Eine ganz andere Weihnachtsgeschichte

 

Syltzauber trifft WeihnachtsStern

 

von Ben Bertram

 

 

 

Schon der Titel verspricht Poesie und Herzblut. Der Leser wird auch nicht enttäuscht. Mit viel Einfühlungsvermögen vermittelt uns der Autor eine ganz neue Perspektive. Im realen Leben sprechen und verstehen Hunde alle Sprachen ... mit ihren Augen und Ohren. Hier erzählt uns Jake, der Sylter Inselhund, die Welt aus seiner Sicht und nimmt auch schon mal einen Dialog mit seinem Labradorfreund Milo auf. Das macht unglaublichen Spaß. Die Sätze bleiben einfach und verständlich, sodass dieses Buch problemlos auch den eigenen Kindern oder Enkeln vorgelesen werden kann.

 

Es ist für mich definitiv das beste Weihnachtsbuch, das ich in meinen „erwachsenen Jahren“ gelesen habe. Umhüllt vom Zauber der Fantasie, eingepackt mit den aufrichtigsten Gefühlen und Empfindungen, die immer tiefer schürfen, je näher die Weihnachtsfeier kommt. Und wer immer noch nicht an Wunder glauben will, der wird sich hier überzeugen ... lassen.

 

Weihnachten ist eine wunderbare Zeit, das sollte auch Jake lernen, ein kleiner netter Kerl, der halb Europa durchreist hat, um auf Sylt sein Glück zu finden. Gleich zu Beginn wird er mit den Schneedingern konfrontiert. Was ist Schnee für jemanden, der diesen Niederschlag noch nie erlebt hatte? Hier darf man noch lächeln und sich vergnügen. Es bleibt spannend und amüsant bis zum Heiligabend. Dann sollte die eine oder auch der andere wohl ein Taschentuch bereit legen. Die Tränen der Rührung bitten nicht um Erlaubnis, sie überschwemmen die Augen und suchen sich einen Weg über die Wangen, ob man es will oder nicht.

 

Damit der begeisterte Leser nicht gleich aus Traurigkeit weiterweint, weil das Buch zu Ende ist, kann er sich mit ein paar tollen Leseproben auf weitere Abenteuer und Lebenserfahrungen von Jake freuen. Es ist wohl nicht das erste Buch, in dem sich der Autor in die Seele seines Hundes hineinversetzt. Und ich persönlich hoffe, dass es auch nicht das letzte sein wird.

 

 

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Eine etwas andere Lyriksammlung

 

Vor einigen Tagen hatte ich eine sehr nette Begegnung in meiner virtuellen Welt. Xenia Hügel besuchte meine Webseite. Nicht jeder stellt sich vor, wenn er sich dort ein wenig umsieht. Manche hinterlassen nette Worte im Gästebuch. Andere schreiben ihre Kommentare direkt unter den Blog, über den sie gerne sprechen möchten.

 

Xenia Hügel hat mir ein überraschendes Geschenk zukommen lassen: ihre kleine Lyriksammlung „Bruchstücke des Glücks“.

 

Schon allein der Titel machte mich neugierig. Sind es „abgebrochene“ Gedanken? Ich liebe es, mit Worten zu spielen, den Sinn zu abstrahieren, das Kopfkino anzuregen.  Deshalb überwand ich gerne die anfänglichen Schwierigkeiten beim Lesen dieser, oft nur wenige Zeilen in Anspruch nehmenden, Poesien. Der fehlende Rhythmus lässt den Leser nur stockend vorwärts kommen. Doch dann sah ich diese Gedankenspiele als Fragmente an, die von der Autorin, ohne erkennbaren Zusammenhang, auf die knapp 32 Seiten ihres Büchleins geworfen worden waren. Hin und wieder stolperte ich sogar über diesen eigenwilligen Stil, der die grammatikalischen Regeln der deutschen Sprache zu sprengen versucht. Gerade dieser Aspekt hatte mich anfangs etwas gestört, jedoch habe ich zu verschiedenen Zeiten, wechselnde Stimmungen, die meine Empfindungen sehr stark beeinflussen.

 

Vielleicht geht das auch anderen Lesern so: Manchmal muss man sich selbst von etwas überzeugen. Gelernt habe ich diesen „Lesestil“ bei dem Meisterstück von Gabriel Garcia Marquez und seinem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“. Zunächst wollte ich das Buch ablehnen. Es blieb einige Jahre in meinem Bücherschrank. Hartnäckig oder geduldig, wartete es auf den richtigen Moment. Als ich es wieder aufgeschlagen hatte, war ich aufnahmebereit für die wunderbare Poesie, die sich in diesen Seiten verbirgt.

 

In der Lyrik suche ich nach Tiefe, die mich zum Nachdenken animiert. Hier bei Xenia Hügel fand ich dazu diesen einzigartigen Satz: Ein Land das viele Füße betritt. Wie bitte? Ist es nicht das Gegenteil? Kann ein Land meine Füße betreten, wenn es doch eigentlich gerade diese sind, die mich in ein Land bringen sollen? Wie geht das? Will ein Land mich also so sehr faszinieren, dass es in meine Füße eindringt und sie dazu bringt, mich dorthin zu führen? Ich ließ diese Zeile wie eine süße Delikatesse auf meiner Zunge zergehen bis ihre Wirkung meinen Kopf erreicht hatte.

 

Ich liebe diese bisweilen skurril klingenden Wortspielereien. Sie lassen meine Seele atmen. Mit ihnen kann ich die Welt um mich vergessen, als wenn mein Kopfkino sich in einem spannenden Roman befinden würde. Dann lass ich mich mitreißen und genieße diese Momentaufnahmen. Es sind nicht mehr als Zeugen eines kurzen Augenblicks und doch stecken tiefe Gefühle in ihnen.

 

Man sollte dieses Büchlein nicht einfach durchlesen. Man sollte diese „Bruchstücke“ einfach genießen, wie süße Bonmots und in ihnen schwelgen. Die Wirkung wird nicht auf sich warten lassen.

 

Nachdem man hier gerade noch wunderlich gestaunt hat, spürt man dort eine prickelnde Erregung und wird anderswo schon wieder vor den Kopf gestoßen und zum Nachdenken angeregt.

 

Mein großer Favorit könnte Die Zauberformel sein. Wäre da nicht Die Reise, Mein Wasser, Samt, Selbstliebe...

 

 

 

 

 

Erinnerungen im Regen

Foto: Antonella Bonora, Mailand
Foto: Antonella Bonora, Mailand

 

Warum regnet es in Deutschland so viel?

 

Dachte ich damals, als ich noch in Italien lebte und nur tageweise hierher fuhr. Natürlich war es warm und sonnig als ich aus Mailand abgefahren bin. Aber auch in München war der Himmel weiß-blau und die Sonne versuchte, ihr Bestes zu geben.

 

Das war gestern. Heute stehe ich in der Brienner Straße. Mein Auto parkt in der Residenzgarage und der Himmel hat beschlossen, sich sintflutartig ergeben müssen.

 

Entsetzt stehe ich unter dem schmalen Dachrand einer Luxusboutique. Viel Schutz bietet di schmale Leiste am oberen Ende des Gebäudes nicht. Es wird zunehmend feuchter und kühler. Die Luft füllt sich mit dem herunterprasselnden Wasser. Es wird immer ungemütlicher.

 

Mein Blick beginnt zu schweifen. Antiquitäten, feines Porzellan, ausgesuchte Gemälde, Designermode – aber weit und breit kein Regenschirm. Solch ein wichtiges Accessoire sollte man einfach nicht unterschätzen.

 

Mein Kopf beginnt zu arbeiten. Wo bekomme ich hier einen Regenschirm, ohne dass ich noch nässer werde? Links von mir geht es in den Palmengarten (heute bekannt als Luitpoldblock). Dort könnte es wenigstens wärmer sein. Ich ziehe den Kopf tief in die Schultern und renne auf die Eingangstür zu, damit dieser ungnädige Wolkenbruch nicht noch mehr von meinen hübschen Schuhen kaputt macht.

 

Schon im Eingangsbereich ist die Luft um gefühlte zehn Grad wärmer. Langsam bringe ich meinen Körper wieder in eine elegante vertikale Haltung. Ich konzentriere mich auf jedes Schaufenster. Kosmetik, Schmuck, Platin. Am Ende des Durchgangs sehe ich schon wieder die herunterstürzenden Wassermassen. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Wie komme ich zu meinem Auto?

 

Letzter Laden vor der Ausgangstür. Es werden Dirndl und Kleidung im Landhausstil angeboten. Da muss es auch Regenschirme geben. Natürlich! Stilsicher suche ich ein klassisches Modell aus, das auch später zu meiner Garderobe passen wird. An der Kasse schlucke ich meine Überraschung hinunter, zücke eine Kreditkarte und lasse sie an meiner Stelle glühen. Der hohe Preis ist zerknirschend, aber es ist mir voll bewusst, wo ich mich befinde.

 

Also beschwere dich nicht, sondern lass dich das nächste Mal in der Kaufingerstraße von einem überraschenden Wolkenbruch heimsuchen.

 

Und wie es so ist, zwischen mir und einem Regenschirm: Betrete ich ein Lokal mit ihm, stelle ich das nützliche Accessoire höflich in dem dafür vorgesehenen Ständer an der Garderobe ab. Verlasse ich das Lokal wieder und es regnet nicht mehr, dann kann er so viel gekostet haben wie er will, er hat keine Chance bei mir, ich vergesse ihn bestimmt!

 

 

 

Novembergedanken zu Allerheiligen

Im November befinden sich die kontemplativsten Feiertage im Kalender. Alle haben mit dem Tod zu tun. Alle wollen den Respekt und die Erinnerung an Menschen, die von uns gegangen sind, die für uns gestorben sind.

 

Luther wird nicht umsonst seinen Reformationstag so nahe an diese „Gedenktage“ gestellt haben. Einst gab es, neben Allerheiligen, auch noch Allerseelen. Irgendwann wurde dies dann doch etwas zu viel des Guten. Gleich zwei, drei Tage zum Besinnen? Das grenzte schon beinahe an eine klösterliche Klausur. Wobei die meisten Menschen diese Tage ohnehin nicht (mehr) sehr religiös nehmen, sondern eher pragmatisch. Es sind arbeitsfreie Tage, gerne mitten in der Woche, da kann man doch einen kleinen Urlaub herausholen.

 

Eigentlich hätte man Allerheiligen ausfallen lassen und Allerseelen beibehalten können. Der erste ist ein überaus katholischer Feiertag. Heilige zu würdigen, das ist nicht jedermanns Sache. Gerade in der heutigen Zeit, sehe ich ihn auch nicht mehr als bundesweiten Feiertag. Der zweite würde da schon eher passen. Schließlich sollte er Alle Seelen würdigen, denen unser Erinnerungsvermögen mächtig ist.

 

Also, nicht nur Eltern, Verwandte, Freunde, Bekannte. Es gibt bestimmt auch Menschen, die wir nicht persönlich kennengelernt, die jedoch für unsere Bildung, unsere Sicherheit, unseren Fortschritt sehr viel getan haben. Auf ihre Gräber legen wir keine Blumen, zünden wir keine Kerzen an, weil es ihre “letzten Ruhestätten“ vielleicht gar nicht mehr gibt. Dennoch sollten wir uns an diese Menschen erinnern, auch wenn wir nicht einmal ihren Namen kennen.

 

 

 

Viele Seelen der Vergangenheit gehörten genau den Pionieren,

 

ohne deren Entdeckungen und Erfindungen

 

wir heute nicht mehr leben möchten!

 

 

 

Eine kurze Besinnung in diese Richtung, ein kleiner Anflug der Dankbarkeit für jene oftmals Unbekannten, würde diesem Tag einen neuen, einzigartigen Aspekt erteilen.

 

 Selbstverständlich respektiere ich nur die “Guten“. Es ist mir völlig bewusst, dass es auch “Böse“ gegeben hat, die ich gerne ignoriere, auch wenn die Ergebnisse ihrer teuflischen Errungenschaften nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken sind.

 

Der November ist, wenigstens in diesen Breitengraden, der klassische Monat (gewesen?), der uns endgültig das warme Wetter mit Nebel und Sturm wegbläst und den kalten Winter einläutet. Vielleicht auch daher ein passender Besinnungsmonat. Damit wir langsam eingehen auf die festliche Weihnachtsstimmung. Damit wir in Spenden- und Schenken-Laune kommen. Damit es uns wärmer ums Herz wird ... werden soll.

 

Als ob die heutige Menschheit sich nicht selbst sehr gut “einstimmen“ lässt. Viele sind schon dem Kaufwahn(sinn) verfallen. Der Konsumteufel beginnt ja bereits im September, die Menschen darauf einzustimmen.

 

Und doch würde es unserer Seele sehr gut tun, in diesem kalten, garstigen Novembermonat mal kurz anzuhalten, sich vielleicht mit einem Heißgetränk auf das Sofa kuscheln, und:

 

 

über sich selbst nachdenken!

 

 

 

Bei dieser intensiven Bemühung, sich selbst näher zu kommen, werdet ihr überrascht sein, wie vielen Menschen ihr auf diesem Gedankenspaziergang begegnen werdet. Das wird äußerst spannend und sehr interessant! Vielleicht kommt euch dann zugleich in den Sinn, an wen ihr euch erinnern solltet, solange er oder sie noch leben.

 

 

 

Es ist leichter als ihr denkt, einfach  zu sagen:

 

Ich habe dich nicht vergessen!

 

Ich will mich bei dir bedanken!

 

Ich will mich bei dir entschuldigen!

 

Oder,

 

aus irgendeinem ganz persönlichen Grund:

 

Ich will dich wiedersehen, wieder hören...

 

wieder lesen...

 

 

 

 

 

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Sind wir wirklich noch das Volk?

 

Sonntagnachmittag habe ich an einer etwas anderen Vernissage teilgenommen. Die Location war schon sehenswert an sich. Einfallsreiche Architekten konnten den Charme des alten Fachwerks mit neuen Glasimpressionen wunderbar vereinen. Es gab nicht, wie so oft, einen Stehempfang inmitten der Ausstellung. Die geladenen Gäste saßen auf gemütlichen Stühlen mit weichen Kissen, versorgt mit edlem Müller-Thurgau aus dem Bocksbeutel und leckerem Kürbiskerngebäck. Vor ihnen eine Leinwand, auf der Videos mit Interviews abgespielt wurden, die leider etwas einseitig gestaltet waren. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es auch andere Antworten zu den provokanten Fragen des Moderators gegeben hat.

 

Wie dem auch sei, das Thema der Ausstellung lautete

 

Wir sind das Volk

 

Die Georg-von Vollmar-Akademie hatte den Münchner Fotografen Stefan Loeber beauftragt, bekannte Persönlichkeiten und unbekannte Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zu fotografieren und   spannende Fragen zu diesem Thema zu stellen.

