzigen Meerwasser abgekocht. Tags darauf verkauft und bei uns gleich auf den Tisch gebracht. Wir mussten sie nur noch schälen. Aber der Genuss von diesen kleinen, überaus feinen Shrimps hat mich gelehrt, in Zukunft die fertigen Gläser im Supermarktregal stehen zu lassen.

 

Mein nächster Besuch in Norwegen ist schon geplant.

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Einblick in meine Familie

Verwandte kann man sich selten aussuchen. Jedes Familienmitglied hat seine eigenen Präferenzen und mischt die Mentalitäten und Charaktere mit mehr oder weniger angemessenen Neuzugängen auf. Meine Familie ist ein unglaubliches Multikulti geworden. Das wurde mir letzthin bei einer dieser notgedrungenen Familienzusammenkünfte bewusst. (Selten kann man sich einer Beerdigung entziehen.)

 

Sechs Erwachsene und ein einjähriger Junge fanden bequeme Sitze in dem großen Ford Expedition mit dem nahezu eleganten Innenraum. Auch das Gepäck hatte noch genügend Platz. Wir fuhren vom Flughafen zum Ort der Begegnung. Fünf Nationen waren hier vereint: Ein Norweger, drei Italiener, davon zwei mit serbischem Hintergrund, eine Rumänin, und ich bin Deutsche mit unvermeidlichem italienischen Einfluss (nach über dreißig Jahren Ehe mit einem Mailänder!). Der kleine Riccardo wird wohl eher zu einem Italiener werden mit serbisch-rumänischem Hintergrund. Wir sprachen alle vorwiegend Italienisch und nur wenig Englisch.

 

Ich sah mich in dem großen SUV um. Hier war der internationalste Teil meiner Familie vereint. Der Stammbaum von meinem Mann ist makellos italienisch. Mein Lebensbaum ist durchgehend von Deutschen geprägt. Und doch können auch wir nicht der Globalisierung entrinnen. Neben den serbischen Verwandten (von denen einer eine Rumänin geheiratet hat) kamen Norweger hinzu, seitens unseres Schwiegersohnes, wobei seine Mutter eine gebürtige Holländerin ist. Damit ich keinen vergesse: die Tochter von einer meiner deutschen Cousinen hat sich aus einem längeren Australienaufenthalt ihren Verlobten aus Estland mitgebracht!

 

Warum einfach, wenn es kompliziert noch interessanter wird!

 

Jede Patchwork-Familie hat ihre eigene Geschichte. Meine sprengt nun mal alle Grenzen von Nord nach Südosten, quer durch Europa. Es gibt bei uns nicht einmal eine gemeinsame Sprache! Wobei die inneren Regionen der Länder auch noch dazu beitragen können, die Mentalitäten gründlich durchzumischen. Es ist lange her, dass man die Herkunft eines Menschen an seinem Namen oder seiner Natur erkennen konnte. Typisch Deutsch. Typisch Italienisch. Mit diesen Klischees kann man keine Vorurteile mehr erstellen.

 

Bei stetigem „ausländischem“ Zuwachs in der Familie, sowie auch im Freundeskreis lernt man schnell, dass es mehr auf den Charakter eines Menschen als auf seine herkömmliche Natur ankommt. Bei meinem persönlichen Multikulti habe ich mich nicht auf meine eigene Familie beschränkt, in der es schon sehr international zugeht. Nein, ich habe sehr gute Freundinnen in Russland und Freunde in Indien und Pakistan. Ohne Probleme fand ich sehr gute Ärzte: in Italien, die aus Bolivien kamen, und in Deutschland, die aus Abu Dhabi hierher gekommen sind. Bei Friseurinnen wird es noch globaler. In Mailand habe ich sehr gute Erfahrungen mit Chinesen gemacht. In München kommt meine Stammfriseurin aus Bosnien und den besten Schnitt bekam ich von einer Afghanin, die jetzt leider nach Bremen gezogen ist. Bis nach Frankfurt bin ich ihr schon „nachgefahren“.