 

Zwischen den Videos wollten die Organisatoren eine kleine Diskussion unter den Gästen anregen. Leider blieb diese sehr zäh bis still. Ich habe auch nicht nach dem Mikrofon gegriffen, weil mein Beitrag sich zu stark gedehnt hätte.

Bevorzugt schreibe ich mir lieber die Gedanken von der Seele...

 

 Ehrlich gesagt hatte mir dieser Satz Wir sind das Volk schon auf der Einladung Gänsehaut provoziert. Wir sind das Volk. Als diese Worte in Deutschland geprägt wurden, lebte ich im Ausland. Den Mauerfall habe ich deshalb nicht hautnah erlebt, sondern nur darüber gelesen, im Fernsehen gesehen und aus Erzählungen gehört. Aber ich sah bald die Konsequenzen. Es ging damals nicht nur um den deutschen Mauerfall, es ging um den gesamten Eisernen Vorhang zwischen Ost und West.

 

Diese Ausstellung hat das Motto von damals übernehmen wollen. Wir sind das Volk sollte das aktuelle Flüchtlingsproblem ansprechen. Wie die Menschen in Deutschland damit umgehen. Warum plötzlich so viele Wähler rechtsradikalen Parteien ihre Stimme geben. Wieder! Und schon bekomme ich erneut Gänsehaut. Weil alles so verdreht wird und so vieles keinen Platz in der Erinnerung bekommt.

 

Zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Mauerfall gab es auch Historie in Deutschland. Sehr wichtige Seiten der deutschen Geschichte wurden geschrieben. Zwar beherrschten amerikanische und französische Soldaten den Alltag in der damaligen BRD, infolgedessen „das deutsche Volk“ keinen Krieg mehr beginnen konnte. Jedoch wurde in dieser Zeit auch das Wirtschaftswachstum gefeiert. Ein neues Bewusstsein ging durch das Land: wir haben es geschafft! Wirklich?

 

Es gab einen so dringenden Bedarf an Arbeitern und Handwerkern, dass die deutsche Regierung bald keinen anderen Ausweg mehr fand als GASTARBEITER ins Land zu holen! Südeuropa war die geeignetste Zielgruppe dafür. Es kamen sehr viele Slawen aus dem ehemaligen Jugoslawien, Griechen, Italiener und Spanier. Aber der größte Teil kam aus der Türkei.

 

Diese Ausländer wurden explizit eingeladen, hier zu arbeiten, zu leben und gutes Geld zu verdienen. Keiner hatte sie jedoch zur Integration gezwungen. In Köln steht die größte Moschee Europas! Nicht für die syrischen Flüchtlinge erbaut, sondern für die türkischen Gastarbeiter! Bald gab es einen türkischen Fernsehsender, türkische Tageszeitungen. Die türkische „Minderheit“ wurde stark und blieb ihrer Tradition treu. In der zweiten und dritten Generation sprechen sie überwiegend akzentfrei Deutsch, haben die deutsche Staatsangehörigkeit, singen aber nicht die deutsche Nationalhymne. Wenn es darauf ankommt, gehen viele von ihnen noch immer für den türkischen Präsidenten auf die Straße.

 

Soweit die Türken. Griechen, Italiener und Spanier haben eine völlig andere Mentalität und so manche integrieren sich lieber. Viele von ihnen kamen als Gastarbeiter und gingen als Rentner wieder zurück in ihre Heimat. Andere sind geblieben, haben sich selbstständig gemacht, eine Familie gegründet und würden um keinen Preis mehr in ihr Heimatland zurückkehren.

 

Damals dringend erwünschte Gastarbeiter, heute verschmähte „Wirtschaftsflüchtlinge“. Herr Seehofer spricht gerne von den „Wirtschaftsflüchtlingen“ aus dem Balkan, insbesondere Bulgaren und Rumänen. Dabei vergisst er wohl, dass schon seit über zwanzig Jahren „Wirtschaftsflüchtlinge“ aus dem Osten Europas und der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen und geblieben sind. Er sollte mal auf die Äcker und Weinberge und sehen, wer sich den Rücken kaputt macht beim Ernten und Lesen.

 

Deshalb verstehe ich heute diese oft unschöne, bis ins Gehässige gehende Diskussion um Flüchtlinge überhaupt nicht. Es hat sie immer gegeben. Man ändert nur ihre Bezeichnungen. Bei dieser jüngsten Flüchtlingswelle werden sie nur noch als „Asylbewerber“ benannt. Im Grunde suchen sie nichts anderes als alle anderen, die Ende des letzten Jahrhunderts aus den östlichen und südöstlichen Nachbarländern strömten und mit denselben Problemen zu kämpfen hatten.

 

Eines möchte ich noch hinzufügen, weil es mir besonders am Herzen liegt: Deutschland war und ist nicht das einzige Land, das in den letzten dreißig (!) Jahren Flüchtlinge aufgenommen hat! Das würde ich am liebsten immer sehr laut anbringen bei diesen hirnverbrannten, einseitigen und völlig unangebrachten Flüchtlingsdiskussionen der heutigen Tage.

 

 In Italien zählt keiner mehr die Menschen, die beinahe täglich aus dem Wasser gefischt werden. Die Leichen bekommen eine Bestattung! Für die Lebendenden sucht man eine Lösung. Einfach ist es für niemanden!

 

Schwarzafrikaner arbeiten in den Fabriken Norditaliens schon seit über dreißig Jahren. Ich persönlich hatte in den Achtziger Jahren Männern aus Ägypten und der Elfenbeinküste Arbeit gegeben. In den Neunzigern waren es dann Marokkaner. Alles sehr gute Leute! Ich hatte nie ein Problem mit ihnen, sondern fand ihre Arbeitsmoral bewundernswert und oft ehrgeiziger als die eines Europäers.

 

Mit ihnen konnte ich auch meinen Horizont erweitern. Sobald es eine gemeinsame Sprache zuließ, unterhielten wir uns selbstverständlich über die verschiedenen Kulturen. Erst nach Monaten fand ich heraus, dass z.B. der ägyptische Handlanger eigentlich Elektroingenieur studiert hatte. Diese Erfahrungen prägen und lassen Vorurteile gar nicht erst aufkommen.

 

Vor einigen Jahren, als ich wieder nach Deutschland gekommen bin, habe ich ein Jahr lang in München gearbeitet. Meine Kollegen kamen aus der Ukraine, aus Kasachstan und aus Kolumbien. Die Managerin war eine Düsseldorferin. Nur eine Angestellte war eine gebürtige Münchnerin. Wir waren ein tolles Team, wir hatten eine gemeinsame Sprache.

 

Das ist die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit und ein gemeinsames, harmonisches Leben. Nur, wenn wir uns verstehen, können wir uns auch (weiter)bilden. Deshalb helfe ich in einer lokalen Schule ausländischen Jugendlichen, die deutsche Sprache schneller zu erlernen. Es schreit zum Himmel, dass sie sofort in die Schule sollen, auch wenn sie noch nicht einmal die Sprache annähernd beherrschen! Wie soll das gehen? Gerade Kinder und Jugendliche sind sehr lernbegierig und kommen schneller voran als Erwachsene, aber, um Himmelswillen, gebt ihnen doch erst einmal die Zeit, sich wenigstens eine Basis zuzulegen. Ich hatte Schüler aus den verschiedensten Ländern bisher: Afghanistan, Albanien, Griechenland, Italien, Polen, Rumänien, Russland. Die meisten von ihnen waren unglaublich lernbegierig, obwohl die deutsche Sprache keineswegs einfach zu lernen ist. Viele möchten sich weiterbilden, studieren, einen guten Beruf erlernen. Es ist eine Freude für mich, diesen Enthusiasmus unterstützen zu können.

 

Ich bin für den Individualismus. Es gibt schon lange keine Völker mehr. Die Globalisierung hat uns schneller eingeholt, als wir es bemerkt haben.  Mein Horizont will weit bleiben und sich nicht einengen lassen. Von keiner Partei und von keinem Dogma. Meine Freiheit ist für mich, dort eine Heimat zu finden, wo Menschen mich respektieren und schätzen. Dieser Ort muss nicht unbedingt mit dem Geburtsort übereinstimmen.

 

 

 

 

 

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Die Ignoranz und meine Auslegungen

 

Manchmal wünscht man sich

ein wenig Zustimmung, ein positives Erlebnis, eine kleine Bestätigung, ein freundliches Lächeln.

 

 

Man hofft, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Man ersehnt ein paar Worte, einen kleinen Satz, die bekräftigten, wie gut man gearbeitet hat. Man freut sich über jedes fremde, aber besonders über die bekannten Gesichter, wenn sie uns mit einem Lächeln begegnen.

 

Anerkennung, Lob und Freundlichkeit

kann man nicht kaufen.

 

Leider kann man sie sich auch oft nicht verdienen.

 

Das verhindert der Neid, die Einfältigkeit, die Eifersucht.

 

 

Ein gefährliches Trio, das überall lauert und unseren Enthusiasmus vertreibt. Es ist nicht leicht, diese Drei einfach abblitzen zu lassen. Nicht jeden Tag hat man die Kraft dazu.

 

 

Am Ende unserer Zeit muss jedoch die Balance stimmen.

 

 

Ideal wäre ein klitzekleiner Vorsprung für die schönen Momente. In denen das glückliche Lachen den Dämonen keine Chance gelassen hatte. In denen die Bewunderer zahlreicher gewesen sind als die Neider. In denen die Freundlichkeit über den Argwohn siegen konnte.

 

Genau deshalb müssen wir uns zeitig wappnen. Mit Geduld und einer robusten Ausdauer und mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft. Wir dürfen uns nicht immer wieder herunterziehen lassen von Menschen, die nur Negatives sehen, in allem und jedem, der ihnen begegnet.

 

Diese Menschen sind Gift für die Seele, sie haben selbst kaum noch Gefühle im Herzen. Bitterkeit und Gram fressen ihren Verstand. Da sie mit sich selbst im Unreinen sind, keine Erfolge aufweisen können, nie das bekommen haben, was sie sich gewünscht hatten, toben sie sich gerne bei anderen aus. Sie finden in jeder guten Tat das berühmte „Haar in der Suppe“. Sie verwerfen unsere Wörter und Sätze, geben den harmonischen Zwischentönen eine abstoßende Interpretation.

 

Sie schleichen sich gerne mit doppelzüngigen Aussagen heran. Jedoch beabsichtigen sie nur, uns weh zu tun.

 

Manchmal scheint es mir, dass sie ihre bösartige Provokation nicht einmal wahrnehmen. Auf jeden Fall leugnen sie gerne, wenn man sie direkt darauf anspricht.

 

Ihre Unsicherheit, ihre Minderwertigkeitskomplexe, ihre eigene Sucht nach Anerkennung treiben sie in den charakterlosen Neid, lassen sie in der grundlosen Eifersucht irren.

 

 

Bleibt auf der Hut vor diesen arglistigen Menschen.

Zeigt ihnen die kalte Schulter.

Klickt sie aus, im Internet wie auch im realen Wesen.

 

 

Ich versuche, jeden mit Ignoranz zu strafen, der mich verletzen will. Denn, gerade diese Menschen vertragen es überhaupt nicht, ignoriert zu werden.

 

Ja, so interpretiere ich dieses gefährliche Wort

Ignoranz.

 

 

Viele empfinden sofort eine Beleidigung, noch bevor diese Buchstaben alle ausgesprochen sind. Sie hören nicht auf die jeweilige Interpretation. Sie schmeißen sich nur auf die eine, weit verbreitete Auslegung. In diesem gewaltigen Begriff steckt jedoch noch viel mehr. Zum besseren Verständnis will ich eine kleine Begebenheit erzählen, die vor vielen Jahren in meinem Leben stattgefunden hat. Ihr wunderbarer Kern hat sich auf meinem Memory Lane tief verwurzelt. Jedes Mal, wenn ich daran denke, schwebt ein zufriedenes Lächeln um meine Seele.

 

 

 

In den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts lebte ich in Italien. Dort gab es schon unzählige Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern. Sehr viele hatten eine gute Arbeit gefunden, lebten absichtlich in spartanischen Verhältnissen und sendeten den größten Teil ihres Einkommens ihrer Familie nach Afrika.

 

Jedoch gab es immer wieder ein paar Clevere, die sich bei den entsprechenden Großhändlern Billigware aus den asiatischen Ländern besorgten und versuchten, diese auf der Straße zu verkaufen. Das waren keine Almosen, aber nur wenige wussten das.

 

Ich war gerade dabei, den Inhalt eines Einkaufswagens in den Kofferraum meines Autos zu verstauen. Da kam ein sehr groß gewachsener, schwarzer Mann auf mich zu. Um den Hals hing sein Holzkasten, bestückt mit dem verschiedensten Billig-Kram, den ich bereits gut kannte. Einer meiner Großhändler hatte einen Nebenraum, in dem ich auf Ware und „Händler“ einmal, zufällig und ungewollt, einen Blick werfen konnte.

 

Ich streifte den Typen mit meinem Blick, gerade so weit, dass ich einschätzen konnte, wie nahe er mir kam und welche Absichten er hatte. Es waren sehr clevere Männer, zwar blieben sie auf meist auf höflichem Abstand, aber sie waren hartnäckig und unangenehm.

 

In seinem hart gebrochenen Italienisch bot er mir zuerst seine Ware freundlich feil. Ich ging nicht darauf ein, d. h. ich ignorierte ihn. Dann fragte er mich, ob er den Einkaufswagen zurückbringen dürfte. Darin steckte damals noch ein Geldstück. Ich antwortete mit einem knappen Nein. Also, versuchte er es mit der Mitleids-Tour. Leider war die schon voll in den Achtziger Jahren aus- und abgenutzt. Zudem kannte ich ja den „Händler-Typ“. Folglich ignorierte ich ihn weiter.

 

Endlich hatte ich meinen Einkaufswagen völlig geleert. Leicht genervt schloss ich den Kofferraum und auch das Auto. Als ich den Wagen zurück an seinen Platz bringen wollte, zischte der Typ: Du bist IGNORANT! Der Ton war gefährlich leise. Die Worte sollten jedoch extrem beleidigend rüberkommen.

 

 Ich hielt kurz an, sah in seine dunklen Augen, die nicht einmal von dem strahlend weißen Augapfel erhellt wurden, und lächelte ihn triumphierend an. „Bravo! Endlich hast du kapiert, dass ich dich IGNORIERE!“

 

Vielleicht steht dieser Typ heute noch auf dem Parkplatz des Supermarktes und kann seinen erstaunten Mund noch nicht schließen! 

 

 

 

 

 

 

 

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Herbstanfang

 

Es geht los! Schon seit einer Weile laden die verschiedensten Magazine, Zeitschriften und die Feuilletons der Zeitungen ein, es sich drinnen kuschelig schön zu machen. Da werden Wellnessprogramme für das Bad angeboten. Es gibt seitenweise praktische Ratschläge wie man mit wenig und günstigem Material die Innendekoration farblich aufpeppen kann. Draußen wird es grau und dunkel. (Wer sagt das denn?) Folglich brauchen wir drinnen heimelige Kerzen, warme Farben und entspannende Düfte.

 

Der Traumsommer ist vorbei. Das Leben soll drinnen weitergehen. Nun, darüber kann ich persönlich nur lächeln. Ich habe den Sommer in Norwegen verbracht. Dort war es überwiegend kalt, die Sonne versteckte sich hinter einer dichten Wolkendecke und die Landschaft bleibt ohnehin etwas farblos. Wenn der Himmel sich zu einem einzigen Grau entschließt wird auch das Grün der Wälder noch dunkler und die Farbe des Wassers ist ohnehin nur so intensiv, wie die Welt, die sich in ihm spiegelt. Ein eisiger Wind tobte oft über das Land und brachte starken Regen mit sich. Kein Wetter für einen Bootsausflug auf den, ach so romantischen und von den vorbeiziehenden Touristen so geliebten, Fjorden. Ein Spaziergang wurde zur Herausforderung des eigenen Gleichgewichts. Ich habe öfters die Heizung eingeschaltet, als dass wir draußen auf der Terrasse essen konnten.

 

Aber ich muss gestehen: für mich war es das beste Wetter zum Schreiben. Auch wenn ich am Nachmittag gerne gelaufen wäre. So habe ich die seltenen Tage ohne Regen und Wind dazu genutzt. Wobei es am Strand immer windig gewesen ist. Mal stärker, mal schwächer, aber immer ungemütlich kalt.

 

Ich habe es trotzdem knapp drei Monate dort oben ausgehalten. Mein Plan ist wunderbar aufgegangen. Deshalb freute ich mich auf die letzten schönen Sommertage in Deutschland. Zwar hat es hier auch geregnet und die Tage werden auch langsam dunkler. Aber es ist definitiv wärmer. Und es soll noch einmal schon warm werden. Altweibersommer nennt man das hier.

 

Nach dem gefühlten Herbstanfang am 1. September beginnt heute der offizielle. Auch wenn sich das Klima schon lange nicht mehr daran hält. Schon gestern war es wunderbar warm und wir konnten noch sehr schöne Spaziergänge unternehmen.

 

Wir freuen uns auf die interessanten Herbstmärkte in den Dörfern der Region mit ihren fantasiereichen, handwerklichen Kreationen. Wir freuen uns auf die Farbenpracht der Wälder, die sich langsam darauf vorbereiten und uns die schönsten Paletten der Gelb- und Braun- und Rottöne zeigen.

 

Und, besonders mein Mann, freut sich auf meine Begeisterung, mit der ich den Wohnraum mit einem verführerischen Backduft ganz langsam auf die kältere Jahreszeiten einstimme und genießt das leckere Gebäck und die herbstlichen Kuchen mit den saisonalen Früchten. Dieses Jahr werde ich fleißig mitschreiben. Und natürlich fotografieren.

 

Dann könnte ich euch im nächsten Sommer schon mit meinen „kuscheligen“ Rezepten auf den nächsten Herbst einstimmen...

 

 

 

 

 

 

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Meine Rezension für Rolf Vollmann "Die wunderbaren Falschmünzer"

Auf Seite 1081 hatte selbst der Verleger genug und zählte nicht weiter. Die aufwendigen vier Register waren fast beendet. Es gab noch ein paar Seiten hübsche Werbung für weitere Bücher aus diesem Verlag.

 

Ich hatte schon viel früher aufgehört, ordentlich zu lesen. Normalerweise gönne ich jedem Buch, das ich ernsthaft und interessiert lese, Wort für Wort. Nur, wenn es mich total nervt, ich es trotzdem zu Ende bringen möchte, beginne ich quer zu lesen.

 

Allein der Schreibstil von Rolf Vollmann ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Er schreibt seine Gedanken nieder, wie sie ihm einfallen, ohne zu beachten, welchen Satz er gerade begonnen hat. Sein Lektor wird wohl genauso überfordert gewesen sein. Jedenfalls gibt es immer wieder Sätze, die man unendlich wiederholen kann, ohne sie besser oder überhaupt zu verstehen! Falls man sich, auf der Suche nach einem Punkt, nicht im Labyrinth seiner zahllosen Satzzeichen schon frühzeitig verliert.

 

Oft kam ich an einem Punkt an und wusste wirklich nicht mehr, welcher Sinn seit wann in diesem endlosen Satz verfolgt werden sollte. Immerhin war der Anfang irgendwo auf der letzten Seite. Ganz schlimm waren die krassen Gegensätze: Telegraphisch kurze Beschreibungen (Vollmann würde nun eine Fußnote einfügen und den Leser fragen, ob er den Begriff „telegraphisch“ überhaupt noch kennt), also extrem wortkarge Exposés, jedoch mit Kommas aneinandergereiht, oft bis zum Ende der Zusammenfassung!

 

Da ich gerade seine Fußnoten angesprochen habe. Es war das erste Mal, dass ich mich durch das Meer, an mehr oder weniger interessanten und oft überhaupt nicht themenverbundenen, Bemerkungen hindurch gearbeitet habe. Auch diese konnte man, wie ich es normalerweise pflege, gerne und unbesorgt ignorieren. Diese verschachtelten Sätze wollten viel zu oft mehrmals gelesen werden und dann verstand ich sie immer noch nicht!

 

Der Inhalt dieses Buches, das immerhin die Romane von 1800 bis 1930 vorstellen wollte, ist für mich ungemein interessant gewesen, da ich die klassische Literatur und natürlich auch Romane sehr gerne lese. Aber Vollmanns chaotischer Stil verminderte sehr das Lesevergnügen. Ich blieb dabei, weil ich auf die sehr vielen Informationen über die angebotene literarische Epoche neugierig war. Mehrere Schriftsteller waren mir bekannt, jedoch gab es auch sehr viele, die im Meer des Gewöhnlichen untergegangen sein mögen. Erschreckend fand ich oft die Zitate und Auszüge aus Büchern, die keineswegs lesenswert waren.

 

So manche Neue konnte ich annehmen, bei einigen Schriftstellern waren wir hin und wieder der gleichen Meinung. Aber seine Aversion gegen Hermann Hesse war mir doch unverständlich. Vollmann hatte auch nicht alle Romane der von ihm gewählten Zeit besprochen. Nicht einmal die wichtigsten oder größten Werke. Ich definiere gerne „groß“ ohne Fußnote: ein großes Werk wird von mehreren Generationen gelesen und bestimmt nicht nur seine Epoche, sondern fügt sich in die klassische Literatur ein. Zwei Drittel der von Vollmann besprochenen Werke gehören wohl nicht dazu.

 

Jedoch fand ich auch in dieser schwierigen Lektüre etwas ungemein Positives. Nachdem ich mich durch das Buch von Rolf Vollmann bis zur letzten Seite gequält habe, wird es mir nicht mehr schwer fallen, je wieder ein Exposé zu schreiben. Ich habe so viele Zusammenfassungen, mit und ohne Auszüge gelesen, dass ich gerne zugebe, alleine diese Übung hat es gelohnt, sich durch das ganze Buch zu kämpfen.

 

Hin und wieder überraschte mich Vollmann mit sehr guten Sätzen. Sie sind leider die Ausnahme gewesen in einem Meer der überflüssigen Wörter über längst vergessene Bücher, die schon lange nicht mehr gedruckt werden...

 

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Meine Eindrücke aus Norwegen

Ich liebe es, hin und wieder anzuhalten. Ich liebe die einsamen Stunden, in denen ich mich sammeln kann. Diese kostbaren Augenblicke, die dazu beitragen, meinen Kopf wieder frei zu bekommen. Das fühlt sich oft an wie eine Reset-Taste.

 

Wenn ich, ganz früh am Morgen, die Stille draußen spüre, die menschenleere Straße betrachte und auf mich wirken lasse, dann habe ich dabei gerne das Gefühl, als ob die Welt gerade eine Pause macht. Die Zeit läuft irgendwo, aber nicht in mir. Ich halte an.

 

In dieser beinahe geisterhaft fantastischen Lautlosigkeit kann ich Vergangenes wunderbar analysieren. Ohne störende Einflüsse von außen, im Einklang mit meiner inneren Ruhe finde ich Lösungen für aufgeschobene Probleme. Die Wörter kommen passender herüber. Deshalb schreibe ich auch bevorzugt in dieser nahezu übersinnlichen Stille. Weitab vom Lärm des Alltags.

 

Seit zwei Monaten lebe ich mit meinem Mann in Norwegen. Wir hatten uns vorgenommen, den Sommer in diesem Land zu verbringen. Dafür haben wir drei gute Gründe: Zum einen lebt hier unsere jüngste Enkelin im schönsten Kindesalter. Sie ist gerade mal zwei Jahre und drei Monate alt. Der zweite Grund ist auch nicht zu unterschätzen: hier im Norden ist es zumeist zehn Grad kühler als auf dem mittlerweile viel zu heißen Kontinent. Dass es dieses Jahr hier extrem kühl sein würde, verwundert selbst die Norweger. Aber Wind und Wetter und viel Regen hilft mir nur bei meinem dritten Motiv: ich möchte meinen neuen Roman fertigschreiben. Hier habe ich die nötige Ruhe dazu.

 

In diesem Land sind die Ansiedlungen ziemlich verstreut. Wir leben in einem kleinen Haus an einem, für norwegische Verhältnisse, relativ kleinen See. (Immerhin ist er gute zwei Kilometer lang.) Die Landstraße ist nur gegen Abend etwas stärker befahren. Das Grundstück ist ziemlich weiträumig und hält die Straße, sowie die nächsten Häuser auf angenehme Distanz. Vor uns liegt der See, auf dem nur gerudert wird, wenn nicht gerade ein Biber vorbeischwimmt. Hinter uns dämmt ein schmales Waldstück auf einer sanften Anhöhe die vom Meer kommenden Winde.

 

Ganz früh am Morgen, so gegen vier bis fünf Uhr, danach wird es zu hell, kommen zuweilen Rehe und junge Elche vom Wald herüber. Entweder durchqueren sie die große Wiese und gehen geradewegs hinunter zum See, oder sie machen einen Zwischenstopp auf unserer kleineren Wiese und fressen ein paar junge zarte Zweige von den kleinen Bäumchen, die eigentlich wachsen sollten und somit die Lust daran verlieren und schnell eingehen.

 

Einmal habe ich einem Reh in die Augen gesehen. Es ist keineswegs scheu. Der Blick war eine einzige Herausforderung: Ich weiß, dass ich über dein Grundstück laufe, aber das stört mich nicht.

 

So habe ich ihn lächelnd interpretiert. Ich blieb zunächst ruhig am Eingang stehen. Auch das Reh rührte sich nicht. Es starrte mich nur neugierig an. Schließlich ging ich doch auf mein Auto zu. Ohne das Reh auf der dichten großen Wiese aus den Augen zu lassen. Mittlerweile beobachtete es mich ganz ruhig. Kein sprunghaftes Weglaufen, nur ein neugieriger, beinahe trotziger Blick. Schließlich hatte es mich genug betrachtet und erkannt, dass ich keine Gefahr darstellen würde. Gemächlich zog es Richtung Wasser, ohne sich weiter um mich zu kümmern. Das Tier mag wohl gespürt haben, dass ich es respektiere. Ja, ich freute mich sogar über unsere „Begegnung“.

 

Neben der Landstraße gibt es eine kurze, aber bequeme, weil asphaltierte, Strecke zum Gehen und Radfahren. Dort gehe ich gerne spazieren. Gen Westen steigt der Gehweg sanft hinauf zu einem kleinen Ort. Die Autostraßen werden immer enger bis sie schließlich auch auf Asphalt verzichten und nur noch Schrotterkies als Belag genügen muss. Meinem Auto hatte diese Straße nicht gefallen, als wir sie einmal fahren wollten. Ich umkreiste zwar den großen Fjord, aber mein rechter Vorderreifen hatte sich „geschnitten“ und musste repariert werden. Gen Osten führt der Gehweg am Wald entlang bis hinunter zum Fjord. Diese Spaziergänge weite ich gerne aus. Sie sind für mich die angenehme Balance, wenn ich ein paar Stunden geschrieben habe.

 

Draußen bleibt es grau in grau und entsprechend kühl. Auch heute wird es wohl wieder regnen. Nur die angenehme Stille füllt mein Herz mit heiterer Zufriedenheit.

 

 

 

 

 

 

 

Die Gefahren in den sozialen Netzwerken

Foto: MJ Todd
Foto: MJ Todd

 

 

 

 

Gestern war ich bei einem Vortrag über „Facebook, Twitter & Co.“ Der Referent war im richtigen Alter, hatte Informatik studiert und sein Berufsleben dem Computerzeitalter angepasst. Seine Aufzählung der Vorteile war nachvollziehbar. Die gegenüberstehende Liste der Nachteile etwas weniger. Ein Argument wird immer wieder in den Vordergrund gezogen, jedoch kann ich dem einfach nicht zustimmen.

 

Ich arbeite und beschäftige mich mit den sozialen Netzwerken seit mehr als zehn Jahren. Zuerst war es Neugierde, dann machte es Spaß, letztendlich fand ich aber auch die nützliche Seite sehr ansprechend. Nur eines kann ich einfach nicht verstehen: die Angst der Menschen, ihre Privacy könnte verletzt werden, der Datenschutz soll sicherer werden.

 

Erst einmal sollte man sich doch voll im Klaren sein, was man im Netz von sich preisgibt. Jeden Tag scrolle ich über sehr viel Unsinn. Viele nehmen die sozialen Netzwerke als Ventil für ihre Gefühle und ihre ganz persönlichen Meinungen.

 

Was esse, trinke, fühle, denke ich gerade. Was ist meine Meinung zu diesem Post.

 

Besonders in öffentlichen Profilen, die Nachrichten verbreiten, werden oft Kommentare gepostet, die mich an die Stammtische von früher erinnern. Da wurde doch auch alles Mögliche und Unmögliche gesagt. Da gab es doch auch gerne verbale Reibereien. Dafür ging man doch dorthin.

 

Dasselbe gilt für die oft nicht ganz jugend- und gewaltfreien Kommentare in Gruppen und Foren von Sportvereinen. Das hat ebenfalls nichts damit zu tun, dass man in den sozialen Netzwerken unter falschem Namen auftreten kann. Jedes Stadion und jeder Platz, wo Sport stattfindet, kennt dieselben Kommentare. Da hilft es nichts, wenn man etwas mehr Geld ausgibt und auf der Haupttribüne einen ruhigeren Platz sucht. Viele gehen in ein Stadion, nicht nur zum Anfeuern, sondern auch, um sich selbst abzureagieren. Dadurch werden die Bemerkungen schärfer und vor allem ungeschliffener. Keiner verlangt jedoch den Datenschutz seiner soeben verbreiteten Wörter, die er dem Schiedsrichter oder dem Spieler zugeschrien hat.