 

Im Grunde geht es in dieser Welt nicht mehr darum, woher ich komme, sondern was ich kann und wo ich mich am besten zurechtfinde und mit wem ich mich am wohlsten fühle.

 

 Übrigens, die beiden Cousins da oben sind gerade mal zwei Monate auseinander. Riccardo hat einen serbisch-italienischen Vater und eine rumänische Mutter. Charlotte hat einen norvegisch-holländischen Vater und eine serbisch-italienische Mutter...

 

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Nachhaltigkeit in der Liebe

 Die Liebe wird oft mit einer physischen Attraktion verwechselt, aber die wahre Liebe übersteht Stürme und widersteht jeder Witterung. Ich habe das Glück gehabt, so einer Liebe zu begegnen und jetzt halte ich sie ganz, ganz fest!

 

Wenn man so einen Menschen gefunden hat, muss man ihn auch behalten können und nicht gleich bei der ersten Schlechtwetterfront abspringen! Es ist leichter einen Menschen zu finden, als dann auch wirklich mit ihm ein Leben zu verbringen. Aber die Mühe lohnt sich!!!

 

Wer findet sonst eure Falten attraktiv?

 

Und irgendwann kommen ein paar Kilo dazu. Zu viel Schreibtisch, zu viele Einladungen zum Essen. Mein Mann hat mich schon immer bei so gut wie jedem Diätwunsch unterstützt oder er bringt mich zu mehr Bewegung, damit alles in einem annehmbaren Rahmen bleibt. Jedoch ist er auch schnell mit einem Kompliment bereit, wenn ich mal wieder traurig bin und mich im Spiegel gar nicht ansehen will. Das kann mich zwar manchmal zuerst ärgern, aber dann zeigt er mir sofort die Lächerlichkeit meiner Reaktion und wir lachen beide darüber.

 

Wir lachen oft und gerne. Vor allem ist es mittlerweile unsere bevorzugte Geheimwaffe, eine aufkommende Streitlustigkeit im Keim zu ersticken. Da genügt schon ein spöttischer Blick, ein ironisches Grinsen, ein witziges Wort und ein unkontrolliertes Lachen befreit die Situation von ihrer Negativität.

 

Bei Traurigkeit hilft oft sogar nur eine schweigende Umarmung, ein liebevoller Blick oder ein flüchtiger Kuss im Vorbeigehen.

 

 Ich bin für dich da. Nur das alleine zählt. Den Grund für deine Traurigkeit überstehen wir gemeinsam.

 

So kann man diese kleinen, überlebenswichtigen Streicheleinheiten interpretieren.

 

Dieses schöne Zusammenleben fällt nicht vom Himmel! Es wächst langsam, ganz langsam in den Alltag hinein. In unseren ersten Jahren haben wir viel gestritten, besonders in unserem gemeinsamen Büro! Das muss uns erst einmal jemand nachmachen. Zusammen leben und zusammen arbeiten. Das will koordiniert sein. Und natürlich zusammen in Urlaub fahren. Das gehört auch dazu. Es ist ein verdammt intensives Leben. Viel anstrengender als die Abend- und Wochenendbeziehungen einer „normalen“ Ehe. Vielleicht haben deshalb so viele Paare Schwierigkeiten. Weil sie ihr eigenes Leben, ihren eigenen Charakter einfach nicht teilen wollen. In den Stunden, die ihnen für ein gemeinsames Leben bleiben, wollen sie nicht teilen, nicht tolerieren, nicht geben. Sie leben einfach weiter, wie sie es gewohnt sind. Aber das Leben hat stets neue Herausforderungen für uns. Wir können nicht immer Nein sagen oder einfach weggehen. Wer wirklich seinen Lebenspartner liebt, der versucht tagtäglich aufs Neue seine Bedürfnisse zu kennen, seine Schwächen zu verstehen.

 

Das ist für mich echte Liebe. Diese tiefe Zärtlichkeit geht vom Herzen aus über den flattrigen Magen und bringt uns immer wieder erneut die bekannten Schmetterlinge in den Bauch. Gibt es etwas Schöneres?

 

 

 

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