 

Darüber denken auch diejenigen nicht nach, wenn sie sich auf der Straße, im Café, auf einem öffentlichen Platz befinden und diskutieren. Das gehört zum „realen“ Leben. Die Umstehenden oder Passanten im Vorbeigehen sind Fremde, die doch eigentlich gar nicht zuhören. Wirklich? Wenn jemand lautstark, oder auch ganz normal, in der Öffentlichkeit telefoniert, dann bekommt seine Umgebung das Gespräch mit, ob sie das will oder nicht. Besonders in Bussen und Bahnen ist es unvermeidbar. Wie viele Gespräche habe ich mitanhören müssen, ohne daran im Geringsten interessiert zu sein. Da fragt derjenige nicht nach seiner Privacy.

 

Und denkt jetzt bitte nicht, das sind Ausnahmen. Im „realen“ Leben sind diese Menschen keineswegs mehr selten. Im Gegenteil. Die Menschen mutieren genauso schnell wie die Technologie. Zu Beginn der Handy-Ära - ja ich kenne die Welt auch noch ohne! -  war es doch offensichtlich, wie sehr die stolzen Besitzer dieser neuen mobilen Telefone damit angeben wollten. Kein öffentlicher Ort war vor ihnen sicher. Ist es auch heute nicht. Nur, dass die Smartphones jetzt das Internet mit einbeziehen und deshalb die linke Hand „stumm surfen“ kann, während die rechte Hand versucht, das Essen vom Teller zielgerecht in den Mund zu befördern.

 

Aber zurück zum Internet und seinen unbegrenzten Möglichkeiten. Ich kann dort sehr viel finden, wenn ich etwas recherchiere. Und dabei habe ich die Gelegenheit, sehr nette Leute kennenzulernen. Das Netz gibt mir die Möglichkeit, Menschen zu kontaktieren, die ich im „realen“ Leben kaum so schnell und gut erreichen könnte. Das ging mir so, als ich einen Zeitungsartikel über Nanoplaneten, die sich in gigantische Diamanten verwandeln, gelesen habe. Sofort fand ich über Google den im Artikel zitierten amerikanischen Professor. Ich kontaktierte ihn mühelos und wir hatten einen sehr interessanten Austausch. So etwas wäre im „realen“ Leben überaus komplizierter bis unmöglich gewesen.

 

Und noch ein großer Vorteil, der mir persönlich sehr gelegen kommt: In den sozialen Netzen kann ich mich viel besser verteidigen. In dieser Hinsicht sollte man sich doch bei Facebook einmal bedanken. Ungebetene Kontakte können sehr effektiv eliminiert werden.

 

Folglich sollte sich jeder bewusst sein, was er von sich preis gibt und wie er das Internet benutzt. Es ist ein wunderbares Instrument, unsere Welt ein wenig kleiner zu gestalten, unseren Horizont etwas weiter zu öffnen. Wir haben unzählige Möglichkeiten. Wir sollten sie nutzen und nicht immer nur kritisieren. Das liegt auch viel an der Natur der Einzelnen. Datenschutz und Privacy gibt es auch im Großraumbüro nicht. Jeder ist für seine Taten und seine Worte selbst verantwortlich. Also gebt nicht Facebook und Twitter die Schuld, sondern euch allein.

 

Das solltet ihr berücksichtigen, wenn ihr wieder einmal Bilder ins Netz stellt. Das funktioniert genau so, als ob ihr das Foto auf irgendeinen öffentlichen Platz legt, wo es jeder sehen und auflesen und mitnehmen kann.

 

Noch ein Wort zum Datenverkehr im Internet. Wenn ihr in Online-Shops irgendwo ein Produkt sucht und anschließend findet ihr die entsprechende, zielgenaue Werbung neben euren Mails oder auf euren sozialen Netzwerken und sie nervt euch. Nun, in den ersten Zeiten hat es mich auch genervt, laufend die kurz mal angeklickten Produkte zu sehen. Bald fand ich aber heraus, dass ich, besonders auf Facebook, diese Werbung kostenlos für meine eigene nutzen kann.

 

Bitte beschwert euch auch nicht über die lieben „Cookies“, die dazu verhelfen, diese Daten über eure Vorlieben zu sammeln und auszuwerten. Schon vor zwanzig Jahren gab es die Treuekarten der großen Einkaufsketten. Damit wurden eure Kassenbons gesammelt und ausgewertet. Aber das schien euch damals nicht zu stören. Oder habt ihr es nur nicht gewusst?

 

Ebenso geht es mit den Adressen. Die beliebten Gewinnspiele verlangen alle eine Adresse, wenn nicht sogar eine Telefonnummer. Da macht ihr doch gerne mit. Im Telefonbuch wollt ihr doch auch noch stehen. Das ist öffentlich und sagt viel über euch aus. Über Namen kann man sogar das Alter schätzen. Dort ist eure Adresse jedem erhältlich. Und was den Verkauf von Adressen angeht, den gab es auch vor dem Internet. Durch das Internet sind die Gefahren nicht größer geworden, sie kommen nur von einer anderen Seite. Aber geändert hat sich nur unser Benehmen, keineswegs die Gefährlichkeit an sich.

 

Ich versuche, im Internet genauso vorsichtig zu sein wie im realen Leben. Ein gesundes Misstrauen hilft mir dabei. Wobei ich die Betonung auf das Wort „gesund“ legen möchte. Denn, ich bleibe ebenso offen für alle mir nützlichen Informationen und positiven Gelegenheiten und schönen Begegnungen, die mir das „Welt Weite Netz“ bietet.

 

 

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Lotte R. Wöss, eine Buchvorstellung

 

 

Per Handschlag für immer von Lotte R. Wöss ist alles andere als ein romantischer Liebesroman. Die Autorin lädt den Leser zu einer rasanten Fahrt auf der Achterbahn der Gefühle ein. Man muss aber einiges aushalten können. Der Schreibstil entspricht den Knalleffekten. Ich habe dieses tolle Buch in zwei Abenden verschlungen. Die letzten vier Stunden waren grausam ... gut.

 

Eine taffe Unternehmerin, die in dritter Generation außergewöhnliche Pralinen herstellt und ein adliger Keksfabrikant sollen einen Joint Venture eingehen. Beide leiden unter stark ausgeprägten Minderwertigkeitskomplexen, wenn es um ihre physischen Mängel geht. Der Graf kann nicht die Narben eines Wolfrachens in seinem Gesicht sehen. Die Unternehmerin fühlt sich in ihrem molligen Körper nicht wohl. Noch dazu werden sie von ihrem Umfeld ständig darauf hingewiesen. Falls jemand glaubt, dies wäre nicht nachvollziehbar, dann muss ich ihn enttäuschen. Es ist nerv tötend, aber es gibt solche Menschen. Jedoch, denkt bitte nicht, dass diese stressigen, immer wiederkehrenden, Anspielungen der einzige Grund für meine Magenkrämpfe waren. Oh nein!

 

Ich las das E-Book. Auf der Kindle-Software sehe ich nicht die Seitenzahl, sondern eine, für mich (noch) gewöhnungsbedürftige, vierstellige Prozentzahl. Bei jedem Knalleffekt der Geschichte sah ich ängstlich auf die Zahlen unterhalb der Seite. Wann wird es wohl zu enden gehen? Was müssen die beiden noch alles durchmachen? Reicht es nicht langsam?

 

Ich will keineswegs alles vorwegnehmen. Die letzte Seite musste ich trotz allem zweimal lesen. Vielleicht wollte ich nicht ganz verstehen, dass die Geschichte doch ihr Ende gefunden hatte. Auf jeden Fall könnt ihr euch mit diesem Buch nicht entspannt zurücklehnen, ohne hin und wieder aufzuschrecken. Die Autorin hat ein Feuerwerk entworfen, das lange nach dem letzten Satz noch in euch klingen wird. Jedenfalls ging es mir so.

 

 

 

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Die Trägheit des Winters wird vom Frühling vertrieben

Augen auf und ran an den Frühjahrsputz! Was hat sich da alles in den Ecken und versteckten Winkeln angesammelt! Verstaubte Bequemlichkeit lebloser Tage!

 

Heute ist Frühlingsanfang! Er ist offiziell im Kalender angekommen! In den Gärten sprießen seit Tagen Krokusse und Schneeglöckchen um die Wette. Vögel zwitschern überall. Die Welt will wieder bunter werden. Der graue Winter ist vorüber.

 

Jetzt kommt die Zeit, in der wir gerne Haus und Garten oder Wohnung und Balkon neu entdecken. Jeder Winkel wird von der neugierigen Sonne beleuchtet. Sie zeigt uns, wo Hand angelegt werden muss. Ausräumen, reinigen, entrümpeln. So etwas Ähnliches hatten wir uns doch schon zu Beginn des Jahres vorgenommen. Der eigene Körper sollte gleich nach den üppigen Festtagen wieder straffer werden. Dann kam Fasching, Karneval oder Fastnacht dazwischen. Aber jetzt gibt es keine Ausreden mehr! Raus in die Natur! Das Gehirn mit frischem Sauerstoff versorgen. Den Körper entschlacken und entgiften. Den Geist wieder aufnahmefähig machen.

 

Ich hatte Aschermittwoch mit einer Detox-Kur begonnen. Sie sollte gerade mal zehn Tage dauern und wurde von mir auch von einer sehr einladenden Retox-Gymnastik begleitet. Schon nach drei Tagen fühlte ich mich wohler. Ich beobachtete meinen Körper. Der Bauch wurde flacher, Blähungen verschwanden und kamen nicht wieder. Das gab mir zu bedenken. Ohne große Einschränkungen mache ich weiter und erfreue mich der abnehmenden Nebenwirkungen. Dabei lasse ich nur die Butter zum Frühstück weg und esse kein Joghurt und keinen Quark mehr. Beim Kochen vermeide ich Crème fraîche und nehme Olivenöl anstatt Butter wo immer es geht. Ich bin so weit, dass mein hin und wieder auftretender Appetit nach Schokolade schon nach einem Rippchen gestillt ist und es nicht mehr, wie vorher, die ganze Tafel sein muss. Weizenmehl wird zur Ausnahme. Im Kaffee habe ich meinen Löffel Zucker zu einem Drittel reduziert.

 

Aber der effizienteste Trick an dieser Umstellung ist der Verzehr von Zitrusfrüchten zu jeder Mahlzeit: Morgens trinke ich einen Grapefruit- oder Orangensaft. Mittags und abends gibt es als Dessert gerne Obst. Mal begleitet ein Kiwi irgendeine passende Frucht (wobei die grüne Zitrusfrucht sich beinahe  allen anderen Obstsorten kombinieren lässt) mal gibt es eine Orange. Dadurch wird der Stoffwechsel angeregt!

 

Mit dieser wunderbaren Leichtigkeit freue ich mich über den Frühling und seine „aufregenden“ Gefühle. Er lockt nicht nur die bunte Vielfalt von Blumen und Pflanzen, Sträuchern und Bäumen heraus. Alle recken sich nach dem Licht. Überall sprießen die Triebe. Bald duftet es allerorts nach den süßen Blüten. Frische Schnittblumen bereichern jeden noch so kleinen Tisch. Und im Bauch beginnen die Schmetterlinge zu kribbeln.

 

Die Welt wird unter einem ganz neuen Aspekt wahrgenommen. Der Geist setzt eine unschlagbare, unglaublich starke Energie frei. Damit ist der träge Winterschlaf endgültig  beendet. Nach dem Frühjahrsputz in den eigenen Räumen wird die Garderobe durchgecheckt. Was passt wieder oder noch? Der Enthusiasmus schickt uns hinaus in die frische Luft. Die wiederentdeckte bewusste Bewegung strafft unsere Haut und befreit unzählige Glückshormone. Unsere Lebensfreude wird angekurbelt und das Glas ist  schneller halb voll.

 

Projekte werden konkreter betrachtet. Pläne werden gezielter durchgesetzt. Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen triumphieren über den inneren Schweinehund. Den wollen wir erst einmal den stürmischen Winden übergeben, damit sie mitnehmen und im Nirgendwo absetzen...

 

Die Natur erneuert sich und wir wollen dabei sein und mithalten!  

 

 

 

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Die Seelenmuse von Heike Hoffmann

Die Seelenmuse – ein wunderschöner Titel für einen Gedichtband. Seit der Antike ist die Muse verantwortlich für die Inspiration, gehört zur Kreativität. In diesem Fall sollen die Gedichte unsere Seele erleuchten, unsere Gedanken streicheln.

 

Ich lese Bücher stets von der ersten bis zur letzten Seite. Zumindest das erste Mal. Danach schlage ich schon mal gerne bestimmte Seiten auf, suche mir gezielte Passagen oder, wie im Falle von Heike Hoffmann, schlage Gedichte nach, die mich auf ganz besondere Weise angesprochen oder berührt haben. Deshalb bin ich der Autorin sehr dankbar für ihr sinnvolles Inhaltsverzeichnis. Ebenso habe ich die große Schrift genossen. Dadurch wurde die Lektüre angenehmer und fließender.

 

Diese Selenmuse lässt uns lachend beginnen. Versucht sogleich eine leise Verführung. Allerdings wartet sie schon im dritten Kapitel mit Tränen und den mannigfaltigen Gefühlen auf, die von ihnen ausgelöst werden. Nach solch rauschenden Emotionen geht es erst richtig stürmisch los. Die Gedichte reizen und erregen wie ein Orkan im offenen Ozean. Erst, wenn sich die Muse wieder etwas beruhigt hat, entschließt sie sich, ihre Sinne und Empfindungen tanzen zu lassen. Leicht und beschwingt, sinnlich und fühlbar. Sie zieht uns mit sich bis tief hinein in ihre Seele, in unsere Seele. Und endet mit einer zärtlichen Umarmung, deren Worte sehr magisch klingen, auch wenn ihnen der von mir so sehr geliebte Rhythmus fehlt. Wohl bemerkt, bedeutet das keineswegs ein Reim in jedem Vers. Es ist die einzigartige Betonung der Wörter, deren Schwingungen beim Lesen durchdringen und außergewöhnliche Takte bilden. Es ist die Melodie der Poesie, mit der die lyrischen Inhalte unsere Seele erreichen und sich in unserem Geist verwurzeln.

 

Meine Favoriten aus Heike Hoffmanns Gedichtband Die Seelenmuse sind das heitere Phil und Sophie sowie die unterhaltsame Augenblicksbeschreibung Der Pianist. Bei über 80 Gedichten ist die Themenvielfalt bemerkenswert. Deshalb ist man gut beraten, das Buch nicht ins Regal zu stellen, sondern sichtbar auf einem Tischchen liegen zu lassen. Denn, hin und wieder will man sich an den einen oder anderen Vers erinnern. Oder sich gerne ein wenig entspannen und bei einem zufälligen Aufschlagen des immerhin 200 Seiten starken Buches die Seele baumeln lassen, den Geist regenerieren, den Alltag vergessen.

 

 

 

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Lesen ist ein Lebenselixier

 

 

Für mich war das schon immer so. Lesen hat mein Leben erfüllt, seit ich die Magie der Buchstaben kennenlernen durfte. Zuvor war es mein Großvater, der mir mit Engelsgeduld immer wieder meine Lieblingsbücher vorgelesen hatte.

 

Die großen Klassiker haben uns gewiss gesunde Ratschläge mitgegeben, von denen wir in jeder Zeitepoche noch etwas lernen können. Von Seneca bis heute findet man immer wieder einen Absatz, ein Zitat, einen Ratschlag, der auch in unsere Gegenwart hineinpasst.

 

Begeistert verschlingen wir einen unterhaltsamen Roman, erregen unsere Gefühle mit einer Liebesgeschichte, zittern bei einem spannenden Krimi oder Thriller, reizen unsere Angst in horrenden Fantasy-Geschichten aus. Hauptsache, wir sind für ein paar lange Minuten oder gerne auch Stunden, abgeschirmt von der Umwelt, eingetaucht in unser Kopfkino. Wir wollen mit den Protagonisten fühlen, uns identifizieren, am Ende (be)urteilen.

 

Wir lesen aus Leidenschaft, aus Langeweile, aus Neugierde. Nun haben wir aber auch die Bestätigung, dass diese doch so unauffällige Nebenbeschäftigung unserer Gesundheit äußerst gut tut, auch wenn wir uns dabei kaum bewegen. Dafür tun es unsere Gehirnzellen!

 

Die renommierte Elite-Universität in Yale hat eine Studie herausgebracht, die unser Hobby zu einem effizienten Lebenselixier nobilitiert: Wer mehr als eine halbe Stunde am Tag liest verlängert sein Leben um mindestens zwei Jahre! Denn, so ergab die langjährige Untersuchung, beim Lesen bewegen wir unser Gehirn. Durch das Kopfkino kommen alle unsere grauen Zellen in Bewegung, Die Gefühle können ruhig mal auf der Achterbahn fahren, das ist wie eine Kneippkur für das Gehirn. Es wird aufgefrischt, bleibt fit und entwickelt einen ausgeprägten Anti-Stress-Effekt. Kennt ihr das Glücksgefühl nach einem phantastischen Buch?

 

Die Studie bringt jedoch noch mehr Fakten hervor: Schon bei Kleinkindern soll sich alleine vom Vorlesen der Geschichten ein sozialeres Verhalten entwickeln. Toleranz und Mitgefühl prägen die Kids, deren Erziehung die Schönheit der Bücher und die daraus entstehende Lektüre schon von Anfang an miteinbezieht.

 

Also kann man nicht früh genug damit beginnen! Deshalb holt euch doch gleich diese wohltuende, wissenschaftlich bewiesene Medizin in eurer Bibliothek oder bei eurem Lieblings-Buchhändler. Ach ja, es geht um Bücher, nicht um Zeitschriften oder Zeitungen. Letztere sind voller Infos und aktivieren nicht so sehr das Kopfkino, sondern zerren eher an den Nerven.

 

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Der Unterschied zwischen Mann und Frau

 

Ich wünsche allen Frauen,

 

dass sie sich in ihrer Weiblichkeit identifizieren können!

 

 

 

Denn viele von ihnen wollen ihr Leben lang sich selbst beweisen. Hosen tragen. Nicht unbedingt, weil sie krumme Beine haben. Einfach, um ihre feminine Seite zu verstecken. Die unterdrücken sie dann gerne mit einem sehr unweiblichen Auftritt. Sie wollen die Männer mit der Brechstange beherrschen. Das muss doch nicht sein. Es ist so angenehm, mit einem freundlichen Lächeln viel mehr erreichen zu können als mit unangenehmen, nicht enden wollenden Diskussionen und Rechthaberein.

 

 

 

Ich will nicht gleichberechtigt sein!

 

 

 

Ich kann nicht das tun, was Männer können. Ich will es auch nicht. Es ist doch viel angenehmer, wenn ein Mann mir die Tür öffnet, anstatt sie mir vor der Nase zuzuknallen.

 

Ich streite nicht ab, dass es schwache Frauen gibt, so wie man auch schwachen Männern begegnen kann. Jedoch ist es mir unmöglich, die Rolle als „Frau = Opfer“ grundsätzlich akzeptieren zu sollen. Ich habe viele Frauen aus der orientalischen und arabischen Welt kennengelernt. Sie sind keineswegs untergeordnet! Sie führen ihre Familien mit der gleichen selbstbewussten Stärke wie wir hier im Okzident.

 

 

 

Ungerechtigkeiten und Misshandlungen

 

gibt es überall

 

und wird von beiden Geschlechtern ausgeführt.

 

 

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Wetter oder Detox-Kur? Wem gebe ich die Schuld?

 

Also sind wir doch alle dem Wetter ausgeliefert? Das frage ich mich nach den Gefühlen, die mich in der vergangenen Woche so gebeutelt haben.

 

Selten war ich so war gereizt und dünnhäutig gewesen wie in den letzten Tagen. Draußen stürmte der Wind durch die Straßen. Meine Selbstkontrolle funktionierte nur noch zäh. Die Bäume senkten sich den peitschenden Lüften. Schließlich eskalierte sogar eine Diskussion und wurde mit Weinkrämpfen beendet. Natürlich wollte ich nicht zugeben, dass mich meine „wunderbare innere Ruhe“ verlassen hatte. Die unruhige Luft verkürzte nur meine Spaziergänge.

 

Da ich am Aschermittwoch eine Detox-Kur angefangen hatte, gab ich zunächst einmal ihr die Schuld. Doch die funktioniert wunderbar. Ich fühle mich viel leichter, esse sogar mehr als vorher und nehme trotzdem ein wenig ab, obwohl es bei dieser Kur eigentlich „nur“ ums Entsäuern gehen soll. Daher keine Butter und Milchprodukte (nur fermentierter Käse ist angesagt und der ist einer meiner Lieblingslebensmittel.), kein Weißmehl, kein Alkohol, keine Wurst und kein Zucker. Zugegeben, letzteren brauche ich im Kaffee, habe ihn aber sehr reduziert. Ich tauche die Spitze des Kaffeelöffels gerade mal in die Zuckerdose ein. Das wird kaum ein Gramm auf die Waage bringen. Ach ja, es sind auch nur drei Tassen Kaffee am Tag erlaubt!

 

Dafür halte ich regelmäßigere Ess-Zeiten ein, esse mehr Fisch und mageres Fleisch, mehr Gemüse und noch mehr Obst, besonders Zitrusfrüchte sollten immer dabei sein. Der nette Kiwi ist ja die Petersilie der Früchte: so wie das Kräutlein überall den Geschmack erweitern kann, so passt auch dieses frische grüne Fruchtfleisch zu jeder anderen Obstsorte.

 

Also, wie gesagt, die Detox-Kur ist einfach toll und schmackhaft und kommt bei mir sehr gut an. Da ich gestern bemerkte, dass meine „wunderbare innere Ruhe“ wieder zurückgekommen war, begann ich zu recherchieren. Und siehe da: auf dem kleinen Spaziergang (nach dem Mittagessen 30 Minuten lang, gehört auch zur Kur) spürte ich keine lästigen kalten Luftzüge mehr um meine Ohren. Es war völlig windstill. Die schüchterne Frühjahrssonne konnte sogar schon ein wenig Wärme verbreiten.

 

Die Welt schien wieder in Ordnung. Bis zum nächsten Angriff...

 

 

 

 

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Der erste Abend in der Elbphilharmonie

 

Eigentlich mag ich Thomas Hengelbrock nur, wenn er nicht gerade Beethoven dirigiert, das ist für mich weiterhin sehr gewöhnungsbedürftig. Aber was er sich bei dem Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie gedacht hat, kann ich nicht nachvollziehen.

 

So weit es ging habe ich die Konzertsäle stets vermieden, wenn diese sogenannten zeitgenössischen Klänge - es fällt mir schwer sie Musik zu nennen -  auf dem Programm standen. Wenn Töne aneinandergereiht werden bis die Instrumente nicht mehr erkennbar sind. Wenn der Rhythmus aus dem Saal gemobbt wird und die Harmonie Urlaub bekommt. Dann ist es kein Ohrenschmaus mehr, sondern eher psychische Folter. Genau, wie das Eröffnungskonzert in Hamburg.

 

Ein Konzertsaal der Superlative wurde eingeweiht mit Tönen und Ausführungen, die jede Akustik beleidigen. Vielleicht hat sie sich deshalb bemüht, die kleinen, großen Mängel einiger Stücke besonders hervorzuheben. Leider kann ich mir den zauberhaften Klang nur von den Erzählungen der illustren Gäste vorstellen. Kein medialer Empfang überträgt die Magie, die man spürt, wenn man selbst im Konzertsaal sitzt. Diese Emotion kenne ich nur zu gut.

 

Zwar verflucht man still und innerlich den Nachbarn, der schon wieder vergebens versucht, die papierne Hülle eines Bonbons geräuschlos zu öffnen. Irgendwo räuspert sich jemand gefährlich, sodass man beim nächsten Pianissimo auf einen Anfall aus der Nase oder dem Mund gefasst sein muss. Am schlimmsten sind immer der Sprung zwischen den Sätzen der Sinfonien oder die wirklich kurzen Pausen innerhalb einer Opernaufführung. Da geht oft ein richtiger Sturm an Husten und Niesen und Schnaufen durch den Saal. Noch störender als das Bonbon oder gar so mancher unangepasste Flüsterton.

 

Alle diese kleinen Unannehmlichkeiten können sich, aneinandergereiht, sehr negativ auf einen Abend auswirken. In der Elbphilharmonie sollte man sogar das Atmen einstellen. Die Akustik des Saales wäre so ausgesprochen delikat, dass man die Gedanken hören könnte, würde man sich nur ein wenig konzentrieren. Ich hoffe, es wird sich mit der Zeit etwas legen. Denn, jede Bewegung, jeder tiefe Atemzug würde den Noten missfallen, die sich hier wahrlich in ihrer ganzen Schönheit ausbreiten können. Falls sie harmonisch und meisterhaft aneinander komponiert worden sind. Und nicht diese ungereimten Töne von sich geben müssen, die das Publikum bei dem ausgesprochen unangebrachten Eröffnungskonzert anhören mussten.

 

Die Musik ist eine der schönsten und ältesten Künste überhaupt. Aber auch hier gilt: wer die Antike liebt kann sich kaum mit der Moderne anfreunden. So ist es auch mit den Melodien. Wer Mozart, Beethoven & Co. liebt, der kann sich nicht mit Stockhausen, Berio oder gar noch lebenden Komponisten befassen.

Vielleicht wollte Hengelbrock dem Eröffnungskonzert eine ausgesprochen kühle, ungemein avantgardistische, beinahe surreale Atmosphäre verleihen, und damit den Saal gebührend prägen. Jedoch wäre dies nicht nötig gewesen. Das moderne Design und die Ausstrahlung dieses, immerhin wie ein antikes Amphitheater angelegten, Saales trugen allein schon zur Verzauberung derjenigen bei, die dort präsent sein durften.

Ich finde es sehr angenehm, im selben Gebäude ein schönes Hotel vorzufinden. Sobald ich die Gelegenheit haben werde, beide Vorzüge auszukosten, werde ich mich wieder dazu äußern...

 

 

 

 

 

 

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Wie besinnlich wird Weihnachten in Deutschland 2017?

 

Weihnachten

Das Fest der Liebe. Das Fest der Besinnung. Das Fest der Versöhnung. Das Fest der Hypokrisie.

 

 

Spendenaufrufe gibt es das ganze Jahr über. Jedoch niemals in einer solch widerlichen Anhäufung wie in der Adventszeit. Sie kommen per Post, damit sie den ganz persönlichen Nerv treffen sollen. Sie kommen im Fernsehen getarnt als „Galas der Musik“. Wer mitmacht hat ein gutes Herz, wer überhaupt nicht dazu schaltet hat einen gesunden Menschenverstand. Warum muss ich mir gerade zur Weihnachtszeit vorwerfen lassen, wie gut es mir (angeblich) geht und wie schlecht es anderen Menschen geht? Mit welcher Arroganz werden diese Shows abgezogen? Vielleicht gehöre ich auch zu den Bedürftigen? Wie viele Menschen sind krank und leiden für sich, weil sie keinen Freund oder Verwandten haben, der den richtigen Journalisten kennt und seine Tragödie ins Fernsehen bringt? Wie viele Menschen sind arm und schämen sich ihrer Situation? Ihnen bleibt nur noch ein Funke menschlicher Würde, mit der sie verzweifelt versuchen, die Achtung vor sich selbst nicht zu verlieren.

Damit sind wir bei der trostlosesten aller Weihnachtsgefühle – der Nächstenliebe!

 

Weihnachten soll man nicht alleine feiern. Ladet die Einsamen zu euch ein.

 

Gebt den Obdachlosen ein warmes Essen.

 

Wunderbar! Dann sind eure Gewissen wieder reingewaschen von allen Sünden, die sich im Laufe eines Jahres anhäufen! Wie peinlich das Ganze ist, wenn man zwei Tage später darüber nachdenkt. Der Einsame ist wieder allein. Der Obdachlose kehrte zurück an seinen Platz auf der Straße. Die Welt ist erneut in ihrer gewohnten Ordnung. Den Weihnachtstag haben sie nicht alleine verbringen müssen. Das schreit doch nach Hypokrisie! Entweder kümmere ich mich um den alleinlebenden Verwandten oder den depressiven Freund auch an anderen Tagen des Jahres, aber ich heuchle nicht irgendeine „christliche“ Nächstenliebe, die nach Egoismus nur so stinkt.

 

Mein Gewissen ist rein. Ich habe dich ja an Weihnachten nicht alleine gelassen. Morgen kannst du wieder deinen Depressionen Gesellschaft leisten. Ich habe meinen Zoll als Christ erfüllt.

 

Wie ekelhaft!

 

Dieses Jahr wird das Weihnachtsfest in Deutschland von einem furchtbaren Anschlag auf ahnungslose Menschen geprägt: Ein Lkw rast über einen Weihnachtsmarkt. Er will zerstören. Er will töten. Viele Menschen sind davon betroffen? Aber leider sind viele auch bereit gewesen, sich weder zu schockieren, noch in Panik zu geraten, sondern blitzschnell ihr Smartphone, das sowieso schon in ihren Händen war, bereitzustellen und sinnlos zu filmen und zu fotografieren. Diese Menschen verschwenden keinen Gedanken, um zu helfen. Sie befriedigen nur ihre eiskalte, gefühllose Sensationslust.

 

Das ist die Kehrseite unserer heutigen Gesellschaft! Aber diese unwürdigen Personen werden totgeschwiegen im Echo der Entrüstung und Kritik für banale und viel leichter angreifbare Personen und Institutionen. Ich will nicht auf die unendlichen, spekulativen Berichterstattungen eingehen, die uns einen Terroranschlag beinahe live miterleben lassen wollen. Das ist sinnlos und ignorant. Kein intelligenter Mensch spricht über etwas, das er (noch) nicht kennt, von dem er (noch) keine Fakten hat.

 

Ich war nur angewidert von der „Erschütterung“ so mancher offizieller Sprecher. In dieser kurzlebigen Zeit ist der Verstand wohl schon total überfüllt von News und Infos und Google und was weiß ich! Dabei wurde doch gerade kurz vor den Weihnachtsmärkten gewarnt, sie könnten Angriffsziele für Terroristen werden. Die Sicherheit sollte auch im kleinsten Dorf verstärkt werden. Hat sich jemand daran erinnert? Ist Berlin als Hauptstadt nicht ein perfektes Ziel gewesen? Wo waren die verstärkten Sicherheitsbestimmungen? Jetzt aufzumarschieren ist mehr als geschmacklos und ein Affront gegenüber den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer!

 

Jedoch, so wie ich diese Welt beobachte, bin ich sicher, dass sich die meisten der Menschen bis zum Wochenende wieder erholt haben. Ihr Weihnachtsfest wird sich nicht ändern. Schließlich sind die Geschenke schon gekauft. Der Weihnachtsbaum ist schon geschmückt. Das Essen mag auch schon weitgehend bestellt oder die Zutaten vorbereitet sein. Kaum jemand wird in diesen „schönen und friedlichen“ Stunden noch eine Sekunde an den Anschlag in Berlin denken oder an die Millionen von Menschen, die, Tag für Tag, und auf die verschiedensten Weisen, ihr Leben riskieren.

 

 

 

Weihnachten - ein magisches Wort

 

 

Es sollte für Frieden stehen. Es sollte für Hoffnung stehen.

 

Ein kleiner Junge ward geboren.

 

 

 

Und wie bei jedem neugeborenen Erdenbürger hofft man, dass er besser und intelligenter sein würde. Dass er Frieden und Liebe in sein neues Leben einbringe und diese ehrbar und mit großem Eifer und Ausdauer unter den Menschen austeile...

 

 

Mein berufliches Leben hat mich stets auch an Weihnachten arbeiten lassen. Da fiel es mir nicht schwer, ein „Frohe Weihnachten“ als freundlichen Gruß zu verwenden. Er lockerte die Stimmung und holte ein überzeugendes Lächeln auf die Lippen. Die Kerzen leuchteten bis ins Herz und die Atmosphäre hüllte sich in ein festliches Vergnügen. Deshalb fehlt mir meine frühere, berufliche Tätigkeit in diesen Feiertagen sehr...

 

 

 

 

 

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Der Bücherbaum

 

 

Nein, keine Sorge! Die Bücher wachsen noch nicht auf den Bäumen. Sie sind immer noch die Frucht der harten Arbeit ihrer Autoren. Sie nähern sich ihrem Urheber mit einem kleinen Samen, das ist die Idee, aus der sich eine Geschichte ergeben kann. Durch fruchtbare Inspiration bekommt sie ihre erste Form. Das kann sehr schnell gehen. Manchmal können kleine Verzögerungen eintreten. Blockaden stoppen das Wachstum. Der Autor muss sehr viel Energie und liebevolle Kreativität einsetzen, damit seine Geschichte weiter wachsen kann. Wenn er bis zum Ende durchgekommen ist, dann erst beginnt die undankbarste Arbeit: das Korrigieren. Zuerst versucht er es selbst. Dann wird ein Lektor hinzugezogen. Dieser wiederum will noch einmal die letzten Reserven des Autors ausschöpfen und verlangt von ihm oft und gerne Bearbeitungen, wenn er nicht gerade mit seinem streichenden Rotstift Wörter und Sätze, ja ganze Passagen einfach so verabschiedet. Jeder Buchstabe schmerzt. Der Autor wendet sich und bittet, aber er wird selten erhört. Die Geschichte muss fließen, muss stimmen, muss ankommen.

 

Endlich ist sie druckreif. Der Autor atmet auf. Die Leser warten schon. In den glücklichsten Fällen. Sie verschlingen das Buch oder sie scrollen das E-Book. Bald haken sie die Geschichte ab und wenden sich der nächsten zu. In der heutigen Zeit wird ein Buch kaum noch einmal gelesen. Es wandert weiter. Sein Leser bringt ihn zu anderen Lesern. In der Kleinstadt, in der ich gerade wohne, gibt es dafür einen Bücherbaum. Dort kann man sich Bücher holen und natürlich Bücher bringen.

 

Das Konzept ist mittlerweile weit verbreitet. Vor vielen Jahren beteiligte ich mich am Bookcrossing. Das war noch interessanter, auch wenn das Grundprinzip nicht funktioniert hat. Wenigstens nicht lange. Es war schon etwas ungewöhnlich, ein Buch auf irgendeiner Bank, in einem Park, oder in einem Zug, oder am Flughafen einfach liegenzulassen. Damit es der Nächste zu sich nimmt und liest. Man sollte damals noch eine Email-Adresse eingeben, damit man über eine Homepage die Reise des Buches verfolgen konnte. Leider beteiligten sich nicht alle Leser daran.

 

Etwas lokaler sind die öffentlichen Bücherregale. Es gibt sie fast überall in den verschiedensten Lokalitäten. In einem Dorf der Umgebung habe ich Regale in einer Bushaltestelle gesehen, die demselben Zweck dienen. Bücher bringen, Bücher nehmen.

 

Mir gefällt die rotlackierte Vitrine am Baumstamm. Letzte Woche habe ich dort ein paar Klassiker aus dem 19. Jahrhundert hingebracht. Bücher, die ich gelesen hatte und von denen ich genau wusste, dass ich sie nie mehr öffnen würde. Und Bücher, die ich irgendwann einmal gekauft hatte, deren Zeit jedoch nie kommen wird. Wenigstens nicht bei mir. Da ich nichts davon halte, sie für wenige Cents bei rebuy zu verscherbeln oder sie dem Schnäppchen-Wahn auf dem Ebay-Altar zu opfern, finde ich es viel charmanter, sie zu verschenken.

 

Ich habe dort schon öfters Bücher hingebracht. Letzte Woche waren es Autoren wie Dostojewskij, Gogol, Hölderlin, Verlaine. Als ich gestern noch eine Tasche hinbrachte, staunte ich nicht schlecht. Alle meine schönen, gebundenen Klassiker waren schon weg. In den zwei kleinen Regalen standen nur noch die schmuddeligen Taschenbücher, die keinesfalls mehr einladend aussahen, von ihrem Inhalt einmal abgesehen, und einige Ratgeber, denen wohl auch niemand mehr folgen möchte.

 

Dieses Mal habe ich eine italienische Ausgabe von Paolo Coelho und einen englischen Klassiker dazugestellt, neben Stendhals „Rot und Schwarz“ und einige mehr. In den nächsten Tagen will ich wieder vorbeischauen und sehen, ob sich hier auch jemand findet, der gerne andere Sprachen liest und versteht.

 

 

 

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Es hat mich wieder erwischt

 

Habe keine Stimme mehr! Die Erkältung legt sich gerne auf meine Stimmbänder nieder. Dort macht sie es sich richtig gemütlich. Vielleicht fühlt sie sich auf diesen Organen besonders wohl. Vielleicht ist es ein Zeichen, wieder einmal schweigend die Welt zu beobachten. Spannend ist es auf jeden Fall. Irritieren tut es auch, wenn man eingreifen, spontan einen Kommentar loswerden oder nur mal schnell eine Frage stellen möchte. Dann forciert man die Stimme unbewusst, wird jedoch nach wenigen Worten schon gestraft. Mit beißendem Schmerz. Mit pochendem Husten.

 

Meine Stimme hat sich eine, wie ich hoffe kurze, Auszeit genommen. Kein Telefon, kein Gespräch. Vor allem die männlichen Leser werden jetzt grinsen und sich nicht verkneifen können, frohlockend einen sehr globalen, trotzdem nicht unbedingt nachvollziehbar Gedanken zu genießen. Ja, ich gehöre auch zu den Frauen, die gerne ihre eigene Stimme hören, auch wenn sie keinen besonderen Timbre besitzt.

 

Aber nun heißt es für mich: viel zuhören, lesen und natürlich schreiben. Da kann auch einiges zusammenkommen!

 

Erholsam ist es schon, wenn man sich klar wird, wie viele unnötige Wörter doch tagtäglich ausgesprochen werden. Da ich mich nur auf das Allerallernötigste limitiere, lächle ich oft in mir, wenn ich etwas sagen möchte und es doch nicht tue, und anschließend mir selbst zugebe, dass es eigentlich gar nicht so wichtig gewesen ist.

 

Zugegeben, mittlerweile werden auch viele unnötige Wörter geschrieben, als Kommentare auf Facebook, als kurze Mitteilungen, oft kaum verständlich, auf Twitter. Früher waren es einmal die SMS, aus denen  beinahe eine neue Sprache aufgekommen wäre. Mit all den Abkürzungen! Doch die gehören auch schon der Vergangenheit an. Dann kam der Chat. Was man dort nicht alles ... erraten musste!

 

Ich liebe meine Freunde in der weiten Welt, die sich noch die Zeit nehmen, vollständige Wörter zu schreiben! Egal, in welcher Sprache. Und ich liebe euch, die ihr euch die Zeit nehmt, meine Wörter zu lesen...

 

 

 

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Wenn Kritik ins Gegenteil umschlägt

Ein älteres Ehepaar aus dem Saarland hatte Ende September in Würzburg übernachten wollen oder besser gesagt, eine Autopanne hat sie mehr oder weniger dazu gezwungen. Da sie gegen Mitternacht erst 60 km entfernt ein passendes Zimmer gefunden hatten, wollten sie deshalb die Stadt kritisieren und zukünftig einen Bogen um sie machen.

 

Nun, kein freies Zimmer in einem Hotel mit Nachtportier, denn darum ging es ja. Pensionen und Gaststätten kann man mitten in der Nacht nicht erreichen. Das ist aber doch ein sehr positiver Zustand für die Stadt Würzburg. Schließlich lebt sie nicht nur vom Tourismus, sondern beherbergt auch gerne Geschäftsleute, die zu Tagungen und Seminaren und Messen und aus sonstigen, beruflichen Gründen in diese Stadt kommen. Und die Universitäten mit ihren renommierten Forschungszentren sollten auch nicht unterschätzt werden. In einer „dynamischen, aktiven Stadt“, wie Würzburg kürzlich sogar eine Rangliste angeführt hatte, in einer späten Septembernacht kein Zimmer zu finden, das ist für mich sehr positiv zu beurteilen.

 

Ich habe auch ein ähnliches Abenteuer erlebt. Damals fuhr ich von Neapel nach Rom. Es war eine Geschäftsreise mit meinem Mann und einem unserer Partner. Jedoch hatten wir ignoriert, dass am nächsten Tag in der Hauptstadt die Beerdigung eines der beliebtesten Schauspieler der Nation, Alberto Sordi, stattfinden sollte. Unser Geschäftspartner hatte einen guten Freund bei der römischen Kriminalpolizei. Jedoch konnte selbst dieser uns nicht helfen. Rom ist sehr groß und hat entsprechend viele Hotels. Die dennoch dem Anlass zufolge alle belegt waren. So mussten wir weiterfahren.

 

Bald verließen wir die Autobahn und versuchten es auf den Staatsstraßen. Mitten in der Nacht klopften wir an einfachen Pensionen entlang der Straße an. Niemand öffnete. Kein Wunder. Schon weit nach Mitternacht fuhren wir wieder auf die Autobahn. Übernächtigt, müde, aber noch nicht resigniert. Erst in Perugia fanden wir ein Hotel. Nachts, um drei Uhr. Doch deshalb haben wir nicht im Geringsten daran gedacht, die Stadt Rom dafür verantwortlich zu machen oder gar eine zukünftige Antipathie zu hegen.

 

Das kann schon mal vorkommen. Das Ehepaar aus dem Saarland hatte eine Autopanne. Aber deshalb müssen in einer Stadt wie Würzburg nicht unbedingt die Zimmer frei sein. Der Artikel darüber war in der letzten Wochenendausgabe der Lokalzeitung mit einer netten Statistik verbunden worden. Die sechs größten Hotels der Stadt mit Zimmerangabe und Verfügbarkeit. Nun ja, 8. Oktober und beide Hotels mit über 200 Zimmern hatten gerade mal 4 bis 8 Zimmer zur Verfügung. Andere waren total belegt. Die Hotellerie der Stadt wird sich darüber ganz bestimmt freuen!

 

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Mein Leben mit Valentino

 

 

Ich habe mein Leben in seinen Kleidern verbracht. 1981 habe ich meinen ersten Mantel gekauft. Weiß! Weich! Umschmeichelnd! Die clevere Verkäuferin sah sofort das Leuchten in meinen Augen. Ohne große Mühe verkaufte sie mir auch noch eine Abendbluse aus schwarzer Seidenspitze. Ein Traum! Ich ziehe sie heute noch an, wenn sich die Gelegenheit bietet, oder sie es erfordert. Du fühlst dich sofort unwiderstehlich feminin. Deshalb wollte ich sie auf dem Cover meines neuen Buches „Dein Spiel“ verewigen.

 

Nach diesem ersten Kauf folgten unzählige weitere. In den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts (wie schrecklich weit weg das sich anhört!) war es sehr leicht, Designerkleider wieder zu verkaufen, vor allem in einer Stadt wie Mailand. Mein Beruf forderte einen kontinuierlichen Wechsel in der Kleidung, wenigstens jährlich. Auch wenn ich schon immer eine klassisch-elegante Linie vorgezogen habe, konnte ich meine Kostüme und Kleider nicht bis zu ihrem Ende abtragen. Die Qualität von Valentino kannte sowieso kein Ende.

 

In diesen Jahren wurde noch mit hochwertigeren Stoffen gearbeitet. Die Schnitte schmeichelten fast jeder Figur. Ein eleganter Stil, der sich stets auf die Weiblichkeit seiner Trägerin konzentrierte und sie hervorhob. Mit einem Kleidungsstück von Valentino fühlte ich mich sicher, von morgens bis hin zum frühen Abend. Nur für die Oper oder besondere Anlässe zog ich mich noch um.

 

Leider macht die Unabdingbarkeit des Alterns vor Niemandem Halt. Früher oder später, werden auch die letzten Über-Achtzigjährigen, wie Giorgio Armani und Karl Lagerfeld, eine Lösung finden müssen. Valentino besaß eine natürliche Klasse. Sein ausgeprägter Sinn für Eleganz und Ästhetik verbaten es ihm, eine gewisse Linie zu überschreiten. Vor allem in der schnelllebigen Welt der Mode. Er wollte noch sein 40jähriges Firmenjubiläum feiern, bevor er die Maison an andere weitergab. Heute gehört sie einer reichen, arabischen Familie.

 

Eine gute Freundin von mir hatte ihre Karriere sehr früh bei den Schwestern Fontana in Rom begonnen. Damals war dies eines der berühmtesten Ateliers für Maßarbeit in Italien. Etwas später heiratete sie einen Antiquitätenhändler und pflegte ihr Talent nur noch für private Zwecke. Oft erzählte sie mir, ohne ihren berechtigten Stolz zu verstecken, ein kleines, aber umso netteres Erlebnis, das sehr typisch für die Persönlichkeit von Valentino ist:

 

Eines Tages wurde sie von ihrer Enkelin gebeten, ihr eine Jacke mit Pailletten zu besticken, wie sie eine bei Valentino gesehen hatte. Die geduldige und immer noch geschickte Großmutter erfüllte ihr gerne diesen Wunsch. Das Mädchen trug die Jacke zu einer Theaterpremiere in Rom. Der Zufall wollte, dass sich auch Valentino Garavani unter dem Publikum befand. Der große Designer (wobei man im Italienischen immer noch respektvoll von dem großen Schneider spricht, da er dieses Handwerk meisterhaft beherrscht, im Gegensatz zu den Designern von heute!), ja es war Valentino Garavani, der das junge Mädchen ansprach. Mit sehr leiser Stimme sagte er zu ihr: „Wer auch immer diese Jacke kopiert hat, die eigentlich von mir kreiert worden ist, besitzt eine außergewöhnliche Geschicklichkeit.“ Natürlich verriet die stolze Enkelin den Namen ihrer Großmutter. Valentino sendete ihr seine aufrichtigen Komplimente.

 

Genau dieser Lebensstil, immer elegant und zeitlos, hätte ihn dazu veranlassen sollen, in seinem wunderschönen Schloss in der Nähe von Paris zu bleiben und seine Stiftungen und seine Modeschule zu pflegen. Aber leider provoziert uns die Eitelkeit des Lebens, sie beharrt so lange bis wir uns im Netz der Pathetik verschlingen.

 

Ich bevorzuge, Valentino Garavani so in Erinnerung zu behalten, wie ich ihn kennengelernt habe und mit seinen wenigen Kleidungsstücken, die mir noch aus seiner Zeit erhalten sind und die immer ewig aktuell bleiben!

 

 

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Meine Emotionen bei der "Traviata" in Rom

 

 

Für die Inszenierung der Verdi-Oper „La Traviata“ in Rom wurde kräftig die Werbetrommel gerührt. Kein Wunder. Für die Regie war eine Oscar-prämierte Hollywood-Regisseurin gerufen worden. Sofia Coppola stand vor ihrem Operndebüt. Valentino Garavani hat sich noch einmal seinem Publikum gestellt und bei den Kostümen mitgearbeitet. Auch wenn es „nur“ die Bühnenroben für Violetta gewesen sind. Alle anderen Kostüme wurden von seinem kollaudierten Designer-Paar entworfen, die jetzt in der Chef-Etage sind, wohl aber schon seit über zwanzig Jahren für und mit Valentino gearbeitet haben. Der weltberühmte Designer hat auch Jahre nach seinem Rücktritt noch sehr viele Fans weltweit. (Für ihn schreibe ich einen Extra-Blog. Er ist es mir wert. Den Grund dafür könnt ihr morgen lesen.)

 

„La Traviata“ ist eine der berühmtesten Opern von Giuseppe Verdi. Mein Mann kennt jede Arie auswendig. Leider singt er sie auch gerne mit, vor allem, wenn wir sie zu Hause anhören. Letzten Samstag hatten wir dieses außergewöhnliche Vergnügen auf Arte. Die viel dokumentierte und ausgiebig besprochene „Traviata“ in Rom wurde gesendet. Natürlich handelte es sich um die Premieren-Vorstellung mit seinem ganz besonderen Publikum. Wie so oft, fehlt es dem größten Teil der Zuschauer an jeglichem Musikverständnis. Wen stört das schon? Hauptsache man kommt mit einem Kleid von Valentino auf den Roten Teppich. Am besten noch vom Maestro selbst, also Original-Vintage. Denn, seine weltweit verstreuten Kundinnen wissen sehr genau, dass er seine Maison schon vor einigen Jahren verkauft hatte.

 

Aber niemand hat mir Federica Dotto präsentiert! Geschweige denn Antonio Poli oder gar Roberto Frontali. Diese Oper dreht sich um drei Hauptfiguren, die ihre künstlerischen Grenzen überschreiten müssen. „La Traviata“ ist zwar eine sehr populäre Oper, mit viel Belcanto, dessen Arien gerne zu Ohrwürmern werden können. Dazu trägt auch der von Verdi sehr beliebte ¾-Takt bei. Aber, damit dieser Gesang wirklich so schön und gefühlvoll werden kann, benötigen die Sänger ihre absolute Stimmgewalt und noch einen Tick mehr.

 

Wie gesagt, mein Mann, singt die Arien gerne mit. Aber dieses Mal hat er sehr bald damit aufgehört. Ohne Werbung, ohne Pausen haben wir die Oper in einem Atemzug durchgezogen. Die drei Hauptstimmen waren brillant, aber das schauspielerische Talent von Violetta vereint mit ihrer wunderschönen Sopranstimme hat uns bis hin zu ihrem letzten Atemzug (natürlich nur auf der Bühne!) in ihrem Bann gehalten. Nie zuvor (und ich habe schon einige Aufführungen von der „Traviata“ in meinem Leben gesehen), jedoch nie zuvor habe ich mich so involvieren lassen. Francesca Dotto hat mich mitgerissen und mir alle Leiden von Violetta herzzerreißend mitfühlen lassen. Ich war gerührt von ihrer Bravour als Schauspielerin und noch mehr von der überwältigenden Kontrolle ihrer Stimme. Schließlich muss sie sehr viel Schmerz mit leisen Klangfarben herüberbringen. Das gelang ihr ausgezeichnet. Und sie ist noch nicht einmal dreißig Jahre alt!

 

 

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Der Klimawandel bringt auch Gutes mit sich

 

Durch den Klimawandel wird es im Herbst immer wärmer und bunter. Die Farben explodieren auf den Blättern wie die Blumen im Frühling. Ihre Palette ist jedoch eine viel wärmere. Es geht fast nur um sonnige Nuancen. Ja, man sollte die Farben in der Natur jetzt nicht als verfault und tot ansehen, sondern in ihnen noch die letzten Sonnenstrahlen erblicken. Schließlich sind es warme, herzliche Tonabstufungen von hellem Gelb bis hin zu dunklem Braun, von knalligem Rot bis tief ins satte Violett. Aufgefrischt von hellem Immergrün. Die Wälder entlang unseren Straßen, die Bäume und Sträucher in jedem Park und den vielen Gärten kleiden sich mit warmen Tönen, die es uns leicht machen, in die kuschelige Saison einzutauchen. Die Düfte draußen haben eine erdige Note. Sie bringen uns auf den Geschmack von Pilzen und Trauben und Birnen und Zwetschgen und bald auch auf heiße Getränke und ausgereifte Rotweine.

 

Weiterhin ist auch die Sonne wohlwollend warm. Ihre Strahlen begeistern uns und lassen bestimmt keinen Herbstblues aufkommen. Unsere Begeisterung wird angeheizt von den milden Temperaturen, die es uns ermöglichen, weiterhin im Freien zu chillen, weiterhin bei Kerzenlicht draußen mit Freunden gute Gespräche zu führen, ein Glas Wein zu genießen, die sommerlichen Urlaubsgefühle noch einmal aufkommen zu lassen.

 

Der Regen wird uns früh genug in die Häuser vertreiben. Die Nebel werden uns weidlich bald die Sicht auf den Straßen nehmen. Daher freue ich mich auf die letzten schönen Tage, nennt sie wie ihr wollt. Spätsommer? Oder lieber Goldener Herbst? Darin ist schon das Zauberwort enthalten, für das unser Gemüt Purzelbäume schlägt: GOLDEN. Damit verbinden wir Glanz, Reichtum, Schönheit und Wohlbefinden. Das wünsche ich euch alles für die kommenden Wochen und die nahende Zukunft.

 

Ein überaus netter und ebenso bekannter Professor hat vor kurzem bei einer seiner sehr unterhaltsamen Vorlesungen gesagt:

 

Die Zukunft ist nur eine Reflexion der Vergangenheit.

 

Dieses beflügelte Wort möchte ich gerne ein wenig ausbauen. Holt euch die schönen Erinnerungen und wertvollen Erfahrungen aus eurer Vergangenheit und nehmt sie mit in die Zukunft. Das führt euch zu einer wunderbaren, energiereichen Tatkraft und stärkt euer Selbstbewusstsein.

 

Der Klimawandel sollte auch in unseren Köpfen ein wenig mitnehmen und sich von den Depressionen der kalten, feuchten Monate verabschieden. Mit einem goldenen Wellness-Depot in eurer Seele wird es auch gelingen!

 

 

 

 

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Eine Mann-Frau-Freundschaft

 

Eine verfehlte Liebe, vielleicht unterbrochen, vielleicht unmöglich.

 

Die Freundschaft zwischen einem Mann und einer Frau,

 

wenn sie sich mit der Zeit tief und unerschütterlich hervorhebt,

 

stellt sie eine der intensivsten und erfüllendsten Erfahrungen des Lebens dar.

 

Es steht nirgendwo, dass ich und du

 

unzertrennliche Freunde sein können,

 

auch für das ganze Leben und,

 

dass wir keine Emotionen, Zuneigung und

 

intime Vertrautheit fühlen können,

 

nur weil wir keine Geliebten sind.

 

Das ist eine andere Form von Liebe...

 

Du bist ständig in meinem Leben,

 

du begleitest mich in jedem Augenblick,

 

auch wenn du weit entfernt bist.

 

All das ist ein Wunder der Gefühle.

 

Sehr starke Empfindungen,

 

nicht wiederholbare prickelnde Vergnügen,

 

aber es ist alles in perfektem Einklang.

 

Du bist eine der wenigen Frauen,

 

die es wirklich verdienen

 

so genannt zu werden.

 

Wir kümmern uns um uns beide,

 

wir bürden uns gegenseitig unsere Last auf.

 

Das ist die wichtigste Zutat der Freundschaft.

 

Wir setzen keine Grenzen,

 

wir machen keine Bindungen,

 

alles funktioniert.

 

Wir sind nicht zusammen, wir sehen uns nicht,

 

wir sprechen uns nicht, aber wir denken immer an uns.

 

Und wenn wir uns wieder treffen

 

ist die Wärme unserer Umarmung immer dieselbe.

 

Die Freundschaft verstärkt sich

 

wenn wir uns aus den Augen verlieren oder

 

wenn einer den anderen vermisst und letztendlich,

 

im Herzen näher zu sein ist wichtiger als es körperlich zu sein.

 

Ciao, meine liebe Freundin!

 

 

 

© MAZ – Originaltext: Gianni Gualmini, Italien

 

 

 

 

 

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Das Kind in der Frau

 

 

Wenn ich mit meiner jüngsten Enkelin endlose Spielchen wiederhole, dann bewege ich so gut wie jeden Muskel meines Körpers. Vor einiger Zeit hat sie meine Füße entdeckt. Sie legt mir gerne einen Ball, eines ihrer Plüschtiere oder irgendetwas, zwischen die Füße und ich soll es hochheben und mit einem mehr oder weniger kräftigen Stoß ihr entgegenwerfen. Meistens vollbringe ich diese kleinen Übungen im Sitzen.

 

Oder wir laufen zusammen. Da wird sie auch kaum müde. Ob Sand oder Asphalt oder Gras (das darf sogar noch taufeucht sein, stört sie überhaupt nicht!), nichts ist ihr unangenehm. Entschlossen und stolz steuert sie auf ihre Ziele zu. Nur gut, dass sie inzwischen nur noch eine meiner Hände dazu benötigt.

 

Wir unternehmen viel miteinander. Selbstverständlich stelle ich mich auf ihre einsilbige Sprache ein und beantworte auch gerne ihre aussagekräftigen Gesten. Es ist unglaublich, wie man sich auch ohne Grammatik und Vokabeln verständigen kann.

 

Da kommt bei mir das „Kind in der Frau“ zum Vorschein.

 

Überhaupt, warum kennen wir nur das „Kind im Mann“? Assoziiert ihr vielleicht nur ein Baby, das noch geboren werden soll mit dem „Kind in der Frau“? Ich habe auch ab und zu freie Gedanken, die gerne einmal davonfliegen wollen. Oder simple Spiele, die man keinem Erwachsenen mehr zumuten will. Dann besuche ich unsere 15 Monate alte Enkelin. Mit ihr kann man so herrlich herumtoben und unglaublich viel lernen. Oh ja, es geht auch anders herum. Sie kopiert mich gerne, aber sie bringt mir auch so manches bei!

 

Vor einiger Zeit hat sie das Laufen entdeckt. Sie möchte alles erkundigen. Ihre Neugierde lässt sie vor nichts zurückschrecken. Und Fragen kann ich sie auch stellen. Mit den Augen, mit ihren „Ohs“ und „Uhis“.  Damit wir uns gut verstehen verwende ich eine ausgesucht einfache Wortwahl, von der ich hoffe, dass sie bei dem kleinen Mädchen irgendwann hängen bleibt.

 

Das Eintauchen in diese Welt ist für uns ebenso aufregend und spannend wie für die Kleinen. Später, wenn wir mal wieder auf unserem Memory Lane spazieren gehen, leuchtet in unseren Augen ein wehmütiges Lächeln auf. Wir können die Zeit nicht mehr zurückdrehen, aber wir können uns noch einmal mit ihr beschäftigen.

 

Peter Pan, es sagt schon der Name, ist ein Mann, und dieses männliche Wesen will ein Junge bleiben. Einer, der immer zu Späßen aufgelegt ist, kaum etwas für ernst nimmt, die Leichtigkeit der Jugend in sich trägt. Warum dürfen wir Frauen das nicht auch?

 

Müssen wir unbedingt immer als Spaßverderber auftreten? Ich bin selbstverständlich auch mit dem Wort „Nein“ ausgerüstet. Das kennt unsere Enkelin auch schon sehr gut. Aber sie darf auch mal ihre Grenzen überschreiten. Damit sie selbst mitbekommt, wie weit es geht. Ich lasse ihr viel Freiheit. Besonders bei ihren Spielchen bleibe ich auch nach dem zehnten Mal noch dabei. Es ist unglaublich wie viel Elan diese kleinen Wesen mit sich bringen. Deshalb nutze ich ihre Zeit und lasse mich von ihr führen. So bekomme ich einen Einblick in höchst interessante Welten. Jeden Tag staune ich erneut, wie intelligent sie vieles aufnimmt und annimmt.

 

Denn, wenn sie an ihrem Limit angekommen ist, dann wendet sie sich an mich:

 

In ihren Augen leuchtet das Wort „Hilfe“.

 

Ihr Lächeln umschreibt das Wort „Danke“. 

 

In meiner Seele versiegeln die Glückshormone diese schönen Momente für die kargen Tage, wenn man sich solche herzzerreißenden Erinnerungen wieder ins Gedächtnis rufen kann.

 

Dann freue mich über „das Kind in mir“...

 

 

 

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Eindrücke aus Norwegen

Man muss nicht hoch bis Bergen fahren, um den Geist von Peer Gynt zu spüren. Ich bin die Südküste Norwegens lang gefahren. Von Stavanger bis Kristiansand mit einem Ausflug bis hoch nach Landeskogen.

 

Gelebt habe ich in den letzten Wochen zwischen Farsund und Vanse. Das sind beliebte Orte für die Sommerferien der Norweger. Hier erinnern die verzweigten Fjorde weitläufig an die Lagunen in Venedig. Das Wasser ist sauberer. Die Schiffe sind kleiner. Ozeanriesen bleiben in den großen Häfen. Hier begegnet man gemütlichen Fischerbooten der Einheimischen oder sportlichen Motorjachten der Touristen und Küstenbewohner.

 

Das unglaublich klare Salzwasser ist umringt von bewaldeten Bergen. Hier und da ragen abgerundete Felsen aus dem Meer. Dabei handelt es sich um Jahrtausende alte Gletscher, die tief unten am Meeresboden verankert sind. Die Schifffahrt wird von ihnen geführt. Besonders die kleineren Steine haben gefährliche Ausläufer.

 

Hin und wieder wird der Skipper gezwungen, kleine Inselchen zu umfahren. So unglaublich wie es aussehen mag, diese Eilande sind oft sogar mit einem oder zwei Ferienhäusern bebaut. Natürlich stellt sich sofort die Frage, welches Naturleben man dort antrifft. Jedoch ist es nicht so unbequem wie es aussieht. Die Elektrizität kommt von Solarzellen. Damit wird auch die Heizung betrieben. Selbst mitten im Sommer kann es manchmal unangenehm kalt werden. Die Kanalisation, hingegen, wird mit einem Biofilter versehen.

 

An der Küste gibt es eine einzige große Straße, die E43. Wenn ich auf ihr entlang fuhr, fragte ich häufig meinen norwegischen Gastgeber: „Süßwasser oder Salzwasser?“ Links und rechts begleiteten uns Seen und Fjorde. Auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Als wir hoch nach Eiken und schließlich weiter hinein bis Landeskogen fuhren begleiteten uns, auch auf der ansteigenden Bergstraße, immer wieder größere Seen.

 

In Landeskogen wurde ein ehemaliges Sanatorium für Tuberkulosekranke zu einem Friedenszentrum umgebaut. Ich muss zugeben, dass ich leichte Gänsehaut spürte, als ich das erste Zimmer des Museums betrat. Rechts ein Trabi, in der Mitte Soldaten in Uniform, darüber die Schrift Checkpoint Charlie. Links stand auch noch ein kleines Auto aus der DDR, aber ich konnte nicht erkennen, um welches Modell es sich gehandelt hatte. Schnell ging ich weiter und durchforstete die anderen Räume. Jeder kleine oder große Saal war mit Friedenssymbolen ausgestattet.

 

Draußen im Wald warteten Elche, die man füttern und streicheln durfte. Ihr rundes Geweih ist schon märchenhaft. Die Erinnerung an den Weihnachtsmann lässt nicht lange auf sich warten.

 

Am letzten Tag hatte ich die Fähre nach Dänemark schon um acht Uhr morgens gebucht. Das bedeutete: Abfahrt gegen fünf Uhr. Die Sonne gähnte über dem Meer. Sie war gerade dabei, wach zu werden. Mit ihren ersten Strahlen färbte sie den Himmel in ein unglaublich schönes Rosarot.

 

Auf der Innenseite des Landes, dampften die Seen in bezaubernden Nebelschleiern. Manchmal kam es mir vor, als ob kleine Perlenketten aus dem Wasser ragten und nach oben strebten. Wohin sie ihre kleinen Kunstobjekte bringen wollten, war mir schleierhaft. Irgendwann verschwanden sie in den Baumkronen der dichten Wälder, auf denen sich noch tiefliegende Wolken ausruhten.

 

Hinter der nächsten Kurve geisterte mir wieder ein See entgegen. Beinahe wäre ich zu stark auf die Bremse getreten. Zu meinem Glück waren die Straßen in dieser frühen Morgenstunde so gut wie leer. Dennoch wollte ich dieses gruselig schöne Schauspiel genießen. Zwischen dem Schilf, einige Meter vom Ufer entfernt, waren ein paar kleine Boote verankert. Einen Steg konnte ich nicht entdecken. Ebenso sah ich kein Wasser, nur den Dunst der Niemandszeit. Die Boote schienen irgendwo im Nichts zu schweben. Das war wohl mein beklemmend schönstes Bild, dem ich begegnet bin. Leider konnte ich nicht anhalten und fotografieren. Aber ich habe es in meiner Seele fest verankert.

 

Es fehlte nur noch, dass Elfen und Gnome mich zum Abschied grüßten...

 

 

 

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Eine ganz persönliche Buchvorstellung

Dein Spiel – so betitelt sich mein neues Buch. Es geht um Spiele, ja, es kann auch „dein Spiel“ sein. Der Leser darf sich ruhig identifizieren. Vielleicht als Hasardspieler am Roulettetisch. Dort kann er den beiden Protagonisten zusehen oder sich mit ihnen anfreunden. Je nachdem, mit Ben oder mit Miriam.

 

Ben ist ein vielgereister Edelsteinhändler. Er kennt die Welt. Und dennoch bleibt er mysteriös. Er wird nur seine sexuellen Vorlieben preisgeben. Und einen Einblick in sein Berufsleben. Seinen größten Auftritt hat er bei einem äußerst makabren Spiel. Er täuscht seinen Tod vor. Was ihn dazu treibt und wie er mit den Konsequenzen dastehen wird, das steigert die Spannung in diesem kurzen Thriller.

 

Miriam ist da schon viel zugänglicher. Sie lässt sich mit ihrer „ewig besten“ Freundin beobachten. Sie gibt tiefe Rückblicke in ihre Vergangenheit. Und sie ist diejenige, deren Gefühle der Leser am tiefsten mitempfinden kann. Er liebt mit ihr, er trauert mit ihr. Am Ende wird er über ihre Reaktion dennoch überrascht sein.

 

Die Themenbehandlung ist vielfältig. Erotisch angehaucht durch nachvollziehbare Empfindungen, ohne auf ausschweifende Details einzugehen. Nur das Kopfkino zählt bei diesen Szenen. Sie stehen im Gegensatz zu den Überlegungen, die von der Protagonistin erörtert werden. Sie beschäftigen sich sehr mit der Trauer von Menschen, die man sehr geliebt und geachtet hat. Sie behandeln den Respekt und Umgang mit echter Freundschaft.

 

Am Ende wird Miriam eine Entscheidung treffen. Sie ist eine risikofreudige Hasardspielerin und tolerante Geliebte, aber dennoch auf der Suche nach ... Respekt ... Liebe ... Sicherheit? Wird sie weiter spielen oder findet sie den Menschen, mit dem sie ihr Leben teilen will? Die Spannung bleibt bis zur letzten Zeile.

 

Es ist mir völlig bewusst, dass man mit diesen Themen noch ein paar hundert Seiten hätte anhängen können. Jedoch finde ich es unterhaltsamer, dem Leser Anstöße zu geben und ihm die Möglichkeit zu überlassen, nach einer aufregenden Lektüre selbst darüber nachzudenken. Mit dieser Geschichte kann man wunderbar in eine andere Welt abtauchen und sich selbst hinein versetzen. Es mag für viele ein zu kurzes Vergnügen sein, dafür ist es zweifellos intensiver. Der Leser wird mitgerissen und kann sich weder der Erregung noch der Anspannung entziehen.

 

Die technischen Aufgaben konnte ich dieses Mal glücklicherweise einem Verlag überlassen. Ich fand die Zusammenarbeit mit Heinz Rochholl vom Telegonos Publishing Verlag sehr konstruktiv.

 

Das Cover habe ich selbst fotografiert. Meine schwarze Bluse aus seidener Spitze ist ein Vintage-Exemplar von Valentino Garavani aus den Achtziger Jahren. Ein Stück von mir, das mich nie im Stich gelassen hat, wenn ich ein Abendoutfit elegant stylen wollte. Darauf habe ich meine Perlenkette gelegt. Sie kommt nicht aus der Südsee, jedoch sind es noch echte, große japanische Perlen aus der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Bluse und Perlen liegen auf einer wunderschönen Tagesdecke aus handgearbeiteter Baumwolle, deren Design durch eine aufwendige Reliefarbeit hervorgehoben wird.

 

Ich freue mich auf eure Kommentare, Beiträge, Fragen ...

 

 

 

 

 

 

 

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Die Natur verteidigt sich

Draußen ist endlich mal wieder der Sommer zu Besuch. Wie lange, will ich gar nicht wissen. Einfach die angenehme, trockene Wärme genießen. Und die Sonne respektieren! Sonst gibt es Ärger - auf der Haut und im Kopf.

 

Viele sprechen vom Respekt für die Berge, für das Meer, für Tiere (den Menschen schließe ich hier absichtlich aus!). Aber die Sonne, die Naturgewalten, sie sind einfach da und sollen ausgenutzt werden. Dabei wollen sie es überhaupt nicht. Und sie wehren sich mit einer Vehemenz, die der Mensch in dieser Generation nur annähernd zu spüren bekommt.

 

Allein die vielen „Ereignisse“ in den Tagen vor Vollmond sollten einmal näher berücksichtigt werden. Wenn die Menschen durchdrehen und sie Taten begehen, vor denen sie selbst Angst hätten, würden sie nur eine halbe Minute lang darüber nachdenken. Der zunehmende Mond gibt ihnen aber den nötigen Adrenalinschub und nimmt ihnen die eigentlich zwingende Konzentration.

 

In ihrem Eifer bemerken sie selbst nicht, wie sehr sie doch von etwas abhängen, von etwas ermutigt werden, das ihre Intelligenz völlig überfordert. Für diese Menschen kommt es aus dem eigenen Kopf. Sie wehren sich gegen Ungerechtigkeit, sie fanatisieren ihre Probleme, sie versuchen den Kampf gegen das Unmögliche. Sie suchen die Bestätigung dazu in ihrem Unterbewusstsein, ohne zu verstehen, dass sie gerade auf diesen Abgrund unserer Seele keinen Einfluss haben.

 

In die Zeitungen kommen letztendlich nur die „gewaltigen“ Untaten. Im alltäglichen Leben bleiben die „kleineren“ Frevel eher anonym, obwohl diese ebenso abscheulich sind. Ich sehe keine Differenz zwischen einem ignoranten Sadisten, der seinen Hund oder sein Kind bei hohen Sommertemperaturen im stickigen Auto auf irgendeinem Parkplatz zurücklässt und dem durchgeknallten Killer, der gezielt auf Menschen schießt oder mit dem Lkw auf sie losfährt. Beides ist gleichfalls gravierend und ich akzeptiere keine Begründung, deren Inhalt sich nur mit oberflächlicher Ignoranz zu gestalten versucht.

 

Der Sommer ist angeblich die schönste Jahreszeit. Spätestens seit dem intensiven Klimawandel der letzten Jahrzehnte sind diese Monate jedoch immer gefährlicher geworden. Besonders der Kosmos scheint sich zu wehren. Er sendet weiterhin seine Einflüsse auf die Erdbewohner. Manchmal sind sie jedoch so rabiat, dass man sich fürchten sollte. Oder sind es vielleicht doch die unzähligen Satelliten, mit denen wir unser gehetztes Leben noch mehr beschleunigen wollen, deren Strahlen vielmehr die kosmischen Einflüsse .... vergiften ... ?

 

 

 

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Ich liebe die frühe Morgenstunde

Benjamin Edelstein
Benjamin Edelstein

Ich liebe die frühe Morgenstunde. Sie bringt mir einen neuen Tag, gefüllt mit neuen Hoffnungen. Das gibt mir die Möglichkeit, Fehler von gestern zu korrigieren. Ich bekomme die erwartungsvollen Aussichten, mich zu verbessern.

 

Meine Selbstkritik ermüdet nie. Die seltenen Augenblicke, in denen sie mir kurzen Beifall spendet, dämmen sofort ein, sobald sie mir zeigt, wo ich mich noch steigern könnte. Und mag es sich nur um ein klitzekleines Detail handeln, mit dem ich das Ganze noch etwas ausfeilen und verfeinern kann.

 

Für manch andere mögen es unbemerkbare Winzigkeiten sein. Ich kann mich daran ernsthaft stören. Mit der Zeit habe ich gelernt, damit ruhiger umzugehen. Oft schlafe ich erst einmal eine Nacht darüber.

 

NIE WIEDER INSTINKTIV REAGIEREN!

 

Das habe ich mir schon seit langem vorgenommen. Vor allem bei wichtigen Entscheidungen. Damit kann man viel besser agieren, als mit vorschnellen Schlussfolgerungen. Dasselbe gilt auch für voreilige Worte. Sind sie erst einmal ausgesprochen, wird es oft sehr mühsam, das nachkommende Dementi erklären zu müssen.

 

In unserer schnelllebigen Gesellschaft fordern viele eine Antwort, noch bevor sie die Frage gestellt haben. Wobei es intelligenter wäre, den Kern der Angelegenheit erst einmal zu überdenken, damit man eine sinnvolle Aussage von sich geben kann. Ich habe schon immer Menschen bewundert, die sich Zeit lassen beim Sprechen, beim Antworten, beim Formulieren. Sie werden gelobt, weil sie so gut wie „druckreif“ sprechen können. Nun, das geht nur, wenn man sich auch die nötige Zeit dazu gibt. Und, wenn man seine Wörter langsam ausspricht.

 

Diese überschnelle Aussprache ist erst in den letzten Jahren in Umlauf gekommen. Mag es auch an den Synchronsprechern liegen, die in den europäischen Sprachen wenig Zeit haben, den kurzen englischen Text zu interpretieren. Mag es an der unvernünftigen Weise liegen, mit der wir die modernen Kommunikationstechniken angenommen haben. Ich denke da nur an die unmögliche Vergewaltigung jeglicher Sprache in der ersten SMS-Zeit! Das war grauenhaft!

 

Deshalb wäre es doch sehr gesund und vernünftig, manchmal einfach anzuhalten, sich irgendwo still hinzusetzen oder einen kleinen Spaziergang zu machen. Nachdenken, analysieren, den Gedanken die Gelegenheit geben, eine gewisse Ordnung reinzubringen. Dann werden die Sätze wieder klarer und verständlicher. Die Wörter finden erneut ihren Weg. Eines der wichtigsten Komponenten in unserem schnellen Leben ist doch immer mehr eine ausdrucksstarke Kommunikation. Und die will gut vorbereitet sein.

 

Und das jeden Morgen...

 

